Tanz unter Sternen von Titus Müller

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Tanz unter Sternen“,, 400 Seiten.ISBN 3896674560.

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Kurzgefasst:

Für Nele Stern wird ein Lebenstraum wahr: Als Barfußtänzerin feiert sie ihren ersten Soloauftritt im renommiertesten Varieté ihrer Zeit, dem Berliner Wintergarten. Doch sie fällt beim Publikum als zu prüde durch. Da sie auch in Paris keine Auftrittsmöglichkeiten findet, beschließt sie, nach Amerika auszuwandern: Das Geld reicht gerade noch für eine Fahrt in der 3. Klasse der Titanic. Als sie sich an Bord des Luxusliners zu einem Diebstahl hinreißen lässt, lernt sie Matheus kennen, einen ebenso liebenswürdigen wie hypochondrischen Pastor aus Berlin. Er reist mit Frau und Kind, durchlebt aber offensichtlich gerade eine Ehekrise. Ungeniert flirtet seine Frau, die aus gutem Hause kommt und deren Vater der Hofbankier des deutschen Kaisers ist, mit einem jungen Engländer, der sich höchst verdächtig benimmt. Tatsächlich ist er ein Spion der britischen Krone, und er hat sich keineswegs zufällig auf die Frau des Pastors kapriziert, sondern will über sie an geheime Dokumente des Hofbankiers herankommen. Der Zusammenstoß der Titanic mit einem Eisberg stürzt die Reisenden in einen Mahlstrom aus Wasser und Eis – und setzt Liebe und Freundschaft einer weiteren Zerreißprobe aus.

Das meint Histo-Couch.de: „Viel mehr als nur ein weiteres Aufarbeiten des Titanic-Dramas“90Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

1912: Pastor Matheus Singvogel besteigt mit seiner Frau Cäcilie und dem kleinen Sohn Samuel die Titanic. Der hypochondrische Gottesmann aus Berlin möchte mit der Reise nach Amerika seine Ehe retten. Schon lange merkt er, dass Cäcilie – aus gutem Hause stammend und einigen Luxus gewöhnt – nicht glücklich ist. Mit an Bord ist auch ein geheimnisvoller Engländer, der Cäcilie den Hof macht. Bereitwillig lässt sich Cäcilie auf das Abenteuer ein, nicht ahnend, dass sie damit einem Spion in die Hände spielt. Während sich das Ehedrama der Singvogels in der zweiten Klasse anbahnt, versucht in der dritten Klasse die junge Berliner Tänzerin Nele Stern ihr Schicksal zu meistern. Ihrem ersten Auftritt als Barfuß-Tänzerin war kein Erfolg beschieden und so hofft sie, in New York mit ihrer Kunst einen fruchtbareren Boden zu finden. Während die Titanic ihrem Untergang entgegen steuert, verknüpfen sich die Schicksale der Singvogels und von Nele Stern miteinander.

Es brodelt in der Welt

Einfach ein weiterer Titanic-Roman? Weit gefehlt. Titus Müller siedelt seine Geschichte zwar auf der Titanic an und nutzt auch die Gelegenheit, das wohl berühmteste Schiff aller Zeiten vorzustellen – doch basiert der Roman auf wesentlich tiefgründigeren Fakten. Der Autor nimmt den Geist der Zeit auf und lässt die Leser in eine Phase eintauchen, in der viele einem Krieg entgegen fieberten. Diese Kriegslust ist über den ganzen Roman hinweg eines der tragenden Elemente. Durch die feinfühlige Art, in der das fiebrige Brodeln in die Geschichte eingebaut ist, entsteht aber keineswegs der Eindruck, dass es sich hier um eine Abhandlung über die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs handeln könnte. So ist es letztlich dieser atemlose Hunger nach Leben, nach Entwicklung und auch nach Macht, der das Geschehen beeinflusst, ohne es aber zu ersticken.

Alte Mythen ausräumen

Äußerst souverän geht Titus Müller an den „Mythos Titanic“ heran. Geschickt in den Verlauf der Geschichte eingebaut, finden sich Fakten wieder, die das damals als unsinkbar geltende Schiff näher erklären. Diese Erläuterungen erfolgen jedoch so subtil, dass sie keinen Lehrbuch-Geschmack bekommen und dennoch einigen Aha-Effekt auslösen dürften. Durch die Augen von Samuel, der verbotenerweise durch das Schiff stromert, sieht der Leser die Pracht des Luxus-Dampfers und erfährt nebenbei auch mehr darüber, wie sich das Leben auf dem Schiff gestaltete. Das Buch von Titus Müller kam gerade rechtzeitig auf den Markt – kurz vor dem 100. Jahrestag des Untergangs und damit einer zu erwartenden Fülle von Publikationen. Mit dem hier aufgezeigten – und im umfangreichen Anhang vertieften – Wissen um die tatsächlichen Hintergründe lassen sich wohl manche Veröffentlichungen mit anderen Augen sehen.

Den Menschen nahe

Trotz allem Hintergrund sind es aber doch die Menschen, die dem Roman von Titus Müller Leben verleihen. Glaubwürdig und nachvollziehbar in ihrer Handlung schließen sie Freundschaft mit den Lesern – die einen mehr, die anderen weniger. Obwohl etwa Cäcilie kaum Sympathiepunkte verbuchen kann, bleibt sie menschlich und in ihrer ganzen Art verständlich. Der Autor gibt jedem Charakter gute wie auch weniger gute Seiten auf den Weg, so dass die handelnden Personen in ihrer ganzen Art überzeugen. Ausgesprochen schön ist die Wandlung der einzelnen Personen angesichts der drohenden Situation beim Untergang. Hier treten alle Konventionen in den Hintergrund und es kommen die tatsächlichen Gefühle und Denkweisen zutage. Diese Veränderung fängt Titus Müller gekonnt ein und lässt beim einen oder anderen Leser wohl die Frage aufkommen: Wie hätte ich mich verhalten?

Vom Mittelalter ins 20. Jahrhundert

Tanz unter Sternen ist der erste historische Roman von Titus Müller, der anfangs des 20. Jahrhunderts spielt. Der Autor beweist aber mit diesem Buch, dass er sich durchaus in verschiedenen Epochen zu bewegen vermag, ohne an Aussagekraft zu verlieren.

Der gute Gesamteindruck wird im Übrigen durch die schöne Aufmachung des Buches und einige „Dreingaben“ verstärkt. Angefangen beim Cover, das zum Inhalt des Romans optimal passt über den Querschnitt durch die Titanic auf den Innenseiten bis hin zum erklärenden Anhang wird einiges geboten.

 

Ihre Meinung zu »Titus Müller: Tanz unter Sternen«

Schneewittchen zu »Titus Müller: Tanz unter Sternen«13.04.2015
Eine Ahnung von Krieg schwebt schon über Europa, als die Titanic zu ihrer Jungfernfahrt nach New York aufbricht. Mit an Bord die junge Tänzerin Nele Stern, die in Amerika ein neues Leben anfangen will, der hypochondrische Pastor Matheus Singvogel mit seiner Frau Cäcilie und dem siebenjährigen Sohn Samuel sowie der attraktive, aber undurchsichtige Engländer Lyman Tindale. Der flirtet ungehemmt mit Cäcilie, die nicht ahnt, dass sie nicht zufällig an Bord des Schiffes ist. Denn Lyman ist ein englischer Spion und will die Tatsache nützen, dass Cäcilie die Tochter des einflussreichen Bankiers Ludwig Delbrück ist.
Doch mit dem Untergang der Titanic ist die Geschichte nicht zu Ende, denn Schuld und Tod folgen den Überlebenden immer noch ...

Sorgfältige Recherche ist bei einem historischen Roman unumgänglich und hier hat der Autor wirklich gut gearbeitet. Seine Beschreibung Berlins der Vorkriegszeit, die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe sowie technische Details sind akribisch und perfekt.
Leider wurde aber hier verabsäumt, den Figuren Leben einzuhauchen.
Als Leser erwarte ich von einem Roman über den Untergang der Titanic keineswegs die in zahlreichen Dokumentationen ohnehin fast bis zum Überdruss durchgekauten technischen und zeitlichen Abläufe der Katastrophe. Nein, ich möchte etwas über die Menschen erfahren, die Opfer des Untergangs werden (auch wenn sie nur fiktiv sind!)
Nur ein Beispiel: Als Matheus seine Frau bei einem Abendessen mit dem Engländer ertappt, ergeht er sich mit seinem Nebenbuhler in einem ermüdenden Dialog über die politische Lage Deutschlands und Englands, anstatt seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Ziemlich unglaubwürdig, finde ich! Natürlich ist es gut, wenn Informationen in Form von Dialogen vermittelt werden, aber hier wird es eindeutig übertrieben.
Dadurch vermitteln die Charaktere den Eindruck, als wären sie gefühllos und belehrend und wirken so unsympathisch.

Fazit: Gut recherchiert, aber zu viel davon in die Geschichte gepackt, ansatzweise tolle Atmosphäre, Charaktere blutleer.
Ich hatte mir von diesem Autor mehr erwartet - vielleicht sollte ich ihm mit einem seiner anderen Romane noch eine Chance geben?
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