Der Uhrenhändler

  • Emons
  • Erschienen: September 2025
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Monika Wenger
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Histo-Couch Rezension vonMär 2026

Die Suche nach Identität und die Faszination der Fremde in einer Geschichte.

«Der Uhrenhändler» von Birgit Hermann ist eine überarbeitete Neuauflage des im Jahr 2008 erschienenen Romans «Der Ferman». In diesem erzählt die Autorin die aufregende Geschichte des Schwarzwälders Mathias Faller, der sich Ende des 18. Jahrhunderts auf die Suche nach Abenteuer und neuen Handelswegen begibt. Seine Faszination für das Fremde führt ihn bis nach Konstantinopel.

Der rebellische Abenteurer

Die Fallers sind Uhrenmacher und -händler mit eigener Werkstatt. Die Familie ist religiös und den Traditionen der Heimat verpflichtet. Fremdem und Ungewohntem begegnen sie mit Misstrauen.
Mathis, wie er genannt wird, ist ein aufgewecktes und rebellisches Bürschchen. Weil er seinen deutlich älteren Brüdern seinen Mut beweisen will, gerät er oft in Schwierigkeiten. So auch, als er im Alter von zehn Jahren auf dem Eis des Klosterweihers einbricht. Zum Glück holt der Ganter, der Aufseher über den Weiher und die Fischerei, ihn mit seinem Kahn aus dem eisigen Wasser. Die Angst vor dem Wasser wird ihn sein Leben lang begleiten.

Als junger Mann, nach dem Tod des Vaters, gründet er gemeinsam mit seinen Brüdern eine Handelskompanie. So können sie die Uhrenherstellung und den Vertrieb besser koordinieren und ihre Waren besser schützen.

« […] einer dieser neuen Handelsgesellschaften, die nach den Vorbildern der Glasträger den Uhrenhandel organisieren. Man ist nicht mehr auf Gedeih und Verderb sich selbst überlassen. Man bekommt seine Aufträge, aber ist ein freier Mann und hat den Schutz einer Gesellschaft im Hintergrund. »

Abwechselnd ist jeder der Brüder unterwegs, um in den weiter östlich gelegenen Orten Marktlizenzen zu erwerben und den Verkauf zu überwachen. Doch Mathis will sich mit dem Erreichten nicht zufriedengeben. Entgegen dem Willen der Kompanie plant er, das Verkaufsgebiet bis nach Konstantinopel auszudehnen. Doch seine Pläne finden keinen Anklang, weshalb es zu Streit zwischen den Brüdern kommt. Mathis lässt sich jedoch nicht aufhalten, verlässt den Schwarzwald und macht sich auf den Weg, um es allen zu zeigen und als reicher Mann zurückzukehren.

«Konstantinopel würde sicherlich ein guter Absatzmarkt für die Uhren aus dem fernen Schwarzwald sein. Diese Stadt war ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Völker und Sitz des Sultans, Herrscher des weiten Osmanischen Reiches, das mit seiner orientalischen Fremdheit einen eigenartigen Zauber auf Mathis ausübte. Die Mentalität der Menschen war eine ganz andere als in seiner Heimat.»

Atmosphärisch und fundiert

Die Abenteuer und das Leben von Mathis Faller bilden den Kern dieses historischen Schwarzwaldromans. Birgit Hermann lässt die Leser und Leserinnen rund um diese verbürgte Persönlichkeit tief in die von Armut und Abhängigkeiten bestimmte Welt des Schwarzwalds eintauchen. Sie beschreibt bildhaft die Orte und die weit abgelegenen Höfe, in denen Nachrichten lange brauchen, um jeden zu erreichen. Das trägt auch zum Misstrauen allem Fremden gegenüber bei. Man ist gerne unter sich. Die Wortkargheit der Schwarzwälder ist legendär.

Hermann ergänzt wahre historische Begebenheiten, wie die Handelsgepflogenheiten, weite Wege und das politische Geschehen mit einer zusätzlichen fiktiven Handlung. Darin spielen Pirmin und Resle Ganter, sowie Bartle Spiegelhalter eine wichtige Rolle. Im Verlauf der Erzählung kreuzen sich ihre Wege immer wieder mit denen von Mathis. Anhand ihrer unterschiedlichen Lebensgeschichten erfährt die Leserschaft viel über die Zeit. Es ist ein Leben in extremer Armut, geprägt durch den täglichen Kampf ums Überleben. Auch in diesem Roman finden sich starke Frauenfiguren, die sich der patriarchalisch geprägten Gesellschaft entgegenstellen und ihren eigenen Weg gehen. Allen voran Mathis’ Mutter Sophie und Resle Ganter.

 Die Autorin hat die Atmosphäre dieser Zeit und die vielen einzigartigen Details sehr gut eingefangen und wunderbar in Szene gesetzt. Die hervorragende Recherchearbeit, die ihre Werke auszeichnet, kommt auch in diesen Roman zur Geltung.

Fazit

Der Roman «Der Uhrenhändler» bietet einen faszinierenden Einblick in das Leben und die Arbeit der Menschen im Schwarzwald des 18. Jahrhunderts. Die Autorin versteht es meisterhaft, Historisches und Fiktives zu einer besonderen Geschichte zu verbinden. Das liegt auch an ihren Figuren, die authentisch und nahbar sind. Eine gelungene Überarbeitung, die sicher den Liebhabern von historischen Romanen gefallen wird.

Der Uhrenhändler

Birgit Hermann, Emons

Der Uhrenhändler

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