Die Bestie im Turm von Tom Wolf
Buchvorstellung und Rezension
Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel „Die Bestie im Turm“, , 258 Seiten. ISBN 3-434-52826-1.
Kurzgefasst:
Goslar, 1527: Heinrich der Jüngere, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, fordert von der freien Reichsstadt die Anteile am silber-, blei- und kupferreichen Rammelsberg wieder zurück. Die Stadt wehrt sich erbittert, um nicht die Quelle ihres Reichtums zu verlieren. Mühevoll ist es dem Goslarer Rat gelungen, den Bergbau zu modernisieren und von den Gruben zu profitieren. Diesen Schatz will man nicht kampflos aufgeben. Es kommt zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den städtischen Truppen und den Einheiten des Herzogs. Doch dann wird ein führendes Ratsmitglied, der Metallgroßhändler Ludolf Walberg, morgens tot aufgefunden, von einem Pfeil durchbohrt. War es die Tat eines herzoglichen Schützen? Als der Fernhandelskaufmann Friedrich von Mellnau mit seinem Gehilfen Georg Basler in der Worth Quartier bezieht, wird ihm die frische Mordgeschichte serviert. Als zwei weitere Ratsherren auf mysteriöse Weise sterben, sind viele Leute sicher, dass die im zwölften Jahrhundert eingemauerte Bestie im Turm wieder ihr Unwesen treibt …
Als ob die Bedrohung durch den Herzog und seine Krieger noch nicht genügte. Mellnaus humanistisch geschulter Geist fühlt sich durch den öffentlich verbreiteten Aberglauben herausgefordert und setzt alles daran, die wahren Gründe der Todesfälle zu entdecken. Was als Zeitvertreib neben trockenen Geschäften beginnt, wird rasch zu einer gefährlichen Mission. Mellnau und Basler entgehen mehrfach nur knapp dem Tod. Und auch im Rat betreibt man ihre Abschiebung. Doch so einfach gibt ein Kaufmann und Philosoph nicht auf!
Das meint Histo-Couch.de: „Kein weiterer Preußenkrimi, aber ein detailverliebter Mittelalterroman“
von Jörg Kijanski
Juni 1527: Der Rat der freien Reichsstadt Goslar liegt im Streit mit dem Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, der einst den erzreichen Rammelsberg gegen ein Pfandgeld der Stadt zur Verfügung stellte. Nun hat er das Geld zurückgegeben, doch die Stadtväter wollen den Berg behalten. So ruht die Arbeit in den Bergwerken, was sich auf das gesamte Wirtschaftsleben auswirkt.
Allein der Schacht der Grube Neuwerk fördert noch, sehr zum Verdruss der meisten Einwohner Goslars. Als einer der Bergwerkseigner ermordet aufgefunden wird, hält sich die Bestürzung in Grenzen. Vor allem bei dem Ratsherrn Achtermann, der sich erhofft, von der Auflösung des Kontors des Ermordeten den größten Anteil einzuheimsen. Die Freude wehrt jedoch nur kurz, denn wenig später wird Achtermann erschlagen und stürzt in ein Lichtloch eines Bergstollens. Nur wenig bleibt von seinem Körper übrig.
Bürgermeister Weidemann und seine Ratskollegen werden allmählich unruhig und beauftragen den gerade erst in den Rat der Stadt aufgenommenen Daniel Jobst, die Todesfälle zu untersuchen. Dieser stößt gemeinsam mit seinem Lehrjungen Gregor Geismar auf lang zurückliegende Geschehnisse innerhalb des Stadtrates, während das gemeine Volk einen aus dem Tollkasten entflohenen Mann oder gar den Teufel selbst als Übeltäter vermutet …
Wer sich für die Geschichte des Bergbaus interessiert, kann unbesehen zugreifen
Tom Wolf, bekannt als Autor der erfolgreichen „Preußenkrimis“ (König Friedrich II.), macht also einen Ausflug in die Reichsstadt Goslar. Diese wird bildhaft zum Leben erweckt und zudem erhalten die Leser zahlreiche Informationen über den damaligen Bergbau. Die Ausgangssituation, der Konflikt zwischen Stadtrat und Herzog, findet zwar immer wieder beiläufig Erwähnung, ist aber kaum Gegenstand der Handlung. Vielmehr steht die Suche nach der „Bestie im Turm“ im Vordergrund, die letztendlich zwar keineswegs enttäuschend, aber auch nicht allzu spektakulär beendet wird.
„Was sollen wir? Kirchen und Klöster niederbrennen? Das wird uns Kopf und Kragen kosten. Das wird uns Seine Heiligkeit, der Papst, niemals durchgehen lassen …Von Seiner Unheiligkeit, dem Kaiser, ganz zu schweigen ...“
Während der Krimiplot sehr wohl hätte spannender ausfallen können, punktet der Autor mit seiner Detailverliebtheit was den historischen Part angeht. Mitunter übertreibt es Tom Wolf jedoch bei seinen Aufzählungen. So liest man über mehrere Zeilen eine Auflistung der zum Harz gehörenden Berge oder deren zahlreiche Schächte. Gerade zum Beginn des Romans wird dem Leser in dieser Hinsicht einiges abverlangt. Hat man sich darauf eingelassen, folgt die Belohnung. In gewohnt souveräner Manier wird man kurzerhand in die damalige Zeit versetzt, in der es mitunter rau zur Sache geht, wie nicht zuletzt die arg entstellten Leichen beweisen.
Kein Meisterwerk, aber als historischer Roman empfehlenswert
Die Geschichte des Bergbaues, die aufkommenden Differenzen zwischen Katholiken und Anhängern eines gewissen Martin Luther, sowie einige in der Vergangenheit liegende Verfehlungen des Stadtrates von Goslar stehen im Fokus der Geschichte. Offenbar sinnt jemand auf Rache, denn die Reihen der Ratsherren lichten sich zunehmend. Dies alles ist durchaus interessant, auch unabhängig von dem lokalen Bezug zu Goslar und so kann „Die Bestie im Turm“ empfohlen werden. An die bereits angesprochenen Preußenkrimis, in deren Mittelpunkt der grandiose zweite Hofküchenmeister Honoré Langustier steht, kommt dieser Roman aber nicht heran und auch Johannes Soyeners Werk „Der Meister des siebten Siegels“, in dem der Bergbau des 16. Jahrhunderts ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, bleibt unerreicht …
Ihre Meinung zu »Tom Wolf: Die Bestie im Turm«
- tassieteufel zu »Tom Wolf: Die Bestie im Turm« 03.08.2008
-
Goslar 1527: Der Rat der Stadt streitet sich mit dem Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel um den erzreichen Rammelsberg, die Arbeit in den Bergwerken ruht seit Monaten und die Stadt steht vor dem Ruin. In dieser schwierigen Zeit werden mehrere angesehene Ratsmitglieder grausam ermordet und Daniel Jobst, frisch
gebackenes Rastmitglied, wird gemeinsam mit seinem Gehilfen Grogor mit den Ermittlungen betraut. Schnell verbreiten sich in der Stadt die Gerüchte um eine mordende Bestie……
Das Buch war für mich auf ganzer Linie eine Enttäuschung, die Personen blieben farblos und ohne jeden Tiefgang, die Atmosphäre von Goslar Anfang des 16. Jh. in dem ja angeblich eine Bestie wütete, konnte vom Autor in keinster Weise vermittelt werden. Trotz ausführlicher Stadtbeschreibungen blieb Goslar genauso farblos wie die Personen und die Ortsbeschreibungen schienen mir ehr als "Füllmaterial" zu dienen als etwas zum eigentlichen Geschehen beizutragen. Durch verschachtelte Sätze und eine bemüht auf alt getrimmte Sprache lies sich das Buch außerdem auch noch recht schwer lesen. Außerdem wäre ein Glosar mit der Erläuterung div. Begriffe aus dem Bergbau angebracht gewesen, nicht jeder Leser kennt sich da aus.
Der Krimifall an sich ist recht verworren und eigentlich kaum nachvollziehbar, ebenso wie die Auflösung.
Fazit: Enttäuschung auf der ganzen Linie und überhaupt kein Vergleich mit den Preußenkrimis des Autors.
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Roman mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern dabei nicht die Spannung. Danke!


