Der Pakt der Flößer von Ralf H. Dorweiler

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Der Pakt der Flößer“,, 528 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Wolfach im Schwarzwald, 1698: Der Flößersohn Jacob brennt darauf, die Welt zu entdecken. Als die Wolfacher mit einer gewaltigen Holzlieferung nach Amsterdam aufbrechen, ist auch er mit an Bord des riesigen Holländerfloßes. Ungezähmte Naturgewalten und skrupellose Widersacher machen die Fahrt zu einem gefährlichen Abenteuer. Doch auf Jacob wartet noch eine andere Herausforderung: die Liebe zur schönen Kaufmannstochter Isabella, die einem Händler aus Amsterdam versprochen ist ...

Das meint Histo-Couch.de: „Eine abenteuerliche Floßfahrt und ein feiger Mord“76

Rezension von Yvonne Schulze

Ralf H. Dorweiler kennt man bisher als Autor badischer Regionalkrimis, mit Der Pakt der Flößer hat er nun seinen ersten historischen Roman vorlegt und wagt sich damit auf ein ganz anderes literarisches Gebiet. Nun wird so mancher Leser erst einmal etwas skeptisch dreinschauen. Wird das gut gehen, wenn sich ein Autor, der bisher literarisch in der Gegenwart unterwegs war, nun in die Vergangenheit begibt und das Abenteuer „historischer Roman“ wagt? Zu oft haben gerade Leser historischer Romane die Erfahrung machen müssen, dass sich solche Ausflüge gerne als der berühmte Schuss entpuppen, der nach hinten losgegangen ist. Nicht so bei Ralf H. Dorweiler, soviel kann schon mal vorweggenommen werden. Interessant ist natürlich die Frage, welchem Thema sich der Autor zuwendet. Entscheidet er sich für die sichere Seite und beschreitet altbewährte Plotpfade, bei denen er nicht viel falsch machen kann oder schlägt er gänzlich neue Wege ein? Wie der Titel schon verrät, wählt der Autor das Flößerhandwerk als Sujet für seinen Roman. Ein Thema, das ihn auf der sicheren Seite bleiben lässt, ihm aber zugleich die Möglichkeit gibt, weniger breitgetretene Plotpfade zu beschreiten. Hinzu kommt, dass er sich für eine Epoche entscheidet, die in historischen Romanen nicht unbedingt en vogue ist.

Die Handlung beginnt im Herbst des Jahres 1697. In Amsterdam wird ein armer Teufel irrtümlich des Mordes an einem reichen Kaufmann beschuldigt und hingerichtet. Lediglich der trinkfreudige Pfarrer Anselm glaubt nicht an dessen Schuld und nimmt den sechsjährigen Sohn des Hingerichteten in seine Obhut. Zur gleichen Zeit arbeiten im Schwarzwald die Wolfacher Flößer an einem wichtigen Auftrag. Ein Amsterdamer Kaufmann hat riesige Mengen Holz geordert, die auf dem Wasserweg vom Schwarzwald nach Amsterdam transportiert werden sollen. Dazu werden aus den Holzstämmen Flöße von gigantischen Ausmaßen gebaut, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Die Fahrt auf dem Rhein ist mit diesen Riesendingern lebensgefährlich und eine große Herausforderung für die Flößer. Zum ersten Mal mit von der Partie sind der Flößersohn Jacob, der eine tragende Rolle spielt, und sein Kaltblüter Jupiter.

Es sind nicht nur Naturgewalten, die dieses Unterfangen zu einer Herausforderung werden lassen. Saboteure, Konkurrenten und andere Widersacher, die keine Skrupel kennen, setzen alles daran, dass die Flöße der Wolfacher nicht rechtzeitig in Amsterdam ankommen. Und während die Flößer auf dem Rhein mit allerlei Unwägbarkeiten kämpfen, geht Pfarrer Anselm dem Mord an dem Amsterdamer Kaufmann nach, wobei er in so manches Wespennest sticht und sich und seinen kleinen Schützling in Lebensgefahr bringt.

Flottes Erzähltempo gepaart mit einigen Längen

Es sind mehrere Erzählstränge, die eine Zeitlang parallel nebeneinander her laufen, bis sie sich irgendwann zu einem Strang vereinen. Dorweiler erzählt durchaus spannend, hält den Spannungsbogen dabei aber nicht zu hoch, sodass die eine oder andere Länge, die sich hier einschleicht, nicht so ins Gewicht fällt. So wie der Rhein bewegt sich auch der Erzählfluss: mal mäandert er träge und gemütlich dahin, wenn sich der Autor in detailverliebten Schilderungen des Flößerhandwerks verliert. Dann wieder rauscht der Erzählfluss stromschnellenartig dahin, wenn Naturgewalten und Vater Rhein mit den Flößen spielen und die Flößer ein ums andere Mal in Gefahr bringen und so manches Menschenleben fordern. Die Gefahren, die so eine Reise für die Flößer mit sich brachte und welches Geschick und jahrelange Erfahrung vonnöten waren, um diese schwimmenden Dörfer an ihren Zielort zu bringen, wird vom Autor sehr gut und bildhaft beschrieben.

Defizite in der Figurenzeichnung

Ein großes Manko ist allerdings die eingleisige Figurenzeichnung, denn der Autor greift bei seinen Charakteren überwiegend in die Schubladen Gut und Böse, es fehlen die Zwischentöne und Grauabstufungen. Besonders Jacob wirkt in seiner fehlerlosen Gradlinigkeit schlichtweg farblos und langweilig, während Pfarrer Anselm eine der wenigen interessant gezeichneten Figuren ist. Gelungen ist auch die weibliche Hauptprotagonistin Isabella, die gemeinsam mit einer Gruppe Beginen als Passagier auf einem der Flöße nach Amsterdam reist, um dort den ihr aufgezwungen Kaufmann zu ehelichen. In Isabella vereinen sich das Streben nach Unabhängig und Selbstbestimmung mit absoluten Gehorsam dem Vater gegenüber. Dorweiler macht aus seiner Protagonistin dankenswerterweise keine emanzipierte Frau des 21. Jahrhundert, sondert lässt sie in den ihr als Frau auferlegten gesellschaftlichen Grenzen ihrer Zeit agieren.

Gelungener Einstand

Dorweilers Debüt auf dem Gebiet des historischen Romans kann man als durchaus gelungen betrachten. Der Pakt der Flößer ist ein handwerklich gut gemachter solider historischer Roman mit braven Helden, typischen Böswichten und tapferen Frauen. Während das Flößerhandwerk mit allen seinen Facetten viel Raum bekommt, bleiben andere historische Ereignisse eher Randnotizen. Dorweilers Fertigkeiten als Autor historischer Romane sind sicher noch ausbaufähig, aber mit diesem Roman hat er schon einmal unter Beweis gestellt, dass er hierzu durchaus Talent hat und man darf gespannt sein, welche Geschichten er für seine Leser noch aus dem Ärmel zaubert.  

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