Das Opfer des Wikingers

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • , 2011, Titel: 'Das Opfer des Wikingers', Originalausgabe

Couch-Wertung:

68
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Carsten Jaehner
Glaubensprobe für die Wikinger

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Aug 2011

Kurzgefasst:

Norwegen im Jahr 802 n. Chr. Leif Svensson, Sohn des Wikinger-Häuptlings Hakon, hat geahnt, dass es nicht einfach sein würde, den Menschen in seinem Heimatdorf die lebendige Hoffnung nahezubringen, die er selbst kennengelernt hat. Der neue Glaube ist so ganz anders als die althergebrachte Lebensweise und Götterwelt der Nordmänner. Als die Anfeindungen zunehmen und ihn zu zermürben drohen, ziehen auch noch dunkle Wolken am Ehehimmel auf. Werden er und seine schwangere Aryana jemals wieder zueinander finden?

Da tauchen eines Tages fremde Schiffe im Fjord auf: Es ist Sigurd, jung und erbarmungslos, der für sich und seine Mannschaft eine neue Heimat sucht. Die Siedlung von Hakon erscheint ihm als ein verlockendes Ziel. Für Leif wird es eine grausame Zerreißprobe: Soll er mit seinem Vater in den blutigen Kampf gegen Sigurd ziehen? Ist er überhaupt noch ein richtiger Wikinger? Schließlich trifft Leif eine folgenschwere Entscheidung...

 

Norwegen im Jahr 802. Leif Svensson und seine Frau Aryana haben den christlichen Glauben angenommen und bauen sich nun ein eigenes Haus im Dorf. Doch gerade Leif kann sich nur schwer an den Glauben gewöhnen und merkt, dass andere Männer und Frauen aus dem Dorf ihn deswegen schneiden. Als Aryana schwanger wird, scheint das Glück der Familie perfekt zu sein, jedoch geraten sie und Leif immer häufiger in Streit miteinander und ihre Beziehung muss harte Prüfungen bestehen.

Währenddessen ist Bronagh, die ehemalige Sklavin von Hakon, Leifs Vater und Häuptling der Siedlung, in den Orient verschleppt worden und versucht irgendwie, zu fliehen und wieder nach Hause nach Norwegen zu kommen. Dabei erhält sie Hilfe von ungewohnter Seite und will so schnell wie möglich die Heimat erreichen.

Diese wird inzwischen von Sigurd angegriffen, einem jungen Anführer, der sich die Hörner abstossen will und für sich und seine Mannschaft eine neue Heimat sucht. Es beginnt ein blutiger Kampf um die Siedlung. Aryana, die inzwischen im Wald untergetaucht ist und medizinische Fähigkeiten entwickelt hat, ist voller Sorge um ihren Mann, mit dem sie sich so zerstritten hat. Eine Prüfung für beider Ehe und auch für ihren Glauben.

Das Leben der Wikinger

Wie schon in ihrem Vorgänger Der weiße Rabe zeichnet die Autorin Heidrun Hurst ein stimmiges Bild der Wikingerzeit. Das namenlose Dorf an einem Fluss lässt das Leben der Zeit auferstehen. Da wird mit der gesamten Familie in einem Haus auf dem Fussboden geschlafen, da werden die alten Götter angerufen, da werden alte Traditionen wachgehalten. Zwar hat man sich damit abgefunden, dass Leif und seine Familie, zumal mit dem Priester Cuthbert, ihren Christenglauben pflegen, doch beäugt man sie deswegen auch schief. Gerade Porá, Leifs Großmutter und eine Seherin, macht aus ihrer Abneigung keinen Hehl.

Im Gegensatz zum Vorgänger ist die Fortsetzung auch etwas blutiger geraten, wie es sich wohl vermeintlich für einen Wikingerroman gehört. Da wird gekämpft und getötet, wenngleich dies nicht bis in alle Einzelheiten beschrieben wird. Die Eroberer um Sigurd sind herrlich böse, aber auch ein wenig unerfahren, und so kann man sich irgendwie schon denken, worauf das ganze hinausläuft, aber spannend ist es doch, und man liest gern weiter.

Bunte Figurenschar

Die Charaktere sind wieder sehr bunt und vielfältig gehalten. Leser des Vorgängers treffen alte Bekannte wieder, aber es gibt auch neue Figuren wie Jódís, bei der sich Aryana mit den Kindern versteckt, während die Schlacht herrscht. Diese hat auch noch einen Hund, dem noch eine besondere Rolle zuteil kommt. Manche Figur kommt zwar etwas sehr "schwarz-weiß" daher, aber das tut der Leserfreude keinen Abbruch.

Auch hat die Autorin "das christliche" im Roman besser in den Griff bekommen, wenngleich es immer noch sprachlich gegenüber dem Rest deutlich abfällt. Sie dosiert die christlichen Redewendungen deutlich besser, weil weniger, doch benutzt sie immer noch Floskeln, die zu dieser Zeit nicht benutzt wurden und die heutigen Sprachgebrauch aufzeigen und so eine auffällige Lesehürde darstellen.

 

 

Sie würde es nicht ertragen, wenn sie auch noch ihren Mann verlieren würde. Aufgewühlt und voller Sorge flüchtete sie sich in ein Gebet und befahl dem alles an, der das Leben in seiner Hand hielt.

 

Die Autorin hat eine flüssige Erzählweise und versteht es durchaus, den Leser an die Geschichte zu fesseln. Alles Handlungsfäden werden am Ende zusammengeführt und keiner ausgelassen, was bei der Fülle der Charaktere und Handlungsstränge auch schon viel wert ist. Die Sprünge zwischen der Geschichte von Leif und Aryana sowie der von Bronagh in Haithabu und unterwegs sind gelungen und klar, wobei die Autorin knapp der Gefahr entgeht, Bronagh zu einer Art Superfrau zu machen, der alles gelingt und die alles kann, sogar ein Schiff befehlen. Doch bleibt all dies noch im erträglichen Rahmen.

Gelungen mit Einschränkungen

Insgesamt ist der Fortschritt zwischen dem ersten und dem zweiten Roman deutlich erkennbar. Heidrun Hurst ist ein spannender Roman gelungen, der viel über die Traditionen der Wikinger erzählt zu einer Zeit, als das Christentum anfängt, sich über die Nordländer auszubreiten. Dass dies nicht jedem Nordländer passt, ist klar, und so sind Konflikte vorprogrammiert. Die Erzählung ist durchaus auch mitreissend, einzig in den "christlichen" Passagen ist die Erzählung zu modern und daher ausfallend, durchaus im negativen Sinne. Das stört den Lesefluss und kommt bei nicht so religiösen Lesern nicht gut an. Doch sind diese Stellen viel weniger als im ersten Teil.

Eine Seite mit Begriffserklärungen und ein kurzes Dankeswort runden den Roman ab, dem auch eine Karte gut zu Gesicht gestanden hätte. Gerade Bronaghs Reise hätte man so gut mitverfolgen können. Ein spannender Roman mit leichten Erzählschwächen.

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