Wiederholte Geburten

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • , 2016, Titel: 'Wiederholte Geburten', Originalausgabe

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Nicole Goersch
Kenntnisreiche Reise ins Alte Ägypten

Buch-Rezension von Nicole Goersch Nov 2016

Der Leser begleitet das Leben von Merirê, der als Frauenarzt im Alten Ägypten zu Zeiten Ramses II tätig ist. Der Roman beginnt mit der tragischen Geburt Merirês, bei der seine Mutter verstirbt, erzählt über seine Ausbildung und seine Motivation, über seine Erlebnisse und seine Bekanntschaften, bis er schließlich eine schier unlösbare Aufgabe erfüllen soll.

Intrigen, Korruption und Gewalt sind beherrschende Themen, aber nicht alles, denn so sehr Merirê auch vom Pech verfolgt scheint, gibt es immer wieder auch glückliche Momente mit Freunden und schließlich auch in der Liebe. Aber wird das Glück Bestand haben?

Episodenhafte Geschichten

Es treten innerhalb kürzester Zeit sehr viele Personen mit ungewohnten Namen auf, so dass man aufmerksam sein muss, weil man auch nicht abschätzen kann, ob sie wichtig werden oder nicht. Scheinbar haben einige dieser Begebenheiten nichts mit der Hauptfigur Merirê direkt zu tun, aber das ist so, wie das wahre Leben: verschlungen, voller Ecken und Kanten, Tiefen und Höhen.

Dietmar Füssel erzählt äußerst detail- und wissensreich über das Alte Ägypten. Man merkt ihm an, dass er sich mit diesem Thema sehr ausführlich beschäftigt hat und große Kenntnis besitzt. Das gibt der Geschichte eine solide Grundlage, auf der sich die Charaktere bewegen. Teilweise sind die ausführlichen Einblicke sehr verblüffend, zum Beispiel wenn über das bereits sehr ausgeklügelte Abwassersystem Hattusas berichtet wird.

Hölzerner Schreibstil

Leider springt der Funke nicht wirklich über, weil der Schreibstil mitunter etwas hölzern ist und ein weniger emotionales, eher ein etwas distanziertes Gefühl den Figuren gegenüber vermittelt, so dass man als Leser Schwierigkeiten hat, sich komplett in die Geschichte fallen zu lassen, auch wenn die Details und Beschreibungen noch so ausführlich sein mögen und die Sprache für die damalige Zeit atmosphärisch ist, denn immerhin spielt der Roman im 13. Jahrhundert vor Christus.

Die Charaktere an sich bieten Facetten und sind keinesfalls stereotyp, wirken aber manchmal so, als wären sie zu kurz gekommen, weil sich so viele in diesem Buch tummeln. Das hätte zwar für noch mehr Tiefe und Komplexität gesorgt, hätte aber zwangsläufig auch die Seitenanzahl noch weiter erhöht, die mit nun über 600 Seiten nicht als kurz zu bezeichnen ist. Dadurch werden aber wohl nur eingefleischte Ägypten-Fans bei der Stange bleiben und den Roman bis zum Ende verfolgen, denn stellenweise gestaltet sich die Erzählung als etwas langatmig und weniger spannend.

Kein Roman für nur eine Nacht

Allein wegen der Seitenzahl liegt mit diesem Buch kein Leichtgewicht vor, aber auch der historische Hintergrund und die Schilderungen an sich erfordern nicht nur eine hohe Aufmerksamkeit, sondern auch ein gutes Gedächtnis und besonders Interesse, nicht nur an der Zeit und der Geschichte, sondern auch an verflochtenen Lebensläufen. Die gleichnishaften Erzählungen, die mehrfach einfließen, bieten kirchliche oder auch philosophische Ansätze.

Absolut hilfreich waren am Ende des Buches das Personenverzeichnis, die kurzen Erläuterungen und die Zitate, die den seriösen Anspruch untermauern.

Detailliertes Wissen über das Alte Ägypten in einer vielschichtigen Lebensgeschichte vermitteln ausführlich Leben und Leiden eines Frauenarztes zur Zeit Ramses II. Eine Leseempfehlung für anspruchsvolle Kenner des Alten Ägyptens oder solche, die es werden wollen

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