Diesel von Viktor Glass

Buchvorstellungund Rezension

Diesel von Viktor Glass

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Diesel“,, 352 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

1913 an Bord eines Passagierdampfers: Auf der Reise nach London ertrinkt Rudolf Diesel im Ärmelkanal – in einer ruhigen Nacht. Weltweit ist das Entsetzen groß. Schnell ist von einem Komplott die Rede. Viele mächtige Feinde könnten ein Interesse daran haben, den großen Ingenieur aus dem Weg zu schaffen. Oder wählte der berühmte Erfinder doch den Selbstmord?

Das meint Histo-Couch.de: „Ein Leben für den Fortschritt“88Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Derzeit ist der Diesel-Motor wieder in aller Munde, wenn auch nicht aus Gründen, die sich sein Erfinder Rudolf Diesel gewünscht hätte. Viktor Glass hat eine Romanbiografie geschrieben, die seine Entwicklung von der Kindheit bis zum mysteriösen Tod nachvollzieht und die trotz vielem technischen Fachjargon spannend und geradlinig verläuft.

Geboren 1858 in Paris, war er immer eine Mischung aus Franzose und Deutscher, besonders bei seinen Mitschülern daher auch nicht sonderlich gelitten, zu Hause Sohn strenger Eltern, vor allem der Vater zeigte durch eine Vielfalt an disziplinarischen Maßnahmen, was er für eine richtige Erziehung hielt. Vor allem Rudolfs frühes Verständnis für technische Dinge, sein Interesse an den Weltausstellungen und die dort ausgestellten Maschinen, war für den Vater immer unverständlich.

Überhaupt wächst Diesel in einer Zeit auf, da der technische Fortschritt jeden Tag sichtbar vorangeht. Das Automobil erobert die Strassen Europas, Maschinen vereinfachen viele Berufe, Kohlebergwerke erleben ihren Höhepunkt, die Eisenbahn verbreitet sich immer mehr. Die Welt wird schneller und dadurch kleiner, und Rudolf ist fasziniert davon und bereit, seinen Teil dazu beizutragen.

Klassenprimus

Als Rudolf zwölf ist, flieht die Familie vor den 1870er Unruhen nach London, und ein Onkel in Augsburg erklärt sich bereit, den jungen bei sich aufzunehmen und zu fördern. In jeder Schule ist er Klassenprimus, wechselt an die neue Industrieschule und wird auch dort Klassenbester. 1875 geht er an die Polytechnische Schule in München, 1877 kommen die Eltern nach, 1878 hört er Vorlesungen bei Carl Linde, der ihm Freund und Förderer wird und mit dem zusammen er durch dessen Erfindung der Linde’schen Eismaschine erstes gutes eigenes Geld verdient.

1880 meldet Diesel sein erstes Patent an, ein Verfahren zur Herstellung von Klareis in Flaschen. Ein erstes Patent für einen Kraftmotor meldet er erst 1893 an, dieses Patent ist aber für seine Idee, die mit dem heutigen Dieselmotor kaum mehr zu vergleichen ist. Der Weg bis zum fertigen Dieselmotor ist lang und steinig und mit vielen Kompromissen, Ortswechseln und Konkurrenten gepflastert, ehe 1897 das erste funktionstüchtige Modell fertig war.

Ein Who is Who der Industrie

Viktor Glass verfolgt Rudolf Diesels Weg teils minutiös, teils in größeren Sprüngen, bleibt aber immer am Klang der Zeit und schafft es, dem Leser den Zeitgeist zu vermitteln, der Ende des 19. Jahrhunderts herrschte. Die Industrialisierung bietet beinahe jeden Tag etwas neues, und irgendwie ist Diesel immer mittendrin und schafft es, seine Ideen gegenüber seinen Finanziers immer wieder erfolgreich zu verteidigen. Dabei geben sich die prominenten Namen die Klinke in die Hand, MAN, Krupp, von Buz, Sulzer in der Schweiz.

Ab einem gewissen Zeitpunkt treten natürlich die Neider und Konkurrenten auf den Plan, doch Diesel geht den Weg nach vorn und holt sie teilweise mit zu sich ins Boot. Gegen Konkurrenten wie Rockefeller aus Amerika kann er zwar nicht ankommen, aber er weiß sich zu wehren. Dass sich auch bald das Militär für einen kleinen energiesparenden Motor interessiert und die Technik gerne in ihren U-Booten einsetzen möchte, nimmt Diesel hin. Ihm geht es um die Technik an sich, was damit gemacht wird, ist nicht seine Aufgabe. Diese vielleicht gefährliche Meinung kommt leider etwas zu kurz, der Konflikt hätte durchaus einen größeren Raum einnehmen können.

Der Autor erzählt neben der beruflichen auch die private Geschichte Diesels, der sich, verheiratet und Vater dreier Kinder, viel zu wenig um seine Familie kümmert, dies auch weiß, es aber nicht ändern kann, da er mit seinem Beruf ebenso verheiratet ist wie mit seiner Frau. Sie nimmt es in Kauf, wusste sie ja vorher, worauf sie sich einlassen würde. Einzig der Vater macht Schwierigkeiten, konnte er nach der Aufgabe seiner Arbeit als Lederwaren-Hersteller im Laufe der weiteren Industrialisierung nicht mehr Fuß fassen. Sein Abdriften in den Okkultismus wird Rudolf Diesel noch beschäftigen.

Mysteriöser Tod

Den mysteriösen und bis heute nicht aufgeklärten Tod Diesels versucht der Autor nicht zu beschreiben, sondern nur die Fakten darzustellen. Auf einer Fahrt nach London verschwand Diesel auf bis heute ungeklärte Weise im Ärmelkanal, seine Leiche wurde nie geborgen. Hier wie auch zu Beginn einiger Kapitel schaltet sich der Autor als Erzähler ein und bricht damit bewusst die Erzählperspektive des neutralen Erzählers, wie sie über weite Strecken des Buches herrscht. Das erhöht die Bereitschaft des Lesers, die Romanbiografie und somit das Leben Diesels als so gegeben anzunehmen, wie es beschrieben wird.

Viktor Glass hat eine spannende Romanbiografie geschaffen, die nicht nur durch ihren packenden Inhalt um das Leben Rudolf Diesels besticht, sondern auch einen hervorragenden Einblick in die Industrialisierung und somit den Geist der Zeit  gibt. Diesel ist in ganz Europa und Amerika unterwegs und präsentiert nicht nur sich und seine Erfindungen, sondern will auch den Arbeitsmarkt sozialer gestellten, wofür auch seine Bücher und Schriften stehen. Der Arbeiter darf nicht nur arbeiten, sondern hat auch Rechte, denn er ist ein Mensch und keine Maschine. Diese Gedanken sind neu und gerade bei einigen Firmenbesitzern nicht gern gesehen, da sie mit Kosten verbunden sind. Doch Diesel bleibt wie immer seinem Weg treu und wird als grosser Erfinder in die Geschichte eingehen. Spannend und lehrreich, leider ohne jeglichen Anhang.

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