Brandbücher von Birgit Ebbert

Buchvorstellungund Rezension

Brandbücher von Birgit Ebbert

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Brandbücher“,, 270 Seiten.ISBN 3839214483.

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Kurzgefasst:

Die junge Karina findet im Haus ihrer verstorbenen Großtante geheimnisvolle Postkarten. Die Suche nach deren Ursprung führt sie 70 Jahre zurück, in das Jahr 1933, als ihre Großtante Haushälterin bei einem jüdischen Buchhändler war. Hautnah musste ihre Großtante miterleben, wie der Einfluss der Hitler-Getreuen wuchs und in Münster die Bücherverbrennung vorbereitet wurde. Karina taucht tief in die damaligen Geschehnisse ein und gerät schließlich in Lebensgefahr. Denn sie stößt auf Machenschaften, die bis heute unentdeckt blieben.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Bücherverbrennung in Münster“80

Rezension von Carsten Jaehner

Die 24jährige Karina erbt von ihrer verstorbenen Großtante eine Sammlung von Postkarten, auf denen seltsame Zahlenkombinationen stehen und manche Buchstaben unterstrichen sind. Gemeinsam mit dem Pfarrer Martin und ihrer Freundin Jenny findet sie heraus, in welcher Reihenfolge die Karten zu lesen sind und stellt fest, dass mehrere Karten immer die Ereignisse eines Tages aus dem Jahr 1933 erzählen.

Sie forscht weiter und entdeckt Ereignisse aus dem Jahr 1933 in Münster, als ihr Großtante dort bei einem jüdischen Buchhändler arbeitete und die Bücherverbrennung vorbereitet wurde. Doch ihre Nachforschungen bleiben nicht unentdeckt, und so gerät sie auch jetzt in Lebensgefahr.

Drei Erzählebenen

Birgit Ebbert hat als Thema für ihren ersten Roman für Erwachsene ein brisantes Thema gewählt. Die Bücherverbrennungen im Jahr 1933 bilden den Hintergrund für einen Roman, der sich in drei Erzählebenen entwickelt und langsam zur Katastrophe führt.

Jeweils im Wechsel erzählen die drei Erzählebenen die Geschichte. Jeder Abschnitt beginnt mit einem Tag, der auf den Postkarten der Großtante zusammengefasst wird. Die zweite Erzählung ist die von Karina, die sich auf die Nachforschungen macht. Die dritte Erzählebene ist die von Karinas Großtante im Jahr 1933, als sie beim jüdischen Buchhändler Jakob Weizmann gearbeitet hat und mit dessen Sohn Samuel befreundet war. Samuel verliert seinen besten Freund Bruno Schulze-Möllering an die Nazis und erkennt ihn nicht mehr wieder, geht die ehemalige Freundschaft von Bruno doch in regelrechten Hass über. Da diese drei Erzählebenen nie die Reihenfolge verlieren, baut sich so geschickt die Handlung auf.

Ein Hauch von Liebe

Die Erzählung Karinas spielt in einem nicht genannten Dorf im Westfälischen, wo sie nicht nur ihre Freundin Jenny hat, sondern sich auch noch in den Dorfpfarrer Martin verliebt, der ihr bei den Nachforschungen hilft und der sich auch für sie interessiert. Neben ihren Nachforschungen gibt dieser zarte Flirt dem Roman die Möglichkeit, aus der Handlung auszubrechen und allem eine bunte, menschliche Note zu verleihen. Karina selbst ist eine mutige Studentin, die sich durchbeisst und ihrer Familiengeschichte auf den Grund geht. Sie ist sympathisch und mutig und als Hauptfigur für diesen Roman bestens geeignet.

Die Erzählung 1933 ist sehr intensiv und teilweise sehr erschreckend und authentisch. Der Leser erlebt, wie nach und nach die Juden beschimpft und gemobbt werden. Die Freundschaft zwischen Samuel und Bruno zerbricht jäh, als Bruno den Nazis beitritt und in dem jüdischen Buchladen direkt ein Objekt des Hasses hat. Er stört mit seinen Leuten die Vorlesungen an der Uni, wo jüdische Professoren unterrichten und wird mit jedem Tag gemeiner, sieht er darin doch ein legales Mittel zum Aufstieg in der Partei.

Die Ereignisse entwickeln sich rasant, und Karinas Großtante befindet sich mittendrin und kann eigentlich nur mehr oder weniger tatenlos zuschauen und ihren Freunden beistehen.

Gute Strukturierung

Birgit Ebbert hat mit Brandbücher einen klar strukturierten Roman geschaffen, der allerdings das Prädikat „Kriminalroman“ im Sinne von „Mord – Aufklärung“ nicht verdient. Die Die Erzählteile, gerade der von 1933, steigern sich in ihrer Intensität und gerade der historische Teil macht Eindruck und bietet Einblicke in die Bücherverbrennung und vor allem auch darin, welche Bücher überhaupt verbrannt wurden. Dies aus der Sicht eines Buchhändlers ist natürlich besonders brisant und nahegehend. Doch auch der Karina-Teil ist spannend und entwickelt sich in eine sehr unerwartete Richtung, die hier allerdings nicht verraten werden soll.

Ein Nachwort, eine Entschlüsselung der Daten des jüdischen Kalenders und Literaturhinweise ergänzen einen gelungenen Roman, der gut aufgebaut ist und sich mit seinen gut 280 Seiten auch schnell weglesen lässt. Mit der Auswahl des Covers hat der Gmeiner-Verlag einen guten Griff gemacht, ist doch gerade der Ausspruch „Nur für Arier“, der darauf groß zu lesen ist, prägend für den Roman.

Die Thematik der Bücherverbrennung hat noch selten Eingang in Romane gefunden, aber Brandbücher zeigt, dass in diese Richtung noch Potenzial da ist und Platz für viele weitere Geschichten vorhanden ist. Die Aufteilung in verschiedene Zeitebenen ist gut gelöst und bringt den Leser nie durcheinander. Es bleibt ein intensiver Roman, der überzeugt und für Interessierte am Dritten Reich eine interessante Ergänzung ist.

Ihre Meinung zu »Birgit Ebbert: Brandbücher«

J-B-Wind zu »Birgit Ebbert: Brandbücher«28.08.2013
Birgit Ebbert ist längst keine unbekannte Autorin mehr. Sie blickt bereits auf zahlreiche Veröffentlichungen zurück, vor allem im Bereich Kinder- und Jugendbuch, sowie Lernhilfen.

Mit »Brandbücher« gibt sie nicht nur ihr Krimidebüt im Gmeinerverlag sondern legt auch ihren ersten Roman für Erwachsene vor.

Das Thema Bücherverbrennung beschäftigt sie schon seit vielen Jahren, seit sie im Rahmen ihrer Dissertation über Erich Kästner festgestellt hat, dass viele Autoren nie wieder an ihre Erfolge vor der Bücherverbrennung anknüpfen konnten. Das hat die Autorin Ende der 90er Jahre dazu gebracht, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

Anfang des neuen Jahrtausends richtete sie die erste Internetseite zum Thema ein, hielt Vorträge und sammelte Materialien über die Bücherverbrennung. Auf der Website www.bücherverbrennung.de gibt es Listen von Autor/innen, die damals aus den Regalen verbannt wurden, sowie andere sinnvolle Informationen, wie zum Beispiel in welchen Städten Bücherverbrennungen stattgefunden haben und wann genau. In ihrem Nachwort erwähnt die Autorin, sie habe diese Seite eingerichtet, um einen Beitrag dazu zu leisten, dass diese Zeit und Aktion nicht in Vergessenheit geraten mag und den Menschen eine Lehre sei.

Das Wort »Bücherberbrennung« ist denn meisten von uns ein Begriff. Als die Nationalsozialisten unter Hitler die Macht übernahmen, die ersten Juden gebranntmarkt und denunziert wurden, formierten sich Studentenverbindungen, die 1933 die erste öffentliche Verbrennung von Büchern jüdischer Autor/innen initierten.
Dass viele Werke diese grausame Zeit überstanden und nicht in Vergessenheit geraten sind, hat man sicher vielen Menschen zu verdanken, die heimlich Bücher versteckten oder außer Landes brachten.

Im Mittelpunkt von »Brandbücher« steht die 24jährige Karina, die im Haus ihrer verstorbenen Großtante geheimnisvolle Postkarten findet, die in diversen Stapeln gebündelt sind. Jeweils mehrere Postkarten mit derselben seltsamen Zahlen- und Buchstabenfolge erzählen zusammen aus einem Tag im Leben ihrer Großtante.
Karinas Nachforschungen führen in das Jahr 1933 zurück, in dem ihre Großtante als Haushälterin bei dem jüdischen Buchhändler Jakob Weizmann gearbeitet hat.

Karina ist fasziniert von ihrer Entdeckung, lässt nicht locker und recherchiert gemeinsam mit ihrer Freundin Jenny und dem Pfarrer Martin, was hinter den Karten steckt. Bei ihren Nachforschungen deckt sie dunkle Machenschaften auf und gerät selbst in Gefahr.

»Brandbücher« ist ein fiktiver Krimi mit einem realen historischen Hintergrund. Birgit Ebbert verwendet hierfür mehrere Erzähl- und Zeitebenen, sowie Perspektiven.
Zum einen ist der Erzählstrang von Karina und ihren Recherchen, der durch Rückblicke in das Jahr 1933 unterbrochen wird, in denen der Sohn des Buchhändlers Samuel im Mittelpunkt steht, der seinen ehemaligen besten Freund Bruno Schulze-Möllering an die Nazibewegung verliert und einer der ersten ist, der den Hass gegen Juden am eigenen Leib miterlebt.

Zusätzlich beginnen viele Kapitel mit Auszügen aus den rätselhaften Postkarten.

Sprache, Schreibstil und Erzähltechnik erweckten bei mir von Anfang an den Eindruck einen Jugendkrimi zu lesen, bzw. einen Roman für junge Erwachsene. Ich würde den Roman als All-Age Roman bezeichnen und auch nicht unbedingt als Krimi.

Die Hauptfigur Karina ist erfrischend, mädchenhaft und sympathisch gezeichnet. Auch der Pfarrer erscheint jugendlich und dynamisch. Die Freundin Jenny wirkt von ihrer Art und Sprache her wie ein Teenager.

Die Rückblenden in die Vergangenheit schildert die Autorin eindrucksvoll und derart authentisch, dass man meinen könnte, sie wäre selbst dabei gewesen. Somit ist dieser Spannungsroman auch eine Art Zeitdokument, denn Birgit Ebbert verwendet Originalauszüge aus den »12 Thesen wider den undeutschen Geist« und den »Feuersprüchen«. Die betreffenden Stellen sind im Buch mit einem Sternchen markiert.

Die Schauplätze sind bildstark beschrieben. Durch die lockere und leichte Sprache und die große Schrift lässt sich das Buch schnell und zügig lesen.
Der Plot, sowie dessen Auflösung funktioniert einwandfrei. Auch am Aufbau der Geschichte gibt es nichts auszusetzen. Alles ist schlüssig, logisch und gut strukturiert.
Einzig das Lektorat war hier leider nicht effizient genug.

Alles in allem ist Brandbücher ein solider, informativer, semi-historischer (Kriminal)roman für junge Erwachsene, den man durchaus als Lektüre in den (Geschichts)unterricht einbauen könnte.

Das Cover unterstreicht den Inhalt des Krimis ausgezeichnet, ebenso auch meinen Eindruck, es würde sich um ein Jugendbuch handeln (durch den Jungen, der darauf abgebildet ist).

Das ausführliche Nachwort der Autorin, der Verweis auf ihre Homepage über die Bücherverbrennung, die wirklich sehr eindrucksvoll ist und lange zum Verweilen einlädt, eine Enschlüsselung des jüdischen Kalenders, sowie ein Quellennachweis auf den letzten Seiten, runden das Buch gelungen ab.

Es gibt auch nach der kurzweiligen Lektüre viel zu entdecken und erfahren, somit gibt es von mir eine klare Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Leseerlebnis der besonderen Art.

(Eine Rezension von J.B. Wind, Cover mit freundlicher Genehmigung des Gmeiner Verlags)
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