Bote des Feuers

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Ehrenwirth, 2018, Titel: 'Bote des Feuers', Originalausgabe

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85

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Karin Speck
Auf Leben und Tod

Buch-Rezension von Karin Speck Sep 2018

Gisela wächst wohlbehütet als adlige Tochter auf. Ihr Leben kann sie, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, selbst bestimmen. Doch dann zerstört eine Katastrophe ihr Leben. Aber ist es wirklich zerstört oder eher die Chance auf einen Neubeginn? Ein Leben, so wie sie es sich wirklich wünscht, könnte vor ihr liegen. Gisela ergreift die Chance und macht sich auf, den Mann zu finden, der ihr Herz berührt.

Gleichzeitig bekommt der Jude Joseph einen seltsamen Auftrag von seiner Gemeinde. Die jungen Leute treffen in Genua aufeinander und dies nicht zum ersten Mal. Aber jetzt hat ein Wettlauf mit der Zeit begonnen, denn die Pest ist im Land ausgebrochen und verbreitete sich rasend schnell. Es gilt ein Heilmittel zu finden, oder die Ausbreitung zu verhindern. Aber es stellt sich auch die Frage, wo kommt diese Krankheit so plötzlich her und wer ist der selbst ernannte Todesengel Azrael wirklich? Joseph ist beauftragt etwas zu unternehmen, aber kann er dies auch, oder überfordert ihn die Aufgabe?

Die Pest

Das Thema der Pest wird in vielen historischen Romanen behandelt. Auch Richard Dübell hat sich in dem Roman Bote des Feuers diesem Thema zugewandt. Er berichtet davon, wie sie ausbrach und wie sie sich so schnell verbreiten konnte. Allerdings erzählt er seine Version mit einer gehörigen Portion Fantasie, oder sollte er am Ende Recht bekommen und diese Krankheit war die erste biologische Waffe? Die Ereignisse schildert er zu mindestens so, als könnte es tatsächlich so abgelaufen sein. Dabei hat er seine Protagonisten so einige Hürden überwinden lassen.

Die Juden sind schuld an dieser Seuche, so hieß es immer. Auch hier werden sie deswegen verfolgt und angeklagt. Aber Dübell zeigt auch die Seite der Juden selbst und lässt sie als Retter auftreten. Joseph hat den Auftrag die Pest aufzuhalten. Dies ist kein Einfaches unterfangen, und ob er wirklich eine Chance hat, sei mal dahin gestellt. Es ist aber vor allem spannend zu lesen. Gleichzeitig stellt sich dem Leser aber auch die Frage, könnte es so vielleicht gewesen sein? Sicher ist nur, diese Krankheit hat ihren Weg gefunden, über Mauern in Städte, übers Land und übers Meer. Aufhalten konnte sie am Ende keiner. Der Versuch von Joseph zeigt aber, wie verzweifelt die Menschen waren. Sie glaubten daran, gerettet werden zu können. Sie glaubten an die Strafe Gottes und haben ihre Schuldigen gesucht und der Autor hat dies glaubhaft in Szene gesetzt.

Etwas Liebe ist auch dabei

Mit der jungen adligen Gisela kommt dann ein wenig die Liebe ins Spiel. Die junge Frau hat sich in den Kopf gesetzt, die Grenzen ihrer Welt zu verlassen. Die Katastrophe der Pest liefert ihr die Möglichkeit dafür. Jetzt fragt niemand mehr, ob es schicklich ist, was die junge Frau macht. Im Gegenteil, sie wird für ihren Mut bewundert und so bekommt sie die Chance auf ein Leben, wie sie es sich wünscht. Das Leben von Gisela passt sich wunderbar in die Handlung ein, es wirkt authentisch.

Dübell erzählt bildhaft von dem Ausbruch der Pest im Jahre 1348. Von den Menschen, ihren Ängsten, ihren Sorgen und ihrer Verzweiflung. Gleichzeitig berichtet er aber auch von Protagonisten, die ihr Leben in die Hand nehmen und sich der Gefahr stellen. Sie scheuen weder die Krankheit noch den eigenen Tod. Auch wenn die These, jemand könnte, die Pest mit Absicht verbreitet haben, vielleicht ein bisschen weit hergeholt ist, es könnte aber trotzdem möglich gewesen sein. Beweise für das Gegenteil gibt es ja auch nicht und Richard Dübell erzählt so überzeugend, dass es vielleicht möglich wäre oder eben doch nur eine gut erzählte Geschichte ist, eben mit einer gehörigen Portion Fantasie.

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Letzte Kommentare:
05.01.2019 12:09:45
Klaus Emser

Als großer Freund der Romane von R. Dübel, stand das neue Werk, "Bote des Feuers" natürlich auf meiner Weihnachtswunschliste. Ich habe den Roman ziemlich flott durchlesen können, da er wie alle R.D.-Bücher, meine Interessengebiete beinhaltet und diese spannend und kurzweilig bearbeitet. Eine sehr schöne Inhaltsbeschreibung steht schon in den Rezensionen, der ich mich 100% anschließe. Kurz, in dieser Hinsicht hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich würde sicherlich von 100 Punkten 85 vergeben. Was ich jedoch sträflichst vermisst habe und mir oft die Lust und Laune an diesem Buch nahm, ist das komplette Fehlen einer Karte wo sich die Protagonisten bewegen.
Während in den Vorgängern von "Bote des Feuers" meist eine zumindest skizzierte Orts- Landkarte vorhanden ist, fühlt man sich als Leser auf dem Weg von Caffa nach Avignon meist völlig planlos auf einer Odyssee. Norditalien/Südfrankreich hätte sich doch angeboten den Weg einer solchen verheerenden Ausbreitung im südlichen Europa auch graphisch darzustellen; - gleich ob nun eine "bewusste" - wie im Roman, oder "natürliche" Ausbreitung der Grund für diese Katastrophe war. Ich denke dass diese Region vielen Lesern bekannt ist, so hätte doch eine Karte neben der "Fantasy" dem Buch sicherlich mehr echtes (er-)Leben eingehaucht. Die "alten" Ortsnamen trugen ebenfalls nicht gerade für eine schnelle u. leichte Orientierung bei. Es gibt zwar als Bonus zumindest eine Übersicht der Schauplatzhandlungen "damals - heute"; - aber diese ist leider auch nicht konsequent, so ist z.B. der "Startplatz der Pest", Caffa gar nicht aufgeführt.
Dieses ständige Suchen und Nachschlagen nach Orten hat mir mächtig die Freude an diesem Buch verdorben. Eine ebenfalls fehlende Auflistung der "Dramatis Personale" hätte meine Bewertung bestimmt nochmals etwas verbessert, aber auch diese fehlt leider. Aus diesem Grund findet dieses Buch bei mir trotz interessantem Thema und kurzweiliger Unterhaltung leider nicht den Weg in meinen Bücherschrank sondern auf gewisse 2nd-hand-Plattformen - SCHADE.