Joseph Fouché von Stefan Zweig

Buchvorstellungund Rezension

Joseph Fouché von Stefan Zweig

Originalausgabe erschienen 1929unter dem Titel „Joseph Fouché: Bildnis eines politischen Menschen“,, 288 Seiten.ISBN 3-596-21915-9.

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Kurzgefasst:

Balzac hat ihn den »psychologisch interessantesten Charakter seines Jahrhunderts« genannt. Aber eigentlich ist es sein »verwegener Mut zur restlosen Charakterlosigkeit und unentwegter Überzeugungslosigkeit«, der Joseph Fouché zunächst zu Geld und dann zu Macht verholfen hat. Fast immer aus dem Hintergrund wirkend und handelnd, fordernd und zwingend paßt er sich geübt und geschickt, einem Chamäleon gleich, jeder politischen Färbung an. Fouché war ein Mann, der als Person glatt, kalt und unsinnlich bleibt, obwohl er ein Fanatiker ist. Kaum tritt er offen hervor, hält sich mit allen Fäden in der Hand als graue Eminenz immer verborgen, als »Blutsäufer« beim Gemetzel von Lyon, dem blutigsten Tag der Französischen Revolution, ebenso wie als alle und alles bespitzelnder Polizeiminister unter Napoleon und unter Ludwig XVIII. Doch den dämonisch besessenen Intriganten trifft schließlich die Verbannung, in der er einsam stirbt.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein spannendes Leben, erzählt vom Meister des biographischen Romans“90Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Paris, 1793: Joseph Fouché, Abgeordneter des Konvents, stimmt für die Hinrichtung Ludwigs XVI. Juli 1794: Maximilien Robespierre wird entmachtet und hingerichtet. Zu den Akteuren im Hintergrund gehört Joseph Fouché. Dezember 1804: Napoléon Bonaparte krönt sich selbst zum Kaiser der Franzosen, sein Polizeiminister wird Joseph Fouché.

Es ist ein bewegtes Leben, von dem Stefan Zweig erzählt, ein Leben der Aufs und Abs, das den politischen Wirren dieser Zeit ebenso unterworfen ist wie jedes andere. Doch als Lebenskünstler schafft es Joseph Fouché immer wieder, rechtzeitig die Seiten zu wechseln er ist der Inbegriff des politischen, amoralischen Menschen.

Ein durch und durch politisches Leben in einer der spannensten Epochen

Maria Stuart, Marie Antoinette Stefan Zweigs Biographien haben nicht nur spannende Figuren, sondern auch spannende Epochen zum Thema. Die Französische Revolution und ihre Nachwehen bis hin zu Napoléons Untergang bei Waterloo gehören zu den bewegtesten Epochen der moderneren Geschichte. Diese Zeit der Umwälzungen politisch zu überleben scheint unmöglich doch einige wenige haben es geschafft. Joseph Fouché ist einer von ihnen und hat die Balance auf dem politischen Parkett perfektioniert.  Sein kompletter Verzicht auf Loyalität, auf Treue, sichert ihm von kurzen Abstürzen abgesehen das politische und tatsächliche Überleben. All die Großen, in deren Schatten er existierte Robespierre, Barras, Napoléon hat er überdauert.

Stefan Zweig, dessen romanhafte Biographien zurecht hohes Ansehen genießen, nähert sich diesem durch und durch politischen Menschen auf mehreren Ebenen an und schafft so ein lebendiges Gesamtbild eines Menschen, der dem von Moral und ihren Zwängen befreiten Politiker nach Macchiavelli sehr nahe kommt.

Eine spannende Erzählung eines spannenden Lebens

Dass Biographien trocken und langweilig sind, ist ein altes Vorurteil nicht zuletzt sind es Autoren wie Stefan Zweig, die dieses Vorurteil in Luft verpuffen lassen. Zweigs Biographie des Polizeiministers unter Napoléon liest sich spannender als mancher Roman, lässt den Leser teilhaben an dieser bewegten Zeit und diesem bewegten Leben. Er erzeugt selbst bei dem Leser Spannung, der die historischen Tatsachen kennt und weiß, dass Fouché, der Überlebenskünstler par excellence, sich immer wieder empor winden wird, wird mitgerissen von Zweigs Erzählstil und seiner Kunst, ein spannendes Leben noch spannender zu erzählen.

Es hilft dem Leser, wenn er sich in der Französischen Revolution und der Napoleonischen Epoche auskennt den groben Ablauf der Geschehnisse und die wichtigsten Figuren ihrer Zeit reißt Zweig nur knapp an, sein Augenmerk liegt darauf, wie sich der Politiker Fouché auf diesem Parkett bewegt.

Zweig überzeugt einmal mehr auf ganzer Linie

Seine stärksten Momente hat der Autor, wenn er die großen Konflikte und Konfrontationen aufzeigt: Fouché gegen Robespierre, Fouché gegen Napoléon, Fouché gegen Talleyrand. In seiner Darstellung zwischenmenschlicher Konflikte verleiht Zweig seinen Figuren ganz besonders Leben, verlässt den Boden einer Biographie und wird zum Romancier.

Joseph Fouché ist eine rundum empfehlenswerte Biographie, die all jenen ans Herz gelegt werden kann, die sich für die Epoche interessieren und einen Blick auf einen ihrer interessantesten Charaktere werfen wollen. Ihr einziges Manko dürfte sein, dass man sie erstaunlich schnell nach weniger als 300 Seiten schon zur Seite legen muss. Wie gerne hätte man noch mehr erfahren von diesem so politischen Menschen …

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