Aberglaube und Geschäfte von Susanne Gantert

Buchvorstellungund Rezension

Aberglaube und Geschäfte von Susanne Gantert

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Aberglaube und Geschäfte“,, 320 Seiten.ISBN 3839222230.

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Kurzgefasst:

Winter 1582/1583. Leichenfunde in den Wäldern um Wolfenbüttel und im Erzbergwerk Rammelsberg bei Goslar geben dem jungen Juristen Konrad von Velten Rätsel auf. Während sich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel Ruhe in seinem Herzogtum wünscht, da ein wichtiges Kolloquium zur Einigung von lutherischen Theologen und Fürsten bevorsteht und ein Handelsabkommen geschlossen werden soll, wecken höhnische Gedichte einen unglaublichen Verdacht. Und wieder einmal scheint Konrad von Velten den Ereignissen – auch im privaten Bereich – hinterherzulaufen.

Das meint Histo-Couch.de: „Formula Concordia und ein Tropfen Vitriol“75

Rezension von Heike Stepprath

Braunschweig-Wolfenbüttel, 1582. Der Jurist Konrad von Velten wird zwei Jahre nach den letzten Vorfällen im Herzogtum erneut mit der Ermittlung einiger Todesfällen betraut. Eines Nachts wird eine Frauenleiche außerhalb der Stadtmauern gefunden. Kurz darauf legt jemand einen toten Säugling ab und ein Junge liegt im Bergwerkstollen. Drei Opfer in kurzer Zeit sind auch für diese Gegend mehr als ungewöhnlich. Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel fordert eine schnelle Aufklärung, zumal er in Kürze wichtige kirchliche und wirtschaftliche Delegationen erwartet. Konrad hat also alle Hände zu tun, um den Täter zu fassen, dessen Motiv ihm Rätsel aufgibt. Gereimte Verse führen den Juristen schließlich auf die Spur eines diabolischen Mörders und dem ätzenden Geschäft mit Vitriol. 

Susanne Gantert stellt ihren Protagonisten auch in seinem dritten Fall vor eine knifflige Aufgabe. Der historische Kriminalroman folgt dem klassischen Aufbau, in dem das Verbrechen auf den ersten Seiten geschieht und anschließend nach dem Täter gesucht wird. In der dunklen Jahreszeit im Jahre 1582 ist Konrad von Velten auf seine logische Kombinationsgabe angewiesen, um den Mörder zu überführen. Während des Lesens hat man da keinerlei Vorteil, da die Autorin den Leser kaum mehr wissen lässt als den Ermittler. Das lässt Raum zum Miträtseln und schafft erst kurz vor Schluss eine Ahnung, wer hinter allem stecken könnte. Kenntnisse aus den beiden Vorgängerbänden sind nicht zwingend erforderlich. Benötigte Informationen über Familienverhältnisse und anderer beteiligter Personen werden in Nebensätzen eingeflochten, sodass man sie gut einschätzen kann. Wer die beiden Vorgänger gelesen hat, darf sich über ein Wiedersehen mit der Familie von Velten, Elise und Laura aus dem Mädchenreigen  freuen.

Bildhafte Beschreibungen

Der Spannungsbogen steigt nur langsam an. Nach dem Auffinden der Toten sind keinerlei Hinweise erkennbar, die den Mörder entlarven würden. Möglicherweise möchte die Autorin den Leser auch erstmal mit den amourösen Verstrickungen diverser Bewohner Wolfenbüttels von der richtigen Spur ablenken. Die Stärke des Romans ist eindeutig die Sprache und die Beschreibung der Gesellschaft im 16. Jahrhundert. Braunschweig und Wolfenbüttel werden in ihrer Zeit lebendig. Man hört förmlich die Pferdehufe auf dem Kopfsteinpflaster in der heutigen Altstadt. Auch Ortsunkundige werden sich die Umgebungen bildhaft vorstellen können. Gesellschaftliche Gepflogenheiten werden deutlich herausgestellt und die Handlungen wirken authentisch. Familie und Lebensunterhalt werden der Zeit angemessen geschildert und lassen die Figuren real erscheinen. Der belesene Konrad lässt sich nicht so schnell vom Aberglauben abhalten, Licht ins Dunkle zu bringen.

Die Kirche hat einen großen Einfluss auf die Menschen und die Wirtschaft. Rund 50 Jahre nach der lutherischen Reformation herrschte auch unter den Pastoren noch keine einhellige Einigkeit, was hier durch das Kolloquium anschaulich wird. Immer wieder entstehen Diskussionen um die Gewinnung von Vitriol beim Abbau von Erz unter Tage. Noch heute kann man die Gruben besichtigen, die in diesem historischen Krimi eine Rolle spielen und zudem Lokalkolorit verleihen. Vor allem die Handelsbeziehungen mit der auch als Schwefelsäure bekannten Flüssigkeit und der Einfluss des Herzogs bekommen so noch mehr Bedeutung. Das Zusammenspiel zwischen fiktiven und historisch belegten Personen harmoniert. Genau so hätte es sich vor über 400 Jahren zutragen können. Die in Wolfenbüttel ansässige Autorin hat ihre Heimat atmosphärisch dicht gezeichnet und haucht den Figuren Leben ein.

Sprachlich treffend konzipiert

Der Schreibstil ist nicht immer leicht zu lesen und sprachlich versucht die Autorin, die Konversation der späten Neuzeit anzugleichen. Zu Beginn zieht sich der Kriminalroman, weil alle Handlungsstränge kurz vorgestellt werden. Es gibt eine Hochzeitsfeier, ein Colloquium soll einberufen werden und außerdem wird eine Leiche gefunden. Kirche, Politik und ein äußerst intriganter Mörder drängen sich gleichzeitig in den Vordergrund und gesellen sich zu den persönlichen Verbindungen von Veltens. Das muss der Leser für sich erst mal sortieren. Bemerkenswert ist allerdings die vorangegangene Recherche, die in den Archiven der Städte Braunschweig, Wolfenbüttel und Goslar gesammelte Fakten in die Handlung einfließen lässt. Der im Titel erwähnte Aberglaube wird bedauerlicherweise nur am Rande gestreift. Schließlich erzählt man noch heute allerlei Seltsames über Hexen und Kobolde, wenn der Wind durch die Tannen des Vorharzes rauscht. Eben diese Abende sind prädestiniert, sich von Aberglaube und Geschäfte unterhalten zu lassen. Der Krimi entfaltet erst spät sein ganzes Potential, um dann umso opulenter genossen zu werden.

Ihre Meinung zu »Susanne Gantert: Aberglaube und Geschäfte«

dorli zu »Susanne Gantert: Aberglaube und Geschäfte«09.10.2018
Wolfenbüttel im Winter 1582/83. Konrad von Velten, von Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel als Kriminalist verpflichtet, wird von seinem Dienstherrn mit einem neuen Fall betraut. Im Wald ist die schrecklich zugerichtete Leiche eines Säuglings gefunden worden. Herzog Julius drängt auf eine zügige Aufklärung des Falls, da der Finder des Leichnams etwas vom Teufel gefaselt hätte und der Herzog befürchtet, dass Aberglauben und Hexenangst geschürt würden – etwas, dass er gerade jetzt, kurz vor Beginn der Gespräche um die „Formula Concordiae“ in Quedlinburg, gar nicht gebrauchen kann…

In ihrem historischen Roman „Aberglaube und Geschäfte“ wartet Susanne Gantert mit einer kurzweiligen Mischung aus spannendem Kriminalfall und historischen Fakten auf und lässt damit diesen dritten Band um den Juristen und Ermittler Konrad von Velten zu einer fesselnden Zeitreise werden.

Auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände war ich schnell mittendrin im Geschehen und hatte Dank geschickt eingefügter Rückblenden nicht das Gefühl, dass mir zum Verständnis dieses Krimis irgendwelche Informationen gefehlt haben.

Der Täter ist ein alter Bekannter Konrads, der immer wieder mit spöttischen Versen auf sich aufmerksam macht. Er folgt einem ausgeklügelten Plan und rückt seinen Zielen, das Herzogtum wirtschaftlich zu ruinieren und sich selbst zu bereichern sowie sich gnadenlos an denen zu rächen, die seiner Gier nach Macht und Reichtum in früheren Jahren im Weg standen, immer näher.

Obwohl schon früh klar ist, wer hier sein Unwesen treibt, bleibt die Geschichte bis zum Schluss spannend, da Konrad - aufgrund von privaten Angelegenheiten, die ihn mächtig in Atem halten - mit seinen Ermittlungen immer zwei Schritte zu langsam zu sein scheint und es lange so aussieht, als würde er, trotz tatkräftiger Unterstützung seitens seiner Familie, nicht in der Lage sein, dem Bösewicht und seinem miesen Spiel das Handwerk zu legen.

„Aberglaube und Geschäfte“ hat mir sehr gut gefallen – eine gut ausbalancierte Mischung aus Spannung und Historie, die mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung punktet.
mabuerele zu »Susanne Gantert: Aberglaube und Geschäfte«22.09.2018
„...Ich mag zwar jung an Jahren sein, aber ich weiß bereits, was das Böse in der Welt den Menschen anzutun vermag. Der Grat einer Lebenswanderung ist wohl für viele Menschen schmal, der Abgrund an beiden Seiten tief...“

Wir schreiben das Jahr 1582. Konrad von Velten ist auf der Hochzeit seiner Mutter. Sie heiratet den Pastor Paul Wegener aus Fümmelse.
Herzog Julius wird von Professoren informiert, dass dringendst eine Synode einzuberufen sei. Es gibt Unstimmigkeiten in der evangelischen Kirche.
In einem Wäldchen wurde ein totes Kind gefunden. Deshalb wird Konrad zur Begutachtung nach Wolfenbüttel befohlen.
Die Autorin hat einen spannenden historischen Kriminalroman geschrieben. Es ist der dritte Band mit Konrad von Velten. Ich kenne die Vorgängerbände nicht, hatte aber kein Problem, dem Geschehen zu folgen. Ab und an gab es kurze Rückblicke, die die notwendigen Informationen erhalten.
Der Schriftstil lässt sich angenehm lesen. Schnell wird klar, dass ein alter Bekannter von Konrad wieder in der Gegend ist und ein perfides Spiel treibt. Es ist der Bruder von Laura. Die junge Frau lebt bei Konrads Mutter. Ihre Geschichte wird im Band 2 erzählt.
Die Personen werden gut charakterisiert. Konrad arbeitet als Kriminalist für den Herzog. Er wird in Todesfällen hinzugezogen und hat insbesondere den Unsinn der Hexenprozesse beendet. Allerdings hat er zeitweise mit einer heftigen Migräne zu kämpfen.
Laura ist vom Mädchen zur Frau gereift. Sie fühlt sich zu Konrad hingezogen. Er aber sieht in ihr noch das Kind. Doch sie ist intelligent und hat gute Ideen, um Verbote zu umgehen.
Sehr anschaulich werden die Verhältnisse der damaligen Zeit wiedergegeben. Wolfenbüttel und Braunschweig kämpfen um die Vorherrschaft. Um die Wirtschaft anzukurbeln, hat der Herzog die Gewinnung von Vitriolöl vorangetrieben. Gut wird erklärt, was das ist und wozu es genommen wird.
Das Eingangszitat stammt aus einem Dialog von Laura mit Konrads Mutter. Aussagekräftige Gespräche dienen nicht nur der Darstellung der Zeitverhältnisse. Sie beleuchten auch die momentanen Gefahren, helfen bei der Suche nach Lösungsansätzen und beinhalten ab und an einen feinen Humor. Vor allem wenn sich Laura mit Konrad unterhält, sollte man etwas zwischen den Zeilen lesen. Manches bleibt unausgesprochen und wird nur durch eine kleine Geste oder unerwartete Reaktion deutlich.
Auch die Streitgespräche der Herren Pastoren sind inhaltsreich. Man kann eben alles von mehreren Seiten sehen.
Eine Karte des Herzogtums, ein Glossar und ein Nachwort, das Fakten von Fiktion trennt, ergänzen das Buch.
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Sie verbindet einen hohen Spannungsbogen mit vielfältigen Informationen zu Land und Leuten.
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