Die Jahre der Schwalben von Ulrike Renk

Buchvorstellungund Rezension

Die Jahre der Schwalben von Ulrike Renk

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Die Jahre der Schwalben“,, 560 Seiten.ISBN 3-7466-3351-6.

»Die Jahre der Schwalben« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Kurz nach ihrer Hochzeit erfährt Frederike, dass ihr Mann eine schwere Krankheit hat. Er geht in ein Sanatorium, und Frederike hofft auf seine Genesung. Doch als er stirbt, steht Frederike vor den Trümmern ihres Lebens. Allein und ohne eigenes Vermögen muss sie das Gut mit der großen Trakehnerzucht bewirtschaften. Jahre der Verzweiflung und Einsamkeit folgen, bis sie Gebhard von Mansfeld kennenlernt. Ganz langsam gelingt es ihr, wieder an das Glück zu glauben. Doch dann kommt Hitler an die Macht, und plötzlich weiß Frederike nicht, ob sie und ihre Liebsten noch sicher sind. 

Das meint Histo-Couch.de: „Das Leben einer Gutsherrin“93Treffer

Rezension von Annette Gloser

Ostpreußen, 1930: Verzweifelt fährt Frederike von Stieglitz zu Mutter und Stiefvater. Mit der Mutter mag sie nicht reden, denn ihr gibt Frederike die Schuld an ihrer schwierigen Situation. Aber die junge Frau braucht die Hilfe des Stiefvaters. Ihr Ehemann Ax hat Tuberkulose und kämpft in einem Schweizer Sanatorium um sein Leben. Frederike steht mit der Leitung des riesigen Gutes Sobotka allein da, denn der Verwalter sympathisiert mit den Nazis und wirtschaftet das Gut zugrunde. Aber Frederike gelingt es, die Achtung ihrer Angestellten zu erwerben und dafür zu sorgen, dass Sobotka wieder schwarze Zahlen schreibt. Dann jedoch stirbt Ax und Frederike steht vor dem Nichts, denn sie kann das Gut nicht erben. Nur leben und arbeiten darf sie hier, aber sie könnte keine neue Ehe eingehen oder eine Familie gründen. Zudem ziehen am Horizont dunkle Wolken auf, denn Hitler wird für immer mehr Menschen zum Retter der Nation. Die NSDAP wird stärker und stärker. Frederike ist sicher: Kommen die Braunhemden an die Macht wird Deutschland in den nächsten Krieg steuern. Und dennoch sucht sie weiter ihr persönliches Glück. Als sie Gebhard zu Mansfeld kennenlernt öffnet sich für Frederike die Tür zu einem neuen Leben. Um sie herum jedoch verfallen die Menschen dem braunen Wahn und bald ist klar, dass sich die große Katastrophe nicht mehr aufhalten lässt.

Nah an der Realität

Der zweite Teil der Romanreihe um Frederike von Weidenfels umfasst die Jahre 1930 bis 1944. Die unkonventionelle und fleißige junge Gutsherrin wird in schwierige Lebenssituationen gestellt. Ihre Beharrlichkeit, ihr Lebensmut und ihre zutiefst humanistische Haltung, nicht zuletzt auch ihr Pragmatismus, machen sie zu einer sympathischen Protagonistin, die man gerne auf ihrem Weg begleitet, mit der man bangt, mit der man leidet und mit der man sich freut. Dabei hat sich Autorin Ulrike Renk sehr nah an die historische Realität gehalten. Spätestens wenn Gebhard sich als „Freiherr Gebhard Gans Edler zu Mansfeld“ vorstellt fällt zumindest bei jenen Lesern der Groschen, die sich mit der Geschichte der Mark Brandenburg ein wenig auskennen. Hier kann nur die Familiengeschichte der Edlen Gänse zu Putlitz eingeflossen sein und schließlich war auch ein Graf Gebhard von Mansfeld zumindest der Sage nach sozusagen der Stammvater der „Gänse“. Und die Autorin verweist auch selbst darauf, dass die Familie zu Putlitz ihr viel über die Familiengeschichte erzählt hat und die Erlaubnis gab, diese im Roman mit zu verarbeiten. So erkennt man dann auch sehr schnell jene Orte, an denen die Handlung des Romans spielt. Ebenso zeigen einige Protagonisten der Familie Mansfeld eine auffällige Ähnlichkeit mit historischen Persönlichkeiten der Familie zu Putlitz. Dies ist gewollt und wurde, wie die Autorin im Nachwort darlegt, auch ganz bewusst so gestaltet. Dem Roman tuts gut. Dem Leser wird eine sehr starke Authentizität übermittelt, man spürt die dramatische Atmosphäre jener Zeit geradezu auf der Haut. Dennoch: Die Jahre der Schwalben ist keine Familienchronik, sondern ein Roman, in dem sich wahre Geschichten und Fiktion mischen.

Harter Alltag, harte Zeiten                                                                                                                     

Ganz offenbar hat Ulrike Renk umfassend recherchiert, denn dieser Roman glänzt mit so vielen interessanten Details aus dem täglichen Leben auf den Gutshöfen, dass er schon allein dadurch spannend wird. Frederikes dramatische Geschichte und die Apokalypse des aufziehenden Krieges im Hintergrund bieten hierfür die Basis. Hier wird man nicht vordergründig mit Politik überfallen, aber dennoch ist man ständig mit ihr konfrontiert. Im Leben der Gutsbesitzer, sei es in Ostpreußen oder auch in der Prignitz, geht es nicht ohne Politik, sie spielt in jeden Bereich der Gutswirtschaft hinein. Es wird begreifbar, warum so viele Menschen – gerade in Ostpreußen – die Nazis wählten. Die vielen Einzelheiten jedoch sind regelrechte Glanzpunkte und schenken einen oft überraschenden Einblick in das Leben jener Menschen, von denen mancher glaubte, sie wurden mit einem goldenen Löffel im Mund geboren. Man erfährt, wie so ein Gut eigentlich funktionierte, welche Aufgaben jeder hatte, wie wichtig bestimmte Traditionen waren. Solche Genrebilder sind die Ruhepunkte des Romans, aber sie bringen die eigentliche Handlung nicht ins Stocken sondern bereichern sie. Dazu kommen lebendige Dialoge und lebensnahe und vielschichtige Charaktere bei den Protagonisten. Die Handlung nimmt schon auf den ersten Seiten Fahrt auf, wird spannend und bleibt es auch bis zum Schluss. Natürlich ist kein Leben nur einfach hochdramatisch ohne Pause, auch nicht in diesem Roman, und das ist auch gut so. Schließlich braucht man als Leser immer mal wieder ein wenig Muße zwischendurch. Und Frederike und Gebhard haben zum Glück auch ihre guten Zeiten miteinander. Man gönnt sie ihnen von ganzem Herzen.

Eine großartige Fortsetzung

Die Jahre der Schwalben ist eine wunderbar gelungene Fortsetzung des Romans Das Lied der Störche. Dieser Roman bietet interessante historische Fakten, Spannung, Alltägliches und große Dramen, ein bewegendes Sujet und sympathische Helden. Zusammengenommen also eigentlich alles, was ein guter historischer Roman braucht. Der Aufbau Taschenbuch Verlag steht eben für literarische Qualität, auch in diesem Fall. Das Nachwort der Autorin sei an dieser Stelle ausdrücklich zur Lektüre empfohlen. Man sollte den ersten Teil gelesen haben, aber Die Jahre der Schwalben kann durchaus auch für sich stehen und man schafft als Leser problemlos den Einstieg. Ein ausgesprochen empfehlenswerter Roman, nicht nur für brandenburgische Lokalpatrioten und Heimatforscher. 

Ihre Meinung zu »Ulrike Renk: Die Jahre der Schwalben«

dorli zu »Ulrike Renk: Die Jahre der Schwalben«16.11.2017
„Die Jahre der Schwalben“ ist der zweite Band von Ulrike Renks Ostpreußensaga und schließt fast nahtlos an den ersten Teil an. Diese Etappe der Saga beginnt im Frühjahr 1930 - Frederikes Mann Ax ist mittlerweile nach Davos gereist, in der Hoffnung, dass man dort seine Tuberkulose heilen kann - und endet im November 1944, als das Kriegsende zwar nah ist, die Schrecken der nationalsozialistischen Regierung für Frederike und ihre Lieben aber noch kein Ende gefunden haben.

Ulrike Renk nimmt den Leser in diesem auf wahren Begebenheiten beruhenden Roman mit auf eine fesselnde Zeitreise. Sehr anschaulich erzählt die Autorin vom Alltag und den Lebensumständen auf den Gütern in Ostpreußen und in der Prignitz. Alles, was die Bewohner beschäftigt und bewegt, fließt in die Handlung ein. Man erlebt die vielen aufregenden und einschneidenden Momente intensiv mit und kann sich daher bestens in die damalige Zeit und die Lage der Menschen einfühlen.

Für Frederike ist eine Welt zusammengebrochen, nachdem sie von der schweren Krankheit ihres Mannes erfahren hat. Plötzlich liegt eine riesige Last auf ihren Schultern. Sie muss mit gerade einmal Anfang zwanzig alleine ein großes Gut führen. Eine wahre Flut von Aufgaben bricht über sie herein, es gilt zahlreiche Problem zu lösen und gewichtige Entscheidungen zu treffen.

Sehr mitreißend schildert die Autorin den Zwiespalt, in dem ihre Hauptprotagonistin steckt. Auf der einen Seite die Verantwortung und die Pflichten, die jetzt Frederikes Leben bestimmen und denen sie trotz allem gerecht werden möchte, auf der anderen Seite ihre Wünsche und Träume, die sie für unbestimmte Zeit hintanstellen muss. Frederike lässt sich trotz aller Sorgen und Nöte jedoch nicht entmutigen und versucht stets, das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Neben der Familiengeschichte und einer guten Portion Romantik nimmt auch die politische Entwicklung einen wichtigen Part ein. Auch hier zeigt sich, wie hervorragend die Autorin in der Lage ist, dem Leser die vorherrschende Stimmung zu vermitteln. Schon in den ersten Kapiteln spürt man, dass für die Akteure Zeiten anbrechen, die nichts Gutes verheißen. Die Lage im Land wird immer bedrohlicher und radikaler, die allgemeine Stimmung aggressiver. Der Vormarsch der NSDAP beeinflusst den Alltag auf den Gütern und auch die dann folgenden Wirren des Krieges machen vor Frederike und ihrer Familie nicht Halt.

„Die Jahre der Schwalben“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert. Die fesselnde, spannend erzählte Mischung aus wahrer Familiengeschichte und fiktiver Handlung hat mir nicht nur kurzweilige Lesestunden beschert, sondern mich auch lebensnah an einem Stückchen deutscher Geschichte teilhaben lassen. Absolute Leseempfehlung!
hasirasi2 zu »Ulrike Renk: Die Jahre der Schwalben«04.11.2017
„Ich bin krank Freddy. Was interessiert mich da das Gut?“ (S. 177)
Freddy ist erst 20, als sie ihre Jugendliebe Ax zu Stieglitz heiratet. Leider haben er und ihre Mutter (die diese Ehe unbedingt wollte) ihr verschwiegen, dass Ax als Jugendlicher TBC hatte und diese nun wieder ausgebrochen ist. Jetzt steht sie allein mit dem großen Gut da. Das Personal nimmt sie kaum ernst, denn Ax kurt seit Jahren in Davos und am Toten Meer. Was zu Hause passiert, interessiert ihn nicht – dafür hat er ja Freddy geheiratet! Trotzdem hält sie lange zu ihm. Erst als sie Rudolph von Hauptberge nach Jahren wiedertrifft, wird ihr klar, was ihr durch diese Josephs-Ehe alles entgeht – ein normales Eheleben, körperliche Nähe, Kinder. Aber sie hält zu ihrem Mann, bis er sie wissentlich ansteckt und stirbt. Da Freddy das Gut verlieren würde, wenn sie wieder heiratet und auch Rudolph inzwischen gebunden ist, bleibt sie die nächsten Jahre allein. Mit Gebhard zu Mansfeld kommt die Liebe dann doch wieder in ihr Leben. Alles könnte gut werden, aber da kommt Hitler an die Macht.

„Die Jahre der Schwalben“ ist die Fortsetzung von „Das Lied der Störche“ und der zweite Teil der Trilogie von Ulrike Renk. Er umfasst die Jahre 1930 bis 1944. Obwohl ein dreiviertel Jahr zwischen den Bänden liegt, ist man sofort in der Geschichte drin – so als hätte man Freddy und die anderen nie im Buch zurückgelassen.

Freddy ist eine junge Frau, zerrissen zwischen Pflicht und Liebe. Aber sie wächst an ihren Aufgaben und mit dem Gut zusammen. Aus dem unbekümmerten jungen Mädchen wird sehr schnell eine feinfühlige und strenge, aber gerechte Gutsherrin. Sie geht mit dem Fortschritt und findet es eigentlich ganz gut, dass Ax nicht da ist, um ihr reinzureden. „Dennoch war dies nicht ihr Zuhause, irgendwie war sie immer noch Gast eines unsichtbaren Gastgebers. Ax war wie ein Geist – nicht da, aber ständig präsent.“ (S. 136). Auch ihr Traum von einer großen Familie lässt sich mit nicht verwirklichen.
Zu Beginn hat man noch Mitleid mit Ax, aber das schlägt schnell um. Er wird immer unleidlicher und uninteressierter an ihr und dem Gut. Sie soll hübsch aussehen und repräsentieren. Und ihm natürlich irgendwann Erben schenken.
Eine große Stütze in dieser Zeit ist Freddy ihr Stiefvater Erik, der ihr immer wieder unter die Arme greift. Auch ihre Jugendfreundin Thea steht ihr bei und redet ihr immer wieder gut zu, ein eigenes Leben zu leben: Es ist nichts dabei, sich mit anderen Menschen zu treffen .. Mit dem Ehering hast Du nicht automatisch auch Handschellen angelegt bekommen.“ (S. 68). Leider wurde sie mir (und Freddy) im Laufe der Handlung immer unsympathischer, da sie immer mehr auf Großgrundbesitzerin machte und mit Hitler sympathisierte.
Auch Freddys Mutter Stefanie ist eine Protagonistin gibt, die man aus vollstem Herzen hassen kann – sowas finde ich ja immer toll. Sie steht so gut wie nie hinter ihrer Tochter, wettert gegen Gebhard zu Mansfeld und ist von Hitler und dessen Ideologie total verblendet. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter erkaltet zusehend.

Sehr lebendig, anschaulich und extrem fesselnd schildert die Autorin das Leben auf den verschiedenen Gütern und das Erstarken des Nationalsozialismus und seine Auswirkungen. Obwohl man als Leser natürlich weiß, dass Hitler an die macht und der 2. WK kommt, fiebert man trotzdem mit Freddy und den anderen mit und hofft bis zuletzt, dass alles anders wird. Vor allem die letzten 100 Seiten sind mir ganz schön an die Nieren gegangen.
Mein heimlicher Held ist übrigens Caspar zu Mansfeld – ich verrate allerdings nicht warum, das müsst ihr schon selber nachlesen! Und auch dieser Band endet wieder mit einem ganz fiesen Cliffhanger ...

Mein Fazit: Das Buch ist ein echter Pageturner - ich bin hin und weg! Ganz großes Kino! Hoffentlich wird die Zeit bis zur Fortsetzung nicht so lang.
mabuerele zu »Ulrike Renk: Die Jahre der Schwalben«03.11.2017
„...Ich urteile nach Können und nicht nach Rasse...“

Wir schreiben das Jahr 1930. Frederike besucht die Familie in Ostpreußen. Sie braucht Hilfe auf ihrem Gut, denn ihr Mann Ax wird immer noch wegen seiner Tuberkulose in Davos behandelt. Natürlich sind die Spannungen zwischen Frederike und ihrer Mutter mit den Händen greifbar, denn im Gegensatz zu Frederike wusste ihre Mutter von Ax` Krankheit.
Das Buch ist der zweite Teil einer Familien-Saga. Es schließt sehr zeitnah an den ersten Teil an. Die Geschichte lässt sich zügig lesen und hat mich schnell wieder in ihren Bann gezogen. Ich darf Frederikes Leben bis ins Jahr 1944 verfolgen.
Frederike wurde nach ihrem Hochzeit sinnbildlich ins kalte Wasser geworfen. Sie ist noch nicht volljährig, muss aber ein großes Gut leiten. Glücklicherweise greifen ihr ihr Stiefvater Erik und ihre Tante Edeltraud kurzfristig unter die Arme. Nur Stefanie, ihre Mutter, bleibt selbstherrlich und egoistisch.
Der Schriftstil des Buches ist ausgewogen. Detailgenau wird das Leben auf dem Gut beschrieben. Genauso intensiv werde ich über die politischen Entwicklungen informiert. Der Inspektor auf Ax` Gut ist schon 1930 ein strammer Nazi. Er versucht, Frederike seine Entscheidungen aufzuzwingen. Erik allerdings setzt ihn kurzerhand vor die Tür. Das Überleben eines Gutes ist wichtiger als Politik. Obiges Zitat stammt von dem neuen Inspektor, der aus adligen Haus stammt, aber sich als dritter Sohn eine Arbeitsstelle suchen muss. Seine Frau ist ein konvertierte Jüdin. Dass schränkt seine Arbeitsmöglichkeiten ein. Die unterschiedlichen politischen Ansichten spalten Familien.
Während Erik und Frederike hoffen, dass die NSDAP keine Chance hat, versprechen sich die meisten Gutsbesitzer in Ostpreußen und Schlesien von Hitler eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation. Auf deren Seite steht auch Stefanie.
Ein Besuch bei Thea in Berlin ist für Frederike ein Aufatmen in ihrer schwierigen Lebenslage. 1930 präsentiert sich Berlin noch weltoffen. Das aber sollte sich bald ändern.
Während der Kriegsjahre ist selbst auf den Gütern des Adels das Leben mit Einschränkungen verbunden. Steckrübensuppe gehört zum Alltag. Hinzu kommt, das man sich jedes Wort zweimal überlegen muss, denn Verrat hat Hochkonjunktur. Auch bei der Behandlung von Kriegsgefangenen, die den Gutsbesitzern zugewiesen werden, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Frederike hat in ihren ersten Ehejahren gelernt, schwierige Situationen durchzustehen und selbst Hand anzulegen. Das kommt ihr nun zugute. Menschlichkeit siegt über Hass und Fanatismus.
Vielfältige Informationen sind in der Handlung eingebettet. So werde ich über eine mögliche Impfung gegen Tuberkulose informiert. Für Ax allerdings kommt sie zu spät, denn sie ist nur kurz nach der Infektion wirksam. Durch Caspar zu Mansfeld erhalte ich einen Einblick in die Verschwörung gegen Hitler vor Kriegsausbruch. Außerdem hat er als Diplomat Einsicht in die internationale Politik. Fritz von Fennhusen, Frederikes Halbbruder, lässt sich als Pilot ausbilden. Seine Vorstellung von der Entwicklung der Flugzeugindustrie in Friedenszeiten kommen der Realität sehr nahe.
Der Cliffhanger vor dem dritten Teil ist heftig.
Ein ausführliches Personenverzeichnis und ein sehr informatives Nachwort ergänzen das Buch.
Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. In einer spannenden Handlung und anhand sehr persönlicher Schicksale wird ein dunkles Stück deutscher Geschichte beleuchtet.
Gelinde zu »Ulrike Renk: Die Jahre der Schwalben«03.11.2017
Die Jahre der Schwalben, von Ulrike Renk

Cover:
Sehr schön der Geschichte angepasst und mit hohem Erkennungswert.

Inhalt:
In der Hochzeitsnacht erfährt Freddy dass ihr Mann Ax schwer an Tuberkulose erkrankt ist. Er geht nach Davos in ein Sanatorium und sie hoffen auf Genesung.
Doch die lässt auf sich warten und Freddy ist mit knapp 20 Jahren und einem riesigen Gut, auf dem sie niemand ernst nimmt und sie keinerlei Unterstützung hat, alleine.
Jahre der Einsamkeit und Verzweiflung folgen.
Wird es ihr auf Immer versagt bleiben, die Liebe kennen zu lernen und Kinder zu haben oder je Mutter zu sein?
Weitere Schatten wirft die Politik um den an Einfluss und Macht gewinnenden Hitler voraus.
Wird sich Freddy ihre Menschlichkeit bewahren können und gegen die „brauen“ Ansichten handeln können?

Meine Meinung:
Ich kann wieder nur sagen: Ein Buch das mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat.

Der Einstig geht nahtlos dort weiter, wo das erste Buch „Das Lied der Störche“ (das mir auch super gefallen hat) aufgehört hat. Doch ich denke man kann es auch ohne Kenntnisse des ersten Buches lesen, wenn ich es auch als ein Versäumnis ansehen würde wenn man das Buch nicht liest.

Der Schreibstil ist wieder brillant, spannend und fesselnd.
Es liest sich absolut flüssig, und die Personen und Handlungen sind genial beschrieben. Ich bin mitten in der Handlung dabei und habe mit gezittert, mit gehofft und mitgelitten.
Glück und Trauer, Bangen und Hoffen, Menschlichkeit sowie die Schatten die die schreckliche Nazizeit vorauswirft, werden berührend und sehr emotional geschildert.
Ich liebe die eingestreuten Dialektpassagen, dadurch wirkt es noch realistischer und diese besondere Wärme kommt zum Ausdruck.

Freddy ist eine Hauptprotagonistin wie man sie sich nicht besser wünschen könnte. Sie ist ein Mensch durch und durch, mit all ihren Problemen, ihren Sehnsüchten und ihren Schwächen. Sie wächst aber an ihren Aufgaben und wird zu einer starken, willensstarken und „modernen“ Frau.

Ich habe jede der gut 500 Seiten genossen und hätte gerne noch 200 mehr gelesen. Ich fiebere jetzt schon dem 3. Teil „Die Zeit der Kraniche“ entgegen.

Autorin:
Ulrike Renk, geb. 1967, studierte Literatur und Medienwissenschaften und lebt mit ihrer Familie in Krefeld.

Mein Fazit:
Ich kann mich nur wiederholen:
So berührend, so bewegend, so emotional, so mitreißend, so lebendig, so wunderbar.
Ein tolles Buch, das auf wahren Begebenheiten beruht und bei dem der historische Hintergrund (tolle Recherche) perfekt zu einer spannende Familiensaga verknüpft wird.
Von mir eine klare Kauf- und Leseempfehlung und von mir 5 Sterne, wenn ich könnte noch mit * zusätzlich.
Mohnblume zu »Ulrike Renk: Die Jahre der Schwalben«03.11.2017
Eine Facettenreiche Ostpreußische Familiensaga
von Arietta
Meine Meinung :
Zur Autorin:
Ulrike Renk hat mich mit ihrem 2. Band der Ostpreußischen Familientrilogie mehr als sehr begeistert, wie schon beim 1. Teil klebte ich förmlich an den Seiten und fieberte mit Frederike und den anderen Figuren mit. Erlebte mit ihnen Freud und Leid, lachte und weinte mit ihnen. Eine Geschichte die mich sehr mitgenommen und aufgewühlt hat, und trotzdem nicht missen möchte. Sehr gut hat sie die 30er Jahre wiedergegeben, den Nationalismus, die SS, die Machtergreifung Hitlers, die Rolle der Frau. Man spürte die Angst der Menschen, vor den Schergen Hitlers, das man keinem mehr richtig trauen konnte, den es gab Spitzel, man war sich nicht mehr sicher. Der Ausbruch des zweiten Weltkriegs mit all seinen folgen und Repressalien, die Zwangsarbeiter, als war sehr ausführlich wiedergegeben. Da die Geschichte auf wahren Begebenheit beruht, hat sie Wahrheit und Fiktion gekonnt mit einander verknüpft. Ihr Schreibstil ist Klar, Kraftvoll, sehr Bildhaft und mitreißend. Bei all ihren Protagonisten beweist sie viel Fingerspitzengefühl, und gewährt uns tiefe Einblicke in deren Seelenleben und lässt uns teilhaben an ihren Gefühlen. Auch die einzelnen Charaktere sind gut herausgearbeitet, und man lernt deren wirklich wahren Charakter kennen. Die einen habe ich geliebt, die anderen gehasst. Die Geschichte war einfach Fantastisch mit einem facettenreichen großen Historischen Hintergrund.

Zum Inhalt:
Sehr gut konnte ich mich in Frederike „ Freddy“ hinein versetzen. Eine junge Frau von 20 Jahren, die man um ihr Glück betrogen hatte. Ax, ihr Mann ist schwer Krank, er hat Tuberkulose und das erfährt sie ausgerechnet in ihrer Hochzeitsnacht. Das schlimme ist, ihre Mutter Stefanie wusste davon, und hat ihre Tochter wissentlich ins Unglück rennen lassen. Ich konnte sehr gut nachvollziehen das sie dafür ihre Mutter hasste. Ax, geht nach Davos und später zum roten Meer, um Heilung zu suchen. Er ist ein verbitterter Mann geworden, der kein großes Interesse an seinem Gut zeigt, im Gegenteil er lädt die ganze Last und Verantwortung auf die Schultern von Freddy ab. Was tat es mir so gut das ihr Stiefvater Erik zum Gut von Freddy reiste um ihr unter die Arme zu greifen, wenigsten für den Anfang. Ich habe Freddy bewundert wie sie sich so langsam durchsetzte und es meisterte. Anerkennung und Lob von Ax, kam nicht. Als er zurück zum Gut als angeblich geheilt zurückkehrte, setzte er Freddys Leben aus Spiel, den er braucht einen Erben. Als Ax, starb war Frederike 24 Jahre, eine Witwe die das Gut an Ax Cousin in nächster Zeit abgeben muss. Gut das es ihre Freundin Thea in Berlin gibt, die baut Freddy wieder auf und macht sie mit Gebhard Mansfeld bekannt. Es scheint doch noch Glück für sie zu geben. Gebhard ist für mich ein Mann, der Frederike Respekt und Anerkennung zollt,für das was sie geleistet hat, sie aufrichtig liebt, ihr Geborgenheit gibt. Dieser Mann ist das Gegenteil von Ax, ich habe ihn ins Herz geschlossen wie Freddy. Eine Glückliche Zeit beginnt für die beiden und ihre kleine Familie, bis Hitler endlich an die Macht gerät und der zweite Weltkrieg ausbricht, da geraten sie in große Gefahr und sind nicht mehr sicher..................
StephanieP zu »Ulrike Renk: Die Jahre der Schwalben«02.11.2017
Kurz nachdem Frederike und Ax geheiratet haben erfährt die junge Frau, dass ihr Mann schwer krank ist. Er geht für lange Zeit in ein Sanatorium und Frederike muss sich während dieser Zeit um das Gut ihres Mannes kümmern. Als ihr Mann seiner Krankheit erliegt steht die junge Frau vor den Trümmern ihres Lebens, doch sie verzweifelt nicht an dem Schicksalsschlag. Frederike heiratet erneut und gründet mit ihrem neuen Partner Gebhard eine Familie. Doch auch dieses Glück ist nicht von Dauer. Bald kommt Hitler an die Macht und der zweite Weltkrieg beginnt.
Ulrike Renk ist es mit ihrem fesselnden und flüssigen Schreibstil gelungen einen wirklich lesenswerten Roman zu verfassen. Die Handlung ist gut durchdacht und sehr logisch. Die bildliche Schreibweise ermöglicht es dem Leser komplett in Handlung einzutauchen. Die sehr authentischen und oftmals emotionalen Szenen konnten mich sofort in ihren Bann ziehen und ich musste mit den einzelnen Protagonisten oftmals mitleiden und mitfiebern. Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist das offene Ende, schließlich muss ich jetzt ein halbes Jahr warten um zu erfahren wie es weitergeht.
Da sich die Handlung des Buches über mehrere Jahre erstreckt führt die Autorin jeweils zu Kapitelbeginn die aktuelle Jahreszahl an. Dadurch kann der Leser die geschichtlichen Geschehnisse besser einordnen.
Die einzelnen Kapitel sind logisch aufgebaut, wodurch unnötige Längen und Wiederholungen vermieden werden können. Die Handlung konnte mich gleich zu Beginn fesseln und es fiel mir schwer das Buch wegzulegen. Besonders gelungen fand ich die Verknüpfung der sehr interessanten historischen Fakten, den zum Teil sehr liebenswerten Charakteren und dem emotionalen Leben von Frederike.
Die Charaktere sind sehr authentisch und bildlich beschrieben. Als Leser kann man sich schnell ein Bild machen und Sympathie oder Antipathie entwickeln. Vor allem Frederike, Rudolph und Gebhard waren mir sofort sympathisch, was zur Folge hatte, dass ich das ganze Buch mit ihnen mitfiebern musste. Aber auch die anderen Protagonisten werden ebenso ausführlich beschrieben. Besonders gut gefallen hat mir, dass Dialoge immer wieder im Dialekt verfasst wurden. Dies hat die Handlung besonders authentisch gemacht, den Lesefluss allerdings in keinster Weise beeinträchtigt.
„Die Jahre der Schwalben“ ist bereits der zweite Teil rund um Frederike. Ich persönlich finde, dass der aktuelle teil seinem Vorgänger in nichts nachsteht und diesen sogar in der Emotionalität nochmals übertrifft. Ich freue mich bereits jetzt auf die Fortsetzung. Aber auch ohne den ersten Teil „Das Lied der Störche“ zu kennen, kann ein Leser sofort in die Handlung einsteigen und dieser ohne Probleme bis zum Ende folgen.
FAZIT:
„Die Jahre der Schwalben“ überzeugt durch liebenswerte Protagonisten, einer fesselnden Handlung und großer Emotionalität. Zudem schafft es die Autorin die geschichtlichen Fakten rund um Hitler, den Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg sehr gelungen in die Handlung einzubauen.
leseratte1310 zu »Ulrike Renk: Die Jahre der Schwalben«29.10.2017
Frederike ahnt schon sehr früh, dass sie auf Gut Fennhusen keine Zukunft haben wird, denn das wird die Heimat ihrer Stiefgeschwister sein. Auf Betreiben ihrer Mutter heiratet sie Ax, zu dem sie sich allerdings als Kind schon hingezogen fühlt. Doch bei der Hochzeit weiß sie noch nicht, dass ihr Mann an Tuberkulose erkrankt ist. Während er ins Sanatorium geht, muss sich Freddy um das Gut und Gestüt Sobotka kümmern. Frederike hofft, dass Ax wieder gesund werden wird, aber er stirbt. Da sie aber keine Erfahrung hat, wie so ein Gut bewirtschaftet wird, holt sie sich zunächst Rat bei ihrem Stiefvater. Doch schon bald meistert sie ihre Aufgaben. Dann lernt sie Gebhard von Mansfeld kennen.
Ich habe bereits den Vorgängerband „Das Jahr der Störche“ gelesen und bin wieder genauso begeistert wie zuvor. Der wundervolle Schreibstil trägt genauso dazu bei wie die tolle Darstellung von Land und Leuten. Hin und wieder gibt es ein wenig ostpreußischen Dialekt, was alles noch authentischer macht.
Die sympathische Frederike war schon immer wissbegierig und verantwortungsvoll. Das alles kommt ihr in dieser schwierigen Zeit zugute. Auch der Umgang mit anderen Menschen fällt ihr leicht. Aber die Zeiten sind schwierig und Freddy hat es nicht leicht. Wie die politische Lage in den dreißiger Jahren war, ist wohlbekannt, und dann kommen die schweren Kriegsjahre. Auch das ist sehr realistisch dargestellt.
Stefanies Verhalten kann ich zwar nachvollziehen, weil sie eigentlich das Beste für ihre Kinder will, aber sie wirkt immer so gefühllos. Wie konnte sie Freddy in diese Ehe drängen, obwohl sie wusste, dass Ax todkrank ist. Zum Glück ist Erik von Fennhusen ein so liebenswürdiger Mensch, der sich immer um Frederike gekümmert hat, als wäre es seine leibliche Tochter.
Es gibt eine ganze Reihe von Charakteren, die alle sehr liebevoll und authentisch beschrieben sind, so dass man sie sich sehr gut vorstellen konnte. Ich habe Freddy von Anfang an ins Herz geschlossen und bin schon gespannt, wie es ihr weiter ergehen wird, daher ist der nächste Band „Die Zeit der Kraniche“ ein absolutes Muss für mich.
Ich kann nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen.
Ihr Kommentar zu Die Jahre der Schwalben

Hinweis: Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen. Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre. Werbung ist nicht gestattet.