Wenn wir wieder leben von Charlotte Roth

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Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Wenn wir wieder leben“,, 608 Seiten.ISBN 978-3-426-52030-7.

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Kurzgefasst:

Das vornehme Ostseebad Zoppot bei Danzig in den 1920er Jahren. Hier herrschen überschäumende Lebenslust und unbeschwerte Sommerfrische.
Die vier Freunde Lore, Gundi, Julius und Erik erfreuen die Kurgäste mit flotten Rhythmen und eingängigen Melodien und träumen vom Durchbruch als Musiker. Bald ist ihnen tatsächlich Erfolg beschieden, auf dem Luxusschiff Wilhelm Gustloff befahren sie die Meere – und ignorieren, dass sich die Zeiten schon lange geändert haben. Gundi verliebt sich in den Sänger Tadek, aber dann überfällt Hitler Polen, und Tadek schließt sich dem Widerstand gegen die Nazi-Besatzer an: Das Ende einer großen Liebe?

Ihre Meinung zu »Charlotte Roth: Wenn wir wieder leben«

TochterAlice zu »Charlotte Roth: Wenn wir wieder leben«31.07.2018
und heißen nun "Die Vier von Zoppot" - auch hier hat das nationalsozialistische Regime Einzug gehalten und die Nazis deutschen alles ein, was sie nicht ausmerzen. Hierbei handelt es sich um eine Band von regionaler Bekanntheit, die vor allem durch Sängerin Gundi Sonnenschein, eine ausgesprochene Frohnatur, punktet. Diese heißt in Wirklichkeit Gundi bzw. Gundula Frieböse, ist bei ihrem geliebten Opa Pop aufgewachsen und tanzt durchs Leben. Man könnte aber auch sagen, sie geht mit Scheuklappen hindurch, denn dass es den Nazis ernst ist und sie nicht nur den Juden, sondern auch den Polen mit brutalster Gewalt zusetzen, ja sie ausmerzen, da ist es schon zu spät.

Sie tourt nämlich schon als Unterhaltungsmusikerin gemeinsam über die Sieben Weltmeere: die Vier aus Zoppot musizieren auf dem "Kraft durch Freude"-Schiff Wilhelm Gustloff, das zwar nicht die ganze Welt, wohl aber die dem nationalsozialistischen Deutschland wohlgesonnenen Staaten anfährt und so auch dem kleinen Mann das Vergnügen einer Kreuzfahrt nahebringt. Und aus der Nummer kommt sie nur schwer wieder raus, denn sie hat sich schon ganz schön verzettelt und das dürfen weder die Nazis noch ihre Musikerfreunde - unter ihnen Schwester Lore und Ehemann Julius - niemals erfahren.

Doch was hat all das mit der 19jährigen Berlinerin Wanda zu tun? Diese hat ihre Mutter, die nie von früher sprach, nach dem "Damals" erlebt und in Folge eine Tragödie sondergleichen erlebt. Die sie nach Polen verschlagen hat, genauer gesagt nach Sopot, wie Zoppot nun heißt. Wird sie sich dort der Vergangenheit ihrer Familie stellen können?

Ich habe bereits einen Roman der Autorin Charlotte Roth gelesen, in dem weite Teile im Dritten Reich spielen und zwar "Als der Himmel uns gehörte" - ein wunderbarer Roman, klar und durchdacht, wie er stimmiger nicht hätte sein können und entsprechend hoch waren meine Erwartungen, die leider nicht in Gänze erfüllt werden konnten.

Hier dagegen wimmelt es zwar von guten Ideen und auch die Atmosphäre von Zoppot sowohl in der Vorkriegszeit als auch während und lange nach dem Zweiten Weltkrieg wurde gut eingefangen. Jedoch nicht die Zusammenhänge um Gundi bzw. um Wanda, ebenso wie die Überlappungen. Nachdem ich diesen sehr ausführlichen Roman beendet hatte, blieb mir der Eindruck, dass mir so einiges fehlte, um die ganze Handlung zu überblicken. Dazu gehören bspw. Informationen zu einigen Nebenfiguren, die an mancher Stelle durchaus relevant sind - auch ihr Wirken bleibt . Und im Gegensatz zur bildhaften und atmosphärischen Darstellung von Zoppot sind Geschicke und Ereignisse um Gundi und noch mehr um Wanda und um ihr jeweiliges Umfeld aus meiner Sicht an vielen Stellen wenig eindringlich gezeichnet. Auch die beiden Hauptfiguren selbst bleiben im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit ihrem Umfeld in vielen Aspekten an der Oberfläche und hinterlassen so einen wenig tiefsinnigen Eindruck. Umgekehrt hingegen rücken einige Nebenschauplätze - vor allem der um einen nationalsozialistischen Funktionär der Region - aus meiner Sicht zu sehr in den Fokus, hier wäre im Kontext der Handlung weniger mehr gewesen.

Dennoch: die Thematik, also die in den sogenannten Ostgebieten lebenden Deutschen und deren spätere Umsiedlung ist eine aus meiner Sicht enorm wichtige und spannungsreiche, zu der es noch viel zu sagen gibt. Einiges davon kam im vorliegenden Roman zur Sprache und so habe ich ihn im Großen und Ganzen sehr gern gelesen und werde ihn sicher nicht so bald vergessen!
wampy zu »Charlotte Roth: Wenn wir wieder leben«31.07.2018
Buchmeinung zu Charlotte Roth – Wenn wir wieder leben

Meine Meinung:
Es sind die weiblichen Hauptfiguren, mit denen ich bei Charlotte Roth Probleme haben. Sowohl Gundi wie auch Wanda verhalten sich nach meiner Einschätzung nicht nachvollziehbar. Als Gundi sich in Tadek verliebt, benimmt sie sich wie ein pubertierendes Mädchen. Alles andere, sogar ihr Kind, ist ihr egal, hauptsache sie ist mit Tadek unterwegs. Bei Wanda ist es die starre Haltung ihrer Mutter gegenüber. Sie besteht auf einer Auskunft, was vor und während des Krieges geschehen ist. Dabei ist sie extrem starrsinnig und nach dem Selbstmord macht sie sich auf Spurensuche in Polen.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen, die auch unterschiedliche Sichten auf ein und dasselbe Ereignis ermöglichen. Die vier Piroggen sind eine mäßig erfolgreiche Musikgruppe, die seit ihrer frühen Jugend Freunde sind. Dann haben sie großen Erfolg mit einem Lied, das Gundi bei ihrer polnischen Freundin Rosi kennenlernt. Unauffällig wächst der Einfluss der Nationalsozialisten in Danzig und Zoppot und auch das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen geht den Bach runter. Ironischerweise ermöglicht es aber ausgerechnet der Nazi und Gauleiter Forster, dass Gundi ihre polnischen Bekannten verstecken kann. Sympathisch sind vor allen POP und Gundis Tante, für die nur der Mensch und nichts anderes zählt. Gundi agiert in manchen Dingen sehr rücksichtslos, bedauert dies dann aber meist wieder. Allein ihr Verhältnis zu ihrem Mann Julius ist deprimierend. Aber dann gibt es eine Aktion, die sie in einem anderen Licht erscheinen lässt.
In der zweiten Zeitebene ist Wanda unterwegs. Dort wird es erst interessant, als sie in Polen unterwegs ist. Ihr Freund Andras sagt einmal, dass es die Opfer sind, die die Erinnerung nicht aushalten. Diese Erfahrung führt zu einer abweisenden, wenn nicht gar feindlichen Haltung Wanda gegenüber. Wanda will aber trotzdem die Wahrheit wissen, muss aber erkennen, dass dies eine sehr schmerzhafte Erfahrung sein kann.
Sehr gelungen fand ich die Beschreibung des aufkommenden Nationalismus und der Besonderheiten, die mit dem politischen Status Danzigs verbunden waren. Man versteht die Vorbehalte, die Polen damals und zum Teil heute noch gegen Deutsche haben, weil ihnen unsägliches Leid zugefügt wurde. Gut gefallen haben mir auch die meisten der Charaktere, auch wenn ich Gundi, Wanda und auch Tadek für überzeichnet halte.

Fazit:
Dieses Buch ist keine leichte Kost und die Autorin macht es ihren Figuren nicht leicht. Anschaulich wird der zunehmende Einfluss der Nazis in Danzig beschrieben und wie sie das Verhalten großer Teile der deutschen Bevölkerung verändert haben. Auch die Szenen im Nachkriegspolen waren überzeugend. Allein die Hauptfiguren haben mir nicht zugesagt. So vergebe ich knappe vier von fünf Sternen (75 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.
Renate Schellenberger HexeLill zu »Charlotte Roth: Wenn wir wieder leben«29.07.2018
Dies war das erste Buch was ich bisher von der Autorin gelesen habe. Und es war keine Geschichte die man schnell überfliegen konnte. Sie wird sicher noch einige Zeit nachwirken.
Die 19 jährige Studentin Wanda möchte Einzelheiten über ihre Familie wissen. Da sie von der Mutter und Tante keine Auskunft bekommt, begibt sie sich auf Spurensuche nach Polen. Parallel wird die Geschichte der jungen Gundi erzählt.
Sie wächst in den 20er Jahren bei ihrem Großvater auf. Im vornehmen Ostseebad Zoppot gelingt es ihr zusammen mit der Stiefschwester und zwei Freunden eine Karriere als Musikstars. Sie lassen es sich gutgehen und merken kaum das sich die Zeiten langsam ändern.
Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Wanda sowie Gundi fand ich teilweise sehr naiv. Wie kann man sich nie für seine Herkunft interessieren? Und Gundi die mit den Gefühlen ihrer Freunde spielt. Mann und Kind sind ihr teilweise unwichtig. Sie schmückt sich mit einem gestohlenen Lied. Der Schluss hat mich dann am meisten überrascht. Das habe ich nicht vorhergesehen. Auch die Hintergrund Informationen über Danzig fand ich sehr gut.
Für Fans historischer Romane absolut empfehlenswert.
StephanieP zu »Charlotte Roth: Wenn wir wieder leben«26.07.2018
Gundi musiziert gemeinsam mit drei Freunden und sie träumen von einer gemeinsamen Karriere als Musiker. Eines Tages geht dieser Traum in Erfüllung und sie können ihn auf einem Luxusschiff verwirklichen. Gundi verliebt sich in den Sänger Tadek und es scheint die große Liebe zu sein. Doch dann fällt Hitler in Polen ein und Tadek schließt sich dem Widerstand an. Ist dies das Ende ihrer Liebe?

Charlotte Roths Schreibstil ist sehr fesselnd und mitreißend. Die Autorin kann ihre Leser sofort in ihren Bann ziehen. Mich hat das Buch bis zum Ende nicht mehr losgelassen und ich habe es in wenigen Tagen beendet, da es äußerst kurzweilig ist. Die Autorin schafft es sehr gelungen die Handlung mit geschichtlichen Fakten zu verbinden. Zudem können Längen und Wiederholungen gänzlich vermieden werden. Alles Geschichtliche scheint gut recherchiert zu sein und wurde passend und glaubwürdig in die Handlung eingebaut.

Mein einziger Kritikpunkt sind die Protagonisten. Sie sind zwar authentisch und zum Teil auch vielschichtig, aber dennoch konnte mich niemand wirklich erreichen. Ich konnte mich mit niemandem identifizieren und die Gefühle, vor allem jene von Gundi, konnten mich auch nicht ergreifen. Dies finde ich sehr schade, da mich die Gefühle in den anderen Büchern der Autorin mitreißen und ergreifen konnten. Dadurch ging für mich der besondere Reiz des Buches etwas verloren.

Ich kenne bereits mehrere Bücher von Charlotte Roth. Bisher hat mir ausnahmslos jedes Buch der Autorin sehr gut gefallen, allerdings finde ich „Wenn wir wieder leben“ nicht ganz so gelungen wie einige andere Werke der Autorin. Dennoch ist es wirklich lesenswert und ich hoffe auf weitere Bücher.

FAZIT:
„Wenn wir wiederleben“ ist ein gelungener Roman, der es wirklich wert ist gelesen zu werden. Allerdings konnten mich die Gefühle und Atmosphären nicht so mitreißen wie in den anderen Büchern der Autorin. Aus diesem Grund vergebe ich 4 Sterne!
Orange zu »Charlotte Roth: Wenn wir wieder leben«06.07.2018
„Wenn wir wieder leben“ ist das mittlerweile fünfte Buch der Autorin Charlotte Roth und wie ich finde eines der stärksten und persönlichsten, hat doch die Oma der Autorin in Gdansk/ Zoppot gelebt und Charlotte Roth hat die Stadt bei ihren Recherchen mehrfach besucht. Und genau diese Verbundenheit merkt man der Geschichte an, die auf zwei Zeitebenen erzählt wird.
1963 lernen wir Wanda kennen, die Musik liebt, sich aber entschlossen hat Lehrerin zu werden. Wanda lernt an der Uni Andras kennen, dessen Familie während des zweiten Weltkrieges in den KZ´s umgekommen ist. Andras hat es sich zur Aufgabe gemacht, Zeugen aufzuspüren und die Täter von damals vor Gericht zu bringen. Wanda hingegen ist mit ihren Schwestern wohlbehütet und von allen schrecklichen abgeschirmt aufgewachsen und hat zu ihrer Mutter eine sehr enge Bindung. Doch als Wanda nach ihren Wurzeln fragt, bekommt sie keine Antwort. So macht sie sich in Polen auf die Suche nach jemanden, der sich erinnert.
Der zweite Handlungsstrang spielt Gdansk/ Zoppot. Gundi Sonnenschein, das glücklichste Kind der Ostsee, wächst bei ihren Großvater, liebevoll Pop genannt, auf. Alle Herzen fliegen ihr zu und zusammen mit ihren Freunden gründet sie eine Band. Nach anfänglichen Schwierigkeiten landen die vier einen Superhit, auf den auch die erstarkenden Nationalsozialisten aufmerksam werden und Gundi fortan überall den roten Teppich ausrollen. Die vier Freunde befahren zusammen auf den KdF-Schiff Wilhelm Gustloff die Meere und feiern Erfolge. Dass sich die Zeiten geändert haben, die Nationalsozialisten ihre Ideologie verbreiten, Juden und Polen unerwünscht sind und verfolgt werden, merkt Gundi zu spät. Und dann überfällt Hitler Polen.
Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt sehr flüssig und als Leser ist man sofort mitten im Geschehen. Man freut, hofft, bangt mit, will die Personen manchmal schütteln und ihnen die Augen öffnen oder sie ganz einfach in den Arm nehmen.
Aber es ist auch kein Buch zum runterlesen, auch wenn der Handlungsstrang um Gundi Sonnenschein zunächst einen Ferieneindruck vermittelt. Dies ändert sich und spätestens ganz am Ende sieht man Gundi mit anderen Augen. Für mich macht sie eine glaubhafte und nachvollziehbare Entwicklung durch und ist für mich ein absoluter Sympathieträger, auch wenn ich nicht alle ihre Entscheidungen gutheiße.
Ein zum Thema passendes Cover, ein ausführliches Nachwort sowie ein Glossar runden den Roman perfekt ab.
Von mir gibt es volle Punktzahl und eine absolute Kauf- und Leseempfehlung.
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