Mörderisches Spiel in Leipzig von Uwe Schimunek

Buchvorstellungund Rezension

Mörderisches Spiel in Leipzig von Uwe Schimunek

unter dem Titel „Mörderisches Spiel in Leipzig“,, 256 Seiten.ISBN 3897739453.

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Kurzgefasst:

Im frühen 20. Jahrhundert sorgt in Leipzig ein neuer Sport aus England für Aufregung: Fußball. In konservativen Kreisen als Fusslümmelei verpönt, wird das Spiel bei jungen Männern immer beliebter. Der Verein für Bewegungsspiele (VfB) Leipzig wird 1903 Mitteldeutscher Meister und bereitet sich auf die erste Deutsche Meisterschaft vor. Die Aufregung ist groß, als ausgerechnet jetzt der ehrgeizige Trainer tot in seiner Wohnung aufgefunden wird. Der Polizeireporter Edgar Wank, der gerade seine erste Stelle bei der Leipziger Zeitung angetreten hat, wittert hinter dem ominösen Todesfall eine interessante Geschichte. Er glaubt nicht an eine natürliche Todesursache und beginnt zu recherchieren. Der Blick hinter die Kulissen des erfolgreichen Vereins offenbart Korruption, Missgunst und Eifersucht.

Das meint Histo-Couch.de: „Endlich – ein historischer Fußball-Roman!“86Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Es ist schon erstaunlich, dass es in dem fußballverrückten Land Deutschland noch keinen historischen Roman über des Volkes liebsten Sport lesen kann, wo man doch nun gerade Weltmeister ist und man beinahe jeden Tag im Fernsehen ein Spiel sehen kann. Diese Lücke hat nun Uwe Schimunek geschlossen und mit Mörderisches Spiel in Leipzig den ersten historischen Fußball-Roman vorgelegt – noch dazu in Form eines Kriminalromans.

Immer mehr Männer fallen zu Beginn des 20. Jahrhundert dem „englischen Sport“ anheim, wie es in Deutschland genannt wird. In konservativen Kreisen jedoch ist „Fußball“, wie der Sport genannt wird, verpönt und nicht hoch angesehen. In Leipzig steht man auf Pferderennen, wie man es auch täglich in der Zeitung lesen kann, von Fußball ist dort nichts zu lesen.

1903 ist der Verein für Bewegungsspiele VfB Leipzig bereits Mitteldeutscher Meister, doch kurz vor dem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft wird der Trainer und Spieler Thoralf Schöpf tot aufgefunden. Der junge Journalist Edgar Wank will einen Artikel über den Fußballsport schreiben und stösst bei seinen Recherchen auch auf den Todesfall, der bei näherer Betrachtung vielleicht gar kein normaler Tod war, sondern ein Fall für seinen kriminalistischen Spürsinn.

Gemeinsam mit seinem Freund, dem Theaterschriftsteller Thomas Kutscher, versucht er, Licht ins Dunkel zu bringen und recherchiert auf dem Fußballplatz, bei der Familie und in Sportlerkreisen. Nach und nach setzt sich ein Bild des Verstorbenen zusammen, das viel über die Gründerzeit des Deutschen Fußballs erzählt. Doch ist Schöpp wirklich ermordet worden?

Ein toter Fußballfunktionär

Mit Mörderisches Spiel in Leipzig gelingt Uwe Schimunek ein interessanter und aufschlussreicher Blick in die Anfänge des Ligafussballs in Deutschland. Anfänglich noch als „Fußlümmelei“ verpönt und als verrückter Freizeitvertreib abgetan, konnte sich der „englische Sport“ nur langsam durchsetzen. Doch, wie Thomas Kutscher schon bald feststellt, als er sich dem Leipziger Verein anschliessen will, steckt mit Technik und Ausdauer doch mehr dahinter, als man sich in den pferdesportvernarrten Kreisen so ausmalt.

Durch die Recherchearbeit erfährt der Leser auch um die ominösen Umstände der ersten Deutschen Meisterschaft beziehungsweise deren Halbfinals, ihre Verstrickungen mit Prag und seiner deutschen Mannschaft und weiteren Details, die selbst für manchen Fußballfan neues hervorbringen durfte. Dass es bislang noch niemand geschafft hat, das in einen Roman mit einzubinden, grenzt dabei nahezu an ein Wunder.

Interessante Verstrickungen um die Deutsche Meisterschaft

Der Fall selber ist erst einmal gar keiner. Thoralf Schöpf wird eines Tages in seinem Bett tot aufgefunden, man stellt keine äußeren Ursachen fest, er wird begraben und mit ihm eine eventuelle Geschichte um ihn. Erst Wochen später wird der junge Reporter Edgar Wank darauf aufmerksam und findet immer mehr Details heraus, die den Todesfall vielleicht in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Wank muss jeden Tag die neuesten Nachrichten der Polizei mit in die Redaktion bringen und auf einer Seite zusammen stellen, und so hat er regelmäßigen Kontakt zum Polizisten Machuntze, ausgestattet mit dem feinsten Leipziger Dialekt und auch mit Kontakten und Informationen, die Wank weiterhelfen können. Dass er damit bei den Ermittlungen eines Falles hilft, in den er nicht involviert ist und der ja auch eigentlich noch gar kein Fall ist, bekommt der etwas träge Herr erst später mit.

Wank lernt auch Rosalinde Fritzschmann kennen, Schöpps Verlobte, an die sich aktuell ein Vereinskollege, Willibald Gelsenrath heranmachen möchte. Die Verlobte sieht nicht eben schlecht aus, wird aber von ihren Eltern und deren Laubengartennachbarn strengstens überwacht. Alles bleibt sittlich, und gerade in diesen Situationen erfährt der Leser viel über das Leben Anfang des 20. Jahrhunderts, wie man sich gab, wie man redete, was schicklich war und was nicht. Das alles wird vom Autor gut eingefangen und sorgt auch für so manchen Schmunzler und Kopfschütteln, wie steif und förmlich doch damals alles war. Ein schönes Sittenbild, und dann kommt ausgerechnet der Fußball dazwischen.

Pflichtlektüre

Ist der historische Aspekt des Romans trefflich eingefangen, so dümpelt doch der Fall an sich lange vor sich hin, so lange, dass man tatsächlich zweifelt, ob es überhaupt einen Fall gibt, denn alles spricht für ein normales Leben von Thoralf Schöpp, der zudem auch noch überall beliebt war, sowohl privat als auch beruflich in der Kanzlei, in der er arbeitete als auch als Fußballfunktionär. Doch wird der Leser am Ende nicht enttäuscht werden.

Insgesamt ist der Roman ein lang ersehnter Beitrag zur Sportgeschichte im Allgemeinen und zum Fußball im Speziellen, der für jeden Ballsportfan zur Pflichtlektüre gehören sollte. Fällt auch der Fall an sich gegenüber dem geschichtlichen und lokalpolitischen etwas ab, so bleibt doch ein Lesevergnügen, dem gerne weitere Fälle des nun eingeführten Ermittlerteams folgen dürfen. Eile mit Weile in Sachsen, und der Fußball beginnt seines Siegeszug durch die deutschen Landen. Empfehlenswert.  

Ihre Meinung zu »Uwe Schimunek: Mörderisches Spiel in Leipzig«

André Göhre zu »Uwe Schimunek: Mörderisches Spiel in Leipzig«19.05.2016
Als Leipziger Fußballhistoriker war dies mein erstes Werk von Uwe Schimunek und die Schreibweise des Autors macht süchtig nach mehr.
Abgesehen davon, dass man einen eindrucksvollen Einblick ins Leipzig Anfang des letzten Jahrhundert erhält, ist es fußballhistorisch hervorragend recherchiert (ich nehme mir heraus, dies beurteilen zu können). Und nicht zuletzt ist der Charakter des "Thoralf Schöpf" an eine real existierende Person dieser Zeit angelehnt... nämlich an den Gründer, ersten Präsidenten und Spielertrainer des VfB Leipzig, Theodor Schöffler, der tatsächlich knapp zwei Monate vor dem ersten Finale einer Deutschen Fußball-Meisterschaft aus ungeklärter Ursache verstarb.
Ich werde mir infolgedessen zwangsläufig folgende bzw. vorhergehende Werke Uwe Schimuneks zulegen, den ich persönlich als äußerst sympathischen Menschen während eines Interviews und zur "Ur-Lesung" im Leipziger Kriminal-Museum, zu der ich geladen war, kennenlernen durte... Vielen Dank dafür.

André Göhre vom "NETZwerk blau-gelb"
KaiBlum zu »Uwe Schimunek: Mörderisches Spiel in Leipzig«17.04.2016
Ein schöner Einblick in die Anfänge des Fußballs in Deutschland und in das rasant wachsende Leipzig um die Jahrhundertwende. Man merkt, dass der Autor auf beiden Gebieten sehr sorgfältig recherchiert hat. Die Hauptfiguren sind sympathisch und falls dies der Anfang einer Serie ist, werde ich auch den nächsten Band lesen.
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