Morgenland von Stephan Abarbanell

Buchvorstellungund Rezension

Morgenland von Stephan Abarbanell

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Morgenland“,, 464 Seiten.ISBN 3896675176.

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Kurzgefasst:

1946: Lilya Wasserfall ist im Widerstand gegen die britische Mandatsmacht in Palästina aktiv und hofft darauf, bei der nächsten großen Sabotageaktion eingesetzt zu werden. Doch sie bekommt einen ganz anderen Auftrag: Im zerstörten Deutschland soll sie nach dem verschollenen jüdischen Wissenschaftler Raphael Lind suchen. Nach Angaben der Briten ist er in einem Konzentrationslager ermordet worden, sein Bruder in Jerusalem hat jedoch Hinweise darauf, dass er noch lebt. Für Lilya beginnt eine abenteuerliche Reise, und bald merkt sie, dass ihr nicht nur der britische Geheimdienst auf den Fersen ist, sondern auch ein mysteriöser Verfolger, der mit allen Mitteln verhindern will, dass sie Raphael Lind findet.

Das meint Histo-Couch.de: „Unterwegs im Nachkriegs-Deutschland“72

Rezension von yvs

Jerusalem 1946. Hier lebt die junge Jüdin Lilya Wasserfall. Sie ist Mitglied einer Widerstandsgruppe und kämpft im Untergrund gegen die britische Mandatsmacht, bis sie mit einem ungewöhnlichen Auftrag nach Deutschland geschickt wird. Sie soll den jüdischen Wissenschaftler Raphael Lind finden, von dem man bisher annahm, er wäre im Konzentrationslager ums Leben gekommen. Einzig sein Bruder glaubt nicht an dessen Tod und so begibt sich Lilya, die viel lieber daheim gegen die britischen Besatzer gekämpft hätte, widerwillig auf den Weg nach Deutschland. Ihre Suche nach Raphael Lind führt sie über London nach Südbayern ins Flüchtlingslager Föhrenwald, wo Hunderte von Juden sehnsüchtig auf eine Ausreise nach Palästina warten, weiter nach Offenbach, Berlin, auf den Pleikershof bei Nürnberg, der einst dem Herausgeber des Stürmer gehörte und von der US-Army in ein Kibbuz umgewandelt wurde, bis hin in das ehemalige KZ Bergen Belsen. Nach und nach enthüllt sie das Geheimnis um Raphael Lind, doch sie ruft mit ihren Nachforschungen auch mächtige Gegner auf den Plan, denn irgendjemand hat entschieden etwas gegen ihre Suche nach Raphael Lind.

Jenseits ausgetretener Plotpfade

Der Autor Stephan Abarbanell ist der derzeitige Kulturchef des rbb. Nun hat er sich als Romanautor auf unbekanntes Terrain gewagt und legt mit Morgenland seinen Debütroman vor. Romane über die Zeit des Zweiten Weltkrieges gibt es viele, doch die unmittelbare Nachkriegszeit ist thematisch in der Belletristik dagegen kaum vertreten. Das war auch einer der Gründe, warum der Autor die Handlung seines Romans in dieser Zeit ansiedelt. Das Herz von so manchem historisch interessierten Leser wird in Anbetracht des angekündigten Inhalts ein paar Takte schneller schlagen und er wird sich voller Erwartung in die Geschichte fallen lassen. So beginnt dieser Roman auch sehr vielversprechend und lange Zeit hat man das Gefühl, hier einen wirklich anspruchsvollen Roman in der Hand zu haben.

Zu viel gewollt

Je weiter die Geschichte dann allerdings fortschreitet, umso mehr flacht sie ab. Der Autor verzettelt sich, schreibt in die Breite, nicht in die Tiefe. Auf ca. 430 Seiten wird eine Fülle komplexer Themen aufgefahren, die dann aber nur stichpunktartig gestreift werden, ohne dass der Autor vertiefend auf sie eingeht. Lilyas Suche nach Raphael Lind fungiert letztendlich nur als roter Faden, der die vielen Themen zusammenhält. So liest sich Lilyas Reise über weite Strecken eher wie ein nüchterner Reisebericht und je weiter die Handlung fortschreitet, umso offensichtlicher wird es, dass es dem Roman an Esprit, Raffinesse und vor allem an Spannung fehlt. Das und die kaum vorhandene Charakterzeichnung sind die großen Defizite dieses Romans.    

Farblose Charaktere

Die Protagonistin Lilya ist zwar eine sympathische Hauptfigur, an deren Fersen man sich gerne heftet, um sie auf ihrer Reise zu begleiten. Sie bleibt aber weitestgehend farblos und es findet auch keine persönliche Entwicklung statt, was angesichts ihrer Erfahrungen und Erlebnisse während der Reise erstaunlich ist und im Widerspruch zu dem steht, was sie als Person offensichtlich darstellen soll: eine taffe Widerstandskämpferin in geheimer Mission.   

Lilyas Begegnungen mit den Menschen, die immer wieder ihren Weg kreuzen, sind zwangsläufig nur flüchtige Episoden. Sie bleiben Momentaufnahmen einer langen Reise und da diese Begegnungen zum Großteil auch nur von sehr kurzer Dauer sind, hat der Leser kaum die Möglichkeit, irgendeinen Bezug zu den vielen Charakteren aufzubauen, die in diesem Roman auftauchen. Kaum ist man mit einer Figur etwas vertraut geworden, muss man sie schon wieder verlassen und trifft die nächsten Personen, in deren Geschichten man geworfen wird, sodass es irgendwann nahezu unmöglich wird, die Übersicht zu behalten, geschweige denn Namen und Ereignisse richtig zuordnen zu können, wenn sie später in der Geschichte hier und da in Nebensätzen wieder auftauchen. Letztendlich sind es dann auch nur sehr wenige Figuren, die einen bleibenden Eindruck beim Leser hinterlassen. 

Sprachlich nutzt der Autor die gesamte Bandbreite an stilistischen Möglichkeiten, denn der Sprachstil seines Romans wechselt von anspruchsvoll über poetisch bis pilcheresk, gepaart mit einer großzügigen Verwendung von Akronymen, die den Lesefluss stören. 

Anreize für eigene Recherchen

„Einen epischen Roman über die Welt im Schatten einer Katastrophe“ verspricht der Klappentext. Nun, hier war wohl eher der Wunsch der Vater des marketingtechnischen Gedankens.   

Schlussendlich kann man sagen, dass dieser Roman voller guter Ideen steckt, die aber leider an einer mangelhaften Umsetzung scheitern und so mancher Leser wird sich im Stillen fragen, ob sich der Autor mit seinem Debütroman nicht etwas übernommen hat. Für Geschichtsinteressierte ist er trotzdem eine wahre Fundgrube, denn auch wenn viele Ereignisse nur kurz angerissen werden, findet der Leser hier doch jede Menge Anregungen, um sich selbst auf Recherchereise zu begeben und sich mit dem einen oder anderen Thema vertiefter auseinanderzusetzen. Hilfreich dafür ist sicher auch das im Anhang beigefügte umfangreiche Verzeichnis weiterführender Literatur.

Ihre Meinung zu »Stephan Abarbanell: Morgenland«

leseratte1310 zu »Stephan Abarbanell: Morgenland«02.01.2016
1946 in Palästina: Lilya Wasserfall ist aktiv in der Widerstandsorganisation Hagana gegen die britische Mandatsmacht. Sie erhält den Auftrag, in Deutschland nach dem verschwundenen Wissenschaftler Raphael Lind zu suchen, da sein Bruder Elias hat Hinweise darauf hat, dass er noch lebt. So kommt Lilya ins zerstörte Nachkriegseuropa und begibt sich auf die Suche, die sie nach London, München, Offenbach, Berlin und in die Lüneburger Heide führt. Nicht nur der britische Geheimdienst ist daran interessiert, was sie herausfindet. Ein Verfolger will verhindern, dass sie Lind findet.
Der Autor erzählt sachlich in einer flüssig zu lesenden Schreibweise und schickt uns auf eine temporeiche Reise. Dabei sind die verschiedenen Orte sehr gut beschrieben, so dass man sich ein Bild machen kann. Es ist eine Zeit des Umbruchs und des Neuanfangs. Wir erfahren sehr viel über diese schwere Zeit, als in den zerbombten Städten die Frauen aus den Trümmern herausholten, was zum Wiederaufbau benötigt wurde. Es fehlte an vielem und der Schwarzmarkt blühte. Traumatisierte Rückkehrer aus Krieg und Gefangenschaft mussten wieder ins Leben zurückfinden.
Die sympathische Lilya ist mir im Laufe der Geschichte immer mehr ans Herz gewachsen. Sie ist intelligent und am Anfang ziemlich kämpferisch. Bald weiß sie nicht mehr, wer ihr Freund ist oder wem sie besser nicht in die Quere kommt. Aber immer wieder trifft sie auf David Guggenheim, der Leiter des Lagers Föhrenwald war, und der ihr eine Stütze ist.
Die Geschichte ist spannend, aber besonders die Beschreibungen der Menschen, die langsam wieder Hoffnung schöpfen und anpacken, um aus den zerstörten Städten wieder Orte zu machen, in den man leben kann, hat mich beeindruckt.
Aber für die Juden war das Elend mit Kriegsende nicht vorbei. Die meisten wollten nicht in Deutschland bleiben und warten auf die Ausreise. Nach Palästina aber lässt man sie nicht.
Am Ende des Buches gibt es noch Hintergrundinformationen und Fotos, so dass wir Lilyas Reise nachvollziehen können.
Ein empfehlenswerter Roman.
-LENA- zu »Stephan Abarbanell: Morgenland«24.09.2015
Morgenland


Palästina 1946: Lilya Wasserfall ist Mitglied in einer jüdischen Untergrundorganisation und hofft bei einer großangelegten Aktion gegen die englische Mandatsmacht beteiligt zu sein. Sie lebt zurückgezogen im Norden von Palästina, als sie nach Tel Aviv beordert wird und dort einen Auftrag erhält. Sie soll das Schicksal von Raphael Lind aufklären. Sein Bruder Elias ist in den zwanziger Jahren nach Palästina ausgewandert. Ihm wurde von den englischer Seite mitgeteilt, daß sein Bruder 1941 verstorben ist. Durch das Buch „Alexandria“ aus dem Familienbesitz vermutet er, daß sein Bruder 1944 noch lebte.
Ihre Reise führt über London nach Deutschland.
Der Roman beschreibt ihre Spurensuche in Deutschland, daß noch in Besatzungszonen der Alliierten aufgeteilt ist. Nach und nach trifft sie auf Menschen, die Raphael auf private und berufliche Weise begegneten. Die Aufzeichnungen von Elias , die sie während ihrer Reise liest, sind sehr berührend. In diesen Roman trifft man auf zahlreiche, unterschiedliche Charaktere.
Die einzelnen Handlungsplätze in der amerikanischen Zone werden detailliert beschrieben, wie das Lager Föhrenwald in dem Juden auf ihre Ausreise warten .
Die Aufarbeitung und Nachforschung von geraubten Büchern in der Nazizeit werden eindrucksvoll geschildert. Welche Organisationen zuständig und Hürden zu nehmen sind um die rechtmäßigen Besitzer zu finden.
Lilya trifft immer wieder auf Helfer, die es ihr ermöglichen leichter an ihre Zielorte zu gelangen, trotz der schwierigen Verkehrs- oder Kommunikationsverbindungen.

Ein interessanter Roman, der viele Einzelschicksale und Zufälle enthält, mit einem Blick von außen auf Deutschland.

Nachwort, Bilderserie und Bibliografie finden sich am Ende des Romans.
Mohnblume zu »Stephan Abarbanell: Morgenland«15.09.2015
Rezension von Arietta ( Mohnblume)

Inhaltsangabe:

Inhaltsangabe zu „Morgenland“ von Stephan Abarbanell

Ein großes Panorama der Zeit, als in der Welt alles auf Anfang stand. 1946: Lilya Wasserfall ist im Widerstand gegen die britische Mandatsmacht in Palästina aktiv und hofft darauf, bei der nächsten großen Sabotageaktion eingesetzt zu werden. Doch sie bekommt einen ganz anderen Auftrag: Im zerstörten Deutschland soll sie nach dem verschollenen jüdischen Wissenschaftler Raphael Lind suchen. Nach Angaben der Briten ist er in einem Konzentrationslager ermordet worden, sein Bruder in Jerusalem hat jedoch Hinweise darauf, dass er noch lebt. Für Lilya beginnt eine abenteuerliche Reise, und bald merkt sie, dass ihr nicht nur der britische Geheimdienst auf den Fersen ist, sondern auch ein mysteriöser Verfolger, der mit allen Mitteln verhindern will, dass sie Raphael Lind findet. Von den staubigen Straßen Jerusalems über das zerstörte London, von einem amerikanisch verwalteten München über das überfüllte Flüchtlingslager Föhrenwald, von Offenbach bis nach Berlin und in die Lüneburger Heide folgen wir einer so entschlossenen wie liebenswerten Protagonistin bei ihrer spannenden Spurensuche. Ein epischer Roman über die Welt im Schatten einer Katastrophe.

Meine Meinung zum Inhalt:

Die junge Lilya Wasserfall die für den Widerstand gegen die Briten in Palästina arbeitet, wird 1946 von ihrem Chef Ben Gedi ins zerstörte Nachkriegs Deutschland geschickt. Anfangs war sie sehr enttäuscht, sie hatte auf einen ganz anderen Auftrag gehofft. Sie soll dort auf Wunsch auf Elias Lind nach seinem verschollenen Bruder Raphael Lind, dem Wissenschaftler und Biochemiker forschen. Die Briten behaupten er sei in einem der Konzentrationslager ermordet worden. Elias sein Bruder hat geheime und verschlüsselte Botschaften von seinem Bruder erhalten und ein mysteriöses Foto mit einem Haus und einer unleserlichen Botschaft. Er glaubt nicht das er Tod ist. Also reist Lilya nach dem Nachkriegsdeutschland, unter dem Deckmantel die Lager dort zu Inspizieren. Ihre Reise beginnt schon Abenteuerlich, erst die Bus Panne im Gefährlichen Gebiet von Jerusalem, dann ihre Reise auf dem Schiff nach London und auch dort taucht wieder dieser unbekannte Fremde auf. Ihre erste Stadion ist London, auch hier fühlt sie sich verfolgt. Ob München mit dem Besuch Föhrenwaldes, die Begegnung mit David Guggenheim, was sie sieht ist nur Elend und Not, auch die Städte sind zerbombt und eine Trümmerwüste. Ein Deprimierender Anblick . Die Lage in den Lager ist auch die reinste Katastrophe, ganz gleich wo ihre Reise hingeht. Ob Offenbach, Berlin oder Bergen- Belsen. Ihre wahre Mission muss geheim bleiben, ihre Lage und Situation wird immer gefährlicher, sie fühlt sich verfolgt, diese Unfälle, Zufälle oder Anschläge auf sie. Wer steckt dahinter, was für Mächte wollen versuchen das Lilya nichts über Raphael und seine wahre Geschichte erfährt . Könnte sie etwas Aufdecken das keiner erfahren darf ? Wird sie das mysteriöse Geheimnis um Raphael Lind lüften, lebt er noch oder ist er Tod ? Eine sehr Interessante Reise, voller Atmosphäre, Spannung , Gefährlicher Mission und unerwarteter Wendungen.....



Meine Meinung zum Autor

Der Roman " Morgenland " ist Stephan Abarbanell erster Roman, ein Debüt. Er arbeitete lange als Kulturchef beim rbb. Sehr schön hat er die Geschichte der jungen Lilya Wasserfall erzählt, die von ihrem Chef in geheimer Mission ins zerstörte Nachkriegs Deutschland geschickt wurde. Er berichtet auch von den Gewaltherrschaften des Nazi Regimes , deren Macht. Auch von den Konflikten in Palästina und Jerusalem. Deutschland ein Land das in die Katastrophe schlidderte. Von den Verlusten, Ängsten und Hoffnungen der Menschen. Er lässt den Leser durch ein zerstörtes Land wandern, gibt uns tiefe Einblicke in die Lager und deren grausamen Zustände. Von der Situation vor wie nach dem Krieg. Es macht betroffen. Auch des Gefährlichen Auftrages von Lilya den sie Ausführen musste, den brenzligen und Lebensgefährlichen Situationen. Seine Protagonisten kommen sehr lebendig und real herüber, auch die einzelnen Charaktere sind sehr Klar gezeichnet, so das man sich gut in jeden einzelnen hinein versetzen konnte. Teil hatte an Freude, Leid, Hoffnung und Ängsten. Sein Schreibstil ist Klar und Kraftvoll, und sehr spannend. Ein Intelligenter Roman über die Zeit vor , während und nach dem 2. Weltkrieg, der Zukunft Palästinas und Europas. Es geht um Krisen, Gewalt und Umbrüche auf der Suche nach der Heimat.
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