Die Rebellin der Rose von Janet Paisley

Buchvorstellungund Rezension

Die Rebellin der Rose von Janet Paisley

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „White Rose Rebel“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 568 Seiten.ISBN 3-499-24595-7.Übersetzung ins Deutsche von Anke A. Grube, Gabriele Weber-Jaric.

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Kurzgefasst:

Schottland im 18. Jahrhundert: Die junge Ehe zwischen der eigensinnigen Anne und dem stattlichen Clanführer Aeneas gerät zwischen die Fronten des schottischen Unabhängigkeitskrieges. Anne stürzt sich an der Seite ihres früheren Liebhabers in den blutigen Kampf für ein freies Schottland – bis sie eines Tages auf dem Schlachtfeld ihrem Mann gegenübersteht …

Das meint Histo-Couch.de: „;Schlachtenepos mit geschichtlichem Hintergrund“;97Treffer

Rezension von Volker Faßnacht

Eine geschichtliche Einordnung

Nachdem sich der schottische Adel 1286 jahrelang nicht auf einen Thronnachfolger einigen konnte, versuchte König Edward I. von England seinen Machtbereich auf Schottland auszudehnen. William „;Braveheart“ Wallace und später Robert I. „;the Bruce“ erhoben sich, als die Demütigungen der Engländer unerträglich wurden und Schottland im Krieg gegen Frankreich Truppen stellen sollte.

1307 nach dem Tod von Edward I. und dem Ende des Englisch-Schottischen Krieges 1328 war Schottland für die nächsten 379 Jahre unabhängig. William Wallace (+1305) starb als erster Nationalheld von Schottland den Märtyrertod und Robert the Bruce (+1329) starb als Begründer der schottischen Nation an Lepra.
Religion und Demütigungen als Begründung der erneuten Aufstände religiöse Spannungen führten ab 1685 wiederum zu Thronstreitigkeiten und einigte verschiedenste Gruppierungen hinter dem alten König Jakob II. Stuart, der 1688 von seinem Thron vertrieben wurde und von seiner Tochter Maria Stuart und Wilhelm von Oranien und damit einer protestantischen Thronfolge ersetzt wurde. Diese Spannungen sind im Übrigen auch heute noch in der Nordirland-Frage sichtbar.

Dabei waren die katholischen Anhänger nur eine der zahlreichen Gruppierungen, die sich unter dem Banner der Stuarts als sogenannte Jakobiten sammelten. Die Mehrzahl der Jakobiten auf den britischen Inseln war sogar protestantisch. Meist war es eine Mischung aus patriotischer Einstellung (in Schottland), religiöser Überzeugung, wirtschaftlicher Not (in Schottland beziehungsweise Nordengland) und Loyalität gegenüber den Stuarts, die Menschen ins jakobitische Lager wechseln ließ. Dies verlieh der jakobitischen Bewegung eine gewisse Dynamik, trug aber auch dazu bei, dass militärische Planungen und die folgenden verschiedenen Aufstände durch interne Streitigkeiten immer wieder behindert wurden. Diese heterogene Zusammensetzung erklärt somit sowohl das Überleben des Jakobitismus bis ca. 1754 hinein, als auch die letztlich erfolglosen Versuche, den schottischen und später auch den britischen Thron zu erlangen.

Als das schottische Parlament auf verschiedenen Rechten der nicht klar geregelten Thronfolgevereinbarungen aus der „;Glorreichen Revolution 1689“ bestand, sah die englische Elite die protestantische Thronfolge in Gefahr und begann auf eine Union mit Schottland hinzuarbeiten. Mit einer Mischung aus Bestechung, Intrige und Druck sowie einigen willigen schottischen Politikern kam 1707 der Act of Union zustande, der die Auflösung des schottischen und englischen Parlaments und eine Neuformierung als britisches Parlament in London vorsah. Die Kräfteverhältnisse in diesem Parlament waren für die Schotten so ungünstig verteilt, dass es nur als Provokation und Demütigung der schottischen Sache bezeichnet werden konnte.

Der Jakobitenaufstand 1745 als „;Geschichts“-Roman

Der vorliegende Roman „;Rebellin der Rose“ („;White Rose Rebel“) von Janet Paisley beschreibt den letzten Jakobitenaufstand im Jahr 1745 („;the Forty-Five“) für die Unabhängigkeit Schottlands und gegen die Union von 1707. Anne Farquharson, die Titelheldin des Romans, ist die Rebellin der Rose, die, verheiratet mit Clanführer Angus („;Aeneas“) McIntosh, den Jakobiten Soldaten aus ihren Clans zur Verfügung stellt. Dass sie dabei sogar gegen die Interessen Ihres Mannes opponiert, der etliche Clanmitglieder als Faustpfand in die englische „;schwarze Garde“ geben musste und daher erzwungenermaßen zur Krone stand, zeigt sehr eindrucksvoll die Zerrissenheit der Schotten und der völlig hoffnungslosen politischen Lage der schottischen Sache.

Gewalt, Blut und Gräueltaten – nichts für zarte Gemüter

Die historisch belegten Schlachten von „;Prestonpans“, „;Falkkirk“ und „;Culloden“ werden in Ihrer ganzen Gewalt und Blutigkeit dargestellt. Ebenso die Gräueltaten des Herzogs von Cumberland („;the Butcher“ – „;der Schlächter“), der mit äußerster Brutalität gegen die Hochländer – Soldaten und Zivilbevölkerung gleichermaßen – als Hochverräter an der britischen Krone, vorging. Der Roman eignet sich (zumindest in der zweiten Hälfte) nicht für schwach besaitete Gemüter.Colonel Anne Farquharson, Lady McIntosh – La Belle RebelleDie Gestalt der Lady Anne Farquharson McIntosh wird in dem Roman sehr schillernd, eigensinnig – geradezu starrköpfig – und vor allem schottlandliebend dargestellt. Sie ist die starke Führerin, die immer das Beste für Ihren Clan erreichen will, aber auch Liebhaberin und Frau moderner Prägung. Mit ihr kann man voll und ganz mitfühlen, gerade auch weil sie nicht perfekt ist. So zerbricht ihre Liebe fast an einem Missverständnis und natürlich ihrem Dickkopf, den sie unglücklicherweise mit ihrem Aeneas teilt.

Besonders ihre Verdienste um das Ereignis „;The Rout of Moy“, bei der sie ihren Clan durch eine List vor der herannahenden 300-fachen feindlichen Übermacht schützen kann, ist dazu angetan, Colonel Anne zur Volksheldin werden zu lassen, was allerdings die Engländer geschickt zu verhindern wussten. Mehr soll hier aber nicht verraten werden.

Fakt ist, dass das Buch fast beängstigend nahe an der Geschichte bleibt und damit ebenso gut als Geschichtsbuch durchgehen könnte. Alles was nicht durch historische Überlieferungen belegt ist, könnte genau so stattgefunden haben. Man merkt zu keiner Zeit, wann die Autorin von der Wirklichkeit in Fiktion umschwenkt. Und das macht das Buch absolut lesenswert. Wer sich übrigens weitergehend mit der Hauptprotagonistin beschäftigen möchte, dem sei hier die Schottland-Trilogie von Marsha Canham (dritter Teil: „;Schöne Rebellin“) empfohlen.

Die Lebensweise der schottischen Clans – Vorbild für modernes Leben

Bemerkenswert ist auch das Verständnis der Highland-Schotten in Bezug auf Familie, Gleichberechtigung, Sexualität und Ehe, sowie auf die Gastfreundschaft, die selbst dem ärgsten Feind und bei eigener, tiefster Armut gewährt wurde. Geradezu fortschrittlich, verglichen mit den eher verkrampften Ansichten unserer modernen Gesellschaft zu diesen Themen. So möchte man dem Leser zurufen „;Frauen sind die Hälfte der Welt“, so wie es Margaret Oliphant (*1828 +1897) getan hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Beachtliches „;Erstlings“-Werk der Autorin Janet Paisley

Janet Paisley selbst ist als Schreiberin für historische Romane seither nicht in Erscheinung getreten, hat allerdings als Autorin zahlreicher Kurzgeschichten, Gedichte, Dramen, Drehbüchern und Essays mehrfach Auszeichnungen erhalten, unter anderem Canongate Prize, Peggy Ramsay Award und Creative Scotland Award. Der vorliegende Roman erhielt im Juli 2007 den Titel „;Scottish Book of the Month“. Die Übertragung ins Deutsche durch Gabriele Weber-Jaric und Angela Grube ist tadellos und auch das Lektorat hat vorbildliche Arbeit geleistet.

Abgerundet wird das Werk mit Nachbemerkungen von Janet Paisley, einem Glossar der verwendeten gälischen Begriffen und des schottischen Dialekts und einiger Zitate von Zeitzeugen und von zeitgenössischen Autoren.

Ihre Meinung zu »Janet Paisley: Die Rebellin der Rose«

Amber zu »Janet Paisley: Die Rebellin der Rose«23.09.2014
"Die Rebellin der Rose" ist ein Buch, das mich jahrelang nicht wirklich ansprach und das ich mir dann sehr günstig gebraucht zugelegt habe, weil ich dachte, ich könnte es vielleicht irgendwann doch noch einmal lesen wollen. Und siehe da, es hat sich als eine große Überraschung entpuppt und mich restlos begeistert.

Historisch betrachtet ist es großartig recherchiert und bietet trotz seines vergleichbar geringen Umfangs mehr Wissenswertes über den Jakobitenaufstand als beispielsweise die Romane von Diana Gabaldon, bei denen die Fakten dermaßen ins phantasievolle Detail ausgewalzt werden, dass man am Ende vom Pomp der dramatischen Handlung erschlagen wird und sich keine Meinung mehr zu den nüchternen Fakten bilden kann. Nicht so hier. Janet Paisly ist es ganz wundervoll gelungen, eine informative Geschichtsstunde lebendig werden zu lassen, bei der beide Seiten so objektiv betrachtet werden, dass man Ende wirklich ein Stückchen schlauer ist. Auch die schottische Mentalität hat sie in knappen, unverkitschten Worten viel besser eingefangen als all ihre prominenteren Kolleginnen zusammen. Sie konnte mir eine gewisse Beziehung zu diesem Land und seiner Vergangenheit vermitteln, was andere Lektüren zu diesem Thema nie bewirkt haben.

Und vor allem hat mich die Autorin damit begeistert, dass ihr das gelungen ist, was noch kaum jemand anderer geschafft hat: In ihrem Roman sind Mann und Frau vollkommen gleichberechtigt, in jeder Hinsicht! Offenbar war das damals in Schottlang so, und mich wundert, dass noch keine andere Autorin dies so dargestellt hat. Scheint ein schwieriges Thema zu sein; die meisten scheitern ja daran und beschreiben entweder dominante Männer, die von den Damen angehimmelt werden, oder driften in die feministische Welle ab, was ich beides ziemlich frustriend finde, weil ich mich mit nichts davon je identifizieren konnte. Insofern fand ich das Buch extrem erfrischend und bin froh, endlich auch mal etwas für mich gefunden zu haben.

Langweilig wird es dabei überhaut nicht, im Gegenteil. Die Story trumpft mit gelungenden, glaubwürdigen Charakteren auf, die sich durch eine äußerst harte Zeit zu kämpfen haben. Liebe (zwischen zwei gleich starken, bodenständigen Charakteren, die man beide ins Herz schließen und bewundern muss und mit denen man leidet, während sie sich unter echten Schmerzen zusammenraufen), Sinnlichkeit (die Autorin gönnt uns ein paar sehr erotische Bettszenen!), familiäres Drama und menschliche Tragik kommen trotz der politisch bestimmten Handlung nicht zu kurz. Der Roman ist atmosphärisch dicht und so spannend, dass ich ihn in ein paar Abenden ausgelesen habe und mich nun schweren Herzens von den Hauptpersonen verabschiede.

Ganz großes Lob an die Autorin! So viel intelligent verarbeitete Historie und so viel menschliche Weisheit mit so viel Unterhaltungswert in einem so kurzen Roman zu vereinen ist eine echte Leistung. Und dabei ist der Stil auch noch absolut makellos und zudem sogar gut übersetzt!

Hiervon bräuchte der Büchermarkt mehr!
Monika Höpfer zu »Janet Paisley: Die Rebellin der Rose«25.04.2011
Die sowohl sachlich als auch emotional dargestellte Rolle der Frauen innerhalb der Clans hat mich tief beeindruckt. Ich bin 1951 geboren. Bereits meine Großmutter, Jahrgang 1903, übte einen angesehen Beruf aus und erkämpfte, was damals völlig unüblich war, eine Scheidung ihrer ersten Ehe. Meine Mutter, geboten 1928, war stets beruftätig( u.a. als Lehrerin). Seit 1974 unterstütze ich Schülerinnen in ihrer persönlichen Entwicklung und gründete 1988 den Verein "Frauen helfen Frauen EN.EV." mit anderen aktiven Frauen und mit diesen auch das Frauenhaus im Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Art und Intensität sozialer, materieller, sexueller und politischer Freiheit, die Janet Paisley in ihrem Buch eindrucksvoll beschreibt, haben Frauen in ganz Europa nie wieder errungen! Monika Höpfer
Ellen_93 zu »Janet Paisley: Die Rebellin der Rose«13.01.2009
Dieses Buch ist eines der besten Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe. Es erinnert an die Bücher von Diana Gabaldon. Ich kann es nur empfehelen, auch wenn die Szenen in der Horizontale ein wenig ausgeschmückt sind, ist es ein Roman, der den Leser mit in die Geschichte zieht. Es zeigt ganz klar den Untergang der schottischen Traditionen und ist damit auch historisch wertvoll. DIeses Buch ist
EIN MUSS!!!
Ellen_702 zu »Janet Paisley: Die Rebellin der Rose«05.02.2008
Zur Hauptperson
Colonel Anne Farquharson, Lady McIntosh ist keine erfundene Person. Die la belle rebelle, war eine der Helden von 1745. Nach ihrem Tod 1787 wurde sie auf dem Friedhof der Kirche St. Ninian an der Coburg Street begraben. Eine 2001 angebrachte Plakette erinnert an ihre Beteiligung am letzten Aufstand der Jakobiten. Annes Geschichte wird lediglich in Brückstücken überliefert. Die Autorin fand erste Hinweise im Rennie McOwens Buch „Stories of the Clans“. Janet Paisley schrieb es so in ihrer Nachbemerkung, die ich mit großem Interesse gelesen habe.

Die Geschichte
Anne wächst bei ihrer Stiefmutter auf und entwickelt sich zu einer wunderschönen und stolzen Frau. Sie ehelicht den gut aussehenden Clanführer Aeneas, beide sind oft unterschiedlicher Meinung und das einzige was sie gemeinsam haben scheint die gegenseitige körperliche Anziehung zu sein. MacGillivray Annes Liebhaber und Freund, ist für ihren Ehemann wie ein Bruder. Die Ankunft von Prinz Charles Edward Stuart spaltet das Trio. MacGillivray und Anne sind auf der Seite der Jakobiten und Aeneas bleibt der Regierung treu. Er gibt vor, dass er es zum Schutz seines Clans macht. Anne die schon seit Kindestagen von der Ankunft des Prinzen träumt, kann kein Verständnis dafür aufbringen und reitet nach einem Streit mit MacGillivray davon, um den Clan zu den Waffen zu rufen. Somit wird sie zur Anführerin und obersten Befehlshaberin des Clans und erhält den Titel Colonel Anne. Zu erst sind die Jakobiten erfolgreich und scheinen unbesiegbar. Jeder Sieg entfernt Aeneas und Anne von einander. MacGillivray und Anne werden wieder zu einem Liebespaar. Die letzte Schlacht die in dem Buch erzählt wird ist die von Culloden, wie einige aus anderen Büchern auch wissen verlieren die Jakobiten und es folgt ein schreckliches Blutbad. Die Autorin verschont niemanden und so wird auch die Grausamkeit, dass es wirklich keine Gnade von den Engländern gab, deutlich.

Meine Meinung:

Nach Abschluss des Buches wusste ich nicht recht was ich von dem Buch halten sollte. Es war ein Spontankauf und ich war sehr gespannt auf die Geschichte. Die Sprache und die Erzählungsweise waren flüssig und einfach zu lesen. Nur die gälischen Wörter die vereinzelt im Text vorkamen fand ich eher lästig. In einem Glossar am Ende des Buches konnte man die Wörter nachschlagen, aber wirklich nötig fand ich sie nicht. Aber vielleicht gibt es ja einige unter euch, die so etwas mögen. Auch fand ich die Szenen die in der horizontalen statt fanden zu viel und zu sehr ausgeschmückt, manchmal kam es mir vor wie in einem Groschenroman. Auch ergaben einige Vorkommnisse oder Handlungen in meinen Augen keinen Sinn. Auch die Brutalität und Grausamkeit hat mich etwas erschreckt. Interessant fand ich wie die Autorin den Untergang dieser Kultur, dieses Volkes beschrieben und erzählt hat. Auch der Charakter von Anne hat mir gut gefallen, sie war eine eigenständige junge Frau, die ihren Weg ging und keinen starken Krieger benötigte oder sich in Männerkleidung werfen musste. Sie als Frau war oberste Befehlshaberin eines ganzen Clans, dass hat mir gut gefallen und gezeigt wie eigenständig die schottischen Frauen im Hochland schon im 18. Jahrhundert waren. Ich würde noch mal ein Buch von Janet Paisley lesen, aber bestimmt mit weniger Erwartungen.
Claudia Bellinghausen zu »Janet Paisley: Die Rebellin der Rose«04.02.2008
Ein wundervolles Buch für alle,die sich für schottische Geschichte und sehr gut geschriebene Geschichten interessieren.
Die Spannung baut sich langsam auf und steigert sich im Laufe des Buches.

Ich kann es nur empfehlen!
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