Romulus

Serien-Kritik von Carsten Jaehner (03.2022)
Titelbild: © Pandastorm Pictures

Die Gründung Roms

Im 8. Jahrhundert vor Christus in der Region Latium, heutiges Italien. Es herrscht Trockenheit, und um wieder Regen zu bekommen, hört König Numitor auf eine Weissagung und begibt sich ins Exil und lässt sich blenden, damit seine beiden Enkelsöhne Enitos und Yemos gleichberechtigt an seine Position treten und die Herrschaft über die 30 Stämme übernehmen können. Doch sein Bruder Amulius sieht die Gelegenheit gekommen, selbst die Herrschaft zu übernehmen und will die Brüder töten. Dies gelingt nur mit Enitos, Yemos hingegen kann fliehen und trifft in den Wäldern auf Wiros, der sich derzeit einer Prüfung unterzieht, als Sklave aber ebenfalls geflohen ist.

Sie finden das Waldvolk, schließen sich ihm an und gehören damit zur Gemeinschaft derer, die auf die Wolfsgöttin Rumina hören. Gemeinsam mit der ehemaligen Vestalin Ilia wollen sie den Traum einer Stadt verwirklichen, in der alle Völker frei und gleich leben können.

Beachtliche nicht-amerikanische Produktion

Wer sich an seine Schulzeit erinnert, hat vielleicht noch den Merkspruch „7-5-3, Rom schlüpft aus dem Ei“ im Kopf, dessen Datum 753 eben dasjenige der Gründung Roms sein soll. Der Sage nach sollen die Zwillinge Romulus und Remus von einer Wölfin aufgezogen worden sein und beide im Jahr 753 v. Chr. die Stadt Rom gegründet haben. Diese Geschichte wird in der italienischen Serie „Romulus“ von 2020 so nicht erzählt.

Mit viel Aufwand, viel Schmutz, Dreck und (Kunst-)Blut erzählt die Serie die Gründungsgeschichte der Stadt Rom auf eine realistischere Weise. Die zehn Episoden, die jeweils ungefähr eine Stunde dauern, sind mit viel Sorgfalt und auf hohem cineastischem Niveau gefilmt und erinnern in ihrer Machart an Serien wie „Vikings“ oder „Barbaren“ und reihen sich damit in den aktuellen Aufmarsch von Historienserien ein. Das ist erfreulich und zeigt vor allem, dass europäische Serien sich durchaus mit Großproduktionen aus den USA messen können. Da nicht viel Originales aus der Zeit überliefert ist, stellt sich auch die Frage der Authentizität von Kleidung usw. nicht.

Götter und Traditionen

Aufgrund der beschriebenen Zeit ist dabei gar keine Ausstattungsorgie vonnöten. Die zu erwartenden Sets sind der Zeit angemessen, es gibt keine riesigen Bauten. Ein paar Hütten gilt es zu erobern, die Waldmenschen leben in Höhlen, und so ist es hauptsächlich eine Sache der Umgebung, der Kostüme und des Lichts, die Geschichte zu erzählen. Diese kommt zunächst etwas verworren daher, doch dem aufmerksamen Zuseher wird schnell klar, wie der Hase läuft.

Nachdem Amulius als der Bösewicht der Serie ausgemacht ist, der einen seiner Großneffen getötet hat, dies aber natürlich nicht sagen kann, dafür aber Yemos des Brudermords bezichtigt und somit die Jagd auf ihn eröffnet, merkt er doch mehr und mehr, dass die Götter vielleicht doch nicht auf seiner Seite sind.

Überhaupt spielen die Götter hier eine große Rolle. Auch wenn sie nicht selbst auftauchen, so werden sie doch oft angerufen und ihnen Handlungen gewidmet. Priester leben in Höhlen und verehren Gott Mars, dem sich auch Ilia widmen will, obwohl dies für Frauen nicht gestattet ist. Dennoch schwört sie, ihren Geliebten Enitos zu rächen und will Yemos töten, der aber immer seine Unschuld beteuert.

Yemos wird dargestellt vom gutaussehenden Andrea Arcangeli, dem man gerade zu Beginn der Serie seine Verzweiflung nicht abnehmen mag, der sich aber im Laufe der Serie steigert und sich mehr und mehr mit seiner Rolle identifiziert. Ilias Darstellerin Marianna Fontana muss einiges durchmachen und gibt eine selbstbewusste Kriegerin. Sergio Romanos Amulius ist ein stattlicher Gegner, der am Ende durch die Liebe zu seiner (intriganten) kranken Frau menschlicher wird. Francesco di Napoli als Wiros mag als unterdurchschnittlicher Sklave am Anfang noch etwas tumb agieren, entwickelt sich aber am meisten und arbeitet sich tapfer zum Anführer nach oben.

Blut und Mystik

Die Serie lebt von ihrer Mystik und von ihren Intrigen, wie sie damals wohl des Öfteren vorgekommen sind. Die Darsteller mussten vermutlich einiges über sich ergehen lassen, um ihre Figuren so authentisch wie möglich aussehen und wirken zu lassen, immerhin sind sie stets dreckig und wenig bekleidet, und meist auch noch blutbefleckt.

Hinter all dem Dreck werden die drei Handlungsstränge um Yemos, Amulius und Ilia am Ende zusammengeführt und zu einem sinnvollen Ende gebracht. Ob es nun wirklich so war, oder ob sie Sage mit der Zwillinge säugenden Wölfin stimmt, wer weiß das schon, niemand war dabei, aber diese Geschichte um Yemos ist noch nicht zu Ende erzählt, eine zweite Staffel mit dann acht Folgen ist in Vorbereitung.

Die Serie lief auf Magenta TV und ist bei Amazon Prime derzeit als Bezahlserie zu sehen und auf DVD/ Blu-ray erhältlich. Wer möchte, kann die Serie auch im wählbaren lateinischen Original hören, in der sie gedreht wurde. Überraschenderweise, wenn man genau hinhört, wurde der Song „Shout“ der Band Tears for Fears in einer altertümlichen Version als Titelsong gecovert, eine angenehme und passende Wahl. Leider enthalten weder DVD noch Blu-ray, abgesehen von der Wahl zwischen einer deutschen oder einer lateinischen Tonspur, irgendwelche Extras. Gerade ein Making-Of wäre wünschenswert gewesen.

Fazit

„Romulus“ ist eine italienische Historienserie, die die Geschichte der Gründung Roms erzählt, auf eine sagenbefreite und realistische, daher blutige und zudem intrigante Art und Weise. Wer auf Serien steht, die Geschichten aus dem Altertum erzählen, ist hier richtig aufgehoben. Für eine nicht-amerikanische Serie sehr beachtlich.

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Szenenfotos:  © Pandastorm Pictures

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