1917

Film-Kritik von Lennard C. Schmechta (07.2020)
Titelbild: © Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC.

Gewaltige Bilder, eine spannende und realistische Geschichte

Nur ein offensichtlicher Schnitt im Film auf einer Länge von über 2 Stunden Laufzeit – mit dieser erstaunlichen Leistung machte das Weltkriegs-Epos von Regisseur Shawn Mendes bereits vor Kinostart Schlagzeilen. Mendes ist vor allem auch durch die beiden Bond-Filme „Skyfall“ und „Spectre“ bekannt geworden und erzählt mit „1917“ die Geschichten seines eigenen Großvaters, der als Meldegänger auf alliierter Seite im Krieg gekämpft hat. Die Umsetzung kann somit sowohl erzählerisch, als auch technisch punkten.

Hintergründe und Geschichte

Der Film spielt (wie der Name bereits erahnen lässt) im Frühjahr 1917, dem Höhepunkt des ersten Weltkriegs und erzählt die Geschichte zweier Soldaten, die als Meldegänger die Aufgabe erhalten, ein ganzes Bataillon vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Gleich zu Beginn des Filmes wird die Lage klar gemacht: Seit Wochen steht die Front still, das Hin und Her des sogenannten „Grabenkrieges“ scheint kein Ende zu nehmen. Doch nun sollen sich die deutschen Truppen über mehrere Kilometer zurückgezogen haben, ein Schachzug der sich als Falle herausstellt. Doch im Gegensatz zu späteren Konflikten konnte man während des 1. Weltkriegs noch keine Meldungen zuverlässig über Funk weitergeben. Viel zu oft wurden die ohnehin schlechten Verbindungen zerstört oder anderweitig unterbrochen. Aus diesem Grund werden die Soldaten Blake und Schofield von ihrem General ausgewählt, die Nachricht persönlich zu übermitteln. Der Auftrag der beiden Meldegänger ist klar: Schaffen sie es nicht, die Nachricht zu überbringen, gehen 1.600 Soldaten in den sicheren Tod. Dabei spielt für den Soldaten Blake auch eine persönliche Komponente mit: Sein Bruder ist einer dieser 1.600 Soldaten.

Die unterschiedliche Motivation der beiden jungen Männer wird während des Films genauso thematisiert, wie die generelle Situation des Krieges. Hier schafft es Mendes hervorragend, die Bilder sprechen zu lassen: Die beiden Meldegänger stoßen zu Anfang kein einziges Mal auf Feindkontakt. Stattdessen erfahren die Zuschauer den Schrecken des Krieges durch zerfetzte Leichen, zerbombte Landschaften und zerschossene Dörfer und Städte. Gerade die Trostlosigkeit und Zerstörungskraft werden somit auch ohne Kampfeinlagen mehr als deutlich und bleiben durchgängig realistisch.

Die Handlung um die beiden Soldaten bleibt spannend und interessant, nicht zuletzt auch durch die „One-Take“- Regieführung die keine Atempause für den Zuschauer erlaubt, aber auch ganz klar durch die ausgezeichneten Schauspieler, was auch prominente Nebendarsteller einschließt; so zum Beispiel Benedict Cumberbatch, der den Befehlshaber des bedrohten Bataillons spielt.

Fazit:

Gewaltige Bilder, eine spannende und realistische Geschichte und hervorragende Schauspieler: Shawn Mendes hat mit seinem Weltkriegs-Epos mehr als nur eine technische Meisterleistung vollbracht. Somit reiht sich der Film definitiv verdient in die obere Kategorie der Kriegsdramen und -filme ein. Dennoch wird dabei auch klar, dass der Film für ein breites Publikum geschaffen wurde: Die gegnerische Seite, die deutschen Soldaten, dienen in dem Film durchgängig als „Bösewichte“, hier hätte man womöglich gerade vor dem Hintergrund des beidseitigen Sterbens der jungen Soldaten in diesem aussichtslosen Krieg mehr erzählen können. Am Ende ist „1917“ dennoch eine absolute Empfehlung und eine großartige und packende Erfahrung.

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