Die Reise ans Ende der Geschichte
- Klett-Cotta
- Erschienen: Februar 2026
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In Kristof Magnussons neuem Roman ist nichts, wie es scheint.
Dieter Germershausen, Pechvogel und Pessimist, der im Kalten Krieg als Geheimdienstmitarbeiter qua Beruf Informanten neue Identitäten beschaffte, steckt selbst in einer Existenzkrise.
Der alte Hase und der Jungspund
Der ehemalige Doppelagent wird nämlich von der Auflösung der Sowjetunion überrascht und muss nun alles auf eine Karte setzen, um seiner Aufdeckung und Liquidierung zuvorkommen. Das Ende der Blockbildung bedeutet für ihn, der karrieretechnisch auf dem Abstellgleis geparkt wurde und aus Frust die Seiten wechselte, nun das endgültige Scheitern – sofern ihm nicht die Flucht in ein neues Leben gelingt.
Für diese Flucht braucht Germershausen Geld, einen großen Coup – und den arrivierten und charmanten Dichter Jakob Draiser. Der wiederum sucht das Abenteuer, ist gelangweilt von der Welt der Soiréen und der diplomatischen Empfänge, in der das Gesagte nie das Gemeinte ist.
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand meets James Bond
Dadurch, dass er jahrelang Bestandteil dieser Welt war, ist er nun jedoch prädestiniert für seine neue Tätigkeit im Auftrag von Germershausen. Und so entspinnt sich schon bald eine Tour de Force über den Erdball: Die wilde Reise geht von Rom, nach Kasachstan, über Kolumbien, bis an den Rhein.
Die beiden ständig wechselnd erzählenden Hauptfiguren bilden dabei ein ungleiches Paar: Zynismus trifft auf Naivität, Verschrobenheit auf Weltgewandtheit, Vergangenheit auf Zukunft. Und auch die Darstellung des Endes der Sowjetunion zwischen Schreckbild und Faszinosum gelingt dem Autor in seinem wendungsreichen Roman über Täuschungen und Doppelagenten, in dem das allzu oft hochstilisierte Wirken der Geheimdienste in die banale Alltagswelt überführt wird.
Fazit
Eine absurde, temporeiche Handlung mit unvorhersehbaren Wendungen, schillernde Figuren und Dialoge, die ins Komische kippen – Kristof Magnussons „Die Reise ans Ende der Geschichte“ ist ein kurzweiliges Verwirrspiel und eine runde Sache!

Kristoff Magnusson, Klett-Cotta

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