Tödliche Zeilen von Uwe Schimunek

Buchvorstellungund Rezension

Tödliche Zeilen von Uwe Schimunek

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Tödliche Zeilen“,, 256 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

»Tödliche Zeilen« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Das Jahr 1907: Leipzig ist das unumstrittene Zentrum des deutschen Buchs. Das Geschäft mit Gedrucktem boomt, und in der Messestadt hat sich eine schillernde literarische Szene entwickelt. Zu ihr gehört auch der Bohemien Thomas Kutscher, der unter einem Pseudonym Detektivgeschichten verfasst. Als Kutscher eines Tages nach einem Termin mit dem Verleger Rollnik die Straße betritt, erschrickt er fürchterlich: Direkt vor dem Gebäude liegt eine Leiche. Kutscher erkennt den Mann sofort: Es handelt sich um den bekannten Literaturkritiker und Herausgeber der „Bacchus-Blätter“ Claudius Orlog. Alles deutet darauf hin, dass er von einem Dachziegel erschlagen wurde, der direkt neben ihm liegt. Doch Kutscher beginnt daran zu zweifeln, als er Orlogs völlig unversehrten Hut findet. Zudem herrscht schönstes Winterwetter, kein Wind geht. Kurz entschlossen zieht er seinen Freund, den Polizeireporter Edgar Wank, ins Vertrauen. Wank, der seit einigen Jahren für die „Leipziger Zeitung“ schreibt, beschäftigt sich zwar gerade mit dem spektakulären Urheberrechtsprozess um die Werke des Unterhaltungsschriftstellers Karl May, verspricht aber, Nachforschungen anzustellen. Er stößt auf mögliche Erklärungen für Orlogs Tod: Der Literaturkritiker war bei der Leipziger Central Bank hoch verschuldet, und er lag in einer Fehde mit einem Schriftsetzer. Doch als plötzlich auch noch der Sohn des Verlagshauses Rollnik ums Leben kommt, beginnt Wank zu ahnen, dass die Wahrheit ganz woanders zu suchen ist ...

Das meint Histo-Couch.de: „Doppelmord im Leipziger Verlagswesen“85Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Leipzig, Januar 1907. Kriminalschriftsteller Thomas Kutscher findet in einer dunklen Strasse eine Leiche. Es handelt sich um den Literaturkritiker Claudius Orlog. Davon erzählt er seinem Freund, dem Polizeijournalisten Edgar Wank, allerdings werden sie gebeten, von dem Mord aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht zu erzählen und zu berichten.

Wenig später wird eine zweite Leiche gefunden, die auf dieselbe Weise ums Leben kam: erschlagen durch einen Ziegelstein. Trotz ihres Versprechens an Kommissar Machuntzke, nicht weiter zu ermitteln, forschen die beiden doch weiter nach und begeben sich in die Tiefen des Leipziger Verlagswesens, wo nicht alles nur Gold ist, was glänzt.

Ein Doppelmord im zweiten Fall

Bereits zum zweiten schickt der erfahrene Krimi-Autor Uwe Schimunek seine beiden Ermittler, den Polizeijournalisten Edgar Wank und dessen Freund, den Kriminalschriftsteller Thomas Kutscher, ins Leipziger Ermittlungsfeld. Ging es im ersten Fall Mörderisches Spiel in Leipzig noch um der Deutschen liebsten Sport, den Fußball, hat der neue Fall die Literatur zum Thema, in all ihren Facetten. Man merkt an vielen Details, dass sich Schimunek in diesem Metier auskennt und nicht nur das, auch die Drucker bekommen viel Raum, und der Leser lernt so manchen Fachbegriff kennen.

Wer ist der Zwiebelfisch?

Der berühmteste Begriff aus der Buchdruckerkunst dürfe der „Zwiebelfisch“ sein, ein Buchstabe, der in einer anderen Schrift eingefügt ist, sei es aus Absicht oder aus Versehen. Und auch in Mordfall suchen die beiden ein schwarzes Schaf, das in den Leipziger Literaturkreisen unterwegs ist. Der erste Tote wird von Kutscher zufällig in einer Gasse gefunden, der zweite Tote, folgt alsbald, und danach bekommt Kutscher Briefe zugestellt, die aus Buchstaben aus Zeitungen zusammengeklebt wurden, wie man es vielleicht klischeehaft aus Kriminalfilmen kennt.

Da die beiden Toten auf dieselbe Art und Weise umgebracht wurden und unter Kommissar Machuntzke die Ermittlungen ihren Lauf nehmen, geraten schnell viele Personen unter Verdacht. Sogar Wank selber sieht sich als Verdächtigen und vielleicht als nächstes Opfer, was dem Fall eine neue spannende Dimension verleiht. Doch Schimunek behält in seinem Fall die Übersicht und lässt den Leser nie im Trockenen sitzen.

Ordentlich Lokalkolorit

Dass er seinen Leipziger Kommissar Machuntzke ordentlich sächseln lässt, verleiht dem Fall eine Portion Lokalkolorit, die dem Fall guttut. Die Treffen mit Machuntzke lockern den Fall auf, und der Leser freut sich immer wieder, denn Machuntzke auftaucht, bedeutet seine Sprache doch ein gewisses Schmunzeln. Das darf nicht mit Humor verwechselt werden, denn der Kommissar hat durchaus seine seriösen und ernsten Beiträge und Auftritte, allerdings zwinkert immer ein Auge mit, und das ist ein schönes Element, das jeder Krimireihe beherzigen sollte.

Während man dem Mörder langsam auf die Schliche kommt, geraten die beiden Ermittler mit der Damenwelt aneinander. Dass dies nicht immer die Ermittlungen vereinfacht, dürfte auf der Hand liegen, zumal deren Berufe nicht unbedingt familientauglich zu sein scheinen, jedenfalls wenn es nach den Kontoständen geht. Und wer will schon einen Schwiegersohn haben, der Journalist ist und unter Pseudonym Kriminalromane veröffentlicht.

Gerne in Serie

Uwe Schimunek ist neben einem spannenden Kriminalfall, dessen Ende man sich ab einem gewissen Zeitpunkt zumindest teilweise denken kann, vor allem auch ein treffendes Bild der Zeit gelungen, an dem man also auch auf historischer Ebene seine Freude haben kann. Daneben erhält man einen Einblick in die Verlagswelt in all ihren Facetten, wo vielleicht auch der Autor ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudert? Bleibt zu hoffen, dass Autor und Verlag einen langen Atem beweisen und dem Band schon bald einen dritten, vierten und so weiter folgen lassen. Das Team darf gerne in Serie gehen.

Ihre Meinung zu »Uwe Schimunek: Tödliche Zeilen«

Ihr Kommentar zu Tödliche Zeilen

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.