Gunnar Gunnarsson

Der isländische Schriftsteller Gunnar Gunnarsson wurde 1889 im Fljótsdalur in Ostisland geboren und wuchs dort als Sohn eines armen Bauern auf dem Hof Valþjófsstaður auf. Als er acht Jahre alt war, starb seine Mutter. Er besuchte nur die einfach Volksschule und besuchte ab dem achtzehnten Lebensjahr für zwei Jahre die Volkshochschule in Jütland, Dänemark. Hier lernte er auch Franzisca Jörgensen kennen, die er 1912 heiratete.

In Dänemark versuchte er auch, sein Glück als Schriftsteller zu versuchen. So erschien 1912 sein Roman Ormarr Ørlygsson, der der erste Teil einer Tetralogie wurde, die in Deutschland unter dem Titel Die Leute auf Borg erschien und bereits 1919 als erster isländischer Roman überhaupt verfilmt wurde. Diese Romane machten ihn berühmt, so dass nun in rascher Folge weitere Romane von ihm erschienen, die seinen Ruhm festigten und ihn über Skandinavien hinaus bekannt machten.

In Deutschland begann sein Ruhm mit Salige er de enfoldige (dt. Der Hass des Pall Einarsson) von 1921. 1926 ging er zurück nach Island, wo er sich zunächst in Ljótsstaðir bei Vopnafjörður niederließ. 1938 kaufte er den Hof Skriðuklaustur in der Nähe seines Elternhauses. Dieser Hof ist heute ein Museum über Gunnarsson.

Die Beliebtheit seiner Romane in Deutschland führte gerade in den 20er und 30er Jahren dazu, dass er sehr populär wurde und die Nationalsozialisten Interesse an ihm bekundeten. Obwohl er sich dem Werben der Nazis auf die Dauer nicht entziehen konnte und sich teilweise für ihre Zwecke missbrauchen liess, ist davon in seinen Büchern nichts zu spüren, sie sprühen weiterhin vor seiner Liebe zu Island und deren Kultur. Allerdings nahmen die Dänen ihm seine Kontakte übel, und so zog er 1939 endgültig nach Island um.

Im Jahr 1948 nach Reykjavík, wo er begann, seine Bücher, die er bislang in Dänisch geschrieben hatte, ins Isländische zu übersetzen. Seine letzten drei Romane, die alle nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, schrieb er erstmals original auf isländisch. Der letzte erschien 1955, in diesem Jahr war er auch für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Normalerweise werden die Nominierten nicht bekannt gegeben, aber es kam inzwischen heraus, das er zu diesem Zeitpunkt bereits zum dritten Mal vorgeschlagen war. In diesem Jahr 1955 erhielt hingegen Halldór Laxness als bislang einziger isländischer Schriftsteller den Literaturnobelpreis. Gunnarsson gilt neben Laxness als grösster Romanautor Islands im 20. Jahrhundert.

Gunnar Gunnarsson starb 1975 in Reykjavík, ein Jahr später seine Frau. Sie wurden auf Viðey beigesetzt, einer kleinen Insel im Westen Islands. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, sind in Deutschland aber nahezu vergriffen.

Historische Romane von Gunnar Gunnarsson: (Auswahl)

  • (1912) Die Leute auf Borg
    Ormarr Ørlygsson. Af Borgslægtens Historie, (1913) Gæst den enøjede. Af Borgslægtens Historie, (1913) Den danske frue på Hof. Af Borgslægtens Historie, (1914) Den unge Ørn. Af Borgslægtens Historie

Weitere Romane von Gunnar Gunnarsson: (Auswahl)

  • (1915) Strand des Lebens
    Livets Strand
  • (1916) Der Geächtete
    Varg i Veum
  • (1918) Die Eidbrüder
    Edbrødre
  • (1920) Sieben Tage Finsternis (auch unter Der Hass des Pall Einarsson erschienen)
    Salige er de enfoldige
  • (1925) Schiffe am Himmel
    Skibe på himlen
  • (1927) Der Unerfahrene Reisende
    Den unerfarne reisende
  • (1930) Jon Arason
    Jón Arason
  • (1930) Rævepelsene
  • (1932) Vikivaki, oder die goldene Leiter (auch unter Das Geheimnis der hellen Nacht erschienen)
    Vikivaki
  • (1933) Das Haus der Blinden
    De blindes Hus
  • (1933) Im Zeichen Jörds
    Jord
  • (1934) Der weisse Krist
    Hvide-Krist
  • (1935) Sagaøen
  • (1936) Der graue Mann
    Gråmand
  • (1937) Advent im Hochgebirge
    Advent
  • (1942) Brandur auf Barg (auch unter Die Eindalsaga erschienen)
    Brandur på Bjarg
  • (1953) Sjælemesse
  • (1955) Sonate ved havet