Das Gutshaus im Nebel

  • Emons
  • Erschienen: Februar 2026
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Das Gutshaus im Nebel
Das Gutshaus im Nebel
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Carsten Jaehner
841001

Histo-Couch Rezension vonMai 2026

Ein düsteres Familiengeheimnis.

1882 im Münsterland. Die junge Erzieherin Charlotte Jäger wird von ihrer bisherigen Schule als Privaterzieherin an ein Gutshaus weitervermittelt, wo sie den fünfjährigen Sohn des Hauses neben dem Hauslehrer zusätzlich als Erzieherin unterrichten soll. Charlotte nutzt die Gunst der Stunde, da sie mit ihrem bisherigen Arbeitgeber nicht mehr zufrieden ist. Der neue Arbeitgeber bietet ihr viel Geld, ein eigenes großes Zimmer und eine gute Stellung, daher fällt ihre Entscheidung nicht schwer.

Angekommen auf Gut Valarin, merkt Charlotte schnell, dass hier einiges nicht stimmt. Sie darf das Anwesen nicht verlassen, möglichst nicht in die Gärten gehen, überhaupt sollte sie sich nicht unbedingt außerhalb ihres Zimmers, dem Essraum oder dem Unterrichtsraum aufhalten. Baron von Wegbergen ist ein strenger Herr, der in seinem Haus keine Widerrede duldet. Seine Frau ist ebenfalls streng, der junge Albrecht ist ein kleiner aufmüpfiger und schwer erreichbarer Junge, zudem ist das Personal zwar freundlich, aber nicht über Gebühr angenehm. Dazu kommt der Hausdiener Johann, der mehr schweigt als alles andere, aber irgendwie immer überall zugegen ist.

Das Haus ist karg möbliert und es ist strengstens untersagt, den Altbau des Herrenhauses zu betreten. Erwähnt werden darf auch nicht die Tochter des Hauses, Violetta, die nicht mehr dort lebt, da sie mit ihrem Verlobten nach Amerika ausgewandert ist. Charlotte kommt dies alles sehr seltsam vor. Sie hört Stimmen, sieht im Garten Gesichter und hört auch Klopfgeräusche, die sie alle nicht einordnen kann. Wird sie verrückt? Was geht in diesem seltsamen Haus vor? Und wer sind die Gäste des Hauses, die sich gelegentlich blicken lassen, allen voran der Seefahrer Karl-Friedrich Freiherr von Andersson, der sich im Haus aufhält und der angeblich der Neffe des Hausherrn ist? Charlotte beginnt, der Sache auf den Grund zu gehen…

Junge Protagonistin mit Mut

Katja Angenents Roman „Das Gutshaus im Nebel“ entführt den Leser auf ein geheimnisumwittertes Gut im Münsterland zum Ende des 19. Jahrhunderts, als man noch an allerlei Spuk glaubte und der Aberglaube eine größere Rolle spielte, als heutzutage. Die Autorin schickt eine junge Lehrerin auf das Gut Valarin, das in der Nachbarschaft keinen guten Ruf hat und von den Menschen gemieden wird, so gut es nur geht. Schon die Anstellung von Charlotte Jäger gerät etwas seltsam, wird sie doch von ihrem neuen Arbeitgeber vom Fleck weg engagiert, sobald er sie nur gesehen hat, ohne auch nur nach einem Zeugnis zu fragen.

Aber da Charlotte sich bei ihrem alten Arbeitgeber unbeliebt gemacht hat und ihr neuer Arbeitgeber Baron von Wegbergen ihr neben Kost und Logis auch eine monatlich astronomische Summe zahlt, überlegt sie nicht lange. Die Autorin lässt schon früh keinen Zweifel daran, dass auf den Gut so einiges nicht stimmt, von der steifen und schweigsamen Dienerschaft bis hin zur seltsamen Adelsfamilie und deren erwähnten, aber nie zu sehenden Gästen. Vom Fenster ihres großzügigen Zimmers aus vermeint sie bald auch draußen, im für sie verbotenen Garten, Gesichter zu sehen. Sie hört Klopfgeräusche und die Menschen verschwinden im Haus von einem Gang in den nächsten.

Nebulöse und mysteriöse Atmosphäre

Charlotte selbst ist eine junge Frau, die zwar ein gewisses Selbstbewusstsein hat, aber auch an gesellschaftliche Regeln gebunden ist, die sie natürlich kennt und an die sie sich auch halten möchte. Dennoch ist sie auch frech und gewinnt im Laufe der Geschichte an Kontur. Sie ist allein auf Gut Valarin und hat keine Unterstützung, findet aber in dem jungen Seemann Karl-Friedrich von Andersson einen sympathischen Mitwisser, der allerdings als Partner nicht infrage kommt, da er adlig ist und Charlotte nicht.

Von Wegbergen ist eine mysteriöse Figur, die mal nett ist und mal undurchsichtig, was ihn zu einer interessanten und geheimnisvollen Person macht. Seine Frau und sein fünfjähriger Sohn Albrecht sind auch nicht die fröhlichsten Menschen auf der Welt, und über allem schwebt die Abwesenheit seiner Tochter. Das Personal ist hauptsächlich vertreten durch den Diener Johann, der seinem Herrn treu ergeben ist, und dem Mädchen Rosa, zu der Charlotte versucht, einen Draht zu bekommen und so dem Geheimnis des Gutes auf die Spur zu kommen, das offensichtlich irgendwie, irgendwo im Hause schlummert.

Katja Angenent strickt so einen durchaus spannenden Roman, bei dem man sich immer wieder bei der Frage ertappt, ob man die Lösung gefunden hat und ob diese denn richtig sein könnte. Tatsächlich kann man sich bis zum Ende nicht sicher sein. Dieses Ende kommt dann auch ein wenig abrupt. Es gibt einige Wendungen, die schnell aufeinander folgen, hier wäre etwas mehr Raum gut gewesen. Vielleicht hätte man zu Beginn etwas straffen können, da sich die Autorin hier viel Zeit nimmt, das gesamte Gefüge darzustellen. Dennoch bleibt als Gesamteindruck ein flüssiger zu lesender Roman, der in seiner Atmosphäre an die Spukgeschichten Westfalens erinnert oder an nebulöse Gedichte wie der „Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff.

Fazit:

Der Roman „Das Gutshaus im Nebel“ von Katja Angenent entführt seine Leser in eine nebulöse Spukgeschichte aus dem Münsterland und entwirrt eine unergründliche Familiengeschichte, indem eine junge Erzieherin den Mut besitzt, sich über die vorherrschenden Gepflogenheiten hinwegzusetzen. Der 400-seitige Roman aus dem Emons Verlag hat ein ansprechendes, thematisch gut passendes Cover und ist nicht nur für Winter- sondern auch für Sommerabende geeignet. Gerne mehr davon.

Das Gutshaus im Nebel

Katja Angenent, Emons

Das Gutshaus im Nebel

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