Federico

Erschienen: Januar 1983

Bibliographische Angaben

  • dtv, 1983, Titel: 'Federico', Originalausgabe

Couch-Wertung:

94
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Daniela Loisl
Kein einfaches Unterfangen

Buch-Rezension von Daniela Loisl Mär 2009

Friedrich der II. von Hohenstaufen, geboren in der Hochzeit der Gotik, Ende des 12. Jahrhunderts. Um das Leben des Enkels Barbarossas gab es schon von Geburt an Spekulationen bezüglich seiner Herkunft. Da seine Mutter ihn im Alter von fast 40 Jahren zur Welt brachte, glaubten viele, dass er nicht der wahre Sohn Heinrichs VI. und Konstanzes von Hautville war.

Er verlor seine Eltern schon in sehr jungen Jahren wuchs - angeblich unbeaufsichtigt - in den engen Gassen Palermos auf. Dass er es zu einem der wohl größten Kaiser bringen würde, hat sich damals wohl keiner gedacht. Zu viele Intrigen und Machtkämpfe gab es in seinem Umfeld und dieses in allen Höhen und Tiefen bewegte Leben wird in Federico aus Sicht einer Frau geschildert...

Kein leichter Einstieg

Schon im Prolog fordert Waldtraut Lewin ihre Leser, denn man muss sich sowohl an Sprache wie auch Erzählstil gewöhnen. Hat man diese "Hürde" jedoch gemeistert, erhält der Leser einen Einblick in Friedrichs II. Leben, wie es sonst wohl kaum jemand zu bieten hat. Lewin ist für ihre gekonnten Wechsel von einfachen und mitreißenden Geschichten bis hin zu anspruchsvollen und komplexen Erzählungen bekannt. Schrieb sie Kinderbücher in leichter und feiner Weise, so zeigt sie gerade mit Federico ihr ganzes Talent und ihre Liebe zu hochgeistiger Sprache und niveauvollem Erzählstil. Wer sich darauf einlässt, bekommt einen ganz innovativen Blick auf das Leben des Staufer-Kaisers.

Ungewöhnliche Perspektive

Die Autorin lässt so etwas wie eine "zeitreisende Botin" das Leben Federicos erzählen und schafft damit einen außergewöhnlichen Blickwinkel, der auch nicht unkritisch ist und dem Leser alle Facetten eines machthungrigen und grausamen, jedoch auch hochbegabten und strategischen denkenden Herrschers aufzeigt. Manchmal mit sich einem nicht sofort erschließenden Metaphern zeichnet sie den Weg Friedrichs II: vom jungen Knaben bis zu seinem Tod, mit dem auch die herrschende Linie der Staufer endete.

Grausamkeiten, Kämpfe, Kunst und Feinsinn

Figuren gibt es unzählig viele in dieser Romanbiografie und Lewin gestaltet nicht nur Friedrichs direktes Umfeld detailliert und vielschichtig, sondern auch seine Gegner und Bewunderer. Ist das Buch zwar ein Roman, so bekommt man dennoch das Gefühl, dass alles wirklich so geschehen sein könnte, denn Waldtraut Lewin erzählt bildgewaltig, prall und schon regelrecht cineastisch. Oft treibt man im Ungewissen, was die Handlung betrifft, hat man das Gefühl, den Faden verloren zu haben, aber nur, um ihn wenige Seiten später wieder aufheben zu können, weil man sich einlassen muss auf Exkurse und manchmal episodenhafte Erzählfragmente. Lewin fordert den Leser, macht es ihm nicht einfach und dennoch entschädigt sie ihn für das Durchhalten mit einer ungemein spannenden und  subtilen Zergliederung eines kaleidoskopischen Lebens eines polarisierenden Kaisers. Als Förderer von Kunst und Wissenschaft ist Friedrich ebenso interessant wie er als grausamer und rachsüchtiger Machtmensch vielleicht verachtenswert ist. Mit dem Papst alles andere als einig, setzt das Volk seine ganzen Hoffnungen in ihn.

Lewin zeigt einen anderen Friedrich, fern von vorgegebenen Erkenntnissen und Vermutungen. Wenngleich die Autorin fundiertes Wissen über den Kaiser nicht außer Acht lässt, so zeigt sie dennoch eine sehr individuelle Herangehensweise an diese Zeit.

Ein lesenswertes Buch, dass bestimmt nicht jedermanns Geschmack ist, denn als leichte Lektüre für Zwischendurch ist dieser Roman nicht geeignet. Wer jedoch eine Vorliebe für Erzählungen auf hohem Niveau mit anspruchsvoller Sprache liebt, wird mit diesem Werk Lewins einen wahren Genuss geboten bekommen.

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