Spiel der Zeit von Jeffrey Archer

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Only Time Will Tell“,deutsche Ausgabe erstmals 2015, 560 Seiten.ISBN 3-453-47134-2.Übersetzung ins Deutsche von Martin Ruf.

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Kurzgefasst:

England um 1930: Der junge Harry Clifton wächst an den Hafendocks von Bristol heran, seine Mutter Maisie muss sich mit harter Arbeit durchschlagen. Um den Tod von Harrys Vater, der angeblich im Krieg gefallen ist, rankt sich ein Geheimnis. Harrys Leben nimmt eine Wendung, als er das Stipendium für eine Eliteschule erhält. Er tritt ein in die Welt der Reichen und lernt Giles Barrington sowie dessen Schwester Emma kennen, Erben einer Schifffahrts-Dynastie. Harry verliebt sich in Emma, ohne zu ahnen, dass die Schicksale ihrer Familien auf tragische Weise miteinander verknüpft sind ...

Das meint Histo-Couch.de: „Die Cliftons und die Barringtons  Teil 1 der Familiensaga“72

Rezension von yvs

Harry Clifton wird 1920 in Bristol als Sohn eines Hafenarbeiters geboren, sein Vater Arthur kommt unmittelbar nach seiner Geburt unter mysteriösen Umständen ums Leben und Harry wächst mit der Lüge auf, sein Vater wäre im Ersten Weltkrieg gefallen. Was Harry nicht weiß ist, dass seine Mutter kurz vor ihrer Hochzeit mit Arthur Clifton eine kurze Affäre mit einem Unbekannten hatte, der höchstwahrscheinlich Harrys biologischer Vater ist.

Harry wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und statt zur Schule zu gehen, lungert er lieber in den Hafenanlagen herum. Das ändert sich, als er Old Jack Tar begegnet, einem geheimnisvollen Einsiedler, der in einem ausrangierten Eisenbahnwaggon auf dem Hafengelände lebt und der Harrys väterlicher Freund wird. Ihm gelingt es, Harry von der Wichtigkeit des Schulbesuchs zu überzeugen. Harry wird Mitglied im Chor, wo er mit seiner außergewöhnlichen Gesangsstimme bald Aufmerksamkeit erregt. Als ihm sein musikalisches Talent ein Stipendium an einer Eliteschule beschert, nimmt Harrys Leben eine entscheidende Wendung. Als Chor-Stipendiat aus der Unterschicht hat er dort inmitten all der Snobs aus Geldadel und richtigem Adel aber einen schweren Stand. Unterstützung bekommt er von Giles, dem Spross der reichen und mächtigen Reeder-Familie Barrington. Giles und Harry werden Freunde und mit dem sympathischen Streber und Schlaumeier Deacon ist das Dreiergespann komplett.

Im Haus der Barringtons betritt Harry die Welt der Upperclass und während Giles´ Familie ihn freundlich aufnimmt, stößt er bei Giles´ Vater Hugo auf totale Ablehnung. Harry und seine Mutter bekommen es fortan mit einem mächtigen Gegner zu tun, der keine Intrige scheut und auch vor kriminellen Handlungen nicht zurückschreckt, um den beiden das Leben so schwer wie möglich zu machen, der Grund hierfür wird einem aufmerksamen Leser sehr schnell klar.

Ungewöhnlicher Erzählstil

Spiel der Zeit ist der erste Teil einer Familiensaga in sieben Teilen rund um die Familien Clifton und Barrington und erstreckt sich über die Jahre 1920-1940, umfasst damit im Wesentlichen Harrys Jugendjahre. Die Geschichte wird teils aus Harrys Perspektive, teils aus Sicht anderer Personen erzählt. Zu Wort kommen neben Harry und seiner Mutter Maisie auch Old Jack Tar, Hugo Barrington sowie Giles und seine Schwester Emma, die in Harrys Leben eine besondere Rolle spielen wird. Diese Perspektivwechsel sind so angelegt, dass der Leser ein und dieselbe Begebenheit mehrmals aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt bekommt, dabei werden von jeder erzählenden Person wichtige Puzzleteile beigesteuert oder Geheimnisse offenbart, so dass die Spannung erhalten bleibt und sich nach und nach ein komplettes Bild ergibt. Diese Erzählstruktur füllt Seiten, bringt aber die Handlung nicht wirklich voran, beim Leser ist also Geduld gefragt. Überdies wechselt der Erzählstil ständig zwischen Ich-Erzählung und Erzählung in der dritten Person.  

Eine Familiengeschichte nach altbewährtem Muster

Vom eigenwilligen Erzählstil einmal abgesehen, entspricht der Aufbau dieser Familiengeschichte den üblichen Mustern, hier erfindet der Autor das Rad nicht neu. Damit schleicht sich aber auch eine gewisse Vorhersehbarkeit in die Handlung und es gibt kaum Überraschungen. Die Figuren werden in die Schubladen Gut und Böse eingeordnet, richtige Charakterköpfe sucht man vergeblich. So verkörpert zum Beispiel Maisie Clifton die Rolle der gebeutelten und sich ständig für ihren Sohn aufopfernden Mutter, Giles ist der liebenswürdige Luftikus, sein Vater Hugo wird konsequent auf den intriganten Bösewicht reduziert, dem der Autor nicht eine einzige positive Charaktereigenschaft zugesteht. Harry ist der brave, aber leider auch ziemlich farblose Held.

Umso erstaunlicher ist es dann wiederum, dass es dem Autor trotz aller Weitschweifigkeit, Vorhersehbarkeit und eindimensionaler Figurenzeichnung gelingt, den Leser zu fesseln, ihn in die Geschichte zu ziehen und nicht wieder herauszulassen. Während sich die Handlung in den ersten beiden Dritteln überwiegend im ruhigen Fahrwasser bewegt, überschlagen sich die Ereignisse im letzten Drittel und der erste Teil dieser Familiensaga endet mit einem dicken, jedoch taktisch klugen Cliffhanger.   

Wenig historischer Hintergrund

Was bei dieser Familiengeschichte allerdings ziemlich außer Acht gelassen wurde, sind die historischen Ereignisse jener Zeit. Sie finden zwar hier und da Erwähnung, bleiben aber überwiegend Marginalie. Dabei hätten sich solche Themen wie das Aufbrechen gesellschaftlicher Strukturen und das sich ändernde Frauenbild gerade für eine Familiengeschichte wie diese angeboten. Auch der aufkommende Faschismus in Deutschland und seine Wahrnehmung im Ausland wäre ein interessantes Thema gewesen, das man hier gut hätte integrieren können und so mancher historisch interessierte Leser wird sich im Nachhinein wünschen, dass der Autor den geschichtlichen Ereignissen jener Zeit mehr Raum gegeben hätte.  

Fortsetzung folgt

Der erste Teil der Clifton-Saga ist ein unterhaltsamer Roman mit einer schlüssigen Handlung, der sich trotz seines ungewöhnlichen Erzählstils gut lesen lässt. Es ist definitiv keine anspruchsvolle Literatur, sondern vielmehr ein gemütlicher Lesespaß für Leser, die Familiengeschichten lieben. Man darf auf die Fortsetzung gespannt sein. 

Ihre Meinung zu »Jeffrey Archer: Spiel der Zeit«

walli007 zu »Jeffrey Archer: Spiel der Zeit«16.12.2015
Im Verborgenen wirken

Schon als Kind sticht Harry Clifton aus der Masse hervor wie ein Leuchtfeuer. Lieber als die Schule besucht er seinen Freund Old Jack Tar, der in einem ausrangierten 1. Klasse Bahnwagon wohnt. Dieser wagen steht auf dem Gelände der Handelsschifffahrtslinie der Barringtons. Erst als sich herausstellt, dass sich Harrys Stimme bestens als Solo-Stimme für den Chor eignet, die Chorleiterin aber nur Kinder, die Lesen und Schreiben können in ihren Chor aufnimmt, kann Harry überzeugt werden, in die Schule zu gehen. Von dort aus bekommt er wegen seiner Stimme und auch wegen seiner inzwischen außerordentlichen schulischen Leistungen ein Stipendium an einer weiterführenden Schulde. Dort lernt er Giles Barrington kennen, der sein bester Freund wird.

Natürlich ist Harry in allem eine Ausnahme, eine tolle Stimme, seine Intelligenz, sein freundlicher Charakter. Trotz seiner einfachen Herkunft scheint ihm eine glänzende Zukunft vorbestimmt. Immer wieder finden sich Förderer, die sich seiner annehmen und seiner Mutter ist kaum ein Opfer zu groß, um den Teil seiner Bildung zu finanzieren, der nicht durch Stipendien gedeckt ist. Dabei bleiben Harry und Giles treue Gefährten. Unerklärlich scheint,weshalb Giles´ Vater so eine starke Abneigung gegen Harry empfindet.

In den Jahren 1920-1939 angesiedelt fühlt man sich an die Bilder aus Downton Abbey erinnert. Die Zeit zwischen den Kriegen, in der althergebrachte Sitten langsam von neuen Ideen abgelöst werden. Standesunterschiede beginnen nach und nach ihre Bedeutung zu verlieren. Dennoch ein Prozess, der nur langsam vorangeht. Mit Begeisterung folgt man Harry durch seine Schulzeit bis zu seinem Weg nach Oxford. Manches mal fiebert man mit, wenn es um das Geheimnis um den Tod seines Vaters geht. Man empfindet mit ihm den süßen Schmerz seiner ersten großen Liebe und erträgt tapfer den Schicksalsschlag des Beginns des zweitens Weltkriegs, dessen Ausbruch alles ändert. Schon ist man durch diesen ersten Teil der Clifton-Saga geflogen. Ein Buch, von dem man sich nur ungern trennt und von dessen Fortsetzung man hofft, sie möge einen ebenso in den Bann ziehen wie dieses Werk. Im Übrigen ist die Reihe laut Autoren web.site auf sieben Teile angelegt, von denen bisher fünf erschienen sind. Man darf also gespannt sein, was der Autor für die Freunde von Harry und Giles noch in petto hat.
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