Freies Geleit für Martin Luther von Matthias Eckoldt

Buchvorstellungund Rezension

Freies Geleit für Martin Luther von Matthias Eckoldt

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Freies Geleit für Martin Luther“,, 224 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Worms 1521: Ein Reichstag, der in die Geschichte eingehen wird. Vorgeladen ist der Theologe und Augustinermönch Martin Luther. Kaum hat er seine beiden Anhörungen vor den Mächtigen Europas überstanden ohne seine Thesen zu widerrufen, wird ein Toter in der Stadt gefunden. Luther gerät unter Verdacht. Rasch kursiert ein Haftbefehl. Zusammen mit seinem Ordensbruder Petzensteiner gelingt dem Wittenberger die Flucht vor den Söldnern. Fieberhaft versuchen sie, den wahren Schuldigen zu finden. Doch die Drucker und Mönche, die Adligen und hohen Geistlichen, zu denen sie ihre Ermittlungen führen, hüten ihre Geheimnisse gut. Die Wahrheit scheint immer tiefer vergraben. Die Zeit läuft unerbittlich gegen Luther, denn seine Feinde versuchen alles, um den abtrünnigen Mönch auf den Scheiterhaufen zu bringen. 

Das meint Histo-Couch.de: „Eine turbulente Jagd durch das Worms des Reichstags“80

Rezension von Amandara Schulzke

Worms 1521: Der Doktor der Theologie und Augustinermönch Martin Luther macht sich mit drei Reisegefährten auf den Weg, um vor dem Reichstag Rede und Antwort ob seiner 95 Thesen zu stehen. Seine Weggefährten sind sein Ordensbruder Johannes Petzensteiner, die Rechtsgelehrten von Amsdorf und Schurff. Luthers Ideen und Handlungen haben bis dato das Land gespalten. Verehrt und angespien – je nachdem, welches Geistes Kind über ihn zu urteilen befand. Luther hat gerade die Anhörungen vor dem Kaiser bestanden und seine Thesen nicht widerrufen, da wird ein Toter in der Stadt gefunden. Luther wird beschuldigt, einen Druckergesellen zum Mord angestiftet zu haben. Gemeinsam mit Petzensteiner flieht er vor den Söldnern. Beide tauchen in der „Schlangengrube“ Worms unter, um den wahren Schuldigen zu finden.

Die beiden Autoren Matthias Eckoldt und Tatjana Rese sind scheinbar bei Sir Arthur Conan Doyle in die Lehre gegangen. Der wahre Held des historischen Krimis ist nämlich nicht Martin Luther, sondern sein Ordensbruder Petzensteiner. Ein wenig einfältig ist dieser. Zur selben Zeit waren sie als junge Burschen ins Kloster gekommen. Während Petzensteiner es zufrieden war, seinen täglichen einfachen Arbeiten nachzugehen, steckte sein Freund lieber die Nase in die Bücher. Als der Prior ihm auftrug, seinen Bruder nach Worms zu begleiten, mochte er seinen geregelten Alltag gar nicht aufgeben. Ein paar der Thesen Luthers waren sogar ihm ungeheuer, und dieser hatte sogar ein Schreiben des Papstes verbrannt.

Jedoch liebt und bewundert Petzensteiner seinen Bruder und ist ihm treu ergeben. Der Mönch war noch nie in einer riesengroßen Stadt und ihn beunruhigt vieles, wie z.B. die forsche Fischverkäuferin. Seine große Aufgabe ist, Luther zu beschützen und vor Dummheiten zu bewahren.

Knackige Dialoge auf der Suche nach dem Mörder

Zu einem guten Krimi gehört, dass Ermittler und Leser schon auf den ersten Seiten nach dem Mord zu glauben wissen, wer der Schuldige sei. So auch hier. Doch jedes enthüllte Geheimnis bringt ein größeres hervor. Der Leser fiebert mit und seufzt, wenn der vermeintliche Täter doch nicht der wahre Täter ist. Während wir Petzensteiner und Luther zu den verschiedenen Schauplätzen folgen, breitet sich das spätmittelalterliche Worms vor unseren Augen aus. Oft mit kleinen Wörtern, die in die Vergangenheit tauchen lassen und uns in die spätmittelalterliche Welt ziehen. Der Klerus lässt nichts unversucht, Luther habhaft zu werden und etwas zu erfinden, was ihm schaden könnte. Eckholdt und Rese haben sich tief in die klerikalen Machtverhältnisse hineingedacht. Die vielen Figuren und ihre Funktionen verwirren den unbedarften Leser etwas. Da zum Wormser Reichstag die weltlichen und kirchlichen Herrscher geladen sind und jeder sein Schäfchen ins Trockene bringen will, stehen Intrigen auf der Tagesordnung.

Wer sein Schulwissen über die politischen und klerikalen Machtverhältnisse des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit verdrängt hat, sollte es sich in Erinnerung rufen oder nachschlagen, um die Verwicklungen gut zu verstehen.

„Ich wünschte mir, mitunter käme Licht ins Dunkel und Mörder würden Mörder heißen vor aller Welt und würden der gerechten Strafe nicht entgehen.“

Die Autoren haben Nebencharaktere geschaffen, die durch liebenswerte Merkwürdigkeiten auffallen und das Geschehen bereichern. Wie die beiden Rechtsgelehrten Schurff und Amsdorf.

Tatjana Rese kommt aus dem Theater. Für Eisenach inszenierte sie das Musical: Luther! Rebell wider Willen. Der Philosoph, Germanist und Medientheoretiker Matthias Eckoldt ist im Radio und Hörspiel zuhause. Deshalb beschert uns der Roman knackige, witzige, prägnante Dialoge. Die Debatten und Diskussionen zwischen Petzensteiner und Luther auf der Suche nach der Wahrheit treiben die Geschichte voran. Sie locken den Leser auf falsche Fährten oder werfen ihm an anderer Stelle ein Bröckchen richtige Information vor. Daraus entsteht Spannung, und der Leser ist eingeladen mitzudenken.

Ein Höhepunkt des Krimis ist der Besuch bei den Bier brauenden Dominikanermönchen. Köstlich. Solche und ähnliche Episoden lockern das ernste Thema zwischendurch immer wieder auf.

Ein Lesevergnügen ist das Buch allein durch die Figur Petzensteiner, der mit sich selbst, seinem Ordensbruder Luther und vor allem mit den Figuren, die Dinge von ihm fordern, die er nicht will, und dem Gewimmel in der fremden überfüllten Stadt Worms im Clinch liegt. Doch er geht beharrlich seinen Weg. Im Laufe der Ermittlungen wird aus einem verschüchtertem Mönch vom Lande, einer, der sich nicht mehr so schnell ins Bockshorn jagen lässt.

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