Das Mädchen aus Somerset

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2015, Titel: 'Without a Trace', Originalausgabe

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65

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Nicole Goersch
Schleppend erzählt und spannungsarm

Buch-Rezension von Nicole Goersch Nov 2017

England 1953: Molly erwartet ihre Freundin Cassie und deren kleine Tochter Petal zum Dorffest anlässlich der Krönung von Queen Elizabeth II., aber sie erscheinen nicht. Besorgt macht sie sich auf dem Weg zu ihr und findet Cassie tot in ihrem Haus, während Petal verschwunden ist. Ist sie davongelaufen oder wurde sie entführt? Weil die Polizei in ihren Augen nicht genügend unternimmt, um den Fall zu klären, ermittelt Molly auf eigene Faust und verfolgt eine Spur bis ins Londoner East End, das für ein Mädchen vom Lande - wie sie es ist - erschreckende neue Einblicke bietet.

Vielversprechender Auftakt

Vor einigen Monaten ist Cassie in die dörfliche Idylle hineingeplatzt und hat mit ihrer unehelichen, noch dazu farbigen, Tochter für Aufregung gesorgt. Nun ist sie ermordet worden, und Petal ist verschwunden. Was ein aussichtsvoller Auftakt für einen Krimi hätte werden können, verliert sich schnell in banalen Beschreibungen von Mollys Versuchen, in London Fuß zu fassen.

Die Sprache lässt sich leicht lesen und enthält keine verschachtelten Sätze. Die Rückblenden zu Treffen zwischen Molly und Cassie oder auch zu Mollys Vergangenheit sind aufschlussreich und bieten Informationen, warum die Charaktere so sind wie sie sind, allerdings sind sie viel zu schematisch und oberflächlich.

Manche Aktionen der Figuren sind fragwürdig und lassen sich nur schwer nachvollziehen. Allen voran die Beweggründe für die Ermordung Cassies, ohne zu viel verraten zu wollen. Aber zum Beispiel auch, dass sich jemand nach mehreren Jahren genau an den Wortlaut eines Gespräch in einer Bar erinnert, erscheint nicht schlüssig.

Saumselige Erzählweise

Die Darstellungen der Verhältnisse zu Beginn der 50er Jahre in England sind sehr anschaulich. Allerdings sollte die Autorin sich besser an bereits beschriebene Umstände erinnern, wie beispielsweise, dass eine Familie kein Telefon hat und somit auch nicht wenig später angerufen werden kann (in Kapitel 9 und 17 bei Familie Walsh) oder dass Constances Verlobter 1905 an einer Lungenentzündung gestorben ist (S. 226), Molly aber ein paar Szenen später berichtet, er wäre im Krieg gefallen (S. 254).

Der Unterschied des beschaulichen Landlebens und des erschreckend armen East Ends in London ist hingegen gut erzählt.

Molly versucht, in London mehr über Cassie zu erfahren, aber erst mal verläuft das Ganze im Sande. Der Leser verfolgt, wie sie sich in der Metropole zurechtfindet, wen sie kennenlernt und was sie erlebt. Das ist schlicht und nahezu langweilig wiedergegeben, so dass man sich fragt, wann endlich etwas Aufregendes passieren wird. Aber selbst als es soweit ist, reißt einen die Erzählart nicht mit, sondern wirkt hölzern und schleppend.

Nicht dem Klappentext vertrauen!

Wer sich das Buch aufgrund der durchaus spannenden Zusammenfassung auf der Rückseite gekauft hat, wird enttäuscht werden. Für einen Krimi ist der Roman viel zu langatmig und ausschweifend. Selbst als Molly dem Täter immer näher kommt, entwickelt sich die Geschichte nicht zum atemlosen Pageturner. Die Spuren, die sich nach und nach ergeben, wirken mitunter zu gewollt, damit es irgendwie weitergeht.

Schade, dass nach einem hoffnungsvollen Auftakt die weitere Entwicklung so dahinplätschert, dass jegliche Spannung und Anteilnahme an den Figuren verloren geht. Natürlich möchte man wissen, wie es ausgeht, aber es ist ein langwieriger Gang, bis man zum Ende kommt und ob man zufrieden sein kann, das mag jeder selbst entscheiden.

Das Mädchen aus Somerset

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