Als Bach nach Dresden kam von Ralf Günther

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Als Bach nach Dresden kam“,, 160 Seiten.ISBN 978-3-463-40706-7.

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Kurzgefasst:

September 1717. Jean-Baptiste Volumier ist Konzertmeister der Hofkapelle August des Starken. Als ihm zu Ohren kommt, dass der skandalumwitterte französische Musiker Louis Marchand nach Dresden geholt werden soll, wird ihm angst und bange: Wird Marchand ihm den Rang streitig machen? Volumier fasst einen Plan: Ein Orgelduell, bei dem er Marchand gegen den größten lebenden deutschen Komponisten antreten lässt: Johann Sebastian Bach wird Marchand überstrahlen, da ist Volumier sicher, und nach einer Blamage wird Marchand das Weite suchen. In Weimar lernt Volumier Bachs Cousine Friedelena kennen. Die Begegnung verändert einiges. Kurz bevor das Tastenduell stattfindet, nehmen die Ereignisse einen unvorhergesehen Verlauf. Und Volumier muss sich etwas einfallen lassen...

Das meint Histo-Couch.de: „Ein ungewolltes Duell zweier Unwilliger“90Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

September 1717. August der Starke hat mitbekommen, dass der skandalumwitterte Cembalist und Organist Louis Marchand von König Ludwig XIV aus Versailles entlassen worden sei, und nun will er schauen, ob es möglich ist, ihn an seinen eigenen Hof zu holen. Hierfür schickt er seinen Direktor der französischen Hofkapelle, Jean Baptiste Volumier, los, um Marchand ausfindig zu machen und ihn dazu zu bewegen, nach Dresden zu kommen. Volumier, auf einmal um seine eigene Position fürchtend, macht sich auf den Weg und findet Marchand in Brüssel, wo es ihm gelingt, ihn einzuladen.

Doch da Volumier sich der Sache seines Herrn immer noch nicht sicher ist, fällt ihm ein, dass es in Freiberg einen Deutschen geben soll, einen Johann Sebastian Bach, der gerade eine neue Arbeit sucht, der viele Kinder ernähren muss und gewiss einer höher dotierten Arbeit nicht abgeneigt ist. Er reist nach Freiberg, wo er Bach findet, zudem dessen Schwägerin Friedelena, an der er Gefallen findet und der er auch nicht unsympathisch erscheint. Volumier ersinnt ein Duell der beiden Tastenvirtuosen, die um die Anstellung bei August spielen sollen. Beide zeigen sich zunächst einverstanden und machen sich auf den Weg nach Dresden.

Das Bangen um die eigene Position

Ralf Günther erzählt eine Geschichte, die sich nach Gerüchten vielleicht tatsächlich zugetragen haben soll, vielleicht auch nicht, man weiß es nicht genau, aber als nette Anekdote eignet sie sich allemal. Die Protagonisten sind allesamt reale Persönlichkeiten und laut Gerüchten soll sich die Geschichte genau so zugetragen haben. Ob sie nun stimmt, bleibt dahingestellt, ist aber eigentlich auch nicht wichtig.

Der Autor wählt einen geschickten Weg und lässt August den Starken letztlich den Impuls setzen, dass Volumier den Virtuosen Marchand an seinen Hof holen soll. Volumier ist durch das ganze Buch voller Zweifel, ob er sich denn hier wohl selber sein eigenes Grab schaufelt und sich seinen potenziellen Nachfolger im Amt ins Haus holt. Diese Andeutung verstehend, sagt August ihm zwar, dass er nichts zu befürchten habe, aber dies beruhigt Volumier nicht. Ein Wesenszug, der sich durch das komplette Buch zieht und manchmal doch arg übertrieben scheint und fast nervt. Aber nun, sollte er recht behalten und wenigstens einer der beiden Konkurrenten, die dies nie sein wollten, ihn an Virtuosität übertrumpfen, könnten seine Tage gezählt sein. Kein Wunder, dass Volumier da versucht, die beiden Kontrahenten gegen einander auszuspielen.

Musikgeschichte

Die Konkurrenten Marchand und Bach, die dies nie sein wollten und die sich auch selber nie getroffen haben, sind ebenfalls etwas genervt von Volumier und wollen eigentlich gar kein Duell austragen. Doch ist dies bereits in der Dresdner Gesellschaft angekündigt, wo das Duell öffentlich in Anwesenheit Augusts ausgetragen werden soll. Schande, wenn einer gewinnt und ihn verdrängt, Schande, wenn einer nicht antritt, Schande, wenn beide nicht antreten, Volumier steckt vollends in der Zwickmühle.

Mit viel Charme und sehr treffenden Beschreibungen von eindrucksvollen Konzerten serviert Ralf Günther dem geneigten Leser ein nettes Büchlein, das vom Kindler Verlag immer als Hardcover herausgegeben wurde. Der Dresdner Hof ist auf dem Cover abgebildet, der potenzielle Konzertort und künftige Arbeitsplatz für einen Tastenvirtuosen fragt sich nur, welcher. Günther schafft es mühelos, den Leser in Zeit und Ort zu transportieren, dabei die höfischen Rituale aufdeckend und das Geschmeichel dem Fürsten gegenüber aufzeigend. Trotz allem bleibt eine charmante Geschichte, bei dem einem Volumier fast Leid tun mag, hat er sich doch zunächst eine Intrige und ein Duell ersonnen, das er zunächst seinem Fürsten, dann den beiden Beteiligten Schmackhaft machen muss, und letztlich kommt es doch anders als gedacht. Man steht kurz davor, Mitleid mit ihm zu haben, der sich schon als Romantiker in einer angebahnten Beziehung mit Bachs Schwägerin wähnte. Doch zeigt wie so oft die Geschichte, dass es anders gekommen ist.

Das 160 Seiten starke Büchlein sei nicht nur Musikfreunden anempfohlen, oder Dresden-Fans, sondern allen, die die Kunst mögen, sich für das Höfische Leben interessieren und die sich zudem gerne einfach nur unterhalten und amüsieren. Ralf Günther liefert eine perfekte Geschichte für zwischendurch, bei der man neben dem Unterhaltungswert auch noch einiges über Hof und Höfisches lernt. Das ist fein beobachtet und wohl formuliert und macht Neugier auf mehr aus der Feder des Autors. Ein sehr harmonisches Buch, das nur zu gern weiter empfohlen werden kann.

Ihre Meinung zu »Ralf Günther: Als Bach nach Dresden kam«

Kerstin zu »Ralf Günther: Als Bach nach Dresden kam«05.10.2018
Marchand und Bach – zwei der bekanntesten Musiker und Komponisten ihrer Zeit, zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten und zwischen ihnen der um seine Stellung am sächsischen Hofe bangende Jean-Baptiste Volumier.
Beide Künstler sind dem Konzertmeister auf ihrem Gebiet überlegen und August umgibt sich gerne mit führenden Namen seiner Zeit. Und so muss ein inszeniertes „Tastenduell“ Volumier aus der Bredoullie helfen. Doch so einfach wird das nicht. Denn zumindest in Bach findet der Konzertmeister einen Menschen mit grundlegenden Prinzipien, die er nicht gewillt ist für irdischen Ruhm aufzugeben, denn Bachs Inspiration kommt aus der kirchlichen Tradition. Er spielt und komponiert zum Ruhme Gottes.

In seiner Erzählung gelingt es dem Autor Ralf Günther ein Ereignis mit Leben zu erfüllen, dass so nie stattgefunden hat. Auf unterhaltsame und sehr plastische Art wird ein Ereignis von 1717 in eine eigene Geschichte eingebettet, die dem Leser sowohl das Leben in Dresden zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als auch grundlegende Persönlichkeiten der Musikgeschichte näherbringt.

Mir hat dieses kleine Buch sehr gut gefallen. Ich habe dadurch ein genaueres Bild von Bach und dem mir bis dato völlig unbekannten Marchand erhalten. Also mal wieder etwas dazugelernt und das auf kurzweiligem und bisweilen humoristischem Weg. Denn es gibt genügend Passagen in dem Buch, über die man schön schmunzeln kann.
Und was der Autor in seinem Werk so wunderschön beschreibt wird am Ende von Jan Katzschke in den realen historischen Kontext gerückt, so dass auch kein falsches Bild zu eben jenem „historischen Dresdner Tastenduell“ aufkommen kann.

Ich kann für dieses Buch einfach nur meine Empfehlung geben.
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