Der Lohn der Sünde von Peter Tremayne

Buchvorstellungund Rezension

Der Lohn der Sünde von Peter Tremayne

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „The Second Death“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 448 Seiten.ISBN 3-7466-3158-0.Übersetzung ins Deutsche von Irmhild Brandstädter, Otto Brandstädter.

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Kurzgefasst:

Irland 671: Bunt bemalte Wagen sind auf dem Weg nach Cashel. Die Akrobaten, fahrenden Sänger, Zauberer wollen dort am Großen Jahrmarkt anlässlich des Beltaine-Festes teilnehmen. Doch etwas trübt die Freude: Eine junge Frau, die sich mit ihrem Wagen den Schaustellern angeschlossen hat, wird ermordet. In ihrem Wagen findet man die Leichen eines jungen Mannes. Sind die geheimnisvollen Messingsplättchen mit dem Raben darauf, die beide am Handgelenk tragen, ein Hinweis auf ihre Herkunft und die Mörder? Und was hat es mit dem Goldenen Stein auf sich? Eine schwierige und gefährliche Aufgabe für Fidelma und Eadulf.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein altes Heiligtum sorgt für Ärger“85Treffer

Rezension von Annette Gloser

Man schreibt das Jahr 671 im Königreich Muman, einem der fünf irischen Königreiche. In Cashel, dem Sitz des Königs von Muman, steht der große Jahrmarkt bevor und Gaukler kommen von überall her in die Stadt. Die Truppe des Musikanten Baodain jedoch wird von einem Unglück heimgesucht. Kurz vor dem Ziel gerät einer der Wagen in Brand, der Kutscher stirbt. Bruder Eadulf, Schwager des Königs und Ehemann der Dáleigh und Ermittlerin Fidelma von Cashel, trifft die Gaukler bei ihren Löschversuchen an. Schnell stellt er fest, dass der tote Kutscher eigentlich ein Mädchen ist. In dem fest verschlossenen Wagen findet er eine weitere Leiche, einen jungen Mann. Als die beiden Toten auf die Burg gebracht und untersucht werden, macht der Apotheker Bruder Conchobhar eine bestürzende Entdeckung: Das Mädchen starb nicht an einer Rauchvergiftung. Sie und der junge Mann wurden offenbar vergiftet, schon lange bevor sie sich der Gauklertruppe anschlossen. Woher kamen die beiden? Warum wollte das Mädchen unbedingt nach Cashel? Und hat das Armband mit dem Rabenmedaillon eine tiefere Bedeutung oder ist es nur ein harmloses Schmuckstück?

Für Fidelma ist klar, dass sie hier ermitteln muss. Zwar passt das ihrem Bruder Colgú überhaupt nicht in den Kram, sieht er doch den Erfolg des Jahrmarktes gefährdet, doch Fidelma kann sehr überzeugend sein. Sie ahnt, dass es hier um ein kompliziertes Verbrechen geht. Gemeinsam mit Eadulf beginnt sie ihre Nachforschungen.

Fidelmas Welt

Der Lohn der Sünde nimmt an einigen Stellen Bezug auf frühere Fidelma-Romane, vor allem auf Tod den alten Göttern. In diesem Roman untersuchte Fidelma den Mord an Hochkönig Sechnussach und die Ereignisse in Der Lohn der Sünde sind eine direkte Folge des Geschehens um jenen Mord. Trotzdem kann man diesen Krimi durchaus auch lesen ohne die vorhergehenden Bände zu kennen. Es macht aber wesentlich mehr Spaß wenn man die früheren Fidelma-Krimis kennt. Peter Tremayne hat für seine Fidelma eine eigene, in sich wunderbar funktionierende Welt erschaffen, mit Protagonisten, die in den Romanen immer wieder auftauchen, mit Orten, die der Leser aus früheren Romanen kennt und mit Bezügen auf die Kriminalfälle in diesen Romanen. Zur Fidelma-Welt gehören jedoch auch die reale irische Geschichte und vor allem die irische Gesetzgebung. Und hier ist Tremayne ein Spezialist, der die historischen Fakten gekonnt mit seiner Fiktion verbindet und damit eine authentische, glaubhafte Atmosphäre schafft. Als langjähriger Leser der Krimis hat man fast das Gefühl, guten Bekannten wieder zu begegnen und ein bisschen dazu zu gehören. Peter Tremayne ist Historiker, die irische Geschichte sein Fachgebiet. Die Informationen, die er seinen Lesern über das frühmittelalterliche Irland gibt sind zwar manchmal kaum zu glauben, jedoch historisch belegt. Auch in Der Lohn der Sünde geht der Autor auf ein besonderes Stück Geschichte ein. Der Goldene Stein, um den es im Roman letztendlich geht, hat tatsächlich existiert.

Eadulf in Bestform

In diesem Fidelma-Krimi bekommt Eadulf wieder einmal die Chance, seine Qualitäten zu zeigen. Tremayne läßt ihn eigenständig neben Fidelma agieren. Dabei läuft der Ehemann der Ermittlerin zu Hochform auf und hat großen Anteil an der Lösung des Falles. Zwei Handlungsstränge laufen parallel, der eine mit Eadulf und der andere mit Fidelma als Detektiv. Erst gegen Ende des Romans führt der Autor die beiden wieder zusammen. Als Leser hat man den Vorteil, jeweils zu wissen, was der andere Ermittler gerade erfahren oder getan hat. So hat man die Chance, ein wenig schneller zu sein als Fidelma. Allerdings hat der Autor auch hier wieder einige Fallen aufgestellt, sonst wäre es ja auch zu einfach und würde längst nicht so viel Spaß machen. So bleibt die Spannung bis zu den letzten Seiten erhalten.

Der Charme der historischen Realität

Letztendlich ist die Verknüpfung von historischen Fakten mit einem spannenden Kriminalfall das, was einen guten Teil des Charmes dieser Romanreihe ausmacht. Der Lohn der Sünde ist mittlerweile das vierundzwanzigste Buch aus der Fidelma-Reihe. Viele Krimi-Serien schwächeln dann schon lange. Nicht so Fidelma, sie scheint gleichbleibend gut, mit gewissen Höhen und Tiefen, aber immer spannend und informativ. Dem Roman vorangestellt ist eine Karte von Muman, leider in jedem Buch die gleiche und die Orte aus dem aktuellen Krimi sucht man vergebens darauf. Das ist schade. Es wäre toll, wenn es für jeden neuen Roman eine aktualisierte Karte gäbe. Dem Roman vorangestellt sind diesmal Vorbemerkungen des Autors. Es lohnt sich, sie vor dem Roman zu lesen.

Dieser Roman bietet spannende Unterhaltung und interessante Fakten. Wer noch auf der Suche nach guter Urlaubslektüre ist, sollte hier zugreifen. Und am besten gleich noch ein paar der vorhergehenden Bände der Reihe mit in den Koffer stecken. Wer Fidelma lieben gelernt hat, der kann einfach nicht genug von ihr kriegen.

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