Vergeltung im Münzhaus von Petra Schier

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Vergeltung im Münzhaus“,, 512 Seiten.ISBN 978-3-499-26958-5.

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Kurzgefasst:

Köln 1408: Im Haus des Münzwechslers Henns Birboim wird ein Toter aufgefunden – brutal erstochen. Ein Knecht beschuldigt die junge Hebamme Clara des Mordes an ihrem Vater. Offenbar ein Racheakt: Der Tote hatte das Mädchen einst an ein Hurenhaus verpfändet, um seine Schulden zu begleichen. Im Kerkerturm wird Clara bald ein zweiter Mord zur Last gelegt. Apothekerin Adelina setzt mit ihrer Tochter Griet alles daran, dem unglücklichen Mädchen zu helfen. Unterstützung erhalten sie dabei aus einer Richtung, aus der sie es nie für möglich gehalten hätten ...

Das meint Histo-Couch.de: „Falschgeld und Mord in Köln – Adelinas letzter Fall“80

Rezension von Heike Stepprath

Köln, 1408. In der Nachbarschaft der Apothekerin Adelina Burkat geschieht ein Mord. Der Tote wird im Haus des Münzmeisters gefunden. Offenbar hat ihn jemand mit einem Küchenmesser erstochen. Der Verdacht fällt auf Clara, die Tochter des Toten. Sie musste gemeinsam mit ihrer Mutter im Hurenhaus die Schulden ihres Vaters abarbeiten. Lediglich ihre Freundin Griet, der Tochter von Neklas Burkat, kann sich eine solche Tat von der immer hilfsbereiten Hebamme Clara nicht vorstellen und beginnt, Nachforschungen anzustellen. Schnell bekommt sie Hilfe von ihrer Stiefmutter und dem angehenden Gewaltrichter Cristan Reese. Die beiden decken allerdings schnell den Grund des Mordes auf und haben gleich noch einen Fall zu lösen.

Im gleichen Grad wie es schlimm um Clara steht, verändert sich Griets Leben zum Guten. Der Ziehsohn des amtierenden Gewaltrichters Reese hat viel für sie übrig. Auch er verbirgt ein Geheimnis, das ihm unter Umständen das Leben kostet, wenn es bekannt wird. Ganz sicher wird er aber keinen geachteten Beruf mehr ausüben dürfen. Cristan hat zudem einen unerschütterlichen Glauben an das Gute. Griet stößt ihn immer wieder zurück, sooft er sich ihr auch erklären will. Ihre seelischen Verletzungen aus der Vergangenheit hindern sie daran, eine erfüllende Beziehung zu einem Mann aufzubauen. Dieser psychologisch komplexe Teil des historischen Romans wurde glaubhaft wiedergegeben, auch wenn man die junge Frau manchmal ein bisschen in die richtige Richtung schubsen möchte. Der Weg zur Liebesgeschichte ist wie mit Rosenblättern dekoriert.

Fiktiver Mord und realer Betrug

Seit sich Adelina und Neklas seinerzeit kennen- und lieben gelernt haben, hat sich viel getan. Die Apothekerin und der Medikus haben eine Familie gegründet und auch Griet findet sich langsam in das Familienleben ein. Im 15. Jahrhundert hatten Frauen kaum eine legale Möglichkeit, sich gegen gewalttätige Übergriffe zu wehren. Die traumatisierten Opfer konnten oftmals mit niemanden über ihre Erlebnisse sprechen. Die schwierigen Lebensumstände gestatteten seinerzeit keine ausschweifenden Gespräche unter der arbeitenden Bevölkerung. Dasselbe betrifft Clara, die gemeinsam mit ihrer Mutter von ihrem Vater an ein Hurenhaus verpfändet wurde. Ohnmächtig musste sie sich dem fügen, was andere Männer von ihr verlangten. Nur zu bereitwillig möchte man sich als Leser dem schnellen Urteil des Kerkermeisters anschließen, dass Clara sich an ihrem Vater gerächt habe. Das wäre aber zu einfach. Bei gut 600 Seiten sollte man auch Gelegenheit zum Miträtseln haben.

Petra Schier verknüpft in diesem sechsten und vermutlich auch letzten Band der Reihe um die Kölner Apothekerin zwei Krimihandlungen mit einem ausführlichen Gesellschaftsporträt des späten Mittelalters. Bekannte und neue Figuren werden wandlungsfähig dargestellt, sodass sie bei der Lösung des Mordfalls für Überraschung sorgen. Dabei sind die Handlungen immer nachvollziehbar und für die Figur plausibel, auch wenn man selber vielleicht anders gehandelt hätte. Während das Kapitalverbrechen noch ein Racheakt darstellen könnte, sind die gefälschten Münzen offenbar ein großangelegter Betrug. Auch mit diesem Aspekt beweist die Autorin eine akribische Recherche zu den verschiedenen Währungen. Diese exakten Schilderungen des Lebens und vor allem des geschäftigen Treibens in der Stadt lassen die 500 Jahre zurückliegende Historie wieder lebendig werden.

Sprachlich treffend konzipiert

Der Schreibstil ist gewohnt leicht zu lesen und wirkt dennoch lange nach. Er verleitet, sich ganz in das Buch zu verlieren und länger bei der Kölner Gesellschaft zu verweilen als man eigentlich vorgehabt hat. Der über lange Strecken ruhige Roman wird zum Ende noch richtig turbulent, sodass auch die Spannung nochmal um Längen zulegt. Sprachlich ist der Roman so angepasst, dass er durchaus in seine Zeit passt, aber für heutige Leser nicht zu schwierig wird. Im Glossar sind die nichtgebräuchlichen Ausdrücke erklärt. Das Nachwort gibt Hinweise, was im Text dichterische Freiheit war und was aus alten Schriften übernommen wurde. Auch wenn fünf Bände vorangegangen sind, ist dieses Buch in sich abgeschlossen und kann durchaus auch alleine gelesen werden. Den größeren Spaß hat man allerdings, wenn man die Entwicklung der Figuren chronologisch verfolgt. Wegen der großartigen Komposition von Spannung, Figurenzeichnung und der sympathischen Hauptfiguren ist Vergeltung im Münzhaus daher eine klare Leseempfehlung.

Ihre Meinung zu »Petra Schier: Vergeltung im Münzhaus«

wampy zu »Petra Schier: Vergeltung im Münzhaus«28.12.2016
Buchmeinung zu Petra Schier – Vergeltung im Münzhaus

„Vergeltung im Münzhaus“ ist ein historischer Roman von Petra Schier, der 2016 im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen ist. Dies ist Band sechs der erfolgreichen Reihe, in der Apothekerin Adelina mit Scharfsinn und Dickköpfigkeit Kriminalfälle im mittelalterlichen Köln löst.

Zum Autor:
Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit Mann und Hund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur an der Fernuniversität Hagen, und seit 2003 arbeitet sie als freie Autorin.

Klappentext:
Köln 1408: Im Haus des Münzwechslers Henns Birboim wird ein Toter aufgefunden - brutal erstochen. Ein Knecht beschuldigt die junge Hebamme Clara des Mordes an ihrem Vater. Offenbar ein Racheakt: Der Tote hatte das Mädchen einst an ein Hurenhaus verpfändet, um seine Schulden zu begleichen.
Im Kerkerturm wird Clara bald ein zweiter Mord zur Last gelegt. Apothekerin Adelina setzt mit ihrer Tochter Griet alles daran, dem unglücklichen Mädchen zu helfen. Unterstützung erhalten sie dabei aus einer Richtung, aus der sie es nie für möglich gehalten hätten ...

Meine Meinung:
Obwohl es hier einen Mord im Münzhaus gibt, geht es im Buch hauptsächlich um Beziehungen im Umfeld Adelinas. Cristan Reese, zweiter Hauptmann der Kölner Stadtsoldaten, zieht in Adelinas Nachbarschaft ein. Er und Adelinas Stieftochter Griet kommen sich vorsichtig näher. Beide haben jeweils ein Geheimnis, das sie angreifbar macht und deshalb vor der Öffentlichkeit gewahrt bleiben muss. Der Schwerpunkt der Geschichte liegt auf der Entwicklung ihrer Beziehung, die sich als schwierig darstellt, auch weil Adelinas Familie diese anfänglich nicht unterstützt. Dabei gerät der Kriminalfall fast in Vergessenheit. Als Griet und Cristan ihre Geheimnisse voreinander lüften, werden sie in den sicheren Hort der Familie Burka aufgenommen. Denn eins ist klar: Erst kommt die Familie, dann lange Zeit nichts und dann so was wie Gesetze und Regeln. Neben der aufkommenden Liebe wird auch das Leben im städtischen Köln ausführlich geschildert. Der Leser erfährt viel über den Alltag und auch über die Struktur und die Regeln des Rates. Die Schilderung des historischen Lebens ist die Stärke dieses Romans. Noch dazu ist Adelina ein Sympathieträger der Extraklasse. Aber auch Cristan, Griet und Adelinas Ehemann Neklas Burka sind Sympathieträger, auch wenn ihre Charaktere weniger tief gestaltet sind. Im weiteren Verlauf gibt es ein Wiedersehen mit bekannten Figuren aus den vorherigen Büchern. Dabei gibt es durchaus Überraschendes zu entdecken.

Fazit:
Die Beschreibung des städtischen Lebens ist die große Stärke des Romans. Der Kriminalfall läuft in zweiter Reihe, der Fokus liegt auf der Beziehung Griet zu Cristan. Mir hätte eine andere Gewichtung besser gefallen. So kann ich nur drei von fünf Sternen oder 60 von 100 Punkten vergeben. Empfehlen kann ich das Buch jenen, die an einer Liebesgeschichte mit Startschwierigkeiten in einem gut geschilderten historischen Umfeld interessiert sind.
mabuerele zu »Petra Schier: Vergeltung im Münzhaus«22.10.2016
„...Männer neigen dazu, einer Frau das Leben nicht gerade leichtzumachen.Ich vermute aber, dass sie es umgekehrt ebenso sehen. Sie geben es bloß nicht gerne zu...“

Wir schreiben das Jahr 1408. Im Hause der Apothekerin Adelina Burke hat sich ihre Stieftochter Griet ein Laboratorium eingerichtet. Ihre Leidenschaft gilt genau wie die ihres Vater, des Medikus Neklas, der Alchemie. Griet hat eine hartes Schicksal hinter sich. Sie wurde als Kind in einem Bordell missbraucht, bevor Neklas sie fand und zu sich holte. Trotzdem hat sie sich zu einer klugen und wissbegierigen jungen Frau entwickelt. Nur Männer hält sie auf Distanz. Körperliche Berührungen sind ihr unangenehm. Sie ist alles andere als begeistert, als in der Nähe ihres Wohnhauses Cristan Reese ein Haus kauft.
Auf dem Markt treffen Griet und Adelina die junge Hebamme Clara. Diese bleibt stocksteif stehen, als sie hinter sich eine Stimme hört. Es ist ihr Vater Urs und dessen Knecht Wendel. Beide sind aus Aachen nach Köln gezogen. Vor Jahren hatte der Vater seine Frau und Clara an ein Hurenhaus verkauft, damit sie für seine Schulden aufkommen. Clara konnte fliehen und lebt seitdem in Köln.
Wenige Tage später ist Urs tot. Clara wird als mögliche Täterin verhaftet.
Die Autorin hat erneut einen fesselnden und abwechslungsreichen historischen Roman geschrieben. Selbst wer die Vorgängerbände nicht kennt, dürfte kein Problem haben, die Geschichte zu verstehen. Notwendiges Wissen aus der Vergangenheit wird gekonnt in die Geschichte integriert.
Der Schriftstil ist angenehm lesbar. Die Protagonisten sind gut charakterisiert. Schnell wird klar, dass im Hause Burke eine offene Atmosphäre herrscht, die von gegenseitiger Achtung geprägt ist. In den gut aufbereiteten Gesprächen kommt auch der Humor nicht zu kurz. Doch auch ernste Themen werden berührt. Besonders die Gespräche zwischen Adelina und Griet gehen in die Tiefe. Obiges Zitat stammt aus einem dieser Dialoge von Adelina . Viel Wert legt die Autorin auf die Gedanken und Gefühle ihrer Protagonisten. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere Adelina, die ein feines Gespür für den Seelenzustand ihrer Lieben hat und meist die richtige Methode findet, um Wogen zu glätten, den anderen aufzubauen oder hilfreiche Ratschläge zu geben. Neklas, ihr Mann, reagiert vor allem dann heftig, wenn es um seine Tochter Griet gibt. Aber es ist keine Besonderheit der Vergangenheit, dass Männer mögliche Schwiegersöhne misstrauisch beäugen. Die Ermittlung im Falle von Urs werden ausreichend dargestellt. Allerdings hat er nicht nur in einer Hinsicht Dreck am Stecken. In diesem Zusammenhang gewährt die Autorin einen tiefen Einblick in das Gerichtswesen der damaligen Zeit. Das zeugt von exakter und umfangreicher Recherche. Gleiches gilt für die Marktszenen und das Leben im bürgerlichen Haushalt.
Ein Personenregister und ein Glossar ergänzen das Buch.
Das Cover passt zu einem historischen Roman.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es verbindet geschickt einen historischen Kriminalfall mit der Beschreibung der Lebensweise der damaligen Zeit.
dorli zu »Petra Schier: Vergeltung im Münzhaus«30.09.2016
Köln, 1408. Die junge Hebamme Clara van Oeche wird beschuldigt, ihren Vater im Haus des Münzwechslers Henns Birboim erstochen zu haben. Griet Burka ist fest davon überzeugt, dass ihre Freundin nichts mit dem Mord zu tun hat und will deren Unschuld beweisen. Gemeinsam mit Adelina begibt sie sich auf Spurensuche.
Nicht nur der Mordfall und die Verhaftung Claras sorgen im Hause Burka für Aufregung - Cristan Reese, Hauptmann der Stadtsoldaten und künftiger Gewaltrichter in Köln, hat ein Haus in der Nachbarschaft gekauft und ein Auge auf Griet geworfen…

„Vergeltung im Münzhaus“ ist der sechste und abschließende Band der Adelina-Reihe. Das Buch ist auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände lesbar, da es sich um eine in sich abgeschlossene Geschichte handelt.

Wie in allen historischen Romanen, die ich bisher von Petra Schier gelesen habe, herrscht auch in diesem Buch eine vertraute, heimelige Atmosphäre - nicht die große Politik ist Thema, sondern der mittelalterliche Alltag, das Familienleben und der Zusammenhalt aller stehen im Vordergrund.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht diesmal Adelinas Stieftochter Griet. Die mittlerweile 20-Jährige ist geprägt von den Schrecken ihrer Kindheit. Kaum jemand weiß von den traumatischen Erlebnissen, die sie als Kinderhure erdulden musste und nie überwunden hat. Die Welt der zurückhaltenden jungen Frau wird völlig auf den Kopf gestellt, als Cristan Reese in ihr Leben tritt. Griet fühlt sich zu Cristan hingezogen, kann sich aber aufgrund ihrer Vergangenheit nicht auf ihn einlassen - eine emotionale Achterbahnfahrt, die von Petra Schier absolut nachvollziehbar dargestellt und sehr mitreißend geschildert wird.

Auch Cristan hat ein streng gehütetes Geheimnis, dessen Enthüllung für ihn selbst und auch für sein näheres Umfeld äußerst gefährlich werden könnte. Eine gemeinsame Zukunft mit Griet steht allein deswegen schon auf sehr wackeligen Füßen. Aber der junge Mann hat von Petra Schier nicht nur eine große Portion Selbstbewusstsein, sondern auch ein Menge Mut und einen starken Willen mit auf den Weg bekommen - ein Mann, der Schwierigkeiten nicht scheut.

Nicht nur die familiären Angelegenheiten sorgen für Turbulenzen, auch der Kriminalfall ist wieder einmal verzwickt. Adelinas und Griets Bestreben, im Mordfall van Oeche für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen, wird zu einer großen Herausforderung. Es will partout nicht gelingen, dem wahren Täter das Handwerk zu legen – im Gegenteil, während der Nachforschungen tauchen gewichtige Argumente auf, die Clara schwer belasten. Ein winziger Gedanke, aus einem anderen Zusammenhang herausgesprungen, bringt Adelina letztendlich auf die richtige Spur.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die liebenswerte, gewiefte, sich niemals unterbuttern lassende und immer gerne den Ton angebende Apothekerin hat mich auch mit ihrem letzten Fall begeistert. Nicht nur „Vergeltung im Münzhaus“ auch alle anderen Bände der Reihe habe ich sehr gerne gelesen. Es hat mir großen Spaß gemacht, mit Adelina auf Verbrecherjagd zu gehen, sie und ihre Familie durch alle Höhen und Tiefen zu begleiten und Glück und Freude aber auch Kummer und Sorgen mit ihr zu teilen.

Das war es nun also, das letzte Adelina-Abenteuer. Schade! Obwohl, im Nachwort glimmt ein kleines Fünkchen Hoffnung, dass es vielleicht doch irgendwann ein Wiedersehen mit der Familie Burka geben wird. „Warten wir es ab“ (O-Ton Adelina).
PMelittaM zu »Petra Schier: Vergeltung im Münzhaus«16.09.2016
1408: Griet Burka ist eine schöne junge Frau geworden, die aber immer noch von den schlimmen Ereignissen in ihrer Kindheit traumatisiert ist. Sie hat einen Schutzwall um sich herum gebaut, der allerdings ins Wanken gerät, als sie den neuen Nachbarn kennenlernt: Cristan Reese, Neffe des Gewaltrichters Georg Reese, eines Freundes der Familie. Doch nicht nur Griet Burka hat ein Geheimnis, auch Cristan Reese trägt schwer an seinem.

Die Hebamme Clara van Oeche, eine Freundin der Familie Burka, wird verdächtigt ihren Vater, den Kürschnermeister Urs van Oeche, der vor kurzem von Aachen nach Köln übersiedelte, getötet zu haben. Grund genug dafür hätte sie, wurde sie, zusammen mit ihrer Mutter, doch von ihm an ein Hurenhaus verpfändet, um seine Schulden zu tilgen. Griet glaubt fest an die Unschuld ihrer Freundin und setzt alles daran, diese zu beweisen.

Adelina ist in diesem Band etwas in den Hintergrund gerückt und Griet tritt ins Zentrum der Geschichte. Und sie weiß zu gefallen, nicht nur, weil sie eine tolle Entwicklung durchläuft und weil man so schön mit ihr fühlen kann. Neben Griets Geschichte steht auch der Kriminalfall zurück, sorgt aber für ausreichend Spannung und wird natürlich trotzdem sinnvoll gelöst und mehr als zufriedenstellend abgeschlossen. Alle wichtigen Charaktere treten noch einmal auf, seien es Familienmitglieder oder Freunde der Burkas, ja sogar alte Feinde, wie Bruder Thomasius, der übrigens die in meinen Augen größte Überraschung des Romans liefert! Sollte jemand den Überblick verlieren, vielleicht, weil er die Vorgängerromane noch nicht kennt, hilft ein Blick in das Personenverzeichnis im Anhang. Die Charaktere sind, wie gewohnt, liebevoll gezeichnet und wirken authentisch, Menschen aus dem Leben eben.

Ich habe diesen sechsten Adelina-Band mit einem weinenden und einem lachenden Auge gelesen. Es war schön, wieder im Kreise der Familie Burka zu sein, schon innerhalb weniger Seiten treten alle liebgewonnenen Charaktere auf oder werden zumindest erwähnt – es ist fast ein bisschen wie nach Hause kommen. Doch leider ist dieser Band auch der letzte der Serie und so heißt es am Ende Abschied nehmen von Adelina, Neklas und den Ihren.

Petra Schier kann einfach gut erzählen, lebendig, bildreich, einfühlsam, der Leser taucht tief ein in ihre Geschichte und lässt nur ungern wieder los. Mit diesem Roman hat die Autorin sich noch einmal richtig ins Zeug gelegt und macht es dem Leser sehr schwer, sich zu trennen. Doch wie sagt Adelina in ihrem Schlusswort (S. 498): „Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich nur eine Figur in einer Geschichte, die jemand erzählt.“ Für den Leser ist sie jedenfalls viel mehr als das. „Wir hören ja nicht einfach auf zu leben, bloß weil wieder einmal ein Kapitel unserer Familiengeschichte abgeschlossen ist“, und natürlich wünschen wir ihr, Neklas, Griet, Jupp und Marie, Ludmilla und all den Anderen weiterhin ein schönes und glückliches Leben. Ich würde mich sehr freuen, die Burkas noch einmal zu treffen und sei es auch nur, wie bereits in „Das Haus in der Löwengasse“ geschehen, einen Nachkommen – aber auch so weiß man, sie sind noch da und es geht ihnen gut.

Mit „Vergeltung im Münzhaus“ wird die Adelina-Reihe gelungen zu Ende gebracht. Ich freue mich nun auf neue historische Romane aus der Feder der Autorin und vergebe sehr gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung, natürlich für die gesamte Reihe.
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