Nebelheim von Stephan Puchner

Buchvorstellungund Rezension

Nebelheim von Stephan Puchner

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Nebelheim“,, 384 Seiten.ISBN 978-3-455-05960-1.

»Nebelheim« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

Kurzgefasst:

„Die Welt schreibt das Jahr 1438 der Fleischwerdung des Herrn. Dieses Buch gibt Zeugnis von der wundersamen Meerfahrt des Kartenzeichners Nicolaus Swart, der sich auf Geheiß des Königs Erich mit einem Schiff in die Fluten der Finsternis stürzte, um jenseits des fürchterlichen Eises das irdische Paradies daselbst zu finden...“

Das einstmals stolze Reich von König Erich XIII. steht in Flammen. Der Herrscher ist mit seinem Schreiber Rikmann nach Gotland geflüchtet, wo er nur noch eines will: in Ruhe sterben. Unerwartete Hoffnung für den König naht in Gestalt eines totgeglaubten Meeresreisenden: Der Kartenzeichner Nicolaus Swart wurde vor vielen Jahren ausgeschickt, Nebelheim, das irdische Paradies, zu finden. Am Sterbebett des Königs erzählt er von seiner schreckensreichen Fahrt ins Meer der Finsternis, wo ewiges Eis und sagenhafte Ungeheuer jedes Schiff zu verschlingen drohen. Doch den Schreiber Rikmann befallen Zweifel an dem abenteuerlichen Bericht.

Das meint Histo-Couch.de: „Eine Sage wird zum Leben erweckt“91Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

1438. Erich XIII., König der Nordischen Union, liegt im Sterben. Durch seine Greueltaten und seine Misswirtschaft beim Volk höchst unbeliebt, gelingt ihm mit Hilfe seines Schreibers und Chronisten Rikmann mit letzter Kraft die Flucht nach Gotland. Dort will er ihm sein glorreiches Leben diktieren, aber er hat nicht mit dem Widerstand des Schreibers gerechnet. Des Königs Lobeshymnen auf sich selbst und seine Taten mag der nicht niederschreiben, denn er könne nicht lügen, so sagt er.

Leider hat der König keine Heldentaten vollbracht oder zumindest welche in die Wege geleitet, sodass er wenigstens halbwegs ruhmreich in die Annalen eingehen könnte. Da taucht unverhofft der Kartenzeichner Nicolaus Swart auf, den der König einst aussandte, um das sagenumwobene Nebelheim, die paradiesische Insel, zu finden. Hier wittert der König die Chance, doch noch im Guten aus dem Leben zu scheiden. Nur langsam lässt sich Swart seine Geschichte entlocken. Während dem kranken König die Zeit davonläuft, sieht Chronist Rikmann indessen seine Position gefährdet. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn inzwischen wurde die Flucht des verhassten Königs entdeckt und die Feinde nähern sich Gotland.

Ein bisweilen frecher Erzählstil

Mit „Nebelheim“ legt Stephan Puchner einen beeindruckenden Debütroman vor, der nicht nur spannend, sondern auch äußerst unterhaltsam ist. Geschickt verwebt Puchner mehrere Erzählebenen miteinander, ohne den Faden zu verlieren oder sich in den verschiedenen Erzählsträngen zu verhaspeln. Dabei wartet er immer wieder mit überraschenden Wendungen und unerwarteten Handlungen auf, die dem Leser den Roman nie langweilig werden lassen.

Schon der Beginn liest sich, als wäre er eigentlich das Ende, aber nichts ist in diesem Buch so, wie man es erwartet. Das liest sich flüssig und rund und dabei kommt dem Autor ein bisweilen frecher, bodenständiger Sprachstil zugute, wie man ihn nur selten zu lesen bekommt. Die Dynamik, die sich so über das gesamte Buch entwickelt, fesselt den Leser ständig ans Buch, wie es selten zu erleben ist.

Geschichte mit skurrilem Humor gewürzt

Eine gehörige Portion Humor rundet das Buch ab, wie in der Situation, wo der König wieder mal im Sterben liegt und seinen unterwürfigen und treuen Schreiber Rikmann, der nie einen Tag von der Seite des Königs wich, auf ein Leben nach seinem Tod aufmerksam macht: „Ihr werdet ja nicht mitsterben“ heißt die Erkenntnis und manchmal sind es solch banale Kommentare, die einem unerwartete Erzähl- und Denkdimensionen eröffnen.

Der König, Rikmann und Nicolaus Swart beherrschen das Geschehen und alle drei sind keine wirklichen Helden. Jeder der drei hat seine negativen und auch ein paar positive Seiten und alle versuchen „;irgendwie gut“ in den Annalen wegzukommen. Jeder versucht auch gewisserweise den Anderen zu betrügen und zu erziehen, was nicht immer bemerkt wird. Puchners Charakterisierungen der drei Männer beleuchten alle Seiten, positive wie negative und so kann sich der Leser ein umfassendes Bild machen und selbst den Untergang der Nordischen Union aus historischer Entfernung mitverfolgen.

Altes Denken in neuer Sprache

Dabei schafft Puchner eine sprachliche Gratwanderung, die einerseits das historische wahrt, andererseits aber so frisch und lebendig daherkommt, dass man sich wünscht, man hätte direkt daneben gestanden und alles selbst miterlebt. Neben einem weitestgehend unbekannten Teil der Geschichte lernt der Leser auch einiges über die Kartografie und über die Erforschung des sagenumwobenen Nebelheim. Man taucht nicht nur in eine andere Zeit ein, sondern auch in eine andere Welt, in eine andere Art zu denken. Amerika war noch nicht entdeckt und so bestand immer die Gefahr, dass es Nebelheim gar nicht gibt oder man, bevor man es erreicht, eine Kante hinunterfällt oder von einem Meeresungeheuer erwischt wird. Da einige Teile der Erzählung auf See stattfinden, gibt es genügend neue Einsichten und Aussichten zu entdecken. Eine kleine Karte der Region, in dem die Handlung spielt, wäre aufschlussreich gewesen, aber leider muss der Leser darauf verzichten.

Auch dass Frauen in diesem Buch keine Rolle spielen, macht es auf seine Art ungewöhnlich. Hier geht es um Ruhm und Ehre und nicht um die Liebe, man könnte meinen, in solch bewegten Zeiten sei für so etwas Unwichtiges kein Platz. Auf 380 Seiten hält Puchner, bis auf einen kleinen Hänger im dritten Viertel des Buches, die Spannung derart aufrecht, dass man aber auch keine Liebesgeschichte vermisst.

Schon der Titel und die Gestaltung des Covers lassen darauf schließen, dass es in diesem Buch etwas anders zugeht, als man es bisweilen zwischen zwei Buchdeckeln vorzufinden gewohnt ist. Zwar historisch, aber bisweilen auch sehr skurril, viele überraschende Wendungen, eine gehörige Portion Humor und ein Schluss, der weit über alles hinausgeht, was man sich vielleicht über ein Ende dieses Buches vorgestellt hat. Jedem Leser sei nahegelegt, sich auf diese abenteuerliche Reise einzulassen. So etwas würden wir gerne öfter lesen.

Ihre Meinung zu »Stephan Puchner: Nebelheim«

Martin Jäger zu »Stephan Puchner: Nebelheim«23.04.2012
Nach dem Grundsatz, ein Buch immer zu Ende zu lesen, habe ich mich auch durch Nebelheim gekämpft. Dabei hat mich weder die Handlung, noch die Personen erst Recht nicht die Sprache fasziniert, die sich nicht so recht zwischen altertümlichem Sprachstil undModerne entscheiden kann.
Die Geschichte entwickelt sich zäh und langatmig, Spannung ist nur selten zu finden. Auch den Wortwitz konnte ich nicht entdecken, nur die Personen waren schrullig. Die Beschreibungen auf der Rückseite führen in die Irre.
Keera zu »Stephan Puchner: Nebelheim«13.01.2009
Leider kann ich mich den positiven Bewertungen der anderen Rezensenten nicht anschließen. Ich habe nach etwa der Hälfte aufgehört, das Buch zu lesen, was mir fast nie passiert.
Ja, es war an vielen Stellen lustig, es war auch an vielen Stellen weise, aber es war durchweg sperrig zu lesen, sprachlich arg verschnörkelt und altmodisch.
Was mich aber noch viel mehr gestört hat war, dass es mir nicht gelingen wollte, zu den Personen des Buches eine Beziehung herzustellen. Weder gelang es mir mitzuleiden oder mitzuhoffen, noch konnte ich Freude oder Faszination an einem der Charaktere empfinden (am ehesten noch zum Schreiber).

Auch die Handlung warf mir zu viele Fragezeichen auf. O.K., - dass die Leute an Länder hinter dem Eis im Norden glauben, an Meeresungeheuer und seltsame Naturphänomene ist in Ordnung. Aber was ist mit den unmenschlichen Leiden, die man laut der Geschichte erdulden kann? Damit, dass man auf blankem Eis überlebt ?. Auch einem König wie Erich, der die Geschichte dringend glauben will, sollten hier Zweifel am Wahrheitsgehalt kommen.
Mir jedenfalls wurde das Ganze auf halber Strecke zu viel und ich habe was anderes gelesen.
Thorgrim Bärenfaust zu »Stephan Puchner: Nebelheim«02.12.2008
Ich lese nicht oft historische Romane, aber "Nebelheim" hat mir wirklich gefallen. Puchner entwickelt eine Sprachgewalt, wie man sie leider nur selten antrifft (als aktuelle Parallele fällt mir derzeit nur Möhn ein, um die überall auf dem Internet zu findenden Vergleiche Puchners mit Eco zu vermeiden - das wäre denn doch etwas zu hoch gegriffen). Und endlich eine Handlung ohne anachronistisch emanzipierte Weibsbilder!

Vorbildlich für das ganze Genre.
Swifty Malone zu »Stephan Puchner: Nebelheim«14.11.2008
Es gibt in "Nebelheim" neben den bereits erwähnten Vorzügen übrigens durchaus eine kleine, zarte, sehr schöne Liebesgeschichte, die sich zwischen dem Chronisten Rikmann und einer Conversin über den gesamten Roman hinweg entwickelt! Freunde von Liebesgeschichten kommen also auch nicht zu kurz.
Unbedingt Lesen!
Lilith1976 zu »Stephan Puchner: Nebelheim«07.11.2008
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, was besonders an dem auffälligen Sprachstil liegt, der einen authentischen Eindruck erweckt, so dass man überzeugt ist, genau so haben die Menschen jener Zeit sich ausgedrückt: Bildhaft, teils blumig, aber ungeheuer reich an Worten und Begriffen, die heutzutage niemand mehr benutzt. Eine raffinierte Geschichte, großartig erzählt!
Ihr Kommentar zu Nebelheim

Hinweis:Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen.Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre.Werbung ist nicht gestattet.Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.