Medici - Die Macht des Geldes von Matteo Strukul

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „I Medici. Una dinastia al potere“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 448 Seiten.ISBN 3-442-48662-9.Übersetzung ins Deutsche von Christine Heinzius, Ingrid Exo.

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Kurzgefasst:

Florenz im Februar 1429: Als der Bankier Giovanni de’ Medici stirbt, hinterlässt er ein enormes Vermögen und ein hervorragend funktionierendes Netzwerk. Seine Söhne Cosimo und Lorenzo sollen gemeinsam die Leitung von Familie und Geschäft übernehmen. „Politisch nüchtern, im eigenen Leben maßvoll zurückhaltend, aber entschlossen im Handeln“ – das sind die fundamentalen Verhaltensregeln, die Giovanni seinen Söhnen sterbend aufträgt. Doch so einfach lässt sich sein letzter Wunsch nicht erfüllen, denn Giovanni hatte mächtige Feinde. Vor allem der verschlagene und blutrünstige Rinaldo degli Albizzi kennt nur ein Ziel: die Vorherrschaft in Florenz zu übernehmen. Und dafür ist ihm jedes Mittel recht ...

Das meint Histo-Couch.de: „Il Vecchio Der Alte“83

Rezension von Annette Gloser

Im Februar 1429 stirbt Giovanni de Medici. Seine Söhne Cosimo und Lorenzo übernehmen die Geschäfte in dem florierenden Bankhaus. Lorenzo, der kühle Rechner und heißblütige Kämpfer, und Cosimo, der feinsinnige Kunstliebhaber und taktisch kluge Politiker. Ihr eigener Lebensstil ist eher bescheiden, doch sie wenden viel Geld auf, um die Schönheit und den Ruhm ihrer Heimatstadt zu mehren. Cosimo finanziert den Bau der Kuppel auf dem Dom, das Bankhaus Medici stellt Geld zur Verfügung um Söldnerhauptmänner wie Francesco Sforza zu bestechen und die politischen Interessen der Stadt Florenz zu wahren. Dennoch haben die Medici Feinde, einige davon mit großem Einfluss im Stadtrat. Zu ihnen gehört Rinaldo degli Albizzi, der nichts unversucht lässt, um den Medici zu schaden und der auch nicht vor Mordversuchen zurück schreckt. Ihm gelingt es, die Medici-Brüder aus der Stadt verbannen zu lassen und selbst die Herrschaft in Florenz an sich zu reißen. Doch er scheitert katastrophal. Schon nach einem Jahr holt der Stadtrat Cosimo und Lorenzo zurück. Und wieder stürzen sich beide in die Arbeit, für das Gemeinwohl und für ihre Heimatstadt Florenz.

Vater des Vaterlandes

Medici: Die Macht des Geldes ist der erste Roman einer Trilogie über die Medici. Matteo Strukul führt seine Leser mitten hinein in eine unruhige, gefährliche Zeit, lässt sie regelrecht die giftige Atmosphäre einatmen, die Florenz und den Norden Italiens in der Mitte des 15. Jahrhunderts beherrschte. Es geht um Macht und Einfluss, in der Region oder auch einfach nur in der Stadt. Und recht schnell erfährt man, warum der Roman über Cosimo il Vecchio den Titel Die Macht des Geldes bekam. Oft berichtet der Autor auch aus der Perspektive der Medici-Gegner, so dass man als Leser beide Seiten nachvollziehen kann. Hier gibt sich Matteo Strukul große Mühe, die verwirrende politische Situation im Norden Italiens für den Leser verständlich darzustellen. Es ist also nicht notwendig, Stunden im Internet zu verbringen um zu verstehen, worum es eigentlich geht. Wer es ganz genau wissen will, kann selbstverständlich das world wide web zu Rate ziehen, aber einen guten Überblick erhält man auch im Laufe des Romans.

Man bekommt den Eindruck, dass der Autor seinen Roman auf einer genauen Recherche aufgebaut hat. Dabei gelingt es Matteo Strukul, vor allem Cosimo als einen Menschen darzustellen, der vorausschauend dachte, politisch in einem fast schon europäischen Rahmen, und dem daran gelegen war, den Ruhm seiner Vaterstadt vor allem durch Kunst und Kultur zu mehren. Und falls man Florenz kennt, dann wird einem beim Lesen bewusst, welche großartige Kunstwerke und Gebäude die Welt der finanziellen Unterstützung Cosimo de Medicis verdankt. In diesem Roman geht es um das Fundament der Macht, welche die Medici aufbauen und über einen langen Zeitraum halten konnten. Dieses Fundament legten Lorenzo und Cosimo wohl gemeinsam, aber Cosimo war offenbar derjenige, der mit seinen Ideen und klugen politischen Schachzügen der Vordenker war. In Florenz wird er „il Vecchio“, der Alte, genannt, der Gründer einer großen Dynastie. Als älterer Bruder war er Herr des Hauses Medici und seine Verdienste um Florenz so groß, dass seine Stadt ihn mit dem Titel „Vater des Vaterlandes“, pater patriae, ehrte.

Wie ein einfacher Florentiner Bürger!

So fordert es Giovanni de Medici von seinem Sohn Cosimo auf dem Sterbebett. Der Sohn wird sich Zeit seines Lebens daran halten. Matteo Strukul ist es gelungen, auch die innere Haltung Cosimos und Lorenzos aufzuzeigen. Eine ebenso wichtige Rolle spielt das Familienleben, die Verbundenheit der Familie untereinander. Dabei entstehen spannende Charakterbilder der einzelnen Familienmitglieder, vor allem Cosimos und Lorenzos, aber auch ihrer Mutter Piccarda und ihrer Ehefrauen Contessina und Ginevra. Lorenzo und seine Frau Ginevra stehen dabei allerdings im Schatten Cosimos und seiner Contessina. Ebenso interessant, jedoch nicht unbedingt vielschichtig,  ist das Charakterbild Rinaldo degli Albizzis. Natürlich kann auch der Autor in einigen Fällen nur spekuliert haben, es ist ihm jedoch gelungen, ein stimmiges Bild zu schaffen, welches man als Leser gut annehmen kann.

Matteo Strukul erzählt seinen Roman mit viel Elan, baut Spannung auf und kann sie über viele Seiten aufrechterhalten. Ebenso wie im realen Leben der Medici gibt es dann auch die ruhigeren Phasen, die jedoch keineswegs langweilig sind, erfährt man hier doch viel über das Leben in der Familie Medici und über die Stadt Florenz. Einen nicht unerheblichen Anteil hat hier der Bau der gigantischen Domkuppel durch Filippo Brunelleschi, an dem Cosimo regen finanziellen und emotionalen Anteil nahm und dessen Fortschritte er intensiv verfolgte.

Gelungener Auftakt

Medici: Die Macht des Geldes ist der gelungene Auftakt für MediciTrilogie. Ein Roman-Portrait, das Spannung vermittelt, aber auch viele wissenswerte Fakten. Das Nachwort des Autors sollte man durchaus beachten, denn es wirft noch einmal einen sehr genauen Blick auf die Zeit Cosimos und auf einige im Roman geschilderte Begebenheiten. Der Roman liest sich flüssig und ist durchaus geeignet, seinen Lesern ein paar interessante und durchaus auch vergnügliche Stunden zu bescheren. Da kann man nur eine Leseempfehlung aussprechen.

Ihre Meinung zu »Matteo Strukul: Medici - Die Macht des Geldes«

PMelittaM zu »Matteo Strukul: Medici - Die Macht des Geldes«05.05.2017
1429 stirbt in Florenz Giovanni de'Medici, seine Söhne Lorenzo und Cosimo übernehmen die Geschäfte.

Ich mag historische Romane, vor allem, weil sie mich normalerweise in eine fremde Zeit entführen, mir die damaligen Menschen nahe bringen, mich politische und gesellschaftliche, aber auch persönliche Situationen verstehen lassen, mir ein Bild der Zeit vermitteln.

All dies ist Matteo Strukul nicht gelungen. Er erzählt Episoden aus dem Leben der beiden Florentiner, wobei er seinen Fokus auf Cosimo setzt. Jedoch wirken diese eher blitzlichtartig, ohne wirkliche Verbindung. Die Hintergründe der meisten Szenen bleiben unklar, die Charaktere blass, nicht einer kommt mir als Leser nahe, gesellschaftliche und politische Strukturen werden nicht vermittelt. Im Grunde müsste ich als Leser mich erst einmal in alle Hintergründe einlesen, um dem Roman einigermaßen folgen zu können – aber eigentlich sollte mir das der Roman selbst vermitteln.

Der Roman ist zudem gespickt mit Namen, oft von Personen, die nur kurz auftauchen, kaum wesentliche Bedeutung haben. Ein Personenregister, das die Zuordnung erleichtern könnte, sucht man leider vergebens. Der Stammbaum zu Beginn hilft kaum, er bezieht sich nur auf die Medici und umfasst auch zukünftige Generationen. Cosimos hier aufgezeichneten illegitimen Sohn sucht man zudem im Roman vergebens.

Eigentlich sollten, folgt man dem Titel, die Medici im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Das tun sie aber nur zum Teil, jedenfalls die Personen betreffend. Oft scheinen der Söldner Reinhardt Schwartz und vor allem die Parfümverkäuferin Laura Ricci die Hauptcharaktere zu sein, letztere ist auch die Einzige, die der Leser etwas besser kennen lernt. Beides sind fiktive Charaktere und wären für die Geschichte der Medici nicht wesentlich.

Viele „Handlungs“elemente erfährt man per Dialog, was nicht unbedingt schlecht sein müsste, es hier aber ist, denn die Dialoge sind meist schlecht, wie überhaupt der allgemeine Erzählstil, schwülstig, banal, uninteressant, langweilig. Was mich interessieren würde, erfahre ich nicht, dafür muss ich schlechte Sexszenen lesen oder umfangreiches Abschlachten (nicht nur in Schlachten).

Dem Roman sollen noch zwei Bände folgen, die weitere herausragende Medici-Persönlichkeiten beleuchten sollen. Lesen werde ich sie ganz sicher nicht, ich habe mich schon durch diesen Band gequält und ihn nur zu Ende gelesen, weil ich mich dazu verpflichtet hatte. Ganz sicher finde ich bessere Romane über diese Florenzer Familie.

Mich hat dieser Roman einfach nur enttäuscht, keine einzige meiner Erwartungen erfüllt, ich vergebe daher nur 1 von 5 Sternen und statt den Roman zu empfehlen, warne ich lieber davor.
speedy208 zu »Matteo Strukul: Medici - Die Macht des Geldes«03.05.2017
Eines vorneweg: mit der Renaissance, geschweige denn mit Italien, hatte ich jahrzehntelang nix am Hut! Das änderte sich, als ich von der Uni gezwungen war, mich mit der Zeit Niccolo Macchiavellis auseinanderzusetzen. Da wurde ich auf wunderliche Weise neugierig auf Italien.
Zum Buch: Ich verschlang es - und immerhin 440 Seiten - innerhalb einer Woche! Es las sich wie eine gut geschriebene, spannende Biografie. Allein schon der Umschlag machte Lust, einzutauchen. Die Protagonisten - ob Held oder Feind - waren sympathisch, die Beschreibungen (Gemetzel) anschaulich. Trotz der Brutalität - Köpferollen! - musste man/frau weiterlesen. Soweit zum Positiven. Die Kritik - sofern man das so bezeichnen darf - sehe ich einzig im Layout des Buches - was eindeutig dem Druck bzw. Verlag zuzuschreiben ist:
1. Dreht man den Klappentext um, erscheint der Stammbaum der Medici (ist ja sinnvoll). Andererseits wird man stutzig, weil offensichtlich sowohl Lorenzo, Cosimos Bruder, wie auch Pierfrancesco, Lorenzos Sohn, beide mit derselben Frau (!?), dem Namen nach Ginevra Cavalcanti, verheiratet waren
2. Für Italien-Unkundige - und dazu zähle ich mich - fehlte eindeutig auf der Rückseite des Buches eine Italienkarte (habe ich eingeklebt). Denn wie bitte, weiss ich, wo was liegt (auch wichtig für den Kriegsverlauf)?!
3. Statt dieses mageren Glossars - wäre nicht nötig gewesen, weil es aus dem Text hervorgeht - hätte man die Hauptakteure auflisten können, damit sich die Frage nach der Lagerzugehörigkeit nicht stellt. Denn: die Namen (ausser Albizzi, Visconti, Sforza) sind alle so ähnlich und zahlreich, dass man schnell die Orientierung verliert ("Wer gehört zu wem"). Italiener wissen das, aber die anderen landunkundigen Leser?
Zum Schluss musste ich lächeln über das Liebespaar Cosimo/Contessina lächeln. Denn: wie heisst es so schön bei Macchiavelli: "Das Glück ist wie eine Frau, die man schlagen und stossen muss, um sie zu beherrschen". Das sagt doch alles über die Zeit und die Geschlechter(rollen). Aber bei einem solchen Roman wäre das wohl fehl am Platze. Ob ich den 2. und 3. Band lese, weiss ich daher nicht. Kann gut sein, dass ich mich auf die Borgias stürze, die ja die Nachkommen eines Papstes sind.
wampy zu »Matteo Strukul: Medici - Die Macht des Geldes«03.05.2017
Buchmeinung zu Matteo Strukul – Medici – Die Macht des Geldes

„Medici – Die Macht des Geldes“ ist ein Historischer Roman von Matteo Strukul, der 2017 bei Goldmann in der Übersetzung von Christine Heinzius und Ingrid Exo erschienen ist. Die Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel „I Medici. Una dinastia al potere“.

Zum Autor:

Matteo Strukul wurde 1973 in Padua geboren. Er hat Jura studiert und in Europäischem Recht promoviert. Er gehört zu den neuen Stimmen der italienischen Literatur und hat sich bisher vor allem als Autor von Thrillern einen Namen gemacht, die für die wichtigen italienischen Literaturpreise nominiert wurden. Strukul lebt mit seiner Frau Silvia abwechselnd in Padua, Berlin und Transsilvanien.

Klappentext:

Morde, Intrigen, Verschwörungen: die Medici und ihr blutiger Weg zur Macht.

Florenz im Februar 1429: Als der Bankier Giovanni de‘ Medici stirbt, hinterlässt er ein enormes Vermögen und ein hervorragend funktionierendes Netzwerk. Seine Söhne Cosimo und Lorenzo sollen gemeinsam die Leitung von Familie und Geschäft übernehmen. „Politisch nüchtern, im eigenen Leben maßvoll zurückhaltend, aber entschlossen im Handeln“ – das sind die fundamentalen Verhaltensregeln, die Giovanni seinen Söhnen sterbend aufträgt. Doch so einfach lässt sich sein letzter Wunsch nicht erfüllen, denn Giovanni hatte mächtige Feinde. Vor allem der verschlagene und blutrünstige Rinaldo degli Albizzi kennt nur ein Ziel: die Vorherrschaft in Florenz zu übernehmen. Und dafür ist ihm jedes Mittel recht ...


Meine Meinung:
Als ich die Vorankündigung zu diesem Buch gelesen habe, war ich voller Hoffnung, ein tolles Buch über ein interessantes Thema zu erhalten. Doch dem war leider nicht so. Zuerst fiel mir auf, dass es kein Personenverzeichnis gibt, so daß historische Personen nicht eindeutig von fiktiven Personen unterschieden werden können. Dann hatte der Autor auch kein Glück oder Talent bei der Auswahl der Szenen, die Eingang in dieses Buch gefunden haben. Auch die Figurenzeichnung ist generell nicht ausgeprägt, die Medici und ihre Verbündeten sind generell weiß und ihre Gegenspieler schwarz charakterisiert. Grautöne finden sich so gut wie gar nicht. Diese beiden Punkte führen dazu, dass sich weder Spannung noch Lesefluss eingestellt haben. In manchen Teilen las es sich wie eine Hofberichterstattung. Dazu hatte ich den Eindruck, dass wichtige vorhandene Informationen dem Leser vorenthalten worden sind, wie man durch einfaches Googlen leicht herausfinden kann (Beispiel: Begründung für den Sturm Rinaldos und seiner Getreuen auf den Palazzo ist gegeben. Nur so wird auch erklärlich, warum die Verteidiger vorbereitet waren). Dem Ganzem wurde durch die ausführliche Schilderung von Sexszenen die Krone aufgesetzt. Auch die Sprache war sehr einfach und hat mich nicht überzeugt. Dabei ist durchaus zu spüren, dass der Autor eine umfangreiche Recherche betrieben hat, aber die Umsetzung im Buch ist nicht gelungen.
Fazit:
Dieses Buch ist bisher die Enttäuschung des Jahres für mich. Die Auswahl der beschriebenen Szenen und die Charakterisierung der Figuren ist dem Autor nicht gelungen. Bei mir kam zu keiner Zeit Lesefreude auf. Ich habe das Buch nur zu Ende gelesen, weil ich es im Rahmen einer Leserunde erhalten habe. Deshalb kann ich das Buch nur mit einem von fünf Sternen (20 / 100 Punkten) bewerten und keine Leseempfehlung aussprechen.
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