Tod in der Königsburg von Peter Tremayne

Buchvorstellungund Rezension

Tod in der Königsburg von Peter Tremayne

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „The Monk Who Vanished“,deutsche Ausgabe erstmals 2002, 428 Seiten.ISBN 3-7466-1528-3.

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Kurzgefasst:

Irland im 7. Jahrhundert: Im Kloster Imleach werden seit vielen Jahren die Reliquien des heiligen Ailbe aufbewahrt, die für Irland sowohl religiösen als auch politischen Symbolcharakter tragen. Seit kurzem sind sie verschwunden, ebenso ein Mönch aus der Klostergemeinschaft. Mit Geschick und scharfem Verstand gelingt es Schwester Fidelma und Bruder Eadulf, einer Gruppe von Verschwörern auf die Spur zu kommen, die vor nichts, nicht einmal Mord, zurückschrecken.

Das meint Histo-Couch.de: „Gefährdeter Frieden“90Treffer

Rezension von Annette Gloser

Irland, Königreich Muman, Mitte des 7. Jahrhunderts. König Colgú hat Donennach, den jungen Fürsten der Uí Fidgente, nach Cashel eingeladen. Nach der vernichtenden Niederlage, die Golgú den Uí Fidgente zufügte, soll nun über einen dauerhaften Frieden zwischen den Eóghanacht und ihren aufrührerischen Konkurrenten verhandelt werden. Aber noch bevor die beiden Fürsten die Burg Cashel erreichen, wird auf sie ein Attentat verübt. Beide werden verletzt und beide glauben, der jeweils andere habe den Angriff geplant. Für Colgú steht viel auf dem Spiel, er könnte seine Königswürde verlieren, wenn er seine Unschuld nicht beweisen kann. Ein Schiedsgericht wird einberufen und Colgú beauftragt seine Schwester Fidelma, Nachforschungen anzustellen und seine Unschuld zu beweisen. Die erfahrene Ermittlerin macht sich auf den Weg in das Land der Uí Fidgente, aber schon in der Abtei Imleach wird sie aufgehalten. Denn dort sind die Reliquien des heiligen Ailbe verschwunden und mit ihnen der Mönch, der für ihre Aufbewahrung zuständig war. Bald merkt Fidelma, dass beide Fälle irgendwie zusammen hängen müssen und dass offenbar weder Colgú noch Donennach für den Mordanschlag in Cashel verantwortlich sind.

Ein ungleiches Paar

Tod in der Königsburg ist der siebente Roman über die irische Königsschwester Fidelma und ihren Gefährten Eadulf. Und jeder der Fidelma-Romane gewährt einen ganz besonderen Blick auf das frühmittelalterliche Irland. Der historisch belegte Konflikt zwischen der Familie der Eóghanacht und den Uí Fidgente taucht in einigen dieser Romane auf und erhält in Tod in der Königsburg einen zentralen Stellenwert. Aber hier geht es auch um historische Quellen, auf die sich die Eóghanacht beriefen um ihren Machtanspruch zu untermauern, um Thronfolgegesetze und die Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft. Dies mag sich in einer Rezension langweilig lesen, ist es aber im Roman keineswegs. Mit Fidelma hat Peter Tremayne eine hoch gebildete, lebenskluge junge Ermittlerin ins Rennen geschickt, eine Frau mit vielen Talenten und dem Herzen auf dem rechten Fleck. Was Wunder, dass ihr die Herzen der Leser zufliegen? Bruder Eadulf, ihr Ermittler-Gefährte gibt den Watson in diesem ungleichen Paar. Nicht in Irland geboren und mit den Verhältnissen dort nicht immer umfassend vertraut, zudem kein besonders wagemutiger Mann und als Mönch selbstverständlich kein Anhänger körperlicher Gewalt, verblasst seine Erscheinung neben der starken Persönlichkeit Fidelmas zum bloßen Stichwortgeber. Da fragt man sich als Leser durchaus gelegentlich, was so eine coole Braut wie Fidelma an dem wohl finden mag.

Ein ganz großer Pluspunkt der Fidelma-Romane sind die lebensvollen Protagonisten. Abgesehen davon, dass z.B. König Colgú tatsächlich gelebt hat, sind die meisten von ihnen sicher fiktiv. Und selbst wenn sie historisch belegt sind, so müssen sie noch lange nicht so gewesen sein, wie Peter Tremayne sie in seinen Romanen schildert. Aber man glaubt ihm seine Protagonisten. Sie haben vielfältige Schattierungen, keiner wurde mit der Schablone angelegt. Selbst in den Nebenrollen finden sich ausgesprochen interessante Gestalten. Und in dieser Romanreihe kann man nie sicher sein, ob ein Nebendarsteller in diesem Roman nicht vielleicht im nächsten eine Hauptrolle spielt oder vielleicht sogar zum Mordopfer wird oder auch zum Täter. Fidelma-Krimis sind wie Leben auf dem Dorf: Man kennt sich eben und trifft sich immer wieder. Das hat was.

Ein mittelalterlicher Politkrimi

Es ist wie so oft im Leben: Politik und Krimi sitzen in einem Boot. Die Spuren sind gut verwischt, die Ermittler tappen zunächst im Dunkeln und nur ganz allmählich finden sich Hinweise. Dabei scheint für alle, die nicht genau hinsehen, ganz klar, wo die Schuldigen zu suchen sind. Als Leser hat man keine Ahnung, welche weitreichenden Folgen das Geschehen noch haben könnte. Aber das wird im Roman umfassend dargestellt und man merkt, dass Politik auch damals schon ein schmutziges und ausgesprochen kompliziertes Geschäft war. Hier zeigt sich auch, wie nützlich ein Protagonist wie Eadulf in diesen Romanen ist: Fidelma muss ihm immer alles genau erklären, somit weiß der Leser dann auch Bescheid und der Autor braucht weder Fußnoten noch weitschweifige Erklärungen im Anhang. Manchmal allerdings erklärt Fidelma in diesem Roman ein wenig zu oft den gleichen Sachverhalt. Dann fällt die Spannung ab, schließlich ist man als Leser ja in der Lage, sich wichtige Dinge spätestens nach dem zweiten Lesen zu merken. Dennoch: Das Gewirr der verschiedenen Hinweise und die Zusammenhänge zwischen scheinbar ganz unterschiedlichen Geschehnissen erschließen sich sowohl Fidelma und Eadulf als auch dem Leser erst nach und nach. Zwar ist recht schnell klar, dass vermutlich nicht der schuldig ist, auf den alle mit dem Finger zeigen, man ahnt auch recht bald, wohin der Hase läuft, aber wie (fast) immer hat Fidelma am Ende die Nase vorn und als Einzige die Übersicht über alle Ursachen und Wirkungen. Das ist spannend. Sehr spannend.

Eine ganz besondere Ausgabe

Der Verlag Rütten & Loening hat Tod in der Königsburg 2016 mit einer ganz besonderen Ausstattung neu aufgelegt. Das Buch wurde mit zahlreichen Fotos illustriert und soll dem Leser einen etwas genaueren Blick in Schwester Fidelmas Welt ermöglichen. Natürlich sollte man dabei im Kopf haben, dass Burg Cashel zu Fidelmas Zeit anders aussah als auf dem Foto mit den imposanten Ruinen auf dem Cover, aber dennoch bekommt ein ganz wunderbares Gefühl für die Landschaft, für die Kunst und auch die ganz normalen Gebrauchsgegenstände, mit denen Fidelma lebte. Diese Romanausgabe ist ein sehr gelungenes Projekt und auch wenn man vielleicht genau diesen Roman im wunderbaren keltisch inspirierten Design des Aufbau Verlages schon im Regal hat, so lohnt sich die Anschaffung der illustrierten Ausgabe. Sie beflügelt die Phantasie.

Tod in der Königsburg ist ein spannender Krimi und zugleich ein interessantes Genrebild eines mittelalterlichen Irlands, das man so nicht erwartet und das für Leser, die noch nie etwas mit Fidelma zu tun hatten, so manche Überraschung bereithalten wird. Unbedingt lesenswert ist das Vorwort des Autors. Und letztendlich kann man nur eins dazu sagen: Es gibt wohl keinen besseren Botschafter für irische Geschichte als Peter Tremayne!

Ihre Meinung zu »Peter Tremayne: Tod in der Königsburg«

anath zu »Peter Tremayne: Tod in der Königsburg«18.12.2007
Über dem Königreich Muman braut sich ein Sturm zusammen. Dabei könnte König Colgu endlich Hoffnung schöpfen denn Fürst Donennach von den Ui Fidgente ist zu friedlichen Gesprächen an den Königshof gekommen. Aber der friedliche Schein trügt ,denn Attentäter überfallen den Geleitzug und sowohl Donennacht als auch Colgu werden verwundet. Bei den getöteten Attentätern aber findet sich das Zeichen der königlichen Leibwache von Muman. Gab Colgu den Befehl,seinen Gast zu töten?

Wie funktionierte das Königtum in Irland ? Welche Rolle spielte dabei die Religion? St. Patrick kennt fast jeder, aber wer war der heilige Ailbe ? Wer Antwort auf diese und ähnliche Fragen haben möchte,dem sei dieses Buch empfohlen.
Und es macht wie immer Spaß, Fidelma auf ihrem Weg durch das Faktengestrüpp zu begleiten, zu beobachten, wie sie Details zusammen fügt und auch dann einen kühlen Kopf behält, wenn es ausgesprochen heiß wird um sie herum.
Ein ganz großer Vorzug ,der allen Fidelma - Büchern gemeinsam ist, wird auch hier wieder deutlich : Jeder der Charaktere ist sorgfältig und stimmig aufgebaut, jedes Detail paßt. Und natürlich ist auch hier der historische Hintergrund für uns Unwissende greifbar und erlebbar gemacht worden.
Tolles Buch!
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