Die Eismalerin von Kristín Marja Baldursdóttir

Buchvorstellungund Rezension

Die Eismalerin von Kristín Marja Baldursdóttir

Originalausgabe erschienen 2004unter dem Titel „Karitas án titils“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 464 Seiten.ISBN 3810502561.Übersetzung ins Deutsche von Coletta Bürling.

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Kurzgefasst:

Die Witwe Steinunn Olafsdóttir zieht mit ihren sechs Kindern in die kleine Stadt Akureyri im Norden Islands, damit sie dort die Schule besuchen können – auch die Mädchen. Hart sind die Zeiten um 1900, unberechenbar auch die Naturgewalten. Hart ist auch die Arbeit in der Fischfabrik, wo die Frauen wochenlang im Akkord den gefangenen Hering – das Silber des Meeres – einsalzen müssen. Dennoch entdeckt Karitas, die jüngste Tochter, ihr künstlerisches Talent. Ihr größter Wunsch ist es, Malerin zu werden. Doch dann lernt sie den großen, gutaussehenden, grünäugigen Sigmar kennen und lieben, und sie steht vor der folgenschwersten Entscheidung ihres Lebens.

Das meint Histo-Couch.de: „Baldursdottir lässt den Leser die Kälte des isländischen Winters spüren ...“82

Rezension von Kirsten Lambeck

Nüchtern und klar beschreibt Kristin Marja Baldursdottir die Härten des isländischen Alltags am Beginn des 20. Jahrhunderts und lässt die Leser teilhaben am Kampf einer Mutter und ihrer Töchter um ein selbstbestimmtes Leben.

Eine ehrgeizige Mutter mit großen Plänen

Die Autorin erzählt in ihrem ersten historischen Roman „Die Eismalerin“ vom Leben der Isländerin Karitas, deren Wunsch, Künstlerin zu werden, am harten Leben und den Traditionen der Insel am Polarkreis scheitert. Der in drei Teilen angelegt Roman erzählt in seinem ersten Teil vom hoffnungsvollen Aufbruch einer Familie aus den westlichen Fjorden Islands in die Hafenstadt Akureyri im Jahre 1915. Die Witwe Steinunn hat den ehrgeizigen Plan, nicht nur ihren drei Söhnen, sondern auch den Töchtern eine Schulausbildung und ein eigenständiges Leben zu ermöglichen.

Zunächst hat die Autorin die ganze Familie im Blick, allmählich erst wird der Fokus auf die jüngste Tochter Karitas gerichtet. Weil sie noch zu jung ist, um wie ihre älteren Geschwister in der Fischfabrik zu arbeiten, versorgt sie allein den Haushalt und den kleinen Bruder und hilft mit ihrem Organisationstalent der Familie aus der bitteren Armut heraus. Das Wunder gelingt: Alle Kinder besuchen eine Schule. Zuletzt wird auch Karitas versorgt: Die Dame, bei der sie als Hausmädchen arbeitet, entdeckt ihr großes Zeichentalent, unterrichtet sie und finanziert ihr schließlich das Kunststudium im fernen Kopenhagen. Karitas wagt den Sprung aus der Norm gegen alle Anfeindungen, vor allem die der eifersüchtigen älteren Schwester.

Von der Kunsthochschule in die Torfhütte

Wir treffen Karitas im Jahre 1923 wieder. Sie ist zurück in Island und hat große Pläne: Sie will Künstlerin werden und – nur diesen einen Sommer – in der Fischfabrik arbeiten, um Geld für eine Ausstellung zu verdienen. Doch alles kommt anders:

Sie begegnet dem grünäugigen Fischer Sigmar, verliebt sich und – Schicksal vieler Frauen in (nicht nur) historischen Romanen – wird gleich beim ersten Mal schwanger. Sigmar erfährt von der Schwangerschaft und nimmt Karitas mit in seine Heimat an einen einsamen Fjord. Dort lebt Karitas, die sich zunächst noch daran klammert, Künstlerin zu sein, das Leben einer Fischerfrau:

Sie wartet monatelang auf ihren Mann und ist inzwischen allein mit dem kärglichen Leben in einem Torfhaus. Sie erlebt aber auch die Solidarität vor allem der Frauen des Dorfes. Vier Kinder bringt Karitas zur Welt, von denen ihr nur zwei Jungen bleiben: Ein Sohn stirbt kurz nach der Geburt – eine Tochter nimmt Karitas eifersüchtige Schwester Bjarghildur gegen Karitas Willen zu sich und entfremdet sie der Mutter. Karitas schließlich bricht durch das anstrengende Leben zusammen und verlässt Sigmars Haus, die Nachbarn schicken sie zu einer alleinstehenden Frau an die Nordküste, damit sie wieder zu Kräften kommt.

Zu Beginn des dritten Teils sind 13 weitere Jahre vergangen: Karitas lebt immer noch mit ihren Söhnen auf dem Hof an der Nordküste als Gäste einer liebenswürdigen Frau. Sie und die Söhne arbeiten gegen Kost und Logis und haben sich mit dem Leben dort eingerichtet. Wir erfahren, dass Sigmar nie kam, um seine Frau und die Söhne nach Hause zu holen. Nun taucht er auf, als reicher Mann aus Italien – und Karitas muss sich noch einmal entscheiden.

Ein Buch voller starker Frauen

Das zentrale Thema der „Eismalerin“ sind die starken Frauen. In allen Teilen des Romans hat Kristin Baldursdottir vor allem die Frauen im Blick: die starke Mutter Steinnunn, die auch ihren Töchtern eine Chance geben will, die Frauen in der Fischfabrik und auf dem Dorf, die mit ihrer Solidarität das harte Leben erträglich machen, die Frau, die Karitas nach ihrem Zusammenbruch zu sich nimmt und sie an Leib und Seele gesund macht.

Der Vater ist tot, die drei Brüder sind im Gegensatz zu den individuell beschriebenen Schwestern recht blasses Beiwerk. Karitas selbst ist allerdings zumindest nach ihrer Rückkehr aus Kopenhagen eher passiv: Sie tut die Arbeit, die man ihr gibt und folgt Sigmar in seine Heimat, ohne dass sie sich auflehnt oder auch nur über Alternativen nachdenkt.

Nüchterner Einblick in die Härten des
isländischen Alltags

Die Isländerin Baldursdottir erlaubt einen tiefen Einblick in das Alltagsleben ihres Heimatlandes zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie beschreibt auch die Härten des Lebens nüchtern und ohne jedes Pathos. Die isländische Sagen- und Glaubenswelt mit ihren Elfenburgen und Trollen wird als genauso real vermittelt wie die tagelange Arbeit in der Fischfabrik oder das Schafeschlachten auf dem Lande.

Jedes der zahlreichen Kapitel beginnt mit einer Situations- oder Bildbeschreibung aus Karitas’ Sicht, während der Rest des Buches eher Distanz zu seinen Figuren hält. Diese kleinen Versatzstücke, die Karitas’ Seelenleben und Motive kurz aufscheinen lassen, sind der besonderer Reichtum der „Eismalerin“.

Insgesamt ein angenehm unaufgeregter Roman, der eine starke Geschichte erzählt und es darum nicht nötig hat, den Leser mit besonderem Pathos zu binden.

Ihre Meinung zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«

Ursula Wetterney zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«08.02.2018
Die Eismalerin hat mich sehr berührt und neugierig auf Island gemacht. Eine wunderschön geschriebene Geschichte mit Lust auf mehr. Mich würde sehr interessieren ob die Karitas ein Vorbild hat oder wirklich gelebt hat. Ihre Stärke in schwachen Momenten ist zu bewundern ebenso die Solidarität der Frauen untereinander.
SEvgi Tuncay zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«15.01.2016
Ich schreibe aus der Türkei. Nachdem ich dieses Roman,das mir meine Nichte asu DEutschland mitgbracht hat, gelesen habe, war ich fasziniert und habe ich ins Türkisch übersetzt. Und ich möchte sehr gerne Kristin Marja Baldursdottir kennenlernen. Ich würde freuen, wenn ich ihre Mailadresse oder irgendwie mit ihr Kontakt haben
Herzliche Grüße aus der Türkei
Sonja Bürgel zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«10.08.2015
Morgen fliegen wir nach Island. Es ist mein Geburtstagsgeschenk zum 70. Neugierig geworden bin ich auf Land und Leute beim Lesen der Bücher von Kristin Marja Baldursdottir.Und vielleicht bekomme ich ja auch eine Antwort auf die Frage -gibt es die "Eismalerin" oder zumindest ein Vorbild für die Romanfigur ? Vor allem-gibt es die Bilder , die in den Romanen beschrieben sind ? Ich freue mich auf die Reise!!
Martina Meder zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«01.09.2014
Eine wunderschön erzählte Geschichte, die mich dazu gebracht hat die Nacht hindurch zu lesen und auch auf dem Parkplatz im kalten Auto wenn ich auf meinen Sohn warten musste. Ich konnte kaum abwarten nach der Arbeit nach Hause zu kommen und bin Sonntagmorgens früher aufgestanden, nur um zu erfahren, wie es mit der Geschichte weitergeht.
Kurt Kaiser zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«24.10.2013
Ich habe Die Eismalerin mit Anteilnahme bis Hingerissenheit gelesen und sie wirkt immer noch nach. Zwar teile ich kritischere Anmerkungen einiger Kommentare oben, sie können jedoch meinem Gesamterlebnis der Lektüre nichts anhaben.
Nun interessiert mich nur noch eine wortgetreue Übersetzung des isländischen Originaltitels.
Danke schon jetzt, wenn mir jemand weiterhelfen kann.
Annelies Seelhofer-Brunner zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«01.08.2013
Und ich bin gerade von einer Reise durch Island zurückgekommen und habe mir die beiden Bücher wieder zur Hand genommen. Nun haben die einzelnen Orte ein Gesicht bekommen, Torfhäuser sind keine leeren Flecken mehr im Kopf und die grandiose Landschaft verbindet sich nun mit der Erzählung. Eine Biografie zum immer und immer wieder Lesen...
Die Autorin mutet ihren Leserinnen - ob wohl auch Männer zum Buch greifen? - einiges zu, man leidet mit der Romanheldin, kann sie manchmal überhaupt nicht verstehen und ist gleichzeitig immer mal wieder überwältigt von der Frauensolidarität, die sich da in vielerlei Szenen zeigt. Einzigartig und wunderbar ist dieses Kaleidoskop!!
Ria de Fontana zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«23.02.2013
Welch eine Geschichte........ Kurz bevor wir selber nach Island aufbrechen, wurde mir dieses einmalige Buch geschenkt!!! Die Spannung,die Beschreibungen der Natur, des harten Winters, der Arbeitskraft der Frauen, der Nachbarschaftshilfe und und und haben mich tief bewegt. Ich freue mich auf das Lesen weiterer Bücher dieser besonderen Schriftstellerin.
Sonja Bürgel zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«21.11.2012
Nachdem der Roman ausgelesen war , mit Interesse und Anteil-nahme ,suchte ich in Atlanten und im Internet nach Infos über Island .Das ist Europa und doch wußte ich bisher fast nichts-außer Gysieren und dem Vulkan mit dem schwierigen Namen natürlich. Schon allein für den "Trip" nach der Insel hat sich das Lesen gelohnt .Nun suche ich auch , ob K.M.B. eine isländische Künstlerin als Vorbild für ihre Karitas hatte .Einigen Werke sind so faszinierend geschildert ,dass bei mir die Vermutung sehr bald aufkam -aber ich weiß leider immer noch zu wenig über Island .
Lexa zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«03.03.2010
In einem ungewöhnlichen Schreibstil erzählt die Autorin die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau in grandioser Landschaft. Ihr gelingt es ausgezeichnet, mich in die Anfänge des 20. Jahrhunderts in Island zu versetzen, ein herbes, entbehrungsreiches Leben. Die teils sehr eigenwilligen Charaktere machen das Buch zu einem besonderen Erlebnis. Gekonnt wechselt die Autorin zwischen eher kargem Schreibstil, in dem sie die Menschen agieren läßt, von ihren Mühen und Plagen und der Liebe von Karitas und Sigmar erzählt und poetischem Stil, in dem Karitas ihre Kunstwerke und die imposante Landschaft beschreibt.

Das Buch hat mich schwer begeistert und nicht losgelassen bis zum Schluß.
Glücklicherweise gibt es eine Fortsetzung: Die Farben der Insel
Ailis zu »Kristín Marja Baldursdóttir: Die Eismalerin«24.02.2010
Mit diesem Buch habe ich mich schwer getan. Ich war immer hin- und hergerissen zwischen Weiterlesen und Weglegen. Letztendlich habe ich mich durchgekämpft, aber mit sehr gemischten Eindrücken.
"Die Eismalerin" erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich im Leben immer zwischen ihrer Kunst und ihrem Alltag als Ehefrau und Mutter entscheiden muss, der mit ihrer Malerei nur wenig zu tun hat.
Die Protagonistin an sich wird sehr launisch geschildert: von geradezu quälender Sanftmut und Einfältigkeit bis hin zu lähmendem Egoismus und Wahnsinn ist alles dabei. Ihre fehlende Wehrhaftigkeit hat mich als Leser ebenso auf die Palme bringen können wie ihre zickige Unberechenbarkeit.
In der Bewertung schwanke ich zwischen 2 und 3 von 5 Sternen - ich gebe drei, weil es ab und zu doch die ein oder andere schöne Passage gab und weil ich den ruhigen und sanften Ton der Erzählung mochte.

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