Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel von Jean-François Parot

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „L'énigme des Blancs-Manteux“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 480 Seiten.ISBN 978-3896675736.Übersetzung ins Deutsche von Michael von Killisch-Horn.

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Kurzgefasst:

Paris, 1761: Als ein Polizeibeamter der Korruption verdächtig wird, betreut man den jungen Nicolas Le Floch mit dem Fall. Was als Bagatelle beginnt, wird schon bald zum Mordfall, da der verdächtigte Beamte verschwindet, und zu einem Skandal, der auch König Ludwig XV. und seinen Hofstaat treffen könnte. Während die Pariser Gesellschaft sich dem wilden Treiben des Karnevals hingibt, führen Nachforschungen Nicolas Le Floch in Spielhöllen, Abdeckereien, Edelbordelle und die Verliese der Bastille. Wird er das Geheimnis lüften und den König retten?

Das meint Histo-Couch.de: „Gelungener Einstand eines neuen Ermittlers“89Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Paris, 1761. Aus einem kleinen französischen Nest kommt Nicholas Le Floch (sprich: Nikola Le Flock) nach Paris, um dort als neuer Polizeibeamter seinen Dienst zu tun. Er kommt zunächst im Haus des Kommissars Lardin unter, der jedoch bald unter mysteriösen Umständen verschwindet. Le Flochs Auftrag ist nun, unter allen Umständen herauszufinden, was mit Lardin geschehen ist.

Schon bald stellt sich heraus, dass ausgerechnet Lardin nicht ganz ohne war, verwickelt in Korruption und vielleicht auch Prostitution, und es steht das schlimmste zu befürchten. Nicht ganz ohne scheint auch Lardins Gemahlin Louise zu sein, viel jünger als er und daher mit diversen Liebhabern ausgestattet, und auch die Rolle der Tochter des Hauses Marie scheint nicht ganz klar zu sein. Le Floch wird ausquartiert zum Bekannten von Le Flochs Vater Monsieur Noblecourt, den er bereits seit längerem kennt und von wo aus es sich leichter ermitteln lässt.

Gemeinsam mit seinem Sozius Bourdeau macht sich Le Floch auf die Suche nach Lardin und stösst dabei über weitere Mordopfer (insgesamt werden es vier werden), geheime Botschaften, die den König Louis XV in eine unangenehme Lage bringen könnten, und zudem geht es auch Le Floch persönlich an den Kragen. Doch dieser lässt sich nicht beirren, weder von Feinden noch von Vorgesetzten, und geht seinen Weg, bis er wie einst (oder zukünftig) Hercule Poirot alle Verdächtigen im Büro des Polizeipräsidenten Sartine versammelt, um den Mörder zu entlarven.

Saftiges Paris

Der französische Schriftsteller Jean-François Parot hat mit seiner 13teiligen Reihe um Commissaire Le Floch eine in Frankreich sehr beliebte Reihe geschaffen, die dort auch erfolgreich verfilmt wurde und die es nun endlich auch auf den deutschen Büchermarkt schafft. Weitere Bände wird es leider nicht geben, denn Parot starb kurz nach Pfingsten 2018. Dennoch darf man sich hierzulande freuen, dem Treiben in Paris folgen zu dürfen, während König Ludwig XV. auf dem Thron sitzt.

Mit Nicholas Le Floch hat Parot einen jungen, dynamischen Polizisten erschaffen, der aus der Kleinstadt kommt und sich erst in Paris zurechtfinden muss. Zwar hat er ein paar Kontakte durch seinen Vater und einige Vorschusslorbeeren, von denen er selber nicht viel hält, dennoch wird er von seinem neuen Vorgesetzten Polizeipräfekt de Sartine, einer historischen Figur, an den neuen Fall um den Polizisten Lardin angesetzt. Es stellt sich heraus, dass Le Floch unter anderem ausgewählt wurde, weil er eben unbeleckt in Paris kennt, die Ausgangssituation um die Korruptionen nicht kennt und unvoreingenommen an den Fall geht. Als Le Floch bei Sartine vorspricht, um seine bisherigen Ergebnisse vorzustellen und auch, dass er entdeckt hat, welchen Stand er hat, wird er nicht gefeuert, wie er befürchtet hat, sondern eben weiter auf den Fall angesetzt, zumal er auf der richtigen Spur zu sein scheint.

Ihm zur Seite steht mit Monsieur Bourdeau ein Polizist, der erst noch ein Kompagnon werden muss, der aber seine Sache durchaus gut meistert. Le Flochs Annäherungsversuche sind daher auch nicht erfolglos, und die beiden sich nicht Kennenden raufen sich ordentlich zusammen.

Gute Sprache und tolle Beobachtungen

Dabei erleben sie so manche Situationen, die sie in den Untergrund, in ein Bordell und in weitere zwielichtige Ecken der Hauptstadt führen. Spätestens hier erweist sich Parot als fantastischer Beobachter und Erzähler. Parot kennt das damalige Paris wie seine Westentasche, unterlegt durch den Pariser Stadtplan mit den eingezeichneten Orten des Geschehens jeweils im Klappcover des Romans vorne wie hinten. Wer möchte kann so die Handlung minutiös verfolgen. Parot ist nicht nur ein genauer Beobachter, sondern auch ein gewiefter Formulierer, der sich in der damaligen Sprache auskennt und zudem weiß, wer welchen Stand wie zu vertreten hat. Kurz, man fühlt sich als Leser in das Paris der 1760er Jahre versetzt, auch wenn man über die Aussprache des einen oder anderen durch diverse Adelstitel langgewordenen französischen Namen stolpern könnte.

Der Fall selber ist spannend und aufregend, zumal auf jeder der gut 450 Seiten etwas Neues passiert und man sich nie langweilt. Parots Erzählweise unterstützt den spannenden Aufbau des Falls, bei dem Verdächtige auf einmal als Leiche gefunden werden und somit alle Gedankengänge neu gedacht werden müssen. Bei vier Leichen geschieht also einiges. Wie er dem Fall am Ende auf die Spur kommt, sei hier natürlich nicht verraten, aber es geht natürlich nicht ohne Blutvergiessen daher.

Verwirrender Titel

Warum der Roman den Titel Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel heisst, bleibt das Geheimnis des Blessing-Verlags. Natürlich entspricht er dem Original LÊnigme des Blanc-Manteaux, aber leider gibt es im gesamten Buch nicht eine Figur im weißen Mantel. Vielmehr lebt die Familie Lardin in der Rue des Blanc-Manteaux, der französische Titel bezieht sich also auf einen Straßennamen und nicht auf einen Orden oder eine Gruppe Menschen, wie man vielleicht vermuten könnte. Daher ist der Titel nicht falsch, aber auch nicht richtig, hier hätte man gerne etwas mehr Fantasie walten lassen können.

Nichtsdestotrotz ist der Roman der gelungene Einstand eines neuen jungen Kommissars, von dem bereits weitere Abenteuer in Übersetzung angekündigt sind. Hoffentlich hält der Verlag es durch und präsentiert den Lesern die komplette Reihe. Allzuoft geht Verlagen ja mitten in der Reihe die Puste aus, zum Verdruss der selbst-neu-erschaffenen Fangemeinde. Vielleiht besteht ja auch die Hoffnung, dass man einst die Verfilmung im deutschen Fernsehen oder durch eine der anderen heutigen zahlreichen medialen Möglichkeiten zu sehen bekommt. Da allerdings dürfte der Verlag nicht viel mit zu tun haben, es sei denn, die Romane schlagen ein wie eine Bombe. Zu wünschen wäre es ihnen. Neben den bereits genannten Ergänzungen gibt es ein Glossar und eine ausführliche Liste der historischen Persönlichkeiten.

Chapeau, mehr davon!

Ihre Meinung zu »Jean-François Parot: Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel«

venatrix zu »Jean-François Parot: Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel«22.10.2017
Der junge Bretone Nicolas Le Floch, Findelkind und Protége wird vom Pariser Polizeipräfekten als Sonderermittler eingesetzt. Er soll, als unverbrauchter und Ortsfremder Ermittler verschiedenen Korruptionsvorwürfen im Pariser Polizeiapparat nachgehen. Ihm zur Seite steht Inspecteur Bourdeaux, ein Mann, der Paris wie seine Westentasche kennt und den unerfahrenen Le Floch mit Rat und Tat zur Seite steht.

Während des Pariser Karnevals verschwindet Le Flochs Vorgesetzter Comm. Lardin, in dessen Haus Le Floch wohnt plötzlich spurlos. Was zunächst nur nach der Suche nach einem abgängigen Ehemann aussieht, entwickelt sich schnell zu einem verwickelten Komplott, in dessen Verlauf es mehrere Tote und Anschläge auf Le Floch gibt.

Wer zieht hier die Fäden? Wem tritt Le Floch auf die Zehen? Erstreckt sich die Korruption gar bis hin zu Louis XV.?

Wir begleiten Le Floch aus seinen Ermittlungen durch die Elendsviertel von Paris und bekommen Audienzen in Häuser von hochgestellten Persönlichkeiten. Wir begegnen vielen historischen Personen, wie dem Henker von Paris, Charles-Henri Sanson, der ein gewaltiges medizinisches Wissen hat und einiges davon mit Le Floch teilt.

Meine Meinung:

Ein atmosphärischer Krimi im Stile eines Sherlock Holmes, der zu Unrecht bislang ein Schattendasein geführt hat. In Frankreich sind die Krimis um Le Floch seit langem Kult und als TV-Serie bekannt.

Ich kann von dieser vorrevolutionären Atmosphäre in Paris gar nicht genug bekommen. Langsam aber sicher steuert das Königreich seinem Untergang zu, was nicht nur auf die Verschwendungssucht der Bourbonen zurückzuführen ist. Wenn der Polizeiapparat dermaßen korrupt ist, muss es zur Detonation kommen.

Eine wunderbar altmodische Sprachmelodie lässt uns den Moloch Paris mit samt seinen schlechten Gerüchen auferstehen. Jeden Moment erwarte ich vom Inhalt eines vollen Nachttopfs getroffen zu werden. Brrr! Der Lärm, der Gestank, die vielen Menschen und der Verkehr – die Städte dieser Zeit waren alles andere als gemütlich.

Fazit.

Ein wunderbarer historischer Krimi, den ich allen frankophilen Lesern (und denen, die es werden wollen) stark ans Herz lege. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
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