Der Medicus von Notre Dame

  • Goldmann
  • Erschienen: Juli 2026
  • 1
Der Medicus von Notre Dame
Der Medicus von Notre Dame
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Carsten Jaehner
951001

Histo-Couch Rezension vonSep 2026

Kriminelle Machenschaften beim Kathedralenbau.

Paris, 1179. Nach sieben Jahren Abwesenheit kehrt der Kreuzritter Pierre de Moulins nach Hause zurück, gezeichnet von seinen Erlebnissen. Sein Geburtshaus steht noch, doch seine Eltern sind verstorben, seine Schwester Cécile ist nicht da und das Haus gehört anderen Besitzern, zudem hat nicht weit von seinem Haus der Bau einer neuen, großen Kathedrale begonnen, die den Namen Notre-Dame bekommen soll. Bauherr ist Bischof Sully, der gemeinsam mit der Oberin des Krankenhauses der Stadt, der Oberin Béatrice, den Bau finanziert.

Doch ob alles mit rechten Dingen zugeht, ist noch die Frage. Pierre findet seine Schwester im Hôtel-Dieu, dem Krankenhaus, dem Oberin Béatrice vorsteht, mehr tot als lebendig und nimmt sie mit. Damit zieht der den Zorn der Oberin auf sich, denn die Kranken werden lediglich mit Essen, Trinken und Beten versorgt, weitere medizinische Behandlungen finden nicht statt und sind auch nicht erwünscht.

Pierre hat durch seine Kenntnisse der arabischen Medizin hingegen Methoden gelernt, wie er die Insassen behandeln kann, und ist somit der Oberin sofort ein Dorn im Auge. Einzig die Novizin Madeleine erkennt, dass Pierres Methoden vielleicht doch hilfreich sein können. Nachdem Pierre immer mehr Menschen helfen kann und diese nicht mehr ins Hôtel-Dieu gehen, sondern in das Lazarett auf der Dombaustelle, sehen Bischof Sully und die Oberin die Gefahr, dass ihre Finanzierungspläne des Baus durchkreuzt werden. So sagen sie Pierre den Kampf an, und das nicht nur mit christlichen Mitteln…

Wie man den Bau einer Kathedrale finanziert

Paula Linning ist das Pseudonym von Jutta Wieloch und Dirk Husemann, die zum ersten Mal bei diesem Roman zusammenarbeiten. Husemann hat bereits einige Historische Romane veröffentlicht, die in verschiedenen Epochen spielen, mit „Der Medicus von Notre Dame“ begibt er sich erstmals in das Frankreich es ausgehenden 12. Jahrhunderts.

Zentraler Punkt ist der Bau der Kirche Notre-Dame, der 1163 begann und von Bischof Maurice de Sully in Auftrag gegeben wurde. Zu Beginn des Romans ist der Bau schon ein wenig fortgeschritten, Sully möchte zu Lebzeiten zumindest noch den Chorraum fertig stellen und dort eine Messe feiern. Hierfür benötigt er Geld und Material, beides ist mühsam zu beschaffen. Doch gemeinsam mit der Oberin des direkt nebenan gelegenen Hospitals Hôtel-Dieu hat er den Plan ersonnen, Sterbenden ohne Nachkommen das Erbe abzunehmen und dadurch den Bau zu finanzieren. Daher hegt die Oberin auch keine große Motivation, ihren Patienten zu helfen, dient doch deren Tod einer höheren Sache, nämlich dem Bau der Kathedrale.

Offensichtlich Gut gegen Böse

Bis Pierre des Moulins dies herausbekommt, vergeht einige Zeit, doch früher oder später kommt er hinter die Machenschaften der beiden hohen Geistlichen. Nachdem er seine Schwester aus den Fängen der Oberin befreit hat, freundet er sich mit dem Baumeister der Kathedrale, Robert Montreuil, an, dessen Sohn er auf der Baustelle das Leben gerettet hat. Zwar sind alle dort zunächst von den medizinischen Methoden von Pierre entsetzt, die er sich während seiner Zeit in Arabien angeeignet hat, was rundweg abgelehnt wird. Doch als sie sehen, dass er den Menschen wirklich helfen kann, fassen sie Vertrauen und lassen ihn auf der Baustelle ein Lazarett errichten, in dem er auch die Verletzten der Baustelle behandelt. Es liegt auf der Hand, dass er sich hiermit den Zorn des Bischofs und der Oberin auf sich lädt. Und auch König Henry VII. bekommt von den neuen Methoden Wind und sagt seinen Besuch auf der Baustelle an…

Das Autorenduo Paula Linning hat sich für seinen spannenden Roman eine interessante Zeit ausgesucht, zumal die Finanzierung der Kathedrale tatsächlich nicht geklärt ist. Der Roman ist geschickt aufgebaut und erhöht nach und nach die Spannung, die Figuren werden sinnvoll eingeführt und mit wenigen Sätzen treffend charakterisiert. Oft sprechen die Taten eher für sie als lange Beschreibungen.

Die Protagonisten, vor allem die vier Charaktere Pierre, seine Schwester Cécile, Baumeister Robert und die Novizin Madeleine, sind sympathisch und gut gezeichnet, und mit den offensichtlichen „Bösen“ des Romans, Bischof Sully und Oberin Béatrice“, ist auch schnell klar, woher der Wind weht und wohin alles gehen wird. Trotzdem gibt es die eine oder andere Überraschung, die gerade Pierre antreibt, und so entsteht niemals Langeweile bei der Lektüre.

Glaubwürdige Atmosphäre

Die historische Atmosphäre ist gut eingefangen, das Paris Ende des 12. Jahrhunderts glaubwürdig dargestellt, man spürt den Dreck auf der Baustelle und ist berührt vom Lager der Leprakranken. Und solange man sich nicht fragt, warum sich im Hôtel-Dieu niemand fragt, wo Madeleine den Großteil des Romans verbringt, kann man auch diese kleinen Schwindeleien verschmerzen.

Dass am Ende jeder bekommt, was er oder sie verdient, nur auf welche Weise, ist entweder historisch belegt oder gut eingeflochten. Insgesamt liefert der Roman gute und spannende Unterhaltung, die auf keiner Seite Längen vorweist und auch sprachlich der Zeit angemessen ist. Die gut 550 Seiten aus dem Goldmann Verlag vergehen wie im Fluge und werden durch ein Personenverzeichnis zu Beginn des Romans, bei dem historische Persönlichkeiten gekennzeichnet sind, und einem interessanten historischen Nachwort ergänzt. Und nebenbei lernt man noch, woher das Wort „Lazarett“ stammt.

Fazit

„Der Medicus von Notre Dame“ von Paula Linning bietet dem geneigten Leser spannende und kurzweilige Unterhaltung vor dem Hintergrund des Baus der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Die historische Atmosphäre ist gut getroffen, die Handlung spannend und flüssig erzählt und auch ein bisschen Roman(t)ik fehlt nicht. Das Autorenduo hat alle Erzählfäden jederzeit im Griff und bringt sie zu einem befriedigenden historischen Abschluss. Empfehlenswert.

Der Medicus von Notre Dame

Paula Linning, Goldmann

Der Medicus von Notre Dame

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