Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht von Robert C. Marley

Buchvorstellungund Rezension

Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht von Robert C. Marley

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht“,, 250 Seiten.ISBN 978-3940855787.

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Kurzgefasst:

London 1894 – Während in den Salons der feinen Gesellschaft rauschende Feste gefeiert werden und spiritistische Sitzungen, Hellseher und Geisterbeschwörer der letzte Schrei sind, kommt auf dem Markt von Covent Garden ein Straßenjunge unter mysteriösen Umständen zu Tode. Was zunächst nach einem Routinefall aussieht, entpuppt sich schließlich als unheimliches Verbrechen, das Chief Inspector Swanson nicht nur an seinem gesunden Menschenverstand zweifeln lässt, sondern ihn und sein Team auch an die Grenzen ihrer Kräfte bringt ...

Das meint Histo-Couch.de: „Geisterstunde in London“70

Rezension von Jörg Kijanski

1894. Der neunjährige Badger ist mit seinem Freund Meg auf nächtlichem Streifzug am Covent Garden. Allerdings ist Meg schon eine ganze Weile verschwunden, Badger macht sich langsam Sorgen. Dann erscheint sein Freund und berichtet von einem Job, der ihn reich machen könnte. Als Beweis zeigt er Badger eine wertvolle Holzpfeife, die ihm ein neuer Bekannter gegeben hat. Bisher leben die beiden mit anderen Waisenkindern bei Mr. Specs, einem kauzigen alten Mann, der ihnen ein Bett und zwei warme Mahlzeiten am Tag anbietet. Was die Kinder auf den Straßen stehlen, müssen sie dafür an ihn abgeben. Zumindest für den dreizehnjährigen Meg soll damit nun Schluss sein, doch als er genüsslich die Pfeife rauchen möchte, tritt ihm plötzlich Blut aus Nase und Mund. Wenige Augenblicke später ist er tot.

Am Berkeley Square in Mayfair, lebt man derweil ganz gut von abendlichen Séancen, denn Louisa Balshaw ist das bekannteste Medium Londons. Frederick Greenland glaubt nicht an diesen Hokuspokus, sieht sich aber gezwungen, der Einladung seiner beiden Freunde Oscar Wilde und Arthur Conan Doyle zu folgen. So erfährt er immerhin von Louisa, dass ihm bald eine schöne Frau begegnen wird.

Badger folgt einem letzten Hinweis seines Freundes, die Spur führt ihn in das Stadtviertel Seven Dials, wo er um Hilfe der dortigen Straßenjungs bittet. Stattdessen kassiert er eine bittere Tracht Prügel und muss um sein Leben fürchten. Entgegen seinen bisherigen Gewohnheiten wendet er sich an Scotland Yard, wo Chief Inspector Donald Sutherland Swanson die Ermittlungen leitet&

Band 5 der viktorianischen Krimireihe bietet gewohnte Kost

Seit 2014 erscheint im Dryas-Verlag in jährlichem Rhythmus ein neuer Band der Inspector-Swanson-Reihe, die einen in das London des späten 19. Jahrhunderts entführt. Erwartungsgemäß setzt der Autor auf seine bisherigen Figuren, so dass man die bekannten Beamten des Yard erneut im Einsatz sieht. Inspector Abberline, jedem Krimifan bestens bekannt aus den Ermittlungen im Fall Jack the Ripper, findet immerhin Erwähnung. Erneut dabei sind Frederick Greenland, der Swanson schon in der Vergangenheit behilflich war, sowie die Schriftsteller Conan Doyle und Wilde, wovon letztgenannter den deutlichen größeren Teil einnimmt.

„Wenn du mit sechs wie ein Idiot redest, ist das nicht weiter schlimm. Aber wenn du es mit zwölf immer noch tust, bleibst du auch ein Idiot. Und deshalb musst du lesen lernen.“

Die Atmosphäre der damaligen Zeit wird erneut lebendig eingefangen, allerdings ist der Einstieg dieses Mal ein bisschen ausführlich ausgefallen, da zunächst das Thema der Geisterbeschwörung einen arg großen Teil einnimmt. Wie sich dieses Phänomen am Ende des Romans auflöst, mag man sich zudem in etwa so gedacht haben. Bis dahin sterben weitere Menschen, stochern die Beamten im Dunkeln und am Ende gibt es ein Finale in bester Agatha-Christie-Manier. Man trifft sich im großen Salon, Auftritt Inspector Swanson. Der Kreis der Verdächtigen ist allerdings äußerst überschaubar.

In Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht spielt natürlich der neunjährige Badger eine zentrale Rolle. Er ist die Figur, mit der man am meisten mitfiebert, schließlich muss der noch unerfahrene Junge nach dem brutalen Tod seines besten und einzigen Freundes mehr oder weniger allein in der großen Stadt zurechtkommen. Immerhin nimmt sich Inspector Swanson seiner an, obwohl Badger die erste Gelegenheit gleich einmal zur Flucht nutzt. Wer ein Faible für das viktorianische Zeitalter sowie für Literatur und – im vorliegenden Fall – für das Übersinnliche hat, sollte zugreifen, zumal auch die Ermittlungsarbeit ordentlich dargestellt wird. Allerdings muss man bis Seite 69 warten, bevor Swanson erstmals in Erscheinung tritt. Netter Einfall am Rande: Louisa liest den Roman Das Geheimnis der Lady Audley von der damaligen „Bestsellerautorin“ Mary Elizabeth Braddon (1837-1915); ein viktorianischer Krimi, der ebenfalls bei Dryas erschienen ist.

Ihre Meinung zu »Robert C. Marley: Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht«

tassieteufel zu »Robert C. Marley: Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht«28.11.2018
London 1894: in den Salons der feinen Gesellschaft haben spiritistische Sitzungen, Geisterbeschwörungen und Hellseher Hochkonjunktur. Besonders das Medium Louisa Balshaw ist in der Gesellschaft gefragt, da die junge Frau Kontakt zu den Verstorbenen aufnehmen kann. Inspektor Swanson interessiert das zunächst wenig, er ermittelt im mysteriösen Todesfall eines Straßenjungen in Covent Garden. Erst als eine Spur genau zu dem Haus führt, in dem Louisa und ihr Bruder leben und ihre Seancen abhalten, wird der Inspektor auf das Medium aufmerksam.

Im inzwischen 5. Fall für den Chief Inspektor trifft der Leser auf eine Reihe bekannter Figuren. So sind neben dem Chief Inspektor auch Frederick Greenland, Oskar Wilde und Arthur Conan Doyle wieder mit dabei und unterstützen auch die Ermittlungen. Doch die heimliche Hauptfigur des Buches ist diesmal der 9 jähre Straßenjunge Billy, genannt Badger, der in dem Fall eine zentrale Rolle spielt, ist er doch der Freund des am Anfang ermordeten Meg. Badger ist pfiffig und hat viel von seinem Freund gelernt, auch wenn er für Mr. Specs, der ihm Unterkunft und Logis gewährt als Taschendieb und Informationsbeschaffer arbeiten muß, so will er doch wissen, was mit seinem Freund passiert ist und dazu beschreitet er ungewöhnlich Wege.
Der Krimifall braucht ein wenig um an Fahrt aufzunehmen, dafür erfährt man recht viel über Seancen und Geisterbeschwörungen, was natürlich dem Thema geschuldet ist und der ganzen Geschichte auch einen etwas unheimlichen Touch verleiht. Das Ganze ist aber unterhaltsam und informativ verpackt, so dass hier keine Langeweile aufkommt. Das Medium Louisa Balshaw gibt dem Inspektor zunächst Rätsel auf, glaubt die junge Frau doch fest an ihre Gabe und beteuert glaubhaft, dass die Geister zu ihr sprechen würde. Ein versierter Krimileser kann hier schon ahnen, wie sich alles auflöst, aber die Geschichte bietet noch genug Wendungen und Überraschungen, insbesondere was das Mordmotiv und die Mordmethode betrifft, so dass man über die Vorhersehbarkeit einiger Entwicklungen durchaus hinwegsehen kann.
Gekonnt läßt der Autor das viktorianische London auferstehen und zeichnet ein dichtes und plastisches Bild dieser Zeit, wobei nicht nur die eleganten Salons und Stadthäuser der Reichen vor den Augen des Lesers erscheinen, auch die düsteren Viertel von London wie Seven Dials oder die Situation der vielen Straßenkinder wird hier mit einem guten Schuß Sozialkritik thematisiert, so dass ein dichtes und stimmiges Bild der Zeit entsteht. Nebenbei erfährt man auch einiges über die damaligen Ermittlungsmethoden der Polizei und die beginnende Forensik.
Seine Charaktere hat der Autor mit Charme und individueller Ausstrahlung ausgestatte, sie sind in ihrer Zeit verhaftet und wirken dadurch glaubwürdig und authentisch. Wie schon gesagt ist diesmal die eigentliche Hauptfigur der kleine Badger, der sich mit seiner Pfiffigkeit und seinem Mut in das Herz des Lesers schleicht, doch auch das Wiedersehen mit den anderen Charakteren macht einfach Freude.
Insgesamt eine gelungene Fortsetzung der Serie um Inspektor Swanson, die ich Fans von viktorianischen Krimis uneingeschränkt empfehlen kann.
FaziT: ein stimmiger viktorianischer Krimi, der gut recherchiert mit lebendigen Figuren, viel zeitgemäßem Lokalkolorit und einem spannenden Krimifall überzeugt.
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