Ralph Giordano

Der deutsche Schriftsteller, Journalist, Publizist und Regisseur Ralph Giordano kam am 20. März 1923 in Hamburg-Barmbek zur Welt und ist der Sohn eines Pianisten und einer jüdischen Klavierlehrerin. Sein Großvater väterlicherseits war Orchesterleiter in Sizilien und als junger Mann nach Deutschland gekommen.

Er besuchte das Johanneumm wo er den späteren Schriftsteller Walter Jens kennen lernte, der sein Mitschüler wurde und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Noch vor seinem Abitur musste er jedoch 1940 das Gymnasium aufgrund der Nürnberger Gesetze verlassen und war mit seiner Familie zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt. Er wurde dreimal durch die Gestapo verhört und konnte aber mit seinen beiden Brüdern und den Eltern in einem Keller in Hamburg-Alsterdorf überlegen, ehe die Briten sie am 4. Mai 1945 befreiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Giordano seine journalistische Tätigkeit bei der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung und machte eine journalistische Ausbildung am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Von 1946 bis 1957 war er Mitglied der KPD, die 1956 verboten wurde. Er schrieb unter dem Namen Jan Rolfs ein Westdeutsches Tagebuch, das 1953 in der DDR beim Verlag Neues Leben erschien. 1955 siedelte er für neun Monate in die DDR über, kehrte aber wieder ernüchtert nach Hamburg zurück.

Im Auftrag des Zentralrats der Juden in Deutschland beobachtete er ab 1958 die beginnenden NS-Prozesse und veröffentlichte 1961 seine Abrechnung mit dem Stalinismus. Von 1961 bis 1988 arbeitete er als Fernsehjournalist vor allem für den NDR und den WDR und produzierte in dieser Zeit mehr als 100 Dokumentationen.

Im Jahr 1982 erschien sein einziger Roman Die Bertinis, der teilweise autobiografisch ist und die Geschichte einer jüdischen Familie erzählt. Giordano hat über 40 Jahre daran gearbeitet. Der Roman wurde 1988 für das ZDF verfilmt. Nach dem Roman wurde auch der Bertini-Preis benannt, der auf Initiative des Hamburger Pädagogen Michael Magunna ausgelobt, der jährlich für Zivilcourage verliehen wird und einen Gesamtwert von 10.000 Euro hat.

Giordanos weitere Bücher sind Sachbücher, hauptsächlich zu Themen wie dem Nationalsozialismus und deren Aufarbeitung und weitere kritische Veröffentlichungen. Hinzu kommen Essays und Kurzgeschichten sowie Artikel und zahlreiche Reden, zu denen er eingeladen wurde. Für die 2008 erschienene Autobiografie von Rochus Misch, Hitlers letztem Leibwächter, schrieb er das Vorwort unter dem Titel Misch – sie werden natürlich noch gebraucht.

Ralph Giordano war dreimal verheiratet und erklärte 2005, dass seine dritte Frau, die 2002 starb, sich durch aktive Sterbehilfe das Leben genommen hätte. Giordano lebte seit 1972 in Köln-Bayenthal und hatte ein Ferienhaus in Irland. Er starb am 10. Dezember 2014 im Alter von 91 Jahren in einem Kölner Krankenhaus an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruches.

Für seine journalistischen Werke und für sein politisches Engagement ist er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, darunter 1990 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2003 den Leo-Baeck-Preis und 2009 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz. Am 27. Januar 2015 wurde ihm posthum – wie mit ihm zu seinen Lebzeiten noch abgesprochen – der Preis für Zivilcourage der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz e. V. in Jülich verliehen.

Historische Romane von Ralph Giordano: