Das Sacher von Rodica Doehnert

Buchvorstellungund Rezension

Das Sacher von Rodica Doehnert

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Das Sacher“,, 336 Seiten.ISBN 3958900437.

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Kurzgefasst:

Wien 1892: Anna Sacher will das aufstrebende Hotel nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes weiterführen. Resolut und gegen alle Widerstände erklimmt die junge Witwe den Platz der Prinzipalin: »I bin der Herr im Haus!« Während Anna Sacher, Zigarre rauchend, umgeben von einer Schar Bullterrier und gemeinsam mit ihrem treuen Personal das Hotel zu einer Legende macht, ringen zwei Paare, die unterschiedlicher nicht sein könnten, in einer Ménage à quatre um seelische Reifung.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Geschichte einer Verführung“84

Rezension von Bettina Weiß

Die Liebe und der Tod ringen um die Menschen im Hotel Sacher. Die Nacht des 28. November 1892 ist schicksalhaft für Gäste und Angestellte des Hotel Sacher, das zu diesem Zeitpunkt noch den Namen Hotel de l’Opera trägt. Der Besitzer des Hotels, Eduard Sacher, hat sich von einer Grippe nicht erholt und liegt im Sterben. Der Hotelbetrieb läuft unterdessen in den Händen seiner Ehefrau Anna Sacher weiter. In der gleichen Nacht treffen zwei Paare im Foyer des Hotels erstmals aufeinander: Der Prinz und die Prinzessin von Traunstein aus Niederösterreich sowie das Ehepaar Martha und Maximilian Aderhold aus Berlin auf Hochzeitsreise. Diese erste Begegnung ist nur kurz, sie wird die Paare allerdings auf Jahre verbinden. In dieser Nacht verschwindet zudem ein elfjähriges Mädchen in den Gassen von Wien auf dem Weg vom Hotel, in dem sie als Putzmädel arbeitet, nach Hause. Sie alle sind unabwendbar miteinander verbunden und die Liebe und der Tod werden ihren weiteren Lebensweg begleiten.

Das Sacher, ein Ort der Verführung

Die Autorin verfolgt die Lebenswege der Protagonisten in sich abwechselnden Erzählsträngen und verwebt diese auf berührende Art und Weise miteinander. So entsteht ein sehr facettenreiches Bild der unterschiedlichen Lebenssituationen und Gesellschaftsschichten. Da ist einerseits das Prinzenpaar Georg und Konstanze von Traunstein, alter österreichischer Adel, gutsituiert aber durchaus mit Hang zu den modernen Ideen des aufziehenden 20. Jahrhunderts. Auf der anderen Seite das junge Ehepaar aus Berlin, die einen Verlag aufbauen wollen und auf der Suche nach Schriftstellern mit neuen Ideen nach Wien reisen. Der jüdische Vater Marthas ist mit ihrer Wahl des Ehemannes nicht einverstanden und so hat sie neben dem Kampf um den Verlag, auch um die Akzeptanz ihres Lebensweges zu ringen. Und schließlich Marie, das verschwundene Mädchen, die in eine ganz eigentümliche Welt gerät, aus der sie sich eines Tages wird befreien müssen.

Das aufziehende neue Jahrtausend wirft seine Schatten voraus

Die Erzählweise in sich abwechselnden Handlungssträngen ist zunächst etwas anstrengend, da die Bilder schnell wechseln und der Lesefluss dadurch etwas ins Stocken gerät. Mit Fortentwicklung der Handlung und den immer enger werdenden Verknüpfungen, lässt dieses Empfinden jedoch nach und die Geschichten nehmen Fahrt auf. Die Charaktere der Hauptpersonen sind vielschichtig gestaltet, ihre Begrenzungen durch die herrschende Gesellschaftsordnung sind spürbar, ebenso aber auch ihre Suche nach dem eigenen Glück und dem Streben nach Freiheit. Sie sind in ihrem Handeln nachvollziehbar und doch in ihrer Zeit gebunden. Aber das Drängen nach Unabhängigkeit ist in allen Protagonisten angelegt und will sich Bahn brechen. So gelingt es Anna Sacher das Hotel nach dem Tod des Ehemannes als Patronin weiter zu führen, Martha wird in ihrem Verlag Entscheidungen treffen und Karrieren begründen und fördern, Konstanze wird in ihrem goldenen Käfig ein Schlupfloch in die Freiheit finden und schließlich wird auch Marie ihren Weg gehen können.

Der Roman zieht seine Spannung aus dem immer wiederkehrenden Aufeinandertreffen und Auseinandergehen der Protagonisten bis zu den finalen Entscheidungen hin. Dabei spielen auch äußere Umstände wie der Tod der Kaiserin Elisabeth und der 1. Weltkrieg eine Rolle. Das Geschehen wird immer wieder von der Liebe und dem Tod kommentiert. Durch diese originelle Idee wird der Abstand des Lesers zu den Protagonisten wieder hergestellt und die Ereignisse wie auf eine Bühne gestellt. 

Insgesamt ein fesselnder Roman über den Untergang einer alten Welt und das Entstehen einer neuen Ordnung. „Über die Sehsucht nach dem einen anderen Menschen und die Suche nach dem Sinne des Lebens.“ (Zitat aus Umschlagseite).  

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