Der Lustmörder

Erschienen: April 2008

Bibliographische Angaben

  • Jaron, 2008, Titel: 'Der Lustmörder', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Mehr Referat als Krimi

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2016

Kommissar Hermann Kappe steht vor einem verzwickten Fall. Er und sein Kollege Galgenberg sollen im Landkreis Niederbarnim aushelfen. Denn im Tegeler Fliess wurde ein Liebespaar überfallen. Der Mann starb sofort, die Frau wurde vergewaltigt und erst dann getötet. Es ist nicht der erste Mord dieser Art. Schon drei Paare haben in den letzten beiden Jahren auf diese Weise ihr Leben verloren. Der Serienkiller muss gestoppt werden. Allerdings ist es gerade nicht ganz einfach, zu ermitteln. Denn obwohl sich die Situation nach dem Krieg etwas entspannt hat, steht das Jahr 1920 unter keinem guten Stern: Berlin befindet sich gerade in einem Ausnahmezustand. Der Kapp-Putsch bringt alles durcheinander und Hermann Kappe muss mehr als einmal ungewöhnliche Mittel anwenden, um weiter zu kommen. Auch privat ist das Jahr 1920 ein besonders für den Kommissar. Seine Frau Klara erwartet das zweite Kind. Für Hermann Kappe nicht nur ein Grund zur Freude. Denn Klara grenzt sich so stark von ihm ab, dass er zeitweise in eine depressive Stimmung verfällt.

Autor Horst Bosetzky hat dem Krimi Der Lustmörder den Fall des Serienmörders Friedrich Schumann zugrunde gelegt. Die Anlehnung an den echten Fall ist denn auch das eigentlich Spannende am sechsten Fall von Hermann Kappe. Denn Horst Bosetzky kann auch in dieser Folge nicht aus seiner Haut: Anstatt sich ganz dem Krimi zu widmen, ist er bestrebt, seinem Publikum möglichst eindringlich klar zu machen, dass er unglaublich viel weiß über das Berlin jener Zeit. So wird manche Szene plötzlich zu einem kleinen Referat über eine Situation, ein Bauwerk oder eine Entwicklung. Man wünschte sich, dass nur ein Teil der Informationen - die allzu oft keinen direkten Zusammenhang mit dem Geschehen des Krimis haben - in den Text einfließen würden und dafür besser mit dem Plot verknüpft wären. So wirkt es oft langatmig und etwas gar belehrend, was da zusammen mit dem Krimi präsentiert wird. Der an sich spannende Fall Friedrich Schumann wird durch die Beschreibungen allzu oft in den Hintergrund gedrängt.

Nicht der spannendste Fall

Erschlagend ist auch die Fülle von Namen und Figuren, die Horst Bosetzky einbaut bestimmt in bester Absicht, den Lesern ein umfassendes Bild davon zu geben, was sich auf dem politischen Parkett gerade tut und welche Zusammenhänge gebildet werden, um den Boden für die spätere Entwicklung zu bereiten. Hier tut sich eine Schere auf: Horst Bosetzky bietet mit seinem profunden Wissen viel zu viel Information für einen historischen Krimi - und erdrückt damit die immer wieder aufkeimende Atmosphäre. Dass der Autor mit dem urtümlichen Berlinerisch kokettiert und auch gerne mal entsprechende Ausdrücke einstreut, ist zwar ein nettes Feature für all jene, die den Dialekt verstehen - die anderen werden schnell dazu übergehen, diese Reden einfach zu überlesen anstatt darüber nachzudenken, was genau die jeweilige Person denn gesagt haben könnte. Es ist wohl eine Hommage an den Titel der Krimiserie Es geschah in Berlin.

Der sechste Fall von Hermann Kappe ist definitiv nicht der bisher spannendste - es wirkt vieles hölzern, leblos und manchmal sogar etwas lieblos. Der Autor versteht zweifellos sein Handwerk, aber er vermag es zumindest mit diesem Teil der Reihe nicht, die Leserinnen und Leser abzuholen und sie in den Krimi hinein zu ziehen. Es fällt nicht schwer, das Buch auch mal aus den Händen zu legen, zumal nicht nur die weitschweifigen Ausführungen ermüden, sondern auch die verhältnismäßig kleine Schrift.

Die Idee, dem Kommissar Hermann Kappe durch verschiedene Schreiber ein besonderes Profil zu verleihen, bleibt bestechend. Denn auch wenn mal ein Fall eher etwas zäh ist, so bleibt doch die Freude auf den nächsten Teil aus einer anderen Feder.

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