Schwert und Krone - Meister der Täuschung von Sabine Ebert

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Schwert und Krone - Meister der Täuschung“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 592 Seiten.ISBN 3-426-65412-1.

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Kurzgefasst:

Dezember 1137: Kaiser Lothar ist tot, und sofort bricht ein erbitterter Kampf um die Thronfolge aus. Machtgierigen Fürsten und der Geistlichkeit ist jedes Mittel recht, um den Welfen nicht nur ihren Anspruch auf die Nachfolge streitig zu machen, sondern ihnen auch Bayern und Sachsen zu entziehen. Durch eine ausgeklügelte Intrige gelangen die Staufer, die selbst Jahre zuvor durch Ränke an der Machtübernahme gehindert wurden, in den Besitz der Krone. Konrad von Staufen wird in die Königsrolle gedrängt, obwohl ihm dieser Weg missfällt. Bald muss er erkennen, dass sogar sein Bruder und sein junger Neffe, der künftige Friedrich Barbarossa, ihm nur bedingt die Treue halten. Es beginnt ein jahrelanger Krieg und raffiniertes Intrigenspiel, in dem Welfen, Askanier, Wettiner und viele andere mächtige Häuser mitmischen und auch so manche Frau.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Krone drückt!“85Treffer

Rezension von yvs

Als Kaiser Lothar III. im Jahr 1137 auf einem Italienfeldzug stirbt, bestimmt er seinen Schwiegersohn, den Welfen Heinrich den Stolzen als seinen Nachfolger. Doch die Fürsten des Reiches wählen Konrad von Staufen als neuen König, der als Konrad III. die Nachfolge Lothars antritt. Nicht alle im Reich sind mit dieser Wahl einverstanden, schon gar nicht Heinrich der Stolze, der zu Konrads erbittertem Feind wird und ihm Huldigung und Lehnseid verweigert. Über Heinrich wird die Reichsacht verhängt und er wird zur Herausgabe der Herzogtümer Österreich und Sachsen gezwungen. Doch Konrad und seine Berater haben die Rechnung ohne Heinrich und seine Schwiegermutter, die Kaiserinwitwe gemacht.  

Schon wieder ein Mittelalterroman! Ist der nicht schon längst in der Akzeptanz der Leser vom Aussterben bedroht? Ist diese Epoche denn nicht zuletzt dank der von ganzen Heerscharen von Autoren und Autorinnen bis zum Erbrechen aufgewärmten 08/15-Frauenmärchen mit den ewig gleichen Heldinnen vor verklärter mittelalterlicher Kulisse schon längst von vorn bis hinten abgegrast und durchgekaut? Definitiv nicht, das Mittelalter ist und bleibt eine spannende Zeit und hat uns noch viel zu erzählen. Dazu braucht es aber die richtigen Autoren, die die Mühen aufwändiger Recherchen nicht scheuen, die ihre Romanhandlung möglichst nah an den Quellen gestalten und Lücken mit der eigenen Fantasie passend auffüllen, so wie Sabine Ebert in ihrem neuen Roman. Denn das, was sie ihren Lesern hier präsentiert, ist nicht der tausendste mittelalterliche Histo-Aufguss mit den ewig gleichen austauschbaren Geschichten und Szenarien, sondern ein realistisches Spiegelbild einer äußerst interessanten Zeit.

Schwert und Krone Meister der Täuschung ist der Auftakt einer auf zehn Bände angelegten Reihe zur Geschichte Deutschlands im 12. Jahrhundert. Der Mut der Autorin, dieses anspruchsvolle Projekt in Angriff zu nehmen, verdient größten Respekt und man muss auch dem Verlag gratulieren, sich auf dieses Wagnis einzulassen. So überzeugt dieser erste Band dann auch mit einer hochwertigen Aufmachung und umfangreichen Ausstattung.   

Das Reich ist groß und der König weit

Das 12. Jahrhundert war auch in den deutschen Landen eine bewegte und stürmische Zeit. Kriege und regionale Fehden, Bündnisse, die genauso schnell wieder in Feindschaften münden wie sie geschlossen wurden, der ständige Kampf um Macht und Gebietsansprüche, denn jeder ist sich selbst der nächste und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Das Kompetenzgerangel der Mächtigen wird auf dem Rücken der kleinen Leute ausgetragen, die am meisten darunter zu leiden haben. Sabine Ebert erzählt aber nicht aus deren Sicht, sondern aus der Perspektive der Fürsten. Da marschieren sie auf, die Heinrichs und Konrads und Friedrichs und wie sie alle heißen, die da Rang und Namen haben in den deutschen Landen. Namen, die man irgendwann kaum noch auseinanderhalten kann und mehr als einmal Personenverzeichnis und Stammbäume zu Rate ziehen muss, weil man sich im komplexen Herrscherdschungel bald nicht mehr auskennt, geschweige denn die komplizierten Familienverflechtungen durchschaut. Wohl dem, der hier bereits über ein umfangreiches Hintergrundwissen verfügt, denn der ist klar im Vorteil. Bei dieser Unmenge an Charakteren ist allerdings an eine tiefgründige Figurenzeichnung nicht zu denken, hier wird man die nächsten Bände abwarten müssen.

Unterhaltsamer Geschichtsunterricht

Schwert und Krone ist kein romantisch verklärtes Mittelaltermärchen, sondern ein historischer Roman im besten Sinne des Wortes, in dem Fakten und die Politik jener Zeit die Hauptrolle spielen, verpackt in eine spannende Handlung, die jeden historisch interessierten Leser begeistern wird, dem Durchschnittsleser aber einiges an Durchhaltevermögen abverlangen könnte. Schon der Einstieg in den Roman ist eine Herausforderung und es ist Konzentration gefragt. Zeitlich zwar chronologisch erzählt, sieht sich der Leser mit ständigen Orts- und Perspektivwechseln konfrontiert. Staufer gegen Welfen, dazwischen Adel und Klerus und nicht zu vergessen die Slawen, die in diesem ersten Band jedoch noch keine große Rolle spielen. Und mittendrin der Spielmann Lukian, eine der wenigen fiktiven Figuren und zugleich eine Reminiszenz an die Hebammen-Reihe der Autorin. Lukians Geschichte dient zugleich als roter Faden, auch wenn dieser Handlungsstrang nur bedingt gelungen und Lukians Rolle als Spion nur zum Teil glaubwürdig ist.

Sprachliche Defizite

Dieser erste Band hätte ein Volltreffer werden können, wenn da nicht die gravierenden sprachlichen Defizite wären. Die Denkweisen der Protagonisten sind viel zu modern, die Dialoge entsprechen heutigem Sprachgebrauch. Es gibt keine einheitliche Linie bei den Verwandtschaftsbegriffen und es werden die heute üblichen verwendet, statt der besser in die Zeit passenden alten Begriffe.

Absolut nicht konform mit dem hohen Anspruch, den die Autorin mit ihrer Serie anstrebt, geht der enttäuschend einfallslose Sprachstil, dem es nicht nur an Leichtigkeit, sondern vor allem an einer gehörigen Portion Virtuosität mangelt. Die deutsche Sprache hat definitiv mehr zu bieten als schlichte Sprachgebilde, die eher an einen unbeholfenen Schüleraufsatz erinnern als an das Werk einer erfahrenen Autorin. Was die literarische Qualität der Serie betrifft, ist noch reichlich Luft nach oben und es wäre wünschenswert, wenn die Autorin sich und ihren Lesern auch in puncto Sprache mehr zutrauen würde.  

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