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Jörg Kijanski
Schonungsloser Western mit Lichtblicken

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2018

Die Große Hungersnot 1847 macht ganz Irland zu schaffen, so auch der Familie McNulty. Erst stirbt der Vater, dann die Mutter, zuletzt die Schwester von Thomas, der sich auf ein Schiff stiehlt und als blinder Passagier nach Kanada fährt. Dort trifft er den etwas älteren John Cole und die beiden werden Gefährten fürs Leben. Zunächst erreichen sie Daggsville, wo sie in Frauenkleidern in einem Saloon von Mister Noone auftreten und ihr erstes Geld verdienen. Den Stark arbeitenden Bergleuten gefällt die Illusion, die jedoch altersbedingt zwei Jahre später endet.

"Kaum war die Jugendfrische von mir gewichen, meldete ich mich im Alter von siebzehn Jahren freiwillig, das war in Missouri. Wenn du alle Gliedmaßen beisammen hattest, haben sie dich genommen. Wenn du einäugig warst, haben sie dich wahrscheinlich trotzdem genommen. Der einzige Lohn in Amerika, der mieser war als der mieseste Lohn, war der Sold der Armee. Und abgespeist haben sie dich mit nem Fraß, dass deine Scheiße zum Himmel stank. Aber du warst froh, überhaupt Arbeit zu kriegen, denn wenn du in Amerika nicht arbeitest für deine paar Dollar, dann musst du hungern, diese Lektion hatte ich gelernt. Und das Hungern hatte ich satt."

Thomas McNulty und John Cole zieht es zur Armee, schließlich brauchen sie Arbeit und Geld. Zunächst ziehen sie unter Führung von Major Neale durch die Prärie und helfen Siedlern bei Indianerüberfällen. Neale steht den Indianern nicht feindlich gegenüber, doch sein Sergeant Wellington kann es kaum erwarten, dass es irgendwo wieder Zwischenfälle gibt, die die Rache der Kavallerie erfordern. Bei einem dieser Überfälle wird nahezu ein ganzes Indianervolk getötet, nur einige Kinder überleben, darunter die kleine Winona.

Cole und McNulty nehmen Winona wie ihre Tochter auf und ziehen mit ihr nach Grand Rapids, wo sie zunächst in Frieden leben. Jedoch nur kurz, denn Präsident Lincoln ruft zu den Waffen. Von Sklaven im Süden ist die Rede und so hebt die Union eine riesige Armee aus, die die beiden Protagonisten direkt in den Amerikanischen Bürgerkrieg führt...

Intensive Einblicke in den Alltag der Cowboys

Ausgerechnet ein irischer Autor schreibt einen grandiosen Western. Beeindruckend sind die Schilderungen von der Weite, Schönheit und Rauheit des Landes, ebenso wie die brutalen kriegerischen Vorfälle. Dass der mehrfach preisgekrönte irische Autor Sebastian Barry gerade für die Schilderungen von Kämpfen in Weit- und Nahaufnahme bestens geeignet ist, hat er spätestens mit Ein langer, langer Weg bewiesen, wo er seinen jungen irischen Protagonisten in den Ersten Weltkrieg hineinwirft.

Nun spielen erneut Iren eine wichtige Rolle, denn sie wollen echte Amerikaner werden und kämpfen für ihr neues Land. Der Armeedienst hat jedoch seine Tücken, denn von der Brutalität des Mordgeschäftes abgesehen, fehlt es oft am Nötigsten, sprich an Lebensmitteln. Nicht selten bleiben Lieferungen der Regierung aus, dazu kommen unterschiedlichste Witterungseinfälle im Sommer wie im Winter.

Die Geschichte erzählt John McNulty, der spätestens im Salloon von Mister Noone merkt, dass er wohl lieber eine Frau geworden wäre. Jedenfalls ist er der weibliche Partner in der Beziehung zu dem schönen John Cole, trägt daheim gerne Kleider und fühlt sich bald als die Mutter von Winona. Ein Hauch von Brokeback Mountain schwingt mit, ohne dass die Homosexualität der beiden weiter thematisiert wird. So stellt sich mitunter beiläufig die Frage, warum diese überhaupt erwähnt wird?

Wer über das Leben in Amerika in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts oder den Amerikanischen Bürgerkrieg lesen möchte, kann hier zugreifen. Allerdings hat das Buch einige gefühlte Längen, da keine direkte Rede vorkommt.

Tage ohne Ende

Tage ohne Ende

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