Herbststurm von Angelika Felenda

Buchvorstellungund Rezension

Herbststurm von Angelika Felenda

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Herbststurm“,, 437 Seiten.ISBN 3518469231.

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Kurzgefasst:

München, 1922. Die Inflation galoppiert, wegen der Reparationsforderungen werden Anschläge auf die Französische Gesandtschaft verübt und in der Stadt marodieren Mitglieder der inzwischen verbotenen Freikorps. Kommissär Reitmeyer hingegen könnte es eigentlich gut gehen – immerhin hat sich die Beziehung zu seiner Jugendfreundin Caroline deutlich entspannt. Doch seine Ermittlungen zwischen gestrandeten Ex-Militärs und zwielichtigen russischen Damen erweisen sich schwieriger als gedacht – zumal sich der Verdacht erhärtet, dass sein schlimmster Widersacher in den eigenen Reihen sitzt.

Das meint Histo-Couch.de: „Kommissär Reitmeyer ermittelt an vielen Fronten“80

Rezension von Jörg Kijanski

Eine Woche ist es her, da wurde am Ufer der Isar ein toter Mann gefunden. Ein Kopfschuss aus nächster Nähe. In der Tasche des Toten fand sich das Abzeichen eines Freikorps, doch die Identität des Mannes ist bislang ungeklärt. Jetzt liegt Kommissär Sebastian Reitmeyer ein neuer Fall auf dem Tisch, der anscheinend klar ist. Ein Motorradfahrer stürzte auf der Maximiliansbrücke tödlich. Ein Unfall? Die Untersuchung ergibt, dass auf den Reifen des Motorrads ein Schuss abgegeben wurde. Aus einem Nagant-Revolver, der Waffe der Offiziere der früheren zaristischen Armee; das gleiche Projektil wie beim Opfer am Isarufer. Rechtsanwalt Sepp Leitner, ein alter Freund von Reitmeyer, erhält derweil einen sonderbaren Auftrag. Er soll die hübsche Anna, Tochter der offenbar reichen Maria Alexandrowna Kusnezowa, finden, die seit wenigen Tagen verschwunden ist. Leitner ist kein Detektiv, aber da er Geldnöte hat und die Russin in Dollar, also wertvollen Devisen, zahlt nimmt er den Fall an. Er beauftragt den Detektiv Norbert Hofbauer mit Nachforschungen, doch schnell stellt sich heraus, dass es sich bei diesem um den toten Motorradfahrer handelt. Derweil scheint der frühere Polizeischüler Rattler überraschend seine große Liebe gefunden zu haben …

Inflation, marodierende Freikorps, russische Zaristen, Putschgefahr

München, 1922. Es ist eine wilde, unsichere Zeit. Bestimmt von erneut aufkommenden Putschgerüchten und einer beständig steigenden Inflation. Nach dem großen Krieg wurden nur viertausend Offiziere in den Korps der neuen Reichswehr übernommen. Die übrigen organisieren sich größtenteils in Freikorps wie dem Treu-Oberland oder ähnlichen Organisationen. Zur Treu-Oberland (später als Blücherbund bekannt) führen dann auch immer wieder Spuren, zumal die beiden ermordeten Männer diesem Korps angehörten. Es ist eine nationalistisch, nicht nationalsozialistisch eingestellte Truppe, die von einer Loslösung Bayerns vom „roten Berlin“ träumt. Die anschließende Wiedereinführung der Monarchie, gekoppelt mit einer Diktatur ist das Ziel. Doch woher kommt plötzlich das viele Geld, über das die Treu-Oberland verfügt?  

Eine denkbare Variante führt zu ehemals zaristischen Russen, die nach der Revolution und der Gründung der Sowjetregierung in Deutschland leben. Sie träumen ebenfalls vom Sturz der herrschenden Klasse, wollen den Nachfolgern des Zaren zurück an die Macht verhelfen. Sollten sich die Verlierer des Krieges gegenseitig unterstützen? Soll Deutschland entgegen des Versailler Vertrages insgeheim aufgerüstet werden?

„Er ist erschossen worden? Auf der Straße? Es klang, als hätte er sich damit endgültig disqualifiziert. Ein Offizier starb auf dem Feld der Ehre, nicht “auf der Straße„.“

Es ist eine turbulente Phase der Weimarer Republik, in die die Autorin Angelika Felenda ihre Leser entführt. Diese treffen auf altbekannte Figuren. Reitmeyer und Leitner, den begeisterten Sherlock-Holmes-Leser Rattler, die Polizisten Brunner, Steiger und Klotz sowie auf Caroline, die gemeinsame Bekannte von Reitmeyer und Leitner, deren Bruder Lukas 1916 an der Somme fiel. Reitmeyer steckt mitten in den Ermittlungen und dennoch gibt es privat einen großen Fortschritt zu vermelden, denn das bis dato erfolglose Anschmachten „seiner“ Caroline führt überraschend zum Erfolg. Ähnlich unverhoffte Glücksgefühle erlebt auch der junge Rattler, der unter großen Lungenproblemen leidet. Er lernt die überaus attraktive Larissa Beck kennen, eine Russin, in die er sich kopfüber verliebt. Die Krux des dritten Teils aus der Kommissär-Reitmeyer-Reihe ist, dass Reitmeyer ebenso wie Rattler in ihren Ermittlungen „erblinden“, da sie abgelenkt sind. Reitmeyer von der Treu-Oberland, deren plötzliches Geldvermögen seiner Meinung nach zum Täter führen muss und Rattler, nun ja, eben von seiner ersten großen Liebe.

Angelika Felenda entführt erneut packend und kurzweilig in die damalige Zeit, wobei das politische Gemengelage nicht nur den Kommissär verwirren dürfte. Zumal auch intern nicht immer klar ist, wer Freund und Feind ist. Fest steht nur, dass rechte Kreise von der politischen Polizei unterstützt und teils gedeckt werden. Ein kleiner Anhang klärt abschließend über die Hintergründe auf und stellt einige im Roman vorkommende historische Personen vor.

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