Der Dämon der Zwietracht
- Adrian
- Erschienen: Juni 2026
- 0


Fünf Monate vor Kriegsausbruch. Buchanans Zögern grenzt Lincolns Handlungsspielraum ein.
Erik Larsons Roman „Der Dämon der Zwietracht“ beginnt mit der bereits seit 113 Tage dauernden Besetzung von Fort Sumter. Es ist eine der spannendsten Phasen in der amerikanischen Geschichte. Der Roman zeigt, wie politische Machtkämpfe, wirtschaftliche Gegensätze und gesellschaftliche Ängste ein nie dagewesenes Blutvergießen verursachen.
Unterschiedliche Gesellschaftssysteme
Vorausgegangen ist die Wahl des Republikaners Abraham Lincoln zum 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika im November 1860. Der Termin für die Bestätigung wurde jedoch erst auf den Februar 1861 festgelegt. Bis dahin versucht der amtierende Präsident Buchanan auf jede erdenkliche Art Zeit zu gewinnen, um wichtige Entscheidungen seinem Nachfolger zu überlassen. Lincoln ist jedoch handlungsunfähig, solange seine Wahl nicht rechtskräftig ist. Diese Verzögerung nutzen die verschiedenen politischen Kräfte des Nordens und des Südens für ihre Zwecke aus.
Lincolns Wahl hat zur Folge, dass elf Südstaaten, die die Sklaverei befürworten, aus der Union austreten. Der Präsident versucht, die Abspaltung des Südens zu verhindern und zeigt sich kompromissbereit. Er will um jeden Preis die Auflösung der Union verhindern. Doch die ökonomische, soziale und politische Spaltung zwischen dem Norden und dem Süden hat sich seit 1830 gerade wegen der Sklaverei verstärkt. Dies hat zu unterschiedlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystemen geführt. Der Norden profitierte von seiner Industrialisierung. Im Süden hingegen regieren die Baumwollpflanzer. Sie sind die Aristokratie, eine Art Ritterschaft und sie suchen das politische Engagement, um ihr System zu bewahren.
„Die Ängste mehrten sich, dass South Carolinas goldene Tage nun vorüber waren. Die Pflanzer waren einst die reichste Klasse in Amerika […] Aber als Handel, Fabriken und Handwerk diesen Zustand durcheinanderwirbelten und einen Reichtum boten, der viel mehr Luxus erlaubte als das Plantagenwesen, da erhob sich, […] dieser Dämon der Zwietracht, der das Land in den letzten Jahren so sehr aufstören sollte.“
Konzentriert und realistisch
Würde man die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs so erzählen, wie es Erik Larson tut, würde sie wohl kaum in ein Buch passen. Mit beeindruckender Gründlichkeit konzentriert sich Larson deshalb auf die letzten fünf Monate vor Kriegsausbruch. Er schildert die unterschiedlichen Positionen der Beteiligten und die politischen Hintergründe präzise und stets auf der Grundlage historischer Quellen.
Fort Sumter im Hafen von Charleston steht im Mittelpunkt des Romans. Als Bundeseigentum gehört es den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Zusammenhang mit der Sezession will der Staat South Carolina es den Konföderierten als Eigentum übergeben. Erik Larson spinnt eine Geschichte um Fort Sumter, die die komplexen Verhandlungen aufzeigt und die auf präziser Recherche basiert.
Fazit
Das Faszinierende an diesem Roman ist sein Erzählstil. Jeder Satz basiert auf nachweislich historischen Quellen und archivierten Dokumenten. Aus diesem Material ist eine interessante und perspektivenreiche Erzählung entstanden. Sie setzt den Fokus ganz bewusst auf die Verhandlungen, die Besetzung und die Kapitulation von Fort Sumter. Die Sicht liegt dabei rein auf den militärischen und politischen Aspekten. Auf die Sichtweise der Sklaven oder der Bürger geht Larson nicht ein. Dies hätte den Rahmen des Buches wahrscheinlich gesprengt.

Erik Larson, Adrian

Deine Meinung zu »Der Dämon der Zwietracht«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!