Isarnon von Helmut Vorndran

Buchvorstellungund Rezension

Isarnon von Helmut Vorndran

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Isarnon: Stadt über dem Fluss“,, 576 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Im Jahre 45 v. Chr., zwei Jahrtausende vor unserer Zeit. Vom Chiemsee bis an die Rhön sind die Völker in Bewegung. Die germanischen Hermunduren sind kurz davor, die keltische Stadt Melkabos einzunehmen. Auch der junge keltische Schmied Mavo will an den Germanen Vergeltung üben. Ihr Fürst Sokulast hat seine Geliebte Noreya geraubt. Wird er sie je wiedersehen? An Samhain, der Nacht der wandelnden Ahnen, lernt Mavo, dass nichts auf der Welt unmöglich ist, denn plötzlich taucht ein seltsamer Fremder auf, der behauptet, aus einer anderen Zeit zu stammen …

Das meint Histo-Couch.de: „Eisenzeit“79

Rezension von Annette Gloser

So ganz genau kann man nicht sagen, wann der Roman spielt. Aber Cäsar hat die Gallier bezwungen, Vercingetorix ist geschlagen, das Römische Reich endet am Ufer des Rheins. Der keltische Stamm der Alaunen lebt im Gebiet des Chiemsees, nördlich davon erstrecken sich die Gebiete der Toutonen und der Volker, etwa zwischen den heutigen Städten Manching, Kehlheim und Milseburg.

Der junge Schmied Mavo wird vom Stamm der Alaunen verbannt. Nur seine Gefährtin Noreya zieht mit ihm, als er sein Heimatdorf Brivera verlässt. Im Gepäck hat er jedoch ein besonderes Erz aus den Tiefen des Chiemsees, mit dem er seinen Schwertern eine enorme Elastizität verleiht. Niemand schmiedet Schwerter, die so scharf und haltbar sind wie die Mavos. Und so hofft er auf eine gesicherte Zukunft im Norden, in Mhorabriga vielleicht oder in Menosgada, den großen Städten der Toutonen. Ein guter Schmied wird schließlich überall gebraucht. Doch seine Reise steht unter keinem guten Stern. Germanische Hermunduren überfallen die Herberge, in der er mit Noreya übernachtet, und entführen die junge Frau. Mavo selbst kommt knapp mit dem Leben davon. Allein wandert er weiter und muss feststellen, dass die großen Städte offenbar verfallen. Es kommen keine Händler mehr, um Waren zu tauschen und Reisende sind nicht willkommen. Das Volk der Boier hat seine Heimat verlassen und wandert durch das Land der keltischen Stämme. Niemand weiß so recht, was eigentlich gerade geschieht, aber jeder spürt, dass sich etwas verändert. Für Mavo jedoch gibt es kein Zurück in die Sicherheit Briveras. Er muss weiter wandern und seinen Platz in der Welt finden. Zur gleichen Zeit erreicht den Toutonenfürsten Sionnix ein Hilferuf der befreundeten Volker. Sionnix und seine Krieger machen sich auf, ihren Verbündeten zu Hilfe zu eilen. Und dann taucht auch noch ein junger Mann auf, der behauptet, aus einer anderen Zeit zu kommen&

Geheimnisvolle Kelten

Ein Roman über die Kelten ist immer ein Balanceakt zwischen viel Phantasie und einigen wenigen Fakten. Wenig ist über die keltischen Völker bekannt, die keine Aufzeichnungen hinterließen. Gelegentlich erwähnen römische oder griechische Autoren die „wilden“ Völker nördlich der Alpen und in Cäsars Der gallische Krieg gibt es ein Kapitel über den Krieg mit den keltischen Helvetiern. Was tut also ein Autor, der über die Kelten schreiben möchte? Er mischt das Wenige, was es an belegbaren Fakten gibt, mit seiner eigenen Fiktion. Aus dieser Mischung hat Helmut Vorndran einen spannenden Roman zusammengebaut. Ein Grundkonflikt des Romans ist die Auseinandersetzung zwischen germanischen und keltischen Stämmen. Dabei verweist der Autor auch immer wieder auf den Einfluss, den die Römer auf das Leben in den keltischen Siedlungen nehmen. Letztendlich versucht er, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum die großen keltischen Städte untergegangen sind und wie es dazu kam, dass das Siedlungsgebiet der Kelten von germanischen Stämmen übernommen wurde. Dabei spielen auch die großen Unterschiede in Tradition und Kultur eine wichtige Rolle im Roman. Wieviel davon tatsächlich durch Fakten belegt ist und wieviel davon der Phantasie des Autors entspringt, vermag man als „normaler“ Leser kaum zu sagen. Aber man hat zumindest in der historischen Zeitebene das Gefühl, eine authentische Geschichte erzählt zu bekommen und das ist es letztendlich, was man als Leser haben möchte.

Spannend erzählt

Isarnon ist das Eisen, das die Kelten mit großer Kunstfertigkeit bearbeiten. Nicht umsonst spielt ein Schmied eine der Hauptrollen. Helmut Vorndran schildert in seinem Nachwort, welche Mühe er aufgewendet hat, um solche Worte zu finden, sie teilweise aus modernen keltischen Sprachen zu rekonstruieren. Diese Mühe hat sich gelohnt, ebenso wie die weitere Recherche zu diesem Roman. Man kann sich als Leser das Leben in den keltischen Siedlungen, die Machtstrukturen, Handel und Wandel recht gut vorstellen. Wechselnde Handlungsorte, unterschiedliche Erzählstränge und dazu zwei verschiedene Zeitebenen. Dennoch kommt man als Leser wohlbehalten durch den Roman, denn ein Wechsel zu einem anderen Ort oder einem anderen Protagonisten ist schnell erkennbar. Die einzelnen Romanfiguren sind mit viel Gefühl für unterschiedliche Charaktere gestaltet, wirken lebendig und realistisch. Auch die moderne Erzählstrecke ist interessant geschrieben und den Protagonisten Alexander könnte mancher Leser wohl auch in der eigenen Familie haben. Es ist sicher Geschmackssache, dieses „Was wäre, wenn man als moderner Mensch in der Eisenzeit landen würde?“. Es liest sich auch locker weg und ist spannend. Selbstverständlich ist es auch nett zu lesen, wie aus dem Null-Bock-Teenie ein verantwortungsbewusster Mann wird. Aber eigentlich ist der rein historische Teil des Romans so interessant und so gut geschrieben, dass ein Komparse aus der Moderne wirklich nicht nötig gewesen wäre.

Gelegentlich haben sich ein paar Längen eingeschlichen, manch ein Kampf will gar kein Ende nehmen, mancher Entscheidungsprozess zieht sich hin. Dennoch bleibt man als Leser gern dabei und will wissen, wie es weiter geht.

Spannend und lesenswert

Isarnon ist ein interessanter Roman mit einem großen Handlungsspektrum. Die Geschichte ist spannend und stellt eine Theorie zu einer bisher noch nicht vollständig beantworteten historischen Frage auf. Wer harte Fakten will, muss sicher ein anderes Buch lesen. Es ist nicht ganz einfach, sich an die fremd wirkenden Namen der Orte und der einzelnen Personen zu gewöhnen. Ausgesprochen hilfreich sind hier die beiden Karten am Ende des Romans, das Glossar und das Personenverzeichnis. Das Nachwort des Autors gibt einen (durchaus humorvollen) Einblick in seine Recherche, man sollte es nicht überblättern.

Ein Roman für alle, die es spannend mögen, die auch eine gehörige Portion (selbstverständlich rein schriftliches) Blut vertragen und neugierig sind auf diese Völker, die noch vor den Germanen an der Donau siedelten.

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