Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal von Anja Marschall

Buchvorstellungund Rezension

Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal von Anja Marschall

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal“,, 304 Seiten.ISBN 978-3740802967.

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Kurzgefasst:

Kiel 1896: Während der Kalte Krieg zwischen dem deutschen Kaiser und dem Rest Europas zu schwelen beginnt, gerät Kommissar Hauke Sötje zwischen die Fronten der Geheimdienste. Er soll einen Verräter beschützen und erkennt zu spät, dass er in eine Falle geraten ist. Erst der mysteriöse Tod eines Dienstmädchens, das leblos im Kaiser-Wilhelm-Kanal treibt, bringt Hauke der Wahrheit näher – einer Wahrheit, für die er bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen.

Das meint Histo-Couch.de: „Spannende Ermittlungen in Kiel“90Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Kiel, 1869. Hauke Sötje, Kommissar der Kieler Polizei, ist zufällig zugegen, als eine weibliche Leiche aus dem Kanal geborgen wird. Der Kleidung nach scheint sie eher ein Dienstmädchen zu sein, aber sie hat ein Stück Stoff bei sich, das sie sich eigentlich nicht leisten kann. Alle vermuten einen Selbstmord, nur Hauke ist anderer Meinung und beginnt mit seinen Ermittlungen – wie schon so häufig gegen die Anordnung seiner Vorgesetzten.

Parallel dazu bekommt Hauke einen Auftrag des Geheimdienstes, von dem sein Chef nichts wissen darf. Er soll einen Max von Sülau beschützen und einen möglichen Anschlag auf ihn verhindern. Sülau gehört zur Entourage des russischen Fürsten Gregorijn, der in Kiel erwartet wird. Hauke sträubt sich zunächst, doch als er gewahr wird, dass Sülau etwas mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun hat, willigt er schließlich ein.

Als Hauke seine Verlobte, Sophie Struwe, die Hauslehrerin bei Konsul Winter ist, wegen des gefundenen Stoffes um Hilfe bittet, ahnt er nicht dass sie sich weiter in den Fall hineinwagen wird, als ihm und ihr lieb ist. Sophie fängt Feuer an der Recherchearbeit und wagt sich schließlich weiter vor, als gut für sie ist …

Recherche ohne Erlaubnis der Chefetage

Bereits zum dritten Mal schickt Anja Marschall ihren Kieler Kommissar Hauke Sötje ins Feld bzw. an den Schleswig-Holsteinischen Kanal, um einen Mordfall zu lösen, der einfach sein könnte, wenn es nicht ein paar Seitengeschichten geben würde und ein Ermittlungsverbot der Chefetage, die Sötje nicht glaubt und daher die Nachforschungen einstellt. Doch Hauke wäre nicht Hauke, wenn er nicht trotzdem ermitteln würde. Ein Wesenszug, den der geneigte Leser bereits aus den vorherigen beiden Fällen kennt.

Obwohl dies also bereits bekannt ist, liest man trotzdem gespannt, wie es weitergeht. Neu an diesem Roman ist die Initiative, die Sötjes Verlobte Sophie an den Tag legt. Erst allein, später mit Haukes Assistenten Bloch, stösst sie in den Ermittlungen vor und ist damit eine Frau der damaligen Zeit, die das Schicksal in die eigene Hand nimmt und dafür den einen und anderen schiefen Blick erntet. Anhand ihrer Figur zeigt die Autorin das steife Frauenbild der Zeit auf und bricht es gleichzeitig auf, was damals wohl völlig ungewöhnlich sein dürfte.

Spannender Kriminalfall und Spionagefall

Neben den Ermittlungen im Fall des ertrunkenen Mädchens, deren Identität man bald feststellt, nimmt Haukes Sonderauftrag einen weiten Erzählteil ein, zumal es auch in Rückblicken um Haukes Vergangenheit als Kapitän geht, der einst im Krieg sein Schiff verlor und als Einziger überlebte. Die Geister der Vergangenheit holen ihn ein und so wird sein Sonderauftrag zu einer persönlichen Angelegenheit, über die hier nicht mehr verraten werden soll.

Anja Marschall verwebt geschickt die drei Erzählstränge Mord – Spionage – Vergangenheit und hält den Leser durch ihre klare Sprache und ihre vielen Einfälle und Wendungen immer bei der Stange, so dass auf keiner Seite Langeweile aufkommt. Man spürt ihre akribische Recherche, allein erkennbar durch die Zeitungsartikel, die jedem der 47 Kapitel vorangestellt sind. Kurze Kapitel zeigen in diesem Fall, dass des Öfteren die Erzählperspektive gewechselt wird, was die Spannung erhöht und das Tempo aufrecht hält. Und doch gibt es ruhige Momente, etwa wenn Sophie bei Sötjes Wirtin Fräulein Bender vorstellig wird, weil sie ihn sucht.

Mit Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal ist Anja Marschall ein spannender, temporeicher Krimi gelungen, der den Leser bis zum Ende bei Atem hält und bei dem vor allem auch der historische Aspekt nicht zu kurz kommt und durch seine ungewöhnliche Verortung zugleich interessant und lehrreich ist. Unbedingt lesenswert auch das Nachwort, das das Geschehen im Roman noch einmal historisch einordnet. Lobenswert auch das Buchcover, das den Leser direkt in die richtige Zeitstimmung versetzt. Freunde von historischen Krimis aus der Kaiserzeit sollten hier unbedingt zugreifen und auch die Vorgängerbände nicht verschmähen. Die Autorin arbeitet bereits am nächsten Fall, worauf wir uns gerne freuen.

Ihre Meinung zu »Anja Marschall: Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal«

janaka zu »Anja Marschall: Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal«01.07.2018
Spannung und Intrigen aus dem historischen Kiel

*Inhalt*
Kiel 1896: Ein junges Mädchen wird Tod aus dem Kaiser-Wilhelm-Kanal geborgen. glaubt nicht an einen Unfall. Kleinschmidt, der Chef von Kommissar Hauke Sötje will den Fall so schnell wie möglich abschließen und drängt auf Selbstmord… Doch Hauke glaubt nicht dran, zuviele Hinweise sprechen dagegen, dass das Mädchen von einer Brücke gesprungen ist. Mit Hilfe vom Schreiber Levi Bloch stellt er erste Ermittlungen an.
Zur gleichen Zeit muss Hauke sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen und gerät dabei zwischen die Fronten zweier Geheimdienste.

*Meine Meinung*
Mit "Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal" nimmt uns die Autorin Anja Marschall zum dritten Mal mit in die Vergangenheit. Ein spannender Fall wird mit gut recherchierte Fakten und einem sympathischeren Hauptprotagonisten zusammengetan, und schon ist der Leser in der Geschichte gefangen und mag das Buch nicht mehr zur Seite legen. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und fesselnd, sehr bildhaft und lebendig und auch humorvolle Passagen sind zu finden. Die Spannung ist von Anfang an präsent und durch diversen Wendungen, Überraschungen und Geheimnissen bleibt sie dies auch bis zum Finale.
Beide Handlungsstränge für sich erzählen eine spannende Geschichte und ich als Leser frage mich immer wieder, gehören sie denn auch zusammen. das werde ich aber an dieser Stelle nicht verraten. Lest lieber selbst das Buch.

Die liebevolle Aufmachung des Buches gefällt mir besonders gut, das düstere Cover mit der Levensauer Brücke zieht mich als Schleswig-Holsteiner magisch an. Im Inneren befinden sich eine alte Karte und Bilder von verschiedenen Brücke. Ich mag solche schönen Details, auf der Karte kann ich die verschiedenen Orte finden. Mein Wohnort befindet sich auch drauf.
Jedes Kapitel startet mit einer Besonderheit, einem Artikel aus der damaligen Zeit oder hilfreiche Tipps. Sie haben nicht immer unbedingt etwas mit dem Inhalt des Kapitels zu tun, aber sie vermitteln das Flair in der damaligen Zeit.

Das Wiedersehen mit Hauke, Sophie und Fräulein Bender hat mit gut gefallen. Sie sind mit alle sehr ans Herz gewachsen, besonders der wortkarge Hauke, der auch mal ins Fettnäpfchen tritt. Er ist sehr wissbegierig und experimentiert (z.Zt. mit etwas, mit denen man Fingerabdrücke nehmen kann) sogar in seinem Zimmer. Sophie ist eine besonders starke Frau, die genau weiß, was sie will. Für die damalige Zeit ist sie ziemlich fortschrittlich. Aber auch die "neuen" Charaktere sind anschaulich beschrieben und integrieren sich gut in die Geschichte.

Die Beschreibung vom alten Kiel und der Landschaft rund um den Kaiser-Wilhelm-Kanal haben mir sehr gut gefallen. Ich kenne Kiel und sein Umland und ich liebe es, wenn Autoren mir meine Heimat aus ihren Augen zeigen.

*Fazit*
Ein rundum gelungener Krimi, gut recherchiert, spannende Geschichte und interessante Charaktere. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne.
dorli zu »Anja Marschall: Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal«11.06.2018
In ihrem historischen Kriminalroman „Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal“ nimmt Anja Marschall den Leser mit in das Jahr 1896 nach Kiel. Die Autorin wartet mit einem Mix aus historischen Fakten und spannender Fiktion auf und lässt diesen Krimi damit zu einer kurzweiligen Zeitreise werden.

Hauke Sötje, ehemaliger Kapitän und jetzt Kommissar bei der neuen Kriminalpolizei in Kiel, ist zufällig zugegen, als die Leiche einer jungen Frau aus dem Kanal gezogen wird. Obwohl der Fall schnell als Selbstmord abgetan wird, sagt Haukes Bauchgefühl etwas anderes, denn es gibt ein paar Indizien, die für ein Fremdverschulden sprechen. Hauke bittet Levi Bloch, den Schreiber des Kommissariats, sich bezüglich der offenen Fragen für ihn umzusehen und umzuhören, da er selbst sich ein paar Tage vom Dienst freistellen lassen hat, um einen inoffiziellen Auftrag im Kieler Schloss zu erledigen. Während des Besuchs einer russischen Delegation soll Hauke einen Spion beschützen – eine Aufgabe, die er nur übernimmt, weil diese ihm die Gelegenheit bietet, die Geister der Vergangenheit abzuschütteln und den Mann zur Rechenschaft zu ziehen, der für den Untergang seines Schiffes und den Tod seiner Mannschaft verantwortlich ist. Dass er schnurstracks in eine Falle tappt, ahnt der Kommisaar jedoch nicht…

„Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal“ ist bereits der dritte Fall für Hauke Sötje, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

Für die Ermittler gilt es in diesem Fall, ein Knäuel aus rätselhaften Spuren, hinterhältigen Machenschaften und fragwürdigen Personen zu entwirren – als Leser ist man von Anfang an mittendrin in diesem spannenden Verwirrspiel und kann bis zum Schluss prima über Täter und Motive miträtseln und mitgrübeln.

Anja Marschall hat ein gutes Händchen dafür, die fesselnde Krimihandlung mit historischen Fakten und wahren Begebenheiten zu verweben. Das Kiel des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird vielschichtig dargestellt. Neben der Mentalität und den Eigenarten der Menschen in der damaligen Zeit fließen auch Lebensweise, Alltag, politische Lage, gesellschaftliche Gepflogenheiten, technische Errungenschaften und Mode in das Geschehen ein – alles was die Menschen im alten Kiel beschäftigt und bewegt hat, findet man in der Handlung wieder. Die ganze Szenerie wirkt dadurch durchweg authentisch und lebendig, so dass das Lesen dieses historischen Krimis zu einem besonderen Erlebnis wird.

„Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal“ hat mich rundum begeistert – die gut ausbalancierte Mischung aus Spannung und Historie hat mir nicht nur unterhaltsame Lesestunden beschert, sondern mir auch interessante Einblicke in die Historie Kiels ermöglicht.
Nelli Sievers zu »Anja Marschall: Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal«02.06.2018
Spannendes Buch und man lernt, ohne, dass man es merkt. Toll recherchiert. Nie mit erhobenem Zeigefinger. Ich lese die beiden Vorgängerbände auch noch. Ein wenig Liebe ist auch drin, aber noch mehr "Gesellschaftskritisches" zwischen den Zeilen. Wie lebte eine "anständige" Frau damals? Und was passierte, wenn sie den Standardkonventionen nicht mehr entsprechen wollte? Kleinigekeiten wie diese finden sich immer wieder im Text. Es ist heute kaum vorzustellen, wie eng das geistige Korsett damals noch war.
PMelittaM zu »Anja Marschall: Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal«20.05.2018
1896: Im Kaiser-Wilhelm-Kanal wird eine Tote gefunden. Hauke Sötje, der zufällig bei der Bergung zugegen war, glaubt nicht an Selbstmord, für ihn deutet vieles auf eine Gewalttat hin. Doch zunächst muss die Identität der Frau geklärt werden, bei der es sich wahrscheinlich um ein Dienstmädchen handelt, die aber etwas sehr Wertvolles bei sich trägt.

Während Hauke versucht den Fall zu lösen, wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert und erhält die Chance, endlich zu erfahren, warum sein Schiff untergehen musste.

Es gibt Romane, da ist man vom Fleck weg begeistert. Mir ging es so bei diesem, schon den Prolog fand ich sehr gelungen, im weiteren konnte ich den Roman kaum aus der Hand legen, er ist interessant, gut recherchiert, spannend, mit Humor und viel Lokal- und Zeitkolorit, und wartet zudem mit überzeugenden Charakteren auf.

Besonders Hauke gefällt mir gut, der ehemalige Kapitän, der durch den Untergang seines Schiffes ein Trauma erlitten hat und sich nicht mehr an die Umstände, die dazu führten, erinnern kann. Mittlerweile Kommissar bei der erst vor kurzem gegründeten Kriminalpolizei, ist er bestrebt, zu nachweisbaren Erkenntnissen zu kommen, weswegen er auch in seiner Freizeit experimentiert, z. B. mit der neuartigen Fingerabdrucktechnik. Hauke ist mir direkt sympathisch gewesen.

Haukes Verlobte Sophie gefällt mir ebenfalls sehr gut. Sie lässt sich nicht so schnell unterkriegen und geht ihren Weg. Natürlich hat dieser innerhalb der damaligen Gesellschaft seine Grenzen, sie versucht aber ihr Bestes und hat sicher mit Hauke einen guten Partner dafür.

Auch andere Charaktere sind der Autorin gut gelungen, Haukes Vorgesetzter, seine Zimmerwirtin, Regierungsbeamte, Adel usw., sie wirken nicht nur authentisch, sondern man kann sie sich auch bildlich vorstellen.

Die Autorin erzählt insgesamt sehr bildhaft, man merkt auch, wie gut sie recherchiert hat. Ich hatte ständig das Gefühl, mit Hauke durch Kiel zu laufen und mit ihm verschiedene Örtlichkeiten zu besuchen. Ein besonderes Bonbon sind die kapiteleinleitenden Originalzitate von 1896 aus verschiedenen Zeitungen, die manchmal überraschend gut zum Inhalt des einzelnen Kapitels passen. Außerdem erfährt der Leser auf diese Weise einiges Interessante aus diesem Jahr. Der Fall/die Fälle haben mir gut gefallen und sind logisch und passend gelöst, passen zudem ebenfalls gut in die Zeit.

Wie es sich für historische Romane gehört, gibt es auch hier Zusatzinhalte: Karten des Kaiser-Wilhelm-Kanals und im Anhang sehr lesenswerte Anmerkungen der Autorin. Insgesamt erhält man mit diesem Roman ein gelungenes Rundum-Paket.

„Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal“ ist zwar bereits der dritte Band um Hauke Sötje, man kann ihn aber gut lesen, ohne die Vorgängerbände zu kennen, ich kenne sie bislang auch nicht, werde sie aber auf jeden Fall noch lesen, ein vierter Band ist glücklicherweise schon in der Planung, so dass man auf viele weitere hoffen kann.

„Endlich mal wieder ein gelungener Krimi“, habe ich mir nach der Lektüre gedacht, noch dazu ein historischer, die ich besonders gerne mag. Hier stimmt einfach alles, gute Recherche, Lokal- und Zeitkolorit, gelungene Charaktere und interessante Fälle. Ich vergebe sehr gerne eine Leseempfehlung für alle die historische (Kriminal)romane mögen. 91°
claudi-1963 zu »Anja Marschall: Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal«15.05.2018
"Wenn irgendwo zwischen zwei Mächten ein noch so harmlos aussehender Pakt geschlossen wird, muss man sich sofort fragen, wer hier umgebracht werden soll." (Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck)
Kiel 1896: An der Schleuse Holtenau wird im Kanal die Leiche einer jungen Frau gefunden. Auffällig ist das fehlen eines Stück Stoffs an ihrem Rock und eine Duchee Spitze, die genau vier Ellen misst, um ihren Arm gewickelt hatte. Den nach den Händen zu urteilen war diese Frau lediglich ein Dienstmädchen gewesen. Woher also hatte sie diese teure Spitze? Hauke Sötje lässt sie obduzieren, auch wenn alles nach einem Selbstmord aussieht, glaubt er, das sie ermordet wurde. Doch Hauke wird sich um diesen Fall nicht weiter kümmern können, da ein alter Bekannter ihm einen Auftrag erteilt. Deshalb überträgt er ihn seinem Kollegen Bloch, damit dieser sich weiter umhört. Ausgerechnet Graf von Lahn bittet ihn um einen Gefallen, der Mann, welcher Max Sülau den Mörder seiner Männer vom Schiff "Revange" damals laufen ließ. Jenen Mann soll Hauke nun beschützen, wenn eine russische Delegation mit Fürst Gregorijn demnächst sich im Schloss eintrifft. Haukes vergangene Geister kommen wieder in ihm hoch und so weiß er nicht, ob er diesen Auftrag wirklich ausführen soll. Doch damit er endlich mit dieser Vergangenheit abschließen kann und seine Verlobte Sophie ehelichen, geht er den Pakt mit dem Teufel ein. Auf der Suche nach der Wahrheit begibt sich nicht nur Hauke in Gefahr, auch für Sophie und seinen Kollegen Bloch wird es gefährlich.

Meine Meinung:
Anja Marschall hat sich mit diesem dritten Kriminalfall von Hauke Sötje wieder einmal selbst übertroffen. Mit viel Recherchearbeit hat die Autorin mich wieder einmal mitgenommen in die Historie Kiels. Schon allein durch ihren Schreibstil hat mich die Geschichte wieder in den Bann gezogen. Mit viel Liebe zum Detail verbindet sie Historie und Kriminalfall, so das man als Leser gefesselt von Kapitel zu Kapitel und nicht mehr aufhören kann. Da sind dann Details wie die alten Maße, Duchee Spitze, ein altes Telefon, aber auch das Benehmen der Frauen zu dieser Zeit hat sie wundervoll aufgegriffen. Wie schon beim Vorgängerband hatte, ich auch diesmal das Gefühl ich werde in diese Zeit katapultiert, das schaffen nur wenige Autoren. Die Charaktere waren alle absolut stimmig und nachvollziehbar, wobei mich Hauke Sötje und Sophie wieder am meisten begeistert haben. Da ich weiß, dass die Autorin sehr genau in ihren Recherchen ist, kann ich mir erst jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, vorstellen wie viel Arbeit das war. Allein schon die einzelnen Zeitungsausschnitte die jedes der 47 Kapitel ziert, muss viel Arbeit gewesen sein. Wieder einmal umrahmt dieses Buch dazu noch ein gelungenes Cover, dass einen mit in die damalige Zeit nimmt und das außerdem sehr gut zum Inhalt passt. Chapeau wieder einmal kann ich die Autorin nur beglückwünschen zu so einem grandiosen Buch, das Leser aus Historik und Krimi gleichermaßen begeistern wird. Für mich jetzt schon mein Bestseller des Jahres in Sachen Historie und gebe 5 von 5 Sterne und eine Leseempfehlung an jeden.
Venatrix zu »Anja Marschall: Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal«13.05.2018
Der vorliegende historische Krimi ist der 3. Fall für den geradlinigen Kommissar Hauke Sötje. Nach wie vor beschäftigt ihn der Untergang seines Schiffes “Revenge”, der seiner gesamten Mannschaft den Tod brachte und ihm selbst nagende Gewissensbisse, einen Aufenthalt im Gefängnis und in der Irrenanstalt. Noch immer fehlt ihm die letzte Gewissheit, was damals vorgefallen ist.
Auch in diesem Kriminalfall wird die Such nach der Wahrheit zu Haukes Vergangenheit zum zentralen Thema.
Doch schnell zum aktuellen Fall:
Gleich im Prolog wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, die obwohl ärmlich wie ein Dienstmädchen gekleidet, ein vier preußische Ellen langes Stück kostbarster Brüsseler Spitze um den Arm gewickelt hat. Obwohl sowohl Haukes Vorgesetzter Kleinschmidt und der dröge Rechtsmediziner den Tod der jungen Frau als Selbstmord möglichst schnell zu den Akten legen möchten, fallen Sötje Ungereimtheiten auf, denen er nachgehen will.
Allerdings wird er mit einem geheimen Auftrag ins Kieler Schloss beordert: Er soll einen Agenten, den er persönlich lieber tot sehen möchte, beschützen. Diese Mann ist der Schlüssel zu Haukes Vergangenheit. Getrieben vom Wunsch endlich die Wahrheit zu erfahren, lässt sich Hauke für die Zwecke des Geheimdienstes einspannen, nicht wissend, dass er dabei nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Mitarbeiter Levi Bloch und seine Verlobte Sophie in höchste Gefahr bringt.
Wird es Hauke Sötje gelingen, den Agenten zu beschützen und gleichzeitig die Wahrheit über den Untergang der “Revenge” herauszufinden? Und wie passt das tote Dienstmädchen dazu?
Meine Meinung:
Anja Marschall kann wunderbare historische Krimis schreiben. Schon in den beiden Vorgängern („Fortunas Schatten“ und „Tod am Nord-Ostseekanal“) hat sie dies unter Beweis gestellt. Die Geschichten haben Hand und Fuß, sind penibel recherchiert und lassen den Leser ob der vielen historischen korrekten Details in die Zeit von 1896 eintauchen. Genau diese akribisch herausgesuchten Details, wie Ausschnitte aus den damals aktuellen Zeitungen wie der „Kanalzeitung“ und der „Kieler neuesten Nachrichten“ machen den Krimi authentisch.
Der einsame Wolf Hauke hat in seinem Schreiber, dem Juden Levi Bloch, einen großartigen Helfer. Doch auch der scharfe Verstand von Sophie hilft bei den Ermittlungen. Allerdings muss Hauke noch ein wenig „Nachhilfe“ zu Thema „was Frauen wünschen“ erhalten. Da hilft Haukes liebenswürdig schrullige Vermieterin, Fräulein Bender, die sowohl ihn als auch Sophie ins Herz geschlossen hat, gerne aus.
Der Kriminalfall selbst ist gut durchdacht und der Leser wird gerne einmal in die Irre geschickt. Lange sind die Zusammenhänge nicht klar, bis die Hinweise und Querverbindungen sich zu einem kompakten Ganzen vereint werden. Persönliche Rache, politische Intrigen und verräterische Umtriebe – das alles sind Zutaten für einen fesselnden historischen Kriminalroman. Auch die Liebe, ein Anflug von Eifersucht sowie das eine oder andere Fettnäpfchen dürfen nicht fehlen – so spielt das Leben einfach.
Kurze Kapitel, rasante Szenen- bzw. Perspektivenwechsel lassen den Spannungsbogen hochhalten. Die Leser können mit den Personen so richtig schön mitfiebern.
Kurze Kapitel und schnelle Szenenwechsel schaffen zudem enorm Fahrt und die Seiten fliegen nur so dahin. Auch die kleine Liebelei mit Sophie samt Eifersucht, Grant und das eine oder andere Fettnäpfchen so am Rande der Ermittlungen machen richtig Spaß.
Mir gefällt auch sehr gut, wie die Autorin größere und kleiner historische Details elegant und subtil in die Geschichte verwebt. Allein das Zwiegespräch Hauke mit Levi über die feine Brüsseler Spitze und die Maßeinheiten „vier Alte Preußische Ellen sind 2 Meter 67“ ist historisch korrekt und liebevoll geschrieben. Geschickt flicht Anja Marschall auch die politischen Strömungen ein, ohne dass der Leser den Eindruck hat, Geschichte zu lernen.
Wieder ist eine Karte des Kaiser-Wilhelm-Kanals auf den Vorsatzseiten abgedruckt, sodass der Leser die Orte der Handlungen selbst verfolgen kann.
Fazit:
Ein komplexer, fesselnder Kriminalroman, der uns authentisch in eine längst vergangene Zeit entführt. Gerne gebe ich 5 Stern und eine absolute Leseempfehlung.
Mrs.Rabes_Bookaccount zu »Anja Marschall: Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal«10.04.2018
Kiel, Ende des 19. Jahrhunderts: Hauke Sötje ist ein Mann mit Vergangenheit. Bei einem Schiffsunglück verlor der ehemalige Kapitän nicht nur Schiff und die gesamte Mannschaft, sondern auch noch beinahe den Verstand. Nach einem Freispruch und seiner Genesung tritt Hauke in den Polizeidienst der Stadt Kiel ein. Bei seinen derzeitigen Ermittlungen gibt ihm ein ertrunkenes Dienstmädchen Rätsel auf. Hauke will nicht an Selbstmord glauben. Dann erhält er eine sonderbare Vorladung ins Schloss. Plötzlich steckt Hauke mittendrin zwischen Preußen und Russen, Militär, Geheimdiensten und Spionen. Aber auch Schrecken der Vergangenheit scheinen ihn einzuholen.

Verrat am Kaiser Wilhelm Kanal ist mittlerweile der dritte Teil einer Reihe um Hauke Sötje. Obwohl ich bekennende Reihenfolgenleserin bin, hat es mir nichts ausgemacht, die Vorgänger nicht zu kennen. Man kommt in diesem Band gut zurecht. Die Geschichte selbst ist gespickt mit Intrigen, Verrat, Geheimnissen, Spionage in wohldosierter Dosis. Die Sprache ist der Zeit angepasst aber niemals pathetisch. Besonders gut gefallen hat mir, dass neben Hauke seine Verlobte Sophie eine entscheidende Rolle spielen darf und damit die sehr männlich dominierte Schar an Personen ein wenig an die Wand spielt. Ganz interessant waren auch die kleinen Artikel am Anfang jedes Kapitels, Originalauszüge und skurrile Kleinodien.

Spannend, unterhaltsam und gut recherchiert. Eine Leseempfehlung vor allem für Freunde des historischen Kriminalromans.
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