Lübecker Rache von Henning Mützlitz

Buchvorstellungund Rezension

Lübecker Rache von Henning Mützlitz

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Lübecker Rache“,, 272 Seiten.ISBN 3954519968.

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Kurzgefasst:

Lübeck 1377. Im Mühlenteich treibt die Leiche einer jungen Hure, wenig später wird ein zweites Freudenmädchen tot aufgefunden. Kaufmann Jacob Wallersen befürchtet, seine Geliebte Iken könnte das nächste Opfer sein. Gemeinsam mit der Waise Svanja versucht er, Licht in einen Strudel tödlicher Ereignisse zu bringen, der immer mehr Opfer fordert. Bald treten mächtige Gegenspieler auf den Plan, und Jacob erkennt, dass sein eigenes Schicksal davon abhängt, ob er die wahren Hintergründe aufdecken kann.

Das meint Histo-Couch.de: „Mordserie im mittelalterlichen Lübeck“69

Rezension von Carsten Jaehner

Lübeck, 1377. Kaum hat sich der junge Kaufmann Jacob Wallersen mit seiner Familie von den schweren Schicksalsschlägen des vergangenen Jahres halbwegs erholt, droht erneut Ungemach. Die Waise Svanja, die Jacob bei sich aufgenommen hat, entdeckt im Mühlenteich eine Leiche. Das Opfer ist ein junges Freudenmädchen, und obwohl sie es sofort pflichtgemäß der Stadtwache meldet, hat sie das Gefühl, dass es sie nicht interessiert, immerhin könnte es sein, dass die Soldaten das Mädchen selber gut kannten …

Auf dem Weg nach Hause lernt die den Mönch Pater Georg kennen, der ihr helfen will. Kurz darauf wird ein weiteres Freudenmädchen tot aufgefunden, später ein drittes. Svanja kann von Seite der Justiz keine Hilfe erwarten, und hilft ihr Iken, die Geliebte ihres Herrn Jacob Wallersen, die eine ehemalige Hure ist und nun Jacobs Geliebte – und das schon seit Längerem. Zudem ist Pater Georg gelegentlich eine Hilfe. Als auch auf Iken ein Anschlag verübt wird, den sie allerdings überlebt, beginnt sich endlich Hoffnung auszubreiten, denn der Mann, der den Anschlag verübt hat, konnte gestellt werden und scheint kein unbekannter zu sein …

Fortsetzung schwächer als ihr Vorgänger

Lübecker Rache ist die direkte Fortsetzung des Romans Im Schatten der Hanse von Henning Mützlitz und schließt direkt daran an. Jacob hat fast sein gesamtes Geschäft verloren und dieses erholt sich nur allmählich. Mit seiner Mutter und seiner Schwester ist er zerstritten, und immerhin kann er seine Schwester in ein Kloster bringen, damit sie zumindest zu Hause keinen Ärger mehr macht. Dennoch gerät Jacob durch Svanja und Iken in den Strudel der Ereignisse, und schließlich findet es der Hauptmann der Stadtwache Wolffen irgendwie verdächtig, dass Svanja immer irgendwie dabei ist, wenn eine neue Leiche gefunden wird. Zufall oder Absicht des Täters?

Mützlitz hat keine einfache Konstellation seiner Protagonisten gewählt und verstrickt sich mehr und mehr in deren hin und, bis wieder eine neue Leiche auftaucht. Man hat fast das Gefühl, dass ihm die Geschichte gelegentlich aus den Fingern zu gleiten droht. Zwischendurch besinnt er sich darauf, dass Jacob ja nebenher auch noch ein Kontor zu führen hat, auch wenn das nicht immer erfreulich ist. Was hier aber leider auf der Strecke bleibt, ist das Lokalkolorit und das Gefühl für die Zeit, immerhin befindet man sich am Ende des 14. Jahrhunderts.

Sprachliche Fragwürdigkeiten

Dieses Gefühl geht vor allem sprachlich komplett verloren. Mützlitz bedient sich mehreren Sprachstilen, die nicht zueinander passen wollen. Zum einen versucht er, den Sprachduktus der Zeit einzufangen, was eigentlich kein Fehler ist. Dann aber rutscht er immer wieder in den Stil des 21. Jahrhunderts, mit Floskeln, die im 14. Jahrhundert nichts zu suchen haben und wo man sich nahezu sicher sein kann, dass nicht einmal die verderbteste Hure solche Ausdrücke gekannt haben mag. Negativer Höhepunkt ist ein Ausspruch Svanjas, einem Waisenmädchen aus Reval, die an einer Stelle tatsächlich den Satz „Bin ich jetzt paranoid, ich dummes Huhn?“ von sich gibt. Jeder Leser mag selbst darüber nachdenken, ob das die richtige Wortwahl für 1377 ist.

Der Fall an sich zieht seine Kreise in überraschende Gefilde, und es kommt zu einem interessanten und teilweise nicht erwarteten Finale. Sollte Mützlitz noch einen weiteren Roman über die Lübecker Familie Wallersen verfassen, was die Familienkonstellation und die Geschichte an sich durchaus hergeben würde, sollte er allerdings sprachlich an seiner Ausdrucksweise arbeiten oder einen Lektor suchen, dem diese Entgleisungen auffallen. Sie stören den Lesefluß und passen wirklich nicht in das Gesamtgefüge.

Immerhin gibt es auf der Haben-Seite ein Glossar, ein Personenverzeichnis und ein Nachwort zu verzeichnen, die den Roman aus dem Hause Emons sinnvoll ergänzen. Ist der Roman sprachlich nicht so überzeugend wie sein Vorgänger und der Plot nicht ganz so packend wie zuvor, ist es doch eine spannende Geschichte, die die eine oder andere Überraschung zu bieten hat, und wie beim ersten Teil kann man sich nicht sicher sein, wer die letzte Seite lebend oder sonstwie erreicht. Ein Roman, der kurzweilige Unterhaltung verspricht, wenn man auf leichte sprachliche Aussetzer hinwegsehen kann.

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