Die längste Reise

  • Nagel & Kimche
  • Erschienen: Januar 2026
  • 0
Wertung wird geladen
Heike Jaschhof
851001

Histo-Couch Rezension vonApr 2026

Auf der Suche nach dem eigenen Weg.

London, 19./20. Jahrhundert: Rickie Elliot, ein 20-jähriger Student der klassischen Altertumswissenschaften in Cambridge, will Schriftsteller werden. Nach seinem erfolgreichen Abschluss stehen ihm alle Wege offen, seinen Traum zu verwirklichen. Doch als er sich Hals über Kopf in Agnes verliebt, kommen all seine Pläne gehörig ins Wanken….

„Lassen Sie die Konventionen ihre Arbeit verrichten und die Trümmer beiseiteräumen“

Der britische Schriftsteller E.M. Forster erzählt in seinem zweiten Roman „Die letzte Reise“ den Lebensweg zweier Freunde, Ende 19. / Anfang 20. Jahrhundert, im Edwardianischen England. Bereits am Anfang des Buches lässt sich in etwa erahnen, welche Richtung der Autor im Folgenden einschlagen wird. Geschickt verknüpft der Gesellschaftskritiker E.M. Forster die Träume und Wünsche der Freunde mit dem Leben in britischen, gutbürgerlichen Familien.

E.M. ( Edward Morgan ) Forster, geboren 1879 in London, schrieb bereits mit sechs Jahren seine ersten Geschichten. Sein Studium der Geschichte, Philosophie und Literatur am King`s College in Cambridge festigte ihn in seinem Vorhaben, Schriftsteller zu werden. Mit seinen Hauptthemen Gesellschaft und Religion in Wechselwirkung mit Mensch und Natur, avancierte er bald zu einem vielgelesenen Buchautor und Essayisten. Heute zählt er als Chronist seiner Zeit zu den Klassikern der englischen Literatur. 1970 starb E.M. Forster in Conventry/Warwickshire.

Selbstbestimmte Lebensführung und gesellschaftliche Anschauungen

Während der 20-jährige junge Mann, Rickie Elliot, auf dem Weg ist, seinen Traumberuf als Schriftsteller zu verwirklichen, will sein Freund Stewart Ansell Philosoph werden. Rickies Hauptthemen liegen in der Suche nach der wahren Liebe und moralischen Werten; Stewarts Lebensinhalt ist die Suche nach der Wahrheit. Doch es kommt alles anders. Während Stewart in Cambridge als Doktorand bleibt, heiratet Rickie seine große Liebe Agnes, eine zähe und mit starkem Willen ausgestattete Frau.

Nach gut 100 Seiten dreht sich der Wind in dem Buch. War es vorher in einem eher geistigen – philosophischen Stil gehalten, bekommen die LeserInnen nun lebhafte Einblicke in das Leben und Denken des britischen Bildungsbürgertums. Mit Rickie als Zentralfigur, entwirft der Autor ein breites Spektrum über die sozialen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Neben dem bürgerlichen Patriarchalismus und deren Streben nach sozialer Exklusivität räumt E.M. Forster der religiösen puritanischen Reformbewegung viel Raum ein.

Rickie, ein feinsinniger, sehr sensibler Mensch, gibt sich die größte Mühe, seinen Platz inmitten dieser Bestrebungen und Ansichten zu finden. Leider gerät der Autor im weiteren Verlauf in eine sehr emotionale, sich dramatisch zuspitzende Unbändigkeit. Zwar lassen sich die intensiven Gefühlserlebnisse der Hauptfiguren gut nachvollziehen, dennoch sind manche Sätze und Gedankengänge schwer zu verstehen. Möglicherweise mag dies auch an der Übersetzung liegen. Jedoch, wenn zudem noch über philosophische Betrachtungen, vermutlich nach dem Gründer des modernen Rationalismus, Rene Descartes, diskutiert werden, wird es sehr kompliziert. Allerdings mag es für LeserInnen, die sich für diese Denkungsweise interessieren, recht spannend werden.

Ein umfangreicher Anhang gibt wissenswerte Hintergrundinformationen zu Autor und Übersetzung.

Fazit

Die längste Reise“ ist ein bewegender und beeindruckender sozialhistorischer Roman. Reich an Fehlschlägen, Tragödien und Kontroversen gibt er Denkanstöße über die Diskrepanz zwischen einer selbstbestimmten Lebensführung und gesellschaftlichen Anschauungen. Bildlich gut vorstellbar, besticht E.M. Forster durch die vielfachen Emotionen, die in diesem Roman von seinem Figurenensemble durchlebt und durchlitten werden. Verbunden mit einer packenden Liebesgeschichte versteht der Schriftsteller den Zeitgeist im britischen 19./20. Jahrhundert expressiv und nachhaltig einzufangen.

Die längste Reise

E.M. Forster, Nagel & Kimche

Die längste Reise

Ähnliche Bücher:

Deine Meinung zu »Die längste Reise«

Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren