Gesang des Lebens
- Unionsverlag
- Erschienen: Juli 2026
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Kulturelle und geographische Umbrüche in Grönland.
1000 n. Chr.: Ständig auf Nahrungssuche gelangt das Jägervolk, die Inuit, über den Kanadischen Norden nach Grönland. Fasziniert von der vielfältigen Tierwelt und Fauna, beschließen sie, dort ihre Lager aufzuschlagen. Fernab jeglicher Zivilisation entwickeln sie einen nach ihren eigenen Regeln und dem rauen und kalten Klima angepassten Lebensrhythmus. Doch mit dem unerwarteten Auftreten zerstörerischer Fremdeinflüsse sieht sich die Gemeinschaft neuen Herausforderungen gegenüberstehen.
Mythen und Legenden als Überlebensstrategie
Der dänische Autor Jorn Riel berichtet in seinem historischen Roman „Gesang des Lebens“ über die erste Besiedelung Grönlands durch die Inuit. Beginnend mit einem interessanten Rückblick auf die Vorfahren des indigenen Volksstammes, geht er fließend in die Erzählung über. Anhand der Hauptfiguren, die einem gemeinsamen Stammbaum zugehören, zeichnet Jorn Riel ein authentisches Bild über die Lebensweise und das soziale Gefüge der Urbevölkerung Grönlands in den Jahren 1000 n. Chr. bis in die 1980er Jahre.
Zum Teil auf historische Überlieferungen stützend, als auch auf eigene Erfahrungen und Erlebnisse, gibt der Autor viel wissenswerte Einblicke in Sinn und Bedeutsamkeit von Spiritualität, Tradition und Kultur für die Inuit. Mit seinen sehr ins Detail gehenden Schilderungen vermittelt Jorn Riel den LeserInnen ein umfassendes Bild über die Lebensumstände des Nomadenvolkes. Entsprechend beschreibt er leider auch sehr brutale Szenen mit einer Genauigkeit, die für mich nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Glücklicherweise wendet er sich auch schnell wieder erfreulicheren Szenen zu. Stimmungsvolle Naturbeschreibungen und Lichtreflexionen im Eis des arktischen Grönlands gehören ebenso dazu, wie auch die unerschütterliche Standhaftigkeit der Menschen in Extremsituationen.
Zwischen Anpassung und Entwurzelung
Doch leider bleiben die Siedler vor gesellschaftlichen und politischen Übergriffen seitens der Europäer und Nordländer nicht verschont. Ohne darauf näher einzugehen, setzt der Schriftsteller sein Augenmerk auf die neuen Herausforderungen, die auf die Inuit zukommen. Unmissverständlich zeigt er die ethnosozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf, die letztendlich zu tiefgreifenden Veränderungen für das Nomadenvolk führen.
Entgegen seinem bisher in die Tiefe gehenden Schreibstil zeigt sich der Autor bedauerlicherweise im Anhang von einer eher nachlässigen Seite. Aufgrund der Fülle von Menschen, die im Laufe der Erzählung in Beziehung zueinander stehen, wäre zur besseren Zuordnung ein Namensregister sehr hilfreich gewesen; auch eine Landkarte Grönlands wäre zur leichteren Orientierung recht nützlich gewesen.
Jorn Riel, geboren 1931 in Odense / Dänemark studierte in Kopenhagen Telegrafie, Navigation, Eskimaulogie und Ethnologie. Nach Abschluss seiner Ausbildung nahm er 1950 an einer Expedition in Grönland teil. Die Faszination für Land und Bewohner veranlasste ihn, dort zu bleiben. Nach 16 Jahren in Grönland, unternahm er im Anschluss daran mehrere Reisen als Beobachter der Vereinten Nationen. In den 1970er Jahren zog er sich nach Malaysia zurück. Dort begann er, sich intensiv dem Schreiben zu widmen. 2023 starb der erfolgreiche Schriftsteller in Kuala Lumpur / Malaysia.
Fazit
Jorn Riel lässt die LeserInnen an der ursprünglichen und geheimnisvollen Welt der Inuit teilnehmen, die er sehr eindrücklich und lehrreich beschreibt. Mit seiner Dokufiktion „Gesang des Lebens“ setzt er Grönland und seinen Ureinwohnern ein literarisches Denkmal.

Jørn Riel, Unionsverlag

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