Der Gaukler und die Tänzerin von Nicole Steyer

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Der Gaukler und die Tänzerin“,, 544 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Hessen im 18. Jahrhundert. Einst trug die Zigeunerin Suni einen anderen Namen. Einst wohnte sie in einem Schloss und nicht in Zelten. Aber das war in einem anderen Leben, vor jener Nacht, in der der dunkelhäutige Mathis, den man den „Schokoladen-Jungen“ nennt, dem kleinen Mädchen das Leben rettete und die Freunde getrennt wurden. Als Suni Jahre später nach Darmstadt zurückkehrt, weckt die vertraute Umgebung verdrängte Erinnerungen. Damit wird Suni erneut zur Gefahr für die Frau, die ihr schon einmal nach dem Leben trachtete …Wird ihr Lebensretter von einst ihr noch einmal helfen können?

Das meint Histo-Couch.de: „Ein Leben außerhalb der Norm des 18. Jahrhunderts“50

Rezension von Karin Speck

Magdalene wird als Tochter eines Grafen zwar unehelich geboren, wird aber trotzdem von allen geliebt und behütet. Doch dann beobachtet sie etwas Furchtbares und in ihrer Panik flieht sie aus dem Schloss. Eine Gruppe Zigeuner nimmt sie bei sich auf und schon bald hat das Kind vergessen, wer sie ist und wo sie herkommt. Künftig lebt sie als Suni, das tanzende Zigeunermädchen. Jahre später begibt sich die Gruppe in die alte Heimat des Mädchens und hier kommt auch die Erinnerung zurück. Mit der Erinnerung ist aber auch die Gefahr für Suni wieder greifbar und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Interessantes Thema

Das Thema dieser Geschichte ist gut gewählt. Hier wird nicht nur davon erzählt, wie sich ein Kind in einer neuen Umwelt zu recht finden muss, sondern auch davon, wie viele Vorurteile es damals gab, was Menschen betraf, die anders lebten und aussahen wie die Norm. Aus dem wohlhabenden Mädchen Magdalene wird die Zigeunerin Suni. Sie lebt frei und ohne Zwänge, bis sie sich an ein anderes Leben vor dieser Zeit erinnert und ihre Vergangenheit sie einholt. Am Anfang wird gut beschrieben, wie die Menschen lebten und was sie bewegte. Vor allem wie scheinbar einfach es war, in so einer Gruppe zu verschwinden.

Dann trifft Suni/Magdalene auf ihren Freund aus Kindertagen, Mathis musste ebenfalls das Haus verlassen, auch er landete bei fahrendem Volk. Eine Gauklertruppe hatte ihn aufgenommen, aber anderes als bei Suni ist Mathis nicht freiwillig bei diesen Leuten. Der Anführer Lorenz hat sich eine Sammlung von kuriosen Menschen zugelegt. Er hat Zwerge in seiner Truppe, Löwenmenschen, alles, was nicht der Norm des 18. Jahrhunderts entsprach, war bei ihm anzutreffen und so eben auch Mathis, der von schwarzer Hautfarbe war und somit auch eben anders war. Lorenz regiert seine Truppe mit harter Hand, mit Angst und Unterdrückung. Aus dieser verzwickten Lage versucht Mathis sich erst zu befreien, als er auf seine Kinderfreundin trifft. Es scheint fast so, als hätten die Protagonisten gar kein eigenständiges Leben gehabt, eben bis zu dem Zeitpunkt als sie aufeinandertrafen.

Viele Protagonisten, die zusammen ein buntes Bild ergeben

Nicole Steyer hat hier eine ganze Reihe Protagonisten erschaffen, die zusammen ein buntes Bild ergeben sollten, leider ist dies nicht immer gelungen. Da ist zum einen Mathis, der hier als Mohr vorgestellt wird, aber im Laufe der Geschichte scheint diese Besonderheit einfach zu verschwimmen. Würde sie nicht von Zeit zu Zeit erwähnt werden, würde es beim Lesen einfach nicht auffallen, dass hier ein Charakter vorkommt, der doch sehr außen vorsteht und nicht einfach nur ein Gaukler oder ähnliches ist. Zigeuner und fahrendes Volk hatten keinen leichten Stand beim einfachen Volk und wurden meist nicht geduldet und für alles verantwortlich gemacht, was in deren Umfeld Schlechtes geschah. Dieses anstrengende Leben hat die Autorin gut eingefangen. Auch ist ihr gelungen ein Mädchen aus dem Adel in diese Gruppe glaubhaft zu intrigieren, aber dann verliert sich die Geschichte leider in wilde Verfolgungsjagden. Hätte es nur eine oder vielleicht zwei davon gegeben, wäre es noch nett zu lesen gewesen, aber diese Verfolgung zieht sich leider in die Länge und wirkt zum Schluss einfach nur noch als sollten hier diverse Seiten gefühlt werden. Auch kann Suni/Magdalene scheinbar mühelos zwischen den Welten wechseln, sie wird immer wieder aufgenommen von netten freundlichen Menschen, wieder gejagt von den schlechten Verfolgern. Zum Ende hin nervt es fast nur noch und man ist froh, das Ende des Buches erreicht zu haben, ob nun mit Happy End oder ohne ist schon fast egal.

Der Erzählstil ist modern gehalten und eigentlich schildert Frau Steyer die Geschehnisse auch facettenreich und detailgetreu, aber dabei bleibt einfach zu wenig Raum für die eigene Fantasie. Jeder Stuhl, jeder Raum, jede Schöpfkelle und alles drum herum wird deutlich beschrieben. Hier wären einige Seiten weniger besser gewesen und ein bisschen mehr Konzentration auf das wesentliche der Geschichte. Irgendwie geht die eigentliche Handlung in diesen Beschreibungen unter. Der Leser bekommt nicht wirklich die Chance, eigene Vorstellungen zu entwickeln.

Kann leider nicht voll überzeugen

Der Gaukler und die Tänzerin ist ein netter Unterhaltungsroman, der den Leser in die Welt der Zigeuner entführt. Er erzählt ein wenig von der Diskriminierung allen Fremden gegenüber. Hat ein wenig Liebe im Gepäck und zeitweise auch spannende Szenen zu bieten. Kann letztendlich aber nicht vollends überzeugen.

Ihre Meinung zu »Nicole Steyer: Der Gaukler und die Tänzerin«

Die Art der Ida Gratias zu »Nicole Steyer: Der Gaukler und die Tänzerin«26.06.2017
Magdalene, die aufgeweckte 6 jährige Tochter des Landgrafen zu Darmstadt-Hessen und seiner wunderschönen langjährigen Mätresse ,wird zufällig Zeugin, wie die eifersüchtige Geliebte ihres Vaters Luise von Spiegel ihre im nach einer Fehlgeburt im Kindbett liegende Mutter tötet. Aus Angst vor der Rache dieser Frau, die nichts zu verlieren hat, da die Schwangerschaft von ihrem langjährigen Geliebten, dem Wanderzirkusbetreiber Lorenzo, bald sichtbar sein wird, und somit ihre Chance den Grafen dazu zu bringen sie zu einer ehrbaren, sprich verheirateten, Frau und das ungeborene Kind zu seinem zu machen, mit jedem Tag geringer wird, läuft das Mädchen aus der Stadt. Der Graf lässt nach der geliebten Tochter suchen, gibt aber bald auf, als Frau von Spiegel das Gerücht streut, Romi hätten die Kleine entführt. Dies führt dazu, dass der Graf alle Roma auf seinem Herrschaftsgebiet zum Abschuss frei gibt, ein Kopfgeld auslobt, an jeden zu zahlen, der einen Angehörigen dieser eh schon ungeliebten Minderheit tötet. Bei einer kleinen Gruppe genau dieser herumziehenden Heimatlosen findet Magdalene nun Unterschlupf und liebevolle Aufnahme. Sie wird zu Suni und tritt mit ihnen als Tänzerin auf Märkten auf. Ihre Erinnerung an ihr früheres Leben verblassen mit der Zeit, zurück bleibt ein unbestimmbares Sehnen.


Erst als sie den 2 Jahre älteren, ehemaligen Schokoladenjungen aus dem Haushalt ihres Vaters, Mathis, wieder trifft, mit dem sie einst eine innige Kinderfreundschaft verband, kehren diese langsam zurück. Mathis war damals auch aus dem Haus geflüchtet, aber direkt dem skrupellosen Lorenzo in die Arme gelaufen, der durch Zwang und Schläge allerlei exotische Menschen um sich versammelt hat, die er in seinem Zirkus für sich recht einträglich ausstellt. Seine Beziehung zu Frau von Spiegel hält über die Jahre an und eines Tages, nach einem unerwarteten Aufeinandertreffen mit der nun fast erwachsenen Magdalene, gesteht sie dem ihr hörigen Geliebten ihre einstige Tat, und bittet ihn die junge Frau, die ihr immer noch gefährlich werden kann, zu finden und zu töten.


Von dieser Suche nach Suni handeln nun die weiteren gefühlten 390 Seiten von 400. Endlos wiederholt sich das Aufspüren durch den grausamen Lorenzo, Sunis abenteuerliche Flucht in letzter Minute, gefolgt von einer freundlichen Aufnahme bei gutherzigen Menschen. Aufspüren, Flucht, Aufnahme, immer nach dem selben Prinzip Zufall, also "hyperkonstruiert". Ein ewiger, einlullender Kreislauf bis zum Happy End. Währenddessen kämpft die junge Frau mit ihren zwei Identitäten, diesen belastenden, inneren Konflikt zwischen Roma und deutschem Adel wird die Erzählerstimme nicht müde ein weiteres und noch ein weiteres Mal zu erwähnen. Der auch für den unsensibelsten Leser überaus deutlich mit den zwei Mädchennamen ausgedrückt wird.


Alles in allem wirkt der aktuelle historische Roman "Der Gaukler und die Tänzerin" von Nicole Steyr leider uninspiriert auf mich, der Plot zu unelegant konstruiert, der Weg vom Beginn zum Ende der Geschichte mir zu oft nach zäher Füllmasse, um auf die Seitenzahl zu kommen. Sprachlich hingegen fehlt mir die Opulenz, die Üppigkeit der Beschreibungen von Raum, Zeit und Figuren, die ich an diesem Genre liebe.
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