Der Duft von Schokolade

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2007, Titel: 'Der Duft von Schokolade', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Sehr viel Das Parfum und Schokolade treffen auf mangelnde Spannung und keine Historie

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2009

 

Der Duft von Schokolade

Der Duft von Schokolade

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Letzte Kommentare:
09.01.2015 11:59:34
Igelmanu66

»Nur in den Düften ließen sich Erinnerungen bewahren.«
»Es regnete jetzt tatsächlich, aber das machte nichts. Wenn es das tat, roch alles nur noch stärker, und August liebte die Gerüche. Wenn er die Augen schloss, konnte er sie sogar sehen. Jeder Duft hatte eine Farbe, für die es in der Sprache keine Wörter gab. Auch der Geruch von Frühlingsregen, er war wie ein blasses, unaufdringlich heiteres Lindgrün. … Wie er die Gerüche draußen liebte, so liebte er auch die Aromen im Demel, die in Schleiern in der Luft lagen, sich gemächlich umeinander drehten und alle zusammen die Atmosphäre des Kaffeehauses ausmachten. Als Erstes und am stärksten kam einem, wie als Begrüßung, schon an der Tür der Geruch des frisch röstenden und aufgebrühten Kaffees entgegen. Dann der Zigarrenrauch, der einzige Duft, den man sehen konnte. Und dann, ganz zart und jeder unverwechselbar, die vielen kleinen Düfte. Bitter, von geraspelter Schokolade. Oder geschmolzen und süß, von den Schokoladen der Damen an kühlen Tagen wie heute, mit einem Hauch Vanille darin. Tragant, der einfache, süße Geruch, der von all den Zuckerfiguren ausging. Honig. Überall, wieder wie Farben, die unterschiedlichen Gerüche des Honigs: rosigsüß im Rachat-Lougoum, blütensüß im Halwa, walddunkel in den Nonnenkrapferln, durchsichtig fein im Akazienblütenkonfekt.«

Wien, 1881. Leutnant August Liebeskind hat seine Dienstzeit beendet und sucht nun eine neue Aufgabe für sich. Leutnant hin oder her – ein zackiger Typ war er nie, er selbst bezeichnet sich im Geheimen als „Schönwetterleutnant“, der – im Gegensatz zu seinen Kameraden - heilfroh war, dass er während seiner Dienstzeit in keinen Krieg ziehen musste.
Dass er anders ist, als die ihn umgebenden Menschen, weiß er schon seit seiner Kindheit. August hat nämlich eine besondere Fähigkeit – den absoluten Geruchssinn.
»Erst als er die Gesichter der Eltern sah, das Grinsen seines Bruders, erst da verstand er das erste Mal, dass die anderen nichts von dem rochen und sahen, was er roch und sah. Nichts.«
In der Schokoladenfabrik eines reichen Onkels nimmt er eine Stelle an. Als er eines Tages der schönen Elena begegnet, bekommt sein Leben ein neues Ziel. Diese Frau will er erobern! Diese Frau, die Hochrad fährt und sich in keiner Weise um die öffentliche Meinung schert. Die überall mit ihrem frechen und an Arroganz grenzenden Auftreten aneckt! Mit Hilfe seines Sinns für Düfte kreiert er die ausgefallensten und edelsten Pralinés und nach kurzer Zeit erliegt Elena den schokoladigen Versuchungen. Doch es gibt ein Problem, denn Elena ist bereits verheiratet…

Dieses Buch ist ein wahrer Lesegenuss. Ich war völlig fasziniert, mit welchen Ausdrücken man Düfte beschreiben kann! Was August empfindet und „sieht“, wenn er einen Duft wahrnimmt, ist nicht selten ein Sinnesrausch. Und Ewald Arenz hat wunderbare Worte gefunden, um diese Wahrnehmungen zu Papier zu bringen. Meine Worte hingegen reichen nicht aus, um dies adäquat zu beschreiben, man muss es einfach lesen.

Schön fand ich auch zu beobachten, wie sich Augusts Wahrnehmungen im Laufe seines Lebens entwickelten. Wie der kleine Junge merkte, dass er seine Fähigkeit verbergen muss. Wie der erwachsene August lernt, davon zu profitieren, wie seine Begabung ihm manchmal Segen und manchmal auch Fluch ist.

Ich ziehe einen Punkt ab, da mir der Herzschmerzfaktor im Verlauf des Buches ein wenig zu hoch war. Nun bin ich aber auch kein Fan von Liebesgeschichten - wer sie mag, dürfte an diesem Buch überhaupt nichts auszusetzen haben.

Fazit: Wunderbare Worte formen einen einmaligen Lesegenuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

09.12.2014 07:50:50
venatrix

Der Roman spiegelt das Leben der High Society in der Donaumonarchie im ausgehenden 19. Jahrhundert wieder: gelangweilte adelige Damen, unterbeschäftigte Militärs und Industriemagnaten. Die Liebesgeschichte der Gräfin Palffy mit Leutnant Liebeskind wurden geschickt rund um den Brand des Ringtheaters 1881 mit seinen nahezu 400 Toten in Szene gesetzt.
Die Rezension der Histo-Couch verwirrt ein wenig, da vom „Brand der Oper“ die Rede ist. Außerdem wird der Name des Leutnants falsch angegeben. Es scheint, als habe der Rezensent das Buch nicht ordentlich gelesen.
Ich fand das Buch spannend, was aber vielleicht daran liegt, dass ich aus Wien bin und mit der Geschichte vertraut bin. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem „Parfum“ ist sicherlich gewollt.

17.11.2011 12:59:00
Karin Volz

Schon richtig, es erinnert an den Roman
Parfum.
Es spiegelt - geht man es von der Seite
einer Symbolbedeutung an,
unser Seelenleben wider.
Seelenleben - Feuer und Wasser.
Haben wir mit diesen Elementen zu tun;
indem wir uns befreien oder durchhalten müssen, plagen wir uns
durch Gefühlsmomente hindurch,
die unsere leidenschaftliche Genießernatur uns auferlegt, sind wir
mit diesem Bändchen in bester
Liäson.
Die Sinne sind geöffnet. Das muß ich mir erst einmal erlauben können in der Hektik von Zeitverläufen, die uns zwingen tagtäglich für die Existenz
Verbeugungen zu machen. Süchte, Zwänge arbeitsintensive Routineabläufe bestimmen uns.
Deshalb, nimm ein Stück Schokolade
und rufe den ersten Augenblick Deines Lebens auf, in dem Du ein
kleiner Lutschfan wurdest, der sich
nunmehr schnüffelnd an Süßwarenläden aufhält.
Das Buch darf unter dem Weihnachtsbaum liegen.

Karin

16.12.2009 09:36:33
tedesca

Ein sinnliches Leseerlebnis, das einem die Düfte des Kaffees, der Schokolade und Gewürze fast riechen lässt. Frauen, so unterschiedlich wie dunkle, bittere Schokolade und das helle, süße Nougat, ein Mann, für den Gerüche zu Bildern werden, eine Geschichte, wie sie romantischer und dramatischer nicht sein könnte.
Dazu minutiöse Beschreibung der Wienerstadt um 1881, dem Jahr des großen Ringtheaterbrandes, der fast 400 Todesopfer forderte. Bei der Beschreibung des Flammenmeeres wird einem um eine Spur wärmer, doch die Aufbahrung der verkohlten Leiche läßt einen gleich wieder frösteln - eine Berg- und Talfahrt der Gefühle, die auch der Protagonist August Liebeskind durchmachen muss.
Ein wunderbares Buch, ein Genuss für alle Sinne und auch sprachlich ein Leckerbissen - genau richtig für die Advent- und Weihnachtszeit!

Einzige offene Frage: hat der Mensch, der Klappentext und Kurzbeschreibung geschrieben hat, das Buch auch gelesen??? August hat Elena nicht mit eigens kreiertem Konfekt erobert, sondern mit Dufterlebnissen, und es ist nicht die Wiener Oper abgebrannt, sondern das Ringtheater. Auch wenn dort ebenfalls Opern aufgeführt wurden, ist das doch ein Unterschied, weil es sich um ein anderes Gebäude handelt. So viel nur am Rande.

23.09.2009 16:13:25
Marina Wegfeld

Auf der Basis einer der größten Brandkatastrophen im 19. Jahrhundert - dem Ringtheaterbrand in Wien - erzählt dieses Buch eine wunderschöne Liebesgeschichte. Die Welt der Düfte wird so eindringlich und sensibel geschildert, daß man glaubt, das Mandelaroma von Marzipan aus dem Honig der Bienenkönigin zu riechen, mit der August Liebeskind Elena Palffy bezaubert.
Ein wunderbares Buch für Herbstabende mit Tee und Schokolade.

23.09.2009 15:56:17
Marina Wegfeld

Auf der Basis einer der größten Brandkatastrophen im 19. Jahrhundert - dem Ringtheaterbrand in Wien - erzählt dieses Buch eine wunderschöne Liebesgeschichte. Die Welt der Düfte wird so eindringlich und sensibel geschildert, daß man glaubt, das Mandelaroma von Marzipan aus dem Honig der Bienenkönigin zu riechen, mit der August Liebeskind Elena Palffy bezaubert.
Ein wunderbares Buch für Herbstabende mit Tee und Schokolade.

Zeitpunkt.
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